Kathedralen
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Lía glaubt nicht mehr an Gott. Nicht, seit ihre siebzehnjährige Schwester grausam ermordet wurde. In ihrer streng religiösen Familie fühlt sie sich völlig allein gelassen, und bald bricht sie den Kontakt zu ihr gänzlich ab.
Dreißig Jahre vergehen ohne den geringsten Hinweis auf den Mörder, dreißig Jahre, die tiefe Gräben in der Familie hinterlassen. Erst eine unerwartete Begegnung wirbelt die Vergangenheit wieder auf und entfesselt einen Sturm, der alle mit sich reißt.
Claudia Piñeiro ergründet ein erschütterndes Familiengeheimnis, hinter dem ein Netz von religiösem Fanatismus, kirchlichem Machtanspruch und Repressionen sichtbar wird.
Book Information
Author Description
Claudia Piñeiro (*1960 in Buenos Aires) ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Argentiniens. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. Für Die Donnerstagswitwen erhielt sie 2005 den Premio Clarín, 2010 wurde sie mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Für Kathedralen erhielt sie 2021 den Premio Hammett, mit Elena weiß Bescheid stand sie 2022 auf der Shortlist des International Booker Prize.
Posts
Religion und Geheimnisse, eine spannende Kombination
“Kathedralen” von Claudia Piñeiro ist ein fesselnder Roman, der tief in die komplexen Themen von Religion, Familie und Geheimnissen eintaucht. Piñeiro, eine renommierte argentinische Schriftstellerin, schafft es erneut, mit ihrer präzisen und eindringlichen Prosa eine spannende und vielschichtige Geschichte zu erzählen. Die Handlung dreht sich um den mysteriösen Tod von Ana, einer jungen Frau, deren Leiche verbrannt und verstümmelt in einem leeren Feld gefunden wird. Die Familie von Ana ist zutiefst religiös und zerrissen von dem Ereignis, das sie in verschiedene Richtungen treibt. Piñeiro nutzt diese Tragödie als Ausgangspunkt, um die dunklen Ecken der menschlichen Seele und die Widersprüche des Glaubens zu erkunden. Ein zentrales Thema des Romans ist die Heuchelei und der moralische Bankrott, der sich oft hinter einer frommen Fassade verbirgt. Durch die Perspektiven verschiedener Figuren - darunter Anas Schwester, ihre Eltern und ein Priester - wird ein Mosaik der Ereignisse und der emotionalen Landschaft gezeichnet. Diese unterschiedlichen Stimmen ermöglichen es dem Leser, die Komplexität der Situation und die verschiedenen Facetten der Charaktere zu verstehen. “Kathedralen” ist nicht nur ein Kriminalroman, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und religiösen Strukturen, die Menschen formen und manchmal auch zerstören. Claudia Piñeiro hat ein Werk geschaffen, das nachdenklich stimmt und lange nach dem Lesen nachhallt.
Lesenswert!
Krimis lese ich nie. Danke gerade deswegen ür diesen Ausnahme-Tipp - ein totes Mädchen in einem erzkonservativen, katholischen, patriarchalen Umfeld, wo selbst Morde scheinbar skrupellos unter den Tisch gewischt werden. Der Vater der Toten versucht sich mehr oder weniger erfolgreich aus den Strukturen zu lösen. Auch wenn einem diese Versuche ziemlich ratlos zurücklassen: Nur wer zu hinterfragen wagt, kann zur Veränderung beitragen. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Die Familienmitglieder der Toten kommen genauso zu Wort wie ein Kriminalist (oder Kriminologe?) und die beste Freundin des Mädchens. Absolut lesenswert, auch wenn es halt ein Krimi ist. Und die Bougainvillea hat das Potenzial zur Lieblingsblume. 👍👍👍👍
Okay und leider vorhersehbar!
Der Roman lässt sich flüssig und schnell lesen, allerdings findet man sehr schnell heraus was passiert sein könnte und das bewahrheitet sich dann auch. Das ist tatsächlich etwas schade, weshalb ich gegen Ende sogar ein paar Seiten übersprungen habe. Wenn man es zufällig in die Hände bekommt, prima. Ansonsten eher nicht unbedingt.
Ein untypischer "Kriminalroman". Tiefgründig und erschütternd.
"An manchen Orten fällt das Überleben besonders schwer – in der Wüste, auf einer unbewohnten Insel, auf einem Berggipfel, auf dem Mars, in einem Land, in dem Krieg herrscht, im Urwald. Oder in meiner Familie. Wir sind wie eine große Narbe. Meine Familie, das ist eine einzige, riesengroße Narbe, die ein Mord hinterlassen hat." Eine Narbe, die pocht, die man ab und an mal mehr, mal weniger, spürt. Die aber immer sicht- und fühlbar sein und nie ganz verschwinden wird. So hat das inzwischen 30 Jahre zurückliegende Ereignis – der plötzliche und nicht aufgeklärte Tod der 17-jährigen Ana Sarda, die man zerstückelt und verbrannt auf einem brachliegenden Grundstück in dem Vorort von Buenos Aires, in dem ihre Familie lebt, aufgefunden hat – tiefe Spuren in dieser hinterlassen. Warum Ana sterben musste, enthüllt sich nach und nach in sieben Kapiteln, in denen jeweils aus der Perspektive von ihr nahestehenden Personen – konkret ihrer beiden älteren Schwestern, ihres Neffen, ihrer besten Freundin, einem Ermittler, ihres Schwagers und ihres Vaters – die Ereignisse vor und nach ihrem Tod aufgedeckt werden. Was das Besondere hierbei ist, ist, dass Claudia Piñeiro jeden mit seiner eigenen Stimme zu uns sprechen lässt. Unverwechselbar und authentisch geben alle ihre Überzeugungen und Gefühle preis. Dabei versucht jeder Charakter uns seine persönliche Wahrheit zu darzulegen und sein Handeln zu rechtfertigen. "Kathedralen" ist kein typischer Kriminalroman. Schon früh ahnt man, was mit Ana passiert ist. Doch das Interessanteste an diesem Buch ist nicht nur herauszufinden, wer der Mörder war, sondern vielmehr, warum die Dinge überhaupt geschehen sind. So sind die Hauptthemen des Romans die Macht und Doppelmoral der katholischen Kirche, die Vorurteile und die Heuchelei in unserer Gesellschaft und familiäre Mechanismen und Konflikte. Piñeiro zeigt, wie insbesondere Frauen unter den Vorgaben und dem Druck von Religion und der Gesellschaft zu leiden haben. "»Abtreibung« galt in unserer Familie nicht als unanständiges Wort, es war vielmehr ein streng verbotenes Wort." Sie packt dies alles geschickt in ihre zwar fiktive, aber dennoch mögliche Geschichte und führt uns sehr deutlich vor Augen, zu welchen Grausamkeiten extremer religiöser Gehorsam und Fanatismus führen können. Ein Buch, das mich sehr gepackt hat, tiefgründig und erschütternd erzählt und dessen vielstimmige Konstruktion mir sehr gefallen hat. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen.
Fesselnd, aktuell und absolut lesenswert!
Kathedralen erzählt die Geschichte über den rätselhaften Tod eines jungen Mädchens. Sieben Personen aus ihrem Umfeld klären nach und nach die schockierenden Umstände ihres Todes auf. Großes Thema dieses Buches ist der Glaube, speziell der katholische. Claudia Piñeros Roman zeigt auf was passieren kann, wenn religiöse Werte und Normen nicht hinterfragt werden. Was macht das mit den Gläubigen? Was mit der Gesellschaft? Absolute Empfehlung.
Auf Gottes (Ab-)Wegen
Claudia Piñeiro entführt uns in die Welt des familiären katholischen Glaubens. Die Geschichte beginnt krimitypisch mit dem Tod eines jungen Mädchens, dessen Umstände viele Fragen aufwerfen. Und auch wenn sich einige klassische Krimi-Elemente finden lassen, ist der Text insgesamt etwas Besonderes. Das liegt vor allem an der Art des Erzählens, die die Autorin gewählt hat. Wir bekommen Einblick in sieben verschieden Perspektiven, welche Schritt für Schritt ein Gesamtbild ergeben. Obwohl ich der Perspektive von Lìa, einer Schwester des Opfers, am liebsten gefolgt bin, fand ich die Entscheidung der Autorin, die Lösung des Rätsels auf unterschiedliche Blickwinkel zu verteilen, äußerst gelungen. Die Figuren waren unterschiedlich, auf ihre eigene Art teilweise schrullig oder abstoßend, jedoch absolut authentisch. Piñeiros Sprache ist dabei nicht nur einnehmend, sondern gleichzeitig leichtfüßig wie treffsicher. Ich kann dem Buch leider keine fünf Sterne geben, da ich die Aufklärung schon im ersten Drittel habe kommen sehen - Für den Roman spricht jedoch, dass ich ihn trotzdem bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legen konnte. Ich würde den Text allen empfehlen, die Krimis mögen, die nicht dem typischen „Ermittler“-Schema folgen, sondern den Fokus auf die Figuren und deren Motive richten.
Vielstimmig „Wenn du Liebe hast, spielt es keine Rolle, ob du Kathedralen baust oder in der Küche Kartoffeln schälst.“ (Dante Alighieri) In ihrem neuen Roman „Kathedralen“ (erschienen 2023 im Unionsverlag in der Übersetzung von Peter Kultzen) erzählt Claudia Pineiro die Geschichte einer Familie, die mit einem schrecklichen Verlust klarkommen muss: die 17-jährige Ana wird brutal ermordet aufgefunden. Wer an dieser Stelle jetzt mit einem Hardcore-Thriller mit literweise Blut spritzenden Szenen rechnet, kann hier aufhören zu lesen. Denn bis auf wenige Passagen fließt überhaupt kein Blut. Stattdessen präsentiert die Autorin ihren Leser:innen eine sprach- und stimmgewaltige Familiengeschichte, in der viel nicht so ist, wie es scheint und wie die verschiedenen zu Worte kommenden Protagonisten den Tod von Ana erlebt haben und wie sich ihr Leben dadurch geprägt hat. Angeführt wird die Riege der Erzählstimmen von Lía, die nach dem Tod ihrer Schwester mit dem (katholischen) Glauben bricht und damit in ihrer Familie weitestgehend auf Unverständnis trifft – besonders bei ihrer älteren Schwester Carmen. Diese steht 30 Jahre später auf einmal vor Lía und bittet sie um einen Gefallen... Daraus entspinnt sich im Folgenden eine düster-atmosphärische Familiengeschichte, in der nichts ist wie es auf den ersten Blick scheint. Jede der Erzählstimmen (von Lías Neffe über die beste Freundin von Ana, dem Mann Carmens, dem damaligen Ermittler, Carmen selbst und der Vater der drei Schwestern, Alfredo) hat ihre eigene Meinung zu Themen wie dem (katholischen) Glauben oder dem, was damals passiert ist. Dabei wissen die Leserinnen und Leser schon relativ früh, was WIRKLICH vorgefallen ist. Und so trägt jede Erzählstimme ein weiteres Puzzleteilchen zur Aufklärung der Umstände bei. Außerdem hält Claudia Pineiro nicht mit Kritik an der katholischen Kirche hinterm Berg; der Hammer schwingt oft so, dass es wehtut – was vermutlich Absicht ist. Ich kann damit gut leben; wer jedoch Probleme mit Religionskritik hat, sollte die Finger von dem Roman lassen. Alles in allem habe ich den Roman gerne gelesen, daher gibt´s von mir sehr gute 4* und eine Leseempfehlung. ©kingofmusic
Description
Lía glaubt nicht mehr an Gott. Nicht, seit ihre siebzehnjährige Schwester grausam ermordet wurde. In ihrer streng religiösen Familie fühlt sie sich völlig allein gelassen, und bald bricht sie den Kontakt zu ihr gänzlich ab.
Dreißig Jahre vergehen ohne den geringsten Hinweis auf den Mörder, dreißig Jahre, die tiefe Gräben in der Familie hinterlassen. Erst eine unerwartete Begegnung wirbelt die Vergangenheit wieder auf und entfesselt einen Sturm, der alle mit sich reißt.
Claudia Piñeiro ergründet ein erschütterndes Familiengeheimnis, hinter dem ein Netz von religiösem Fanatismus, kirchlichem Machtanspruch und Repressionen sichtbar wird.
Book Information
Author Description
Claudia Piñeiro (*1960 in Buenos Aires) ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Argentiniens. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. Für Die Donnerstagswitwen erhielt sie 2005 den Premio Clarín, 2010 wurde sie mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Für Kathedralen erhielt sie 2021 den Premio Hammett, mit Elena weiß Bescheid stand sie 2022 auf der Shortlist des International Booker Prize.
Posts
Religion und Geheimnisse, eine spannende Kombination
“Kathedralen” von Claudia Piñeiro ist ein fesselnder Roman, der tief in die komplexen Themen von Religion, Familie und Geheimnissen eintaucht. Piñeiro, eine renommierte argentinische Schriftstellerin, schafft es erneut, mit ihrer präzisen und eindringlichen Prosa eine spannende und vielschichtige Geschichte zu erzählen. Die Handlung dreht sich um den mysteriösen Tod von Ana, einer jungen Frau, deren Leiche verbrannt und verstümmelt in einem leeren Feld gefunden wird. Die Familie von Ana ist zutiefst religiös und zerrissen von dem Ereignis, das sie in verschiedene Richtungen treibt. Piñeiro nutzt diese Tragödie als Ausgangspunkt, um die dunklen Ecken der menschlichen Seele und die Widersprüche des Glaubens zu erkunden. Ein zentrales Thema des Romans ist die Heuchelei und der moralische Bankrott, der sich oft hinter einer frommen Fassade verbirgt. Durch die Perspektiven verschiedener Figuren - darunter Anas Schwester, ihre Eltern und ein Priester - wird ein Mosaik der Ereignisse und der emotionalen Landschaft gezeichnet. Diese unterschiedlichen Stimmen ermöglichen es dem Leser, die Komplexität der Situation und die verschiedenen Facetten der Charaktere zu verstehen. “Kathedralen” ist nicht nur ein Kriminalroman, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und religiösen Strukturen, die Menschen formen und manchmal auch zerstören. Claudia Piñeiro hat ein Werk geschaffen, das nachdenklich stimmt und lange nach dem Lesen nachhallt.
Lesenswert!
Krimis lese ich nie. Danke gerade deswegen ür diesen Ausnahme-Tipp - ein totes Mädchen in einem erzkonservativen, katholischen, patriarchalen Umfeld, wo selbst Morde scheinbar skrupellos unter den Tisch gewischt werden. Der Vater der Toten versucht sich mehr oder weniger erfolgreich aus den Strukturen zu lösen. Auch wenn einem diese Versuche ziemlich ratlos zurücklassen: Nur wer zu hinterfragen wagt, kann zur Veränderung beitragen. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Die Familienmitglieder der Toten kommen genauso zu Wort wie ein Kriminalist (oder Kriminologe?) und die beste Freundin des Mädchens. Absolut lesenswert, auch wenn es halt ein Krimi ist. Und die Bougainvillea hat das Potenzial zur Lieblingsblume. 👍👍👍👍
Okay und leider vorhersehbar!
Der Roman lässt sich flüssig und schnell lesen, allerdings findet man sehr schnell heraus was passiert sein könnte und das bewahrheitet sich dann auch. Das ist tatsächlich etwas schade, weshalb ich gegen Ende sogar ein paar Seiten übersprungen habe. Wenn man es zufällig in die Hände bekommt, prima. Ansonsten eher nicht unbedingt.
Ein untypischer "Kriminalroman". Tiefgründig und erschütternd.
"An manchen Orten fällt das Überleben besonders schwer – in der Wüste, auf einer unbewohnten Insel, auf einem Berggipfel, auf dem Mars, in einem Land, in dem Krieg herrscht, im Urwald. Oder in meiner Familie. Wir sind wie eine große Narbe. Meine Familie, das ist eine einzige, riesengroße Narbe, die ein Mord hinterlassen hat." Eine Narbe, die pocht, die man ab und an mal mehr, mal weniger, spürt. Die aber immer sicht- und fühlbar sein und nie ganz verschwinden wird. So hat das inzwischen 30 Jahre zurückliegende Ereignis – der plötzliche und nicht aufgeklärte Tod der 17-jährigen Ana Sarda, die man zerstückelt und verbrannt auf einem brachliegenden Grundstück in dem Vorort von Buenos Aires, in dem ihre Familie lebt, aufgefunden hat – tiefe Spuren in dieser hinterlassen. Warum Ana sterben musste, enthüllt sich nach und nach in sieben Kapiteln, in denen jeweils aus der Perspektive von ihr nahestehenden Personen – konkret ihrer beiden älteren Schwestern, ihres Neffen, ihrer besten Freundin, einem Ermittler, ihres Schwagers und ihres Vaters – die Ereignisse vor und nach ihrem Tod aufgedeckt werden. Was das Besondere hierbei ist, ist, dass Claudia Piñeiro jeden mit seiner eigenen Stimme zu uns sprechen lässt. Unverwechselbar und authentisch geben alle ihre Überzeugungen und Gefühle preis. Dabei versucht jeder Charakter uns seine persönliche Wahrheit zu darzulegen und sein Handeln zu rechtfertigen. "Kathedralen" ist kein typischer Kriminalroman. Schon früh ahnt man, was mit Ana passiert ist. Doch das Interessanteste an diesem Buch ist nicht nur herauszufinden, wer der Mörder war, sondern vielmehr, warum die Dinge überhaupt geschehen sind. So sind die Hauptthemen des Romans die Macht und Doppelmoral der katholischen Kirche, die Vorurteile und die Heuchelei in unserer Gesellschaft und familiäre Mechanismen und Konflikte. Piñeiro zeigt, wie insbesondere Frauen unter den Vorgaben und dem Druck von Religion und der Gesellschaft zu leiden haben. "»Abtreibung« galt in unserer Familie nicht als unanständiges Wort, es war vielmehr ein streng verbotenes Wort." Sie packt dies alles geschickt in ihre zwar fiktive, aber dennoch mögliche Geschichte und führt uns sehr deutlich vor Augen, zu welchen Grausamkeiten extremer religiöser Gehorsam und Fanatismus führen können. Ein Buch, das mich sehr gepackt hat, tiefgründig und erschütternd erzählt und dessen vielstimmige Konstruktion mir sehr gefallen hat. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen.
Fesselnd, aktuell und absolut lesenswert!
Kathedralen erzählt die Geschichte über den rätselhaften Tod eines jungen Mädchens. Sieben Personen aus ihrem Umfeld klären nach und nach die schockierenden Umstände ihres Todes auf. Großes Thema dieses Buches ist der Glaube, speziell der katholische. Claudia Piñeros Roman zeigt auf was passieren kann, wenn religiöse Werte und Normen nicht hinterfragt werden. Was macht das mit den Gläubigen? Was mit der Gesellschaft? Absolute Empfehlung.
Auf Gottes (Ab-)Wegen
Claudia Piñeiro entführt uns in die Welt des familiären katholischen Glaubens. Die Geschichte beginnt krimitypisch mit dem Tod eines jungen Mädchens, dessen Umstände viele Fragen aufwerfen. Und auch wenn sich einige klassische Krimi-Elemente finden lassen, ist der Text insgesamt etwas Besonderes. Das liegt vor allem an der Art des Erzählens, die die Autorin gewählt hat. Wir bekommen Einblick in sieben verschieden Perspektiven, welche Schritt für Schritt ein Gesamtbild ergeben. Obwohl ich der Perspektive von Lìa, einer Schwester des Opfers, am liebsten gefolgt bin, fand ich die Entscheidung der Autorin, die Lösung des Rätsels auf unterschiedliche Blickwinkel zu verteilen, äußerst gelungen. Die Figuren waren unterschiedlich, auf ihre eigene Art teilweise schrullig oder abstoßend, jedoch absolut authentisch. Piñeiros Sprache ist dabei nicht nur einnehmend, sondern gleichzeitig leichtfüßig wie treffsicher. Ich kann dem Buch leider keine fünf Sterne geben, da ich die Aufklärung schon im ersten Drittel habe kommen sehen - Für den Roman spricht jedoch, dass ich ihn trotzdem bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legen konnte. Ich würde den Text allen empfehlen, die Krimis mögen, die nicht dem typischen „Ermittler“-Schema folgen, sondern den Fokus auf die Figuren und deren Motive richten.
Vielstimmig „Wenn du Liebe hast, spielt es keine Rolle, ob du Kathedralen baust oder in der Küche Kartoffeln schälst.“ (Dante Alighieri) In ihrem neuen Roman „Kathedralen“ (erschienen 2023 im Unionsverlag in der Übersetzung von Peter Kultzen) erzählt Claudia Pineiro die Geschichte einer Familie, die mit einem schrecklichen Verlust klarkommen muss: die 17-jährige Ana wird brutal ermordet aufgefunden. Wer an dieser Stelle jetzt mit einem Hardcore-Thriller mit literweise Blut spritzenden Szenen rechnet, kann hier aufhören zu lesen. Denn bis auf wenige Passagen fließt überhaupt kein Blut. Stattdessen präsentiert die Autorin ihren Leser:innen eine sprach- und stimmgewaltige Familiengeschichte, in der viel nicht so ist, wie es scheint und wie die verschiedenen zu Worte kommenden Protagonisten den Tod von Ana erlebt haben und wie sich ihr Leben dadurch geprägt hat. Angeführt wird die Riege der Erzählstimmen von Lía, die nach dem Tod ihrer Schwester mit dem (katholischen) Glauben bricht und damit in ihrer Familie weitestgehend auf Unverständnis trifft – besonders bei ihrer älteren Schwester Carmen. Diese steht 30 Jahre später auf einmal vor Lía und bittet sie um einen Gefallen... Daraus entspinnt sich im Folgenden eine düster-atmosphärische Familiengeschichte, in der nichts ist wie es auf den ersten Blick scheint. Jede der Erzählstimmen (von Lías Neffe über die beste Freundin von Ana, dem Mann Carmens, dem damaligen Ermittler, Carmen selbst und der Vater der drei Schwestern, Alfredo) hat ihre eigene Meinung zu Themen wie dem (katholischen) Glauben oder dem, was damals passiert ist. Dabei wissen die Leserinnen und Leser schon relativ früh, was WIRKLICH vorgefallen ist. Und so trägt jede Erzählstimme ein weiteres Puzzleteilchen zur Aufklärung der Umstände bei. Außerdem hält Claudia Pineiro nicht mit Kritik an der katholischen Kirche hinterm Berg; der Hammer schwingt oft so, dass es wehtut – was vermutlich Absicht ist. Ich kann damit gut leben; wer jedoch Probleme mit Religionskritik hat, sollte die Finger von dem Roman lassen. Alles in allem habe ich den Roman gerne gelesen, daher gibt´s von mir sehr gute 4* und eine Leseempfehlung. ©kingofmusic












