Im Land der Wölfe

Im Land der Wölfe

Hardback
3.729

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Description

»Wer den politischen Riss unserer Zeit verstehen will, muss ›Im Land der Wölfe‹ lesen. Elsa Koesters Roman zeigt die Konflikte besser als jedes Sachbuch.« (Thomas Wagner, Die WELT) Grenzlitz, eine vom Wahlkampf erhitzte Stadt am Rand von Sachsen: Nana will als Coach Katja Stötzel, die Kandidatin der Zukunftsgrünen, stärken. Doch sie wird auf Distanz gehalten. Verständnis findet sie bei einem von ganz rechts, Falk Schloßer. Als sich die Situation zuspitzt und überhaupt alles zu eskalieren scheint, muss sie sich entscheiden: Auf welcher Seite stehe ich eigentlich? Wer meint es ernst mit der Menschlichkeit? »Im Land der Wölfe« ist ein literarischer Grenzgang. Authentisch und in überzeugender Sprache wird die Geschichte vom aufkommenden Faschismus in einer Kleinstadt ganz im Osten Deutschlands erzählt. Ein Kampf jeder und jedes Einzelnen um Anerkennung und Hoffnung, und als Waffen dienen die Kränkungen der vergangenen dreißig Jahre. »Elsa Koesters raffinierter Roman ›Im Land der Wölfe‹ schiebt die politischen Perspektiven so gekonnt ineinander, dass am Ende so etwas wie heilsame Verwirrung entsteht.« Paul Jandl, NZZ »Elsa Koester erzählt, wie Faschismus heute entsteht. Ihr Buch ist ein Flirren, es reißt mit, saugt ein. Es erklärt dir nicht, warum du mitmachst. Es lässt dich fühlen. Das ist schmerzhaft und das ist nötig, um die Gefahr zu verstehen.« Daniel Schulz (Autor und Journalist)

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Miscellaneous
Format
Hardback
Pages
320
Price
24.70 €

Author Description

Elsa Koester wurde 1984 als Tochter einer französischen Pied-noir mit tunesischer Kolonialgeschichte und eines norddeutschen Friesen mit US-amerikanischer Auswanderungsgeschichte in Berlin geboren, wo sie heute lebt. Sie ist politische Journalistin und Chefredakteurin der Wochenzeitung »der Freitag«. 2020 erschien ihr erfolgreiches Romandebüt »Couscous mit Zimt« in der Frankfurter Verlagsanstalt, 2024 folgte ihr vielbeachteter politischer Roman »Im Land der Wölfe«.

Posts

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All
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Rechts? Links? Mitte? Menschlichkeit!

Wie entwickelt sich die politische Gesinnung der Menschen? Warum driften manche nach rechts, andere eher nach links? Elsa Köster spürt dem Ganzen nach in ihrem Buch „Im Land der Wölfe“. Schauplatz ist eine Stadt im Osten Sachsens, die zwar fiktiv ist, aber dennoch viele Parallelen zur Realität hat. Die Story dreht sich rund um eine Bürgermeisterwahl in dem fiktiven ostdeutschen Ort Grenzlitz. Konfliktpotential bergen Themen wie Migrationspolitik und Geschlechtsidentität. Der rechte Politiker Paul Witte hadert mit seiner Konkurrenz, der Grünenkandidatin Katja Stötzel. Wittes Unterstützer Falk gerät zunehmend in Auseinandersetzungen mit der Grünen Wahlkampfcoachin Nana, die im Roman auch als Erzählerin fungiert. Die Autorin Elsa Köster stellt explizite, kritische Fragen, die ein ausgewogenes Maß von Rationalität haben, aber ebenso die Bedeutung von Gefühlen hervorheben. Vor allem hat mir die Subtilität gefallen, mit der Köster den Wahlkampf zwischen den „rechten Blauen“, den „Zukunftsgrünen“ und „Linkspinken“ darstellt. Solch pikante Thematiken lösen schnell mal Wut, Verzweiflung und Ohnmachtsgefühle in einem aus, da man denkt einem selbst seien die Hände gebunden. Also was kann man nun tun ? Mir hat „Im Land der Wölfe“ bewusst gemacht, wie wichtig ein Blick auf unseren gesellschaftlichen Wandel und die Beschäftigung mit Politik ist. Nur wer informiert ist, kann klar Stellung beziehen und sich auf eine (politische) Seite schlagen. Was aber jede*r von uns tun kann: der Menschlichkeit huldigen, in allen Lebenslagen - seien sie politisch oder nicht. Denn eins ist klar, was auf der politischen Schaubühne gerade so alles passiert, ist oft fernab vom Menschlichen. Danke Elsa Köster für den nötigen Anstoß, sich noch mehr mit den Themen unserer Zeit auseinanderzusetzen und dabei immer die Menschlichkeit im Blick zu behalten!

1.5

Der Roman hinterließ einfach zu viele Leerstellen und Fragezeichen.

»„du meinst, dass wir im Land der Wölfe leben, hm?“ Was meint er? Verstehen die sich jetzt schon als reißende Wölfe, die hier durch ihr Revier ziehen? Oder habe ich was nicht mitbekommen?« aus „Im Land der Wölfe“ (2024) von Elsa Koester, S. 200, Frankfurter Verlagsanstalt »jedenfalls bin ich jetzt hier, das solltest du wissen, damit es überhaupt jemand weiß. ich bin in grenzlitz, rand von sachsen, rand der republik, ende der welt. gute nacht.« aus „Im Land der Wölfe“ (2024) von Elsa Koester, S. 11, Frankfurter Verlagsanstalt Mag Thomas Wagner in der WELT über Elsa Koesters Roman „Im Land der Wölfe“ behaupten, dass er sich besser als jedes (sic!) Sachbuch eigne, den „politischen Riss unserer Zeit“ [1] zu verstehen, so fällt es mir nicht schwer, dem zu widersprechen. Auch, weil ich stets beim Lesen das Gefühl vermittelt bekommen habe, mehr über das Reproduzieren stereotyper Narrative zu lesen, als irgendein Verständnis dazugewonnen zu haben. Im letzten Monat war mir die Lektüre eher zäh, als dass ich ihr etwas abgewinnen konnte. Kurz zum Inhalt: Die Ich-Erzählerin Nana reist aus Berlin an, um in Grenzlitz, einer Stadt im äußersten Osten Sachsens an der polnischen Grenze, die Kandidatin Katja Stötzel der Zukunftsgrünen, im anstehenden Oberbürgermeister*inwahlkampf zu coachen. Ihr gegenüber steht neben den Konservativen/Schwarzen auch der Kandidat der Blauen Paul Witte. Verhandelt werden Themen wie aussterbende Kleinstädte, Rassismus versus Weltoffenheit, das Aufkommen neofaschistischer Ideologie, die sich am Feindbild der politischen Grünen abarbeitet, Gewalt in Familienkonstellationen und in gesellschaftlicher Auseinandersetzung, Perspektivlosigkeit und Hoffnungsschimmer, Geschlechterrollen und Transfeindlichkeit, Rationalität versus Gefühlswelten, und und und. Anhand der schieren Vielzahl von Themen, die die Autorin versucht in Aushandlung unter- und gegeneinander zu bringen, verbirgt sich leider auch einer der zentralen Kritikpunkte, die ich an dem Buch habe. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die jeweiligen Themen mitunter beliebig aneinandergereiht und übereinander geschichtet wurden und mich vor allem fragend zurück ließen. Der anfangs angeführte Punkt der Reproduktion von stereotypen Narrativen wird hier deutlich. Grüne, die sich im veganen Café treffen und die einen Geruch von Dinkel mittragen. Eine Protagonistin aus Berlin, die aus Berlin anreist, um in Sachsen im Wahlkampf zu unterstützen und in Zweifel kommt. Antagonistische Blaue, die wie prototypische Nazi-Schläger aus den 90ern daherkommen. Und natürlich zwischen alledem die zufällig eingestreuten „nu“ und „nu gloars“, deren Funktion – außer durch Sprache Abgrenzung zu erzielen – sich mir nicht erschließen will. Dazu gesellen sich die auf mich erzwungen wirkenden Begriffspseudonymisierungen: Die Parallelen zu Görlitz und insbesondere – inhaltlich gesehen – dem OBM-Wahlkampf 2019 konnte ich während des Lesens nicht ausblenden. So war jedes Grenzlitz im Kopf ein Görlitz, jedes Grünlau ein Zittau, jede blaue Partei eine AfD, ein Paul Witte war ein Sebastian Wippel und der Limesfluss war die Neiße. Jedes Mal dachte ich mir wieder: Warum und aus welcher Motivation heraus denn schon wieder (gegen) Sachsen? Und ich konnte keine Antwort für mich finden. [1] https://gleft.de/5Wd

Der Roman hinterließ einfach zu viele Leerstellen und Fragezeichen.
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"Ist nicht wie bei euren Antifa-Aktionen, Dresden nazifrei, wo ihr wie Ufos für einen Tag in eine Stadt schwebt, kurz Ärger macht und wieder abhaut in euer Leben. Hier muss man sich seine Energie einteilen, Nana." Elsa Koester, die stellvertretende Chefredakteurin des Magazins 'Der Freitag', hat mit 'Im Land der Wölfe' einen Roman geschrieben, der laut Blurb erzählt, wie Faschismus heute entsteht. Schonmal vorab: meinem Eindruck nach hat der Roman das nicht getan, dafür aber vieles andere. Es beginnt damit, dass die Wahlberlinerin Nana nach Grenzlitz, ganz im Osten am Rande von Sachsen, zieht, um die Bürgermeisterkandidatin Katja von den 'Zukunftsgrünen' im Wahlkampf als Coach zu unterstützen. Grenzlitz steht kurz davor, eine 'blaue' Stadt zu werden, sprich einen Bürgermeister der rechtsextremen blauen Partei zu erhalten - die Farben sprechen für sich. Doch der Wahlkampf mit einer Kandidatin, die sie auf Distanz hält, ist nicht Nanas einziges Problem: eine zweite Erzählebene im Buch besteht aus Briefen ihres Bruders Noah. Noah hat ihr vor kurzem eröffnet, dass Noah kein Mann mehr sein möchte - was bei Nana für viel Unverständnis sorgt. Die Briefe zeugen von Kindheitstraumata, Identitätskrisen und viel Ungesagtem, das die Beziehung der beiden schwer belastet. Für mich war dieser Teil erst schwer um hineinzukommen, doch mit der Zeit hat er mich immer mehr eingefangen. Als dritte Erzählebene kommen kurze Dialoge zwischen Noah und Nana hinzu, die ich zeitlich nicht ganz einordnen kann, sich aber auch auf das beziehen, was Nana zustößt, sowie auf die Briefe von Noah. Insgesamt machen die Ebenen das Buch zwar vielschichtiger, am Anfang aber auch komplizierter - wobei mir die Ebenen mit der Zeit immer mehr gefallen haben. Bis zum Ende blieb mir unklar, warum genau Nana jetzt eigentlich ausgerechnet in Grenzlitz ist, und was ihre Motivation für den Coaching-Job ist. Was allerdings sehr deutlich wird, ist, was es für Menschen in Klein- und mittelgroßen Städten bedeutet, in rechtsdominierten Umgebungen zu leben und sich Tag für Tag mit Rechtsextremisten auseinander setzen zu müssen. Nicht nur abstrakt oder auf Demos, sondern täglich in der Kita, der Verwaltung und der Nachbarschaft. Der ganze Konflikt spitzt sich in der weirden Beziehung zwischen dem blauen Justizvollzugsbeamten Falk und Nana zu, die früher bei der Antifa war. Dabei erinnert das Konstrukt sehr an Juli Zehs 'Über Menschen', allerdings mit einem Unterschied: anders als Zeh tut Koester nicht so, als müsse man nur nett zu Nazis sein, dann würde sich schon alles regeln. Stattdessen zeigt sie, dass es kein Gemäßigtes im Faschismus gibt, dass Kompromisse und ein aufeinanderzugehen der Gewalt und dem Rassismus keinen Abbruch tun. Und auch die Nazis bei Koester sind mal nett und sanft, doch das nur zu Menschen, die sie als Ihresgleichen ansehen. Generell verwischen die Grenzen zwischen Härte und Weichheit fließend, ebenso wie Identitäten nicht statisch sind. Es geht im Buch viel um Toleranz und Intoleranz, um das Aushandeln von Grenzen und das Übertreten dieser. Koester wirft mit Nana und ihrer Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Gender Identität, Gewalt und vielem mehr Fragen auf, deren Antworten man nicht im Roman findet. Manche Figuren wirken überzeichnet, dann wiederum sind sie doch einfach nur sie selbst, auf ganz natürliche Art. Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, wie ich manches einschätze, aber ich glaube, grade ein sehr vielschichtiges, kluges Buch gelesen zu haben, das viel zu bieten hat - nur eben keine einfachen Antworten. CN: Transf3indlichkeit, Ras$ismus, G3walt (u.a. häusliche), Alkoh0lmissbrauch, Burn0ut, T0d, Verg3waltigung, Tierle1d

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5

Sternebewertung fiktiv

Ein Roman, der uns einmal mehr auf die wachsende blaue Politik aufmerksam machen soll. Wir befinden uns in einem fiktiven kleinen Dorf in Sachsen. Nana ist Beraterin und wurde engagiert Katja von den Zukunftsgrünen zu briefen, damit Sie die Wahl zur Oberbürgermeisterin gewinnen kann. Der Ort ist klein und lebt für sich. Weg von der Großstadt und den Einflüssen. Hier kennt jeder Jeden und der Hass wird bunt gestreut ohne Rücksicht auf Verluste. Dieser Roman fühlt sich so echt an. Besonders persönlich beschäftigt haben mich die Leipzigabschnitte. Ich habe 2010 dort gelebt. War mehr eine Geisterstadt, viel Wohnraum, wenig bunt, habe mich sehr fremd gefühlt damals, was mich auch dazu bewegte wieder wegzuziehen. Heute ist die Stadt ganz anders. Als Nana im Ort ankommt, wird sie gemieden und man spielt nicht mit offenen Karten, was Ihr zunehmend die Arbeit erschwert und ihr auch anfänglich falsche und unvollständige Bilder der Bewohner liefert, bis Sie sich selber auf die Suche nach den Hintergründen und der Wahrheit macht. Parallel zu dieser Geschichte lernen wir Nana auch privat kennen. Warum Sie Berlin eigentlich verlassen hat. Sie hat einen Bruder, hatte eine schwere Kindheit und nun ist es so, dass Sie mit Ihrem Bruder per Emailverkehr kommuniziert. Ihr Bruder Noah möchte kein Mann mehr sein. Nana und er machen sich gegenseitig Vorwürfe und schildern Ihre Auffassung verschiedener Situationen aus der Vergangenheit. Missverständnisse und verletzte Gefühle kommen zum Vorschein. Diese Abschnitte fand ich sehr tiefgründig und auch emotional. Dieser Roman ist politisch nicht nur aktuell und brisant, er ist vielschichtig, mich hat er nicht nur gut unterhalten, sondern auch wieder daran erinnert, dass es fünf vor zwölf ist und wir jetzt handeln müssen, um nicht von der Vergangenheit eingeholt zu werden.

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Eine kluge Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Wieviel Klischees tragen wir in uns und wie bereit sind wir über den Tellerrand zu sehen? Sind die „Bösen“ wirklich immer die „Bösen“ bzw. die „Guten“ nur gut?

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Näher am aktuellen politischen Geschehen kann ein Buch nicht sein.

Jedes Mal, wenn ich in den Osten fahre überkommt mich ein mulmiges Gefühl. Mehr als jeder dritte Mensch wählt dort die #fckafd und das bedeutet das ich dort mit Menschen speise, spreche und sehr wahrscheinlich auch lache, die so weit weg von meiner politischen Gesinnung sind wie sonst nur was. Nana geht es ähnlich. Sie, die aus Berlin nach Grenzlitz fährt, reist nicht nur in eine Kleinstadt, sondern in eine ganz andere Welt, um dort eine zukunftsgrüne Oberbürgermeister Kandidatin zu coachen. Die Blauen haben hier große Chancen auf den Posten. Damit das nicht passiert, will sie Katja Stötzel aufzeigen, wie sie Wählerstimmen gewinnen kann. Sie begegnet in dem Ort, der an dem Fluss Limes liegt, sehr unterschiedlichen Menschen. Da ist Erik, der einen Baumhaus Park eröffnet und Kleider trägt, Janine, die ein veganes Café inklusive Zuckereinhörnern und Porridge mit Glitzer betreibt, Sare, Muluebran und andere Menschen aus weit entfernten Ländern, die hier ein neues Zuhause gefunden haben. Und dann ist da noch Falk Schloßer, der als fürsorglicher Vater über seine Tochter wacht, als Berufssoldat in Afghanistan war und mehr als nur Sympathie für die Blauen hat. Nana fühlt sich zu ihm hingezogen, stellt sich selbst aber immer wieder eine Frage, da er ja eindeutig nicht ihren Werten nach lebt. Er versorgt sie dafür mit Infos warum blau so einen großen Zulauf hat im Osten. Dabei bleibt seine Sichtweise natürlich eindimensional. Er glaubt alles zu wissen, alles lösen zu können und ihre Antworten schon zu kennen. Viele Fässer werden hier aufgemacht. Klimaschutz, Landflucht, Klassen Unterschiede, Geschlechteridentität Rassismus sind nur einige der Themen. Jenseits der politischen Agenda, die dieser Roman im Plot verwurstet, geht es auch um Identität, Geschwister, die ihre gewaltvolle Vergangenheit und die damit verbundenen Rollen nie aufgearbeitet haben. Es geht auch um die Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Antifa und der Nazis. Letztendlich aber geht es um einen Ort, der sich seiner Vergangenheit beraubt fühlt und dessen Menschen darum kämpfen, gesehen zu werden. Dabei ist das Thema komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Nana wandelt zwischen den Welten und berührt Grenzen ihrer eigenen Sichtweise. Manchmal kann sie es kaum aushalten, und einmal ergreift sie sogar kurz die Flucht. Die Darstellung der Blauen, hier personifiziert durch den ambivalenten Schloßer, fühlt sich für mich echt und deshalb widerwärtig an. So jovial, wie er sich gibt, relativiert er alles, was anders ist als das, was er in seinem kleinen Kosmos haben möchte. Dabei bedient er sich ganz deutlich manipulativer Instrumente, indem er zum Beispiel immer wieder infrage stellt was denn so schlimm daran sei, wenn er anders denkt als Andere. Dass diese ja auch schlechte Dinge tun (hier wird wie immer wieder gerne die militante Antifa rangezogen) und der in der Masse dann auch gerne mal Seite an Seite mit breitschultrigen Stiernacken provoziert und Kloppe verteilt In einem parallelen Strang wird in experimentellem Schreibstil die Beziehung von Nana und ihrem Bruder Noah aufgearbeitet, der sich für Nana unerwartet, als Frau identifiziert. Es gibt einen Schriftwechsel zwischen beiden, der einem Dialog nicht unähnlich ist. Man merkt schnell, dass es hier nicht darum geht, eine Annäherung herauf zu beschwören oder gar ein persönliches Ende zu finden. Es ist mehr so, das die permanent bedrohliche und Angst erzeugende Situation, unterschiedlich auf die Menschen Einfluss nimmt. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, mal sind Satzzeichen da mal sind es nur Komma. Der Text wechselt von recte zu kursiv. Manchmal mit einem Satz. Doch es gibt immer auch wieder normal verschriftlichte Passagen, in erster Linie dann, wenn die Geschichte vorangetrieben wird. Was mir negativ aufgefallen ist, sind die vielen Fehler, die dem Lektorat hätten auffallen müssen. Neben Rechtschreibfehlern sind es oft Worte, die nicht stimmen oder vertauscht wurden. Ich würde das hier nicht erwähnen, wenn es nicht so unglaublich viele wären. Ein Buch, das die politischen Themen plastisch darstellt und uns deutlich macht, dass wir mit Menschen dieser Gesinnung leben müssen. Etwas das vielen von uns große Sorgen macht.

4

Nana zieht zur Unterstützung der grünen Bürgermeisterkandidatin Katja Stölzel von Berlin an der äußersten Rand Sachsens, einen Landstrich in dem die Blauen immer mehr Einfluss bekommen, in dem ein Mangel an Frauen herrscht und die Bevölkerung desillusioniert ist. Aber nicht nur der Coaching-Job treibt sie dahin. Auch ein Streit mit ihrem Geschwisterkind, welches ihr eröffnet ab jetzt eine Frau zu sein, begünstigt diese regelrechte Flucht aus Berlin. Nana muss sich in der neuen Umgebung also nicht nur mit einer feindseligen, rechten Gesellschaft auseinandersetzen, sondern immer wieder auch mit ihrer Vergangenheit und den Familienverhältnissen. Umso mehr strauchelt sie, als sie gerade bei Falk Schlosser, einem ortsbekannten Rechten, Verständnis findet. - Elsa Koester schafft es einen unglaublich tiefen und realistischen Blick in die sächsische (ländliche) Bevölkerung zu werfen. Sie versteht es die Nöte der Menschen zu verbalisieren, zeigt auf, warum Menschen blau wählen und welche Verbitterung und Fehlinformation dahinter steht. Sie betrachtet nicht einseitig, nimmt sowohl Rechts- als auch Linksextremismus kritisch unter die Lupe. Sehr schön wird klar, dass hinter jeder Meinung ein Mensch steht und dass man dies, egal ob man diese Meinung teilt oder nicht, immer bedenken sollte. Das ist nicht einfach, vor allem, wenn man aus einem Teil von Deutschland kommt, wo blau immer mehr auf dem Vormarsch ist, wo rechte Gewalttaten zunehmen und immer mehr ins Extreme kippen. Ein weiterer Erzählstrang beschäftigt sich mit Nana‘s Leben, ihrer Kindheit, der abwesenden Mutter, dem angehimmelten Bruder, ihrer Jugend in der AntiFa. Über allem schwebt die Wahrnehmung einer jungen Frau, die nie gelernt hat ein selbstbestimmtes Leben zu führen, die strauchelt und beeinflussbar ist, was sich deutlich auch in der Beziehung zu Falk Schlosser zeigt. Sprachlich fand ich es mitunter sehr anstrengend zu lesen, teils fragmentarisch und zusammenhanglos. Auch bekommt man zuweilen den Eindruck, dass etwas zu viel gewollt wurde, dass viele Themen Einzug in den Roman finden, aber nicht richtig auserzählt werden. Nichtsdestotrotz ein beeindruckendes Abbild einer kränkelnden Gesellschaft, dass ich euch allen ans Herz legen kann.

Elsa Koesters Roman „Im Land der Wölfe“ wirft einen ebenso kraftvollen wie verstörenden Blick in die politische und gesellschaftliche Zerrissenheit einer ostdeutschen Kleinstadt. Die Geschichte spielt in Grenzlitz, einer fiktiven sächsischen Stadt an der polnischen Grenze, in der ein aufgeladener Bürgermeisterwahlkampf tobt. Nana, eine idealistische Coachin aus Berlin, reist dorthin, um Katja Stötzel, die vielversprechende Kandidatin der Zukunftsgrünen, zu unterstützen. Doch Grenzlitz, mit seinen tiefen Gräben zwischen politischem Fortschritt und rückwärtsgewandtem Nationalismus, wird für Nana zur Herausforderung, die sie bis an ihre eigenen Grenzen bringt. Koester packt eine Vielzahl aktueller Themen in ihren Roman: den gesellschaftlichen Rechtsruck, die Frage nach Identität, den Umgang mit Fremdenfeindlichkeit und die Schwierigkeiten einer offenen Kommunikation zwischen politischen Lagern. Besonders interessant ist, wie Koester die große politische Bühne mit Nanas privater Geschichte verbindet. Durch E-Mails und Rückblenden in die gemeinsame Vergangenheit mit ihrem Bruder Noah, der mit seiner Transition eine ganz eigene Form der Identitätssuche durchlebt, werden die gesellschaftlichen Konflikte auf eine persönliche Ebene geholt. Dieser narrative Kniff – der Wechsel zwischen dem nüchternen Wahlkampfgeschehen, persönlichen Zwiegesprächen und der Reflexion über Nanas eigene Werte – verleiht diesem Roman den notwendigen Tiefgang. Gleichzeitig werden die Leser*innen gezwungen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie leicht sich Überzeugungen unter Druck verändern lassen. Besonders stark fand ich die Ambivalenz dieses Romans. Koester vermeidet einfache Antworten und stellt die Figuren weder als Helden noch als eindimensionale Klischees dar. Nana, die anfangs als resolute Unterstützerin der Zukunftsgrünen auftritt, gerät in ihrer Suche nach Dialog immer wieder in moralische Grauzonen. Ihre Gespräche mit Falk Schloßer, dem Wahlkampfstrategen der rechtsextremen Blauen, sind beklemmend und aufschlussreich zugleich. Koester zeigt hier, wie nah Sorgen, die von existenziellen Ängsten und wirtschaftlicher Unsicherheit getrieben sind, an gefährlichem Nationalismus liegen können. Trotz der Vielschichtigkeit gelingt es Koester, eine flüssige und spannende Handlung zu entwickeln. Die Dialoge sind lebendig, die Beschreibungen von Grenzlitz wirken authentisch und beklemmend real. Besonders die Darstellung der festgefahrenen Fronten und der alltäglichen Ausgrenzung Andersdenkender erzeugt einen Sog, der einen in die Geschichte hineinzieht. „Im Land der Wölfe“ ist ein eindringlicher, mutiger und hochaktueller Roman, der dazu einlädt, sich mit der politischen Realität in Deutschland auseinanderzusetzen. Koester zeigt schonungslos, wie tief die Gräben zwischen den Lagern sind, und fordert dabei zur Reflexion über die eigene Haltung und den Umgang mit Andersdenkenden auf. Wer bereit ist, sich auf eine unbequeme, aber wichtige Lektüre einzulassen, wird von diesem Roman nicht unberührt bleiben. Ein intensives Buch, das provoziert, bewegt und nachwirkt!

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5

"ich bin in grenzlitz, rand von sachsen, rand der republik, ende der welt. gute nacht." (S. 11) Ihre Begeisterung ist groß, als Nana die Gründerin der Zukunftsgrünen, Katja Stötzel, zum ersten Mal im TV sieht. Diese Frau möchte sie coachen, um ihr zum angestrebten Posten der Oberbürgermeisterin von Grenzlitz zu verhelfen. Wo dieser Ort ist, weiß sie nicht. Also fährt sie einfach hin: an den Rand von Sachsen. Katja tritt an gegen die Blauen: eine Partei, die vor allem vergangene Kränkungen wiedergutmachen will. Während die Blauen auf das blicken, was einmal besser war und ihnen genommen wurde, geht es den Zukunftsgrünen um den Blick nach vorne. Der Dialog auf Augenhöhe ist für Nana ein erstes Ziel. Sie will hören, was ihr die Straßen flüstern, verstehen, wie die Grenzlitzer ticken, spürt Rissen nach. Sie begegnet Menschen, die sich fürchten - die einen vor dem Neuen, die anderen vor der Vergangenheit. Nana wird nachdenklich. Haben wir nicht alle unsere Überzeugungen, die von anderen skeptisch beäugt werden? Wie oft wünschen wir uns zurück in eine Welt, wie sie für uns in Ordnung war? Welche Narrative beeinflussen unser Denken? Wie lassen sich Vergangenheit und Zukunft verbinden - wo gibt es Gemeinsamkeiten, an denen beide Seiten anknüpfen können? Nana wird begleitet von Nachrichten ihres Bruders. Und so hört sie nicht nur den Menschen in Grenzlitz zu, sondern erstmals auch so richtig ihrem Bruder. Beides verdeutlicht, dass wir untrennbar mit unserer Geschichte zusammenhängen. In Elsa Koesters Roman fließt vieles ihrer eigenen Biografie ein. Ich spüre die Journalistin und Aktivistin, die sie ist, in jeder Zeile. Alle haben ihr Päckchen, auch wenn man nicht sieht, was wir mit uns tragen und wie unser Lebensweg uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Könnte man einander hinter die Stirn gucken, wären wir sicher oft überrascht, wie anders es dort aussieht, als wir es uns ausgemalt haben. Meinungen austauschen und akzeptieren ist nicht immer leicht. Doch dieses Buch ruft deutlich nach Diplomatie, nach Miteinander reden - ohne Polemik und Angstmache.

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