Im ersten Licht
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Description
Book Information
Author Description
Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Er erhielt u.a. den Alfred-Döblin-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis, den Österreichischen Buchpreis 2019, den Düsseldorfer Literaturpreis und den Thomas-Mann-Preis. Bei Hanser erschienen »Die Winter im Süden« (Roman, 2008), »Die englischen Jahre« (Roman, Neuausgabe 2008), »Das Handwerk des Tötens« (Roman, Neuausgabe 2010), »Die ganze Wahrheit« (Roman, 2010), »In der Luft« (Erzählungen, Neuausgabe 2011), »Eine Ahnung vom Anfang« (Roman, 2013), »In der freien Welt« (Roman, 2016), »Die kommenden Jahre« (Roman, 2018), »Als ich jung war« (Roman, 2019), »Der zweite Jakob« (Roman, 2021), mit dem er für den Deutschen Buchpreis nominiert war, sowie zuletzt »Vier Tage, drei Nächte« (Roman, 2022) und »Mehr als nur ein Fremder« (2023).
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•Wir hätten das Meer nicht verlieren dürfen, dass Meer hätte uns zu sanfteren Menschen gemacht.…
Schon Gstreins Debüt hat mich damals beeindruckt, und jetzt 38 Jahre später nun sein aktuellstes Buch und die erneute Aufmerksamkeit durch die Nominierung für den Leipziger Buchpreis – nachdem vor zwei Jahren ein anderer seiner Romane auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand – hat mich sofort wieder zu ihm zurückgeführt. Der Roman folgt Adrian Reiter, einem Mann, der versucht, die Bruchstellen seines Lebens zu verstehen. Gstrein erzählt nicht den Krieg selbst, sondern dessen Nachhall: wie er in Reiters Erinnerungen weiterarbeitet, wie er seine Wahrnehmung verschiebt und ihn zwingt, sich mit Schuld, Verantwortung und der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die Geschichte entfaltet sich leise, aber mit einer stetigen Spannung, die aus dem Inneren der Figur kommt. Gstreins Stil bleibt unverkennbar: lange, präzise gesetzte Sätze, die sich wie gedankliche Schleifen öffnen. Der Einstieg war für mich entsprechend anspruchsvoll. Doch nach dem ersten Drittel begann der Text, mich zu tragen – fast so, wie Gstrein es im Roman selbst formuliert: „Man glaubt, man habe alles verstanden, bis man merkt, dass man erst am Anfang steht.“ Dieser Satz wurde für mich zu einem Schlüssel für Reiters Weg – und für meinen eigenen Zugang zum Buch. Am Ende hat mich der Roman so überzeugt, dass er mich ermutigt hat, auch die anderen Gstrein-Bücher endlich vom SUB zu befreien, die ich bisher mit großem Respekt habe liegen lassen. Und weil Gstrein im Roman immer wieder diese nüchternen Selbstverortungen setzt – „Es war das Jahr …, und Adrian Reiter war … Jahre alt“ – habe ich mich unweigerlich selbst darin gespiegelt. Jetzt, im Jahr 2026, mit 50 Jahren, lese ich ihn mit einem anderen Bewusstsein als früher. Vielleicht auch, weil wir beide aus demselben Tal stammen – ein stiller, unerwarteter Berührungspunkt, der meine Vorfreude auf die Lesung im NS-Dokumentationszentrum in München nur noch größer macht.

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Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Er erhielt u.a. den Alfred-Döblin-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis, den Österreichischen Buchpreis 2019, den Düsseldorfer Literaturpreis und den Thomas-Mann-Preis. Bei Hanser erschienen »Die Winter im Süden« (Roman, 2008), »Die englischen Jahre« (Roman, Neuausgabe 2008), »Das Handwerk des Tötens« (Roman, Neuausgabe 2010), »Die ganze Wahrheit« (Roman, 2010), »In der Luft« (Erzählungen, Neuausgabe 2011), »Eine Ahnung vom Anfang« (Roman, 2013), »In der freien Welt« (Roman, 2016), »Die kommenden Jahre« (Roman, 2018), »Als ich jung war« (Roman, 2019), »Der zweite Jakob« (Roman, 2021), mit dem er für den Deutschen Buchpreis nominiert war, sowie zuletzt »Vier Tage, drei Nächte« (Roman, 2022) und »Mehr als nur ein Fremder« (2023).
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•Wir hätten das Meer nicht verlieren dürfen, dass Meer hätte uns zu sanfteren Menschen gemacht.…
Schon Gstreins Debüt hat mich damals beeindruckt, und jetzt 38 Jahre später nun sein aktuellstes Buch und die erneute Aufmerksamkeit durch die Nominierung für den Leipziger Buchpreis – nachdem vor zwei Jahren ein anderer seiner Romane auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand – hat mich sofort wieder zu ihm zurückgeführt. Der Roman folgt Adrian Reiter, einem Mann, der versucht, die Bruchstellen seines Lebens zu verstehen. Gstrein erzählt nicht den Krieg selbst, sondern dessen Nachhall: wie er in Reiters Erinnerungen weiterarbeitet, wie er seine Wahrnehmung verschiebt und ihn zwingt, sich mit Schuld, Verantwortung und der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die Geschichte entfaltet sich leise, aber mit einer stetigen Spannung, die aus dem Inneren der Figur kommt. Gstreins Stil bleibt unverkennbar: lange, präzise gesetzte Sätze, die sich wie gedankliche Schleifen öffnen. Der Einstieg war für mich entsprechend anspruchsvoll. Doch nach dem ersten Drittel begann der Text, mich zu tragen – fast so, wie Gstrein es im Roman selbst formuliert: „Man glaubt, man habe alles verstanden, bis man merkt, dass man erst am Anfang steht.“ Dieser Satz wurde für mich zu einem Schlüssel für Reiters Weg – und für meinen eigenen Zugang zum Buch. Am Ende hat mich der Roman so überzeugt, dass er mich ermutigt hat, auch die anderen Gstrein-Bücher endlich vom SUB zu befreien, die ich bisher mit großem Respekt habe liegen lassen. Und weil Gstrein im Roman immer wieder diese nüchternen Selbstverortungen setzt – „Es war das Jahr …, und Adrian Reiter war … Jahre alt“ – habe ich mich unweigerlich selbst darin gespiegelt. Jetzt, im Jahr 2026, mit 50 Jahren, lese ich ihn mit einem anderen Bewusstsein als früher. Vielleicht auch, weil wir beide aus demselben Tal stammen – ein stiller, unerwarteter Berührungspunkt, der meine Vorfreude auf die Lesung im NS-Dokumentationszentrum in München nur noch größer macht.






