Hohle Räume

Hohle Räume

Ebook
3.822

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Description

Als Helene ihre Eltern kurz vor Weihnachten besucht, wirken die Räume des vertrauten Hauses seltsam hohl, als ließen sie sich trotz aller Bemühungen nicht mit Leben füllen. Der Anlass für ihren Besuch ist die Scheidung der Eltern. Irritiert beobachtet die Tochter jede ihrer Regungen, seziert sie voller Sprachwitz und zerlegt sie in ihre Einzelteile, die sich zu einem Familienbild bürgerlicher Prägung zusammensetzen: Thomas, der Vater, ist Arzt, aber weil er keine Menschenkörper mag, berät er lieber ein Pharma-Unternehmen. Die Mutter Irene hat Lehramt studiert, um nach der Geburt der einzigen Tochter doch Haus und Herd zu ihrem Arbeitsfeld zu machen. Und Helene selbst ist erfolgreiche Künstlerin mit Einzelausstellungen in London und Kopenhagen, einer Assistentin und einem Galeristen. Jetzt soll sie dabei helfen, den Besitzstand genauso wie den emotionalen Ballast der vierzig Ehejahre zu sortieren. Doch dann stürzt die Mutter die Treppe hinunter, bricht sich die Hüfte und plötzlich taucht auch die verschwunden geglaubte Kindheitsfreundin Molly wieder auf.

Humorvoll und in starken Bildern erzählt Hohle Räume von der Familie nicht mehr als einem Ort psychologischer Abgründe, sondern als kleinstmöglicher sozialer Einheit, in der die Aufstiegsgeschichte der Babyboomer genauso zu erkennen ist wie der Klassenumstieg ihrer Kinder – und wo Sofas, Töpfe und Fensterläden nicht bloß Alltagsgegenstände sind, sondern subtil über Werte, Überzeugungen und Sicherheiten Auskunft geben.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Ebook
Pages
237
Price
19.60 €

Author Description

Nora Schramm, 1993 in der Südpfalz geboren, studierte Fremdsprachen und Kulturwissenschaften in Gießen sowie Theorien und Praktiken professionellen Schreibens in Köln. 2025 erhielt sie für ihren Debütroman »Hohle Räume« den Mara-Cassens-Preis des Literaturhaus Hamburg.

Posts

7
All
4

Dieses Buch ist wirklich nicht leicht zu bewerten oder zu beschreiben. Prinzipiell handelt es von einer erwachsenen Tochter, die temporär wieder in ihrem Elternhaus einzieht, da ihre Eltern sich nach 40 Jahren scheiden lassen. Nach 10 Seiten weiß man eigentlich schon alles.... das Geniale an dem Buch ist jedoch der Schreibstil, der durch das Auslassen von Kapiteln und Absätzen sowie Verwendung der indirekten Rede irgendwie atemlos wirkt, was bei mir eine permanente Beklemmung ausgelöst hat, so dass ich maximal 20 Seiten pro Tag lesen konnte. Auf der anderen Seite war ich aber auch so fasziniert von den feinsinnigen Beobachtungen und den kaum wahrnehmbaren Zwischentönen, dass ich es bis zum Ende durchgezogen habe. Hut ab vor der Autorin (ich glaube, es ist ein Erstlingswerk), es würde mich nicht wundern, wenn der Roman zahlreiche Buchpreise einheimst.

5

Ihr wollt eine literarische Sezierung einer bürgerlichen Kleinfamilie?! Lest Nora Schramms Debüt 🫶📚💕

Nora Schramm ist eine Kölner Debütautorin, deren Roman „Hohle Räume“ 2024 im Matthes & Seitz Verlag erschienen ist. Die Protagonistin Helene ist eine begabte junge Künstlerin und fährt aufgrund der anstehenden Scheidung ihrer seit 40 Jahren verheirateten Eltern in die Heimat, welche sich in einer fiktiven schwäbischen Kleinstadt befindet. Das Elternhaus, in dem bislang alles einer gewissen familiären Ordnung folgte, ist seit der Trennung nicht mehr das Gleiche wie zuvor und raubt Helene alle Kräfte. Sie nimmt ihre Eltern verändert wahr, sie sind nun nicht mehr ein Ganzes, sondern zwei Individuen, was bei Helene zur Irritation führt: der Arzt-Vater scheint nun noch weniger nahbar für Mutter und Tochter und die Mutter sucht sich sinnlos anmutende Beschäftigungen. Das Haus wird durchforstet, alles umgestellt, bis es zum großen Treppensturz kommt und sie sich die Hüfte bricht. Helene spürt nun eine Konfrontation mit der Vergangenheit und Herkunft, inklusive der verschwunden geglaubten Pflegeschwester Molly, aber stellt sich der Situation nur mit großem Widerwillen. Die Kleinfamilie bricht auseinander. Die Mutter braucht nun plötzlich Hilfe, die der Vater nicht geben möchte. Für Helene ergibt sich eine Rolle, und damit Pflicht, die sie nie erfüllen wollte. Die Situation erscheint in einem neuen Licht, als eine Freundin aus Kindheitstagen vor der Tür steht. Zu guter letzt wird das Elternhaus eine Kunstinstallation, in der die Vergangenheit mitsamt ihrer aufkeimenden Hoffnungen, unter Sandbergen vergraben werden. „Hohle Räume“ möchte ein bürgerliches Familienideal anprangern, mitsamt der Anstrengungen und Opfer, die besonders für Frauen damit einhergehen. Es geht um die Hohlräume, die Leere, die diese permanente Arbeit in den Menschen hinterlässt. Was auch der verletzte Körper der Mutter ausdrückt. Alltagsgegenstände werden hier zu bürgerlichen Symbolen, welche über Werte, Sicherheiten und Überzeugungen Auskunft geben. „Hohle Räume“ ist ein treffender Buchtitel, da er auf die fehlende Dimension hinweist und die Banalität des Alltags einfängt. Nora Schramm seziert literarisch die bürgerliche deutsche Familie und das in einer unverwechselbaren humoristischen Poesie.

4

„Die Mutter will sich unter das gehobene Publikum mischen und deshalb geht sie sogar ab und an zu Lesungen, obwohl sie eigentlich Landkrimis liest.“ Die Scherben der Ehe ihrer Eltern, pointiert beobachtet von der erwachsenen Tochter, mit erfrischendem Humor.

3

Man muss die Charaktere eines Buches nicht mögen, um sich ein Buch beschreiben und bewerten zu können, aber es hilft ungemein ;) Und das ist hier das Problem. Aber der Reihe nach. Die Eltern lassen sich scheiden und Helene fährt aus der großen Stadt (aka Berlin) zurück in die Provinz (hier: Findelheim) auf Besuch, um zu helfen. Helene ist Künstlerin, macht irgendwas mit Räumem und ist genauso wie man sich das klischeehaft vorstellt: seltsam teilnahmslos, beobachtend und ziemlich weltfremd. Die Mutter freut sich auf ihr neues Leben in Freiheit oder vielleicht auch nicht. Und der Vater, der all die Jahre durch emotionale Abwesenheit geglänzt hat, dehnt das jetzt auch auf eine physische Abwesenheit aus. Klingt fantastisch, oder? Besuche bei den Eltern sind für Helene mit einer Zeitlosigkeit oder vielleicht auch einer Art Zeitverschmelzung verbunden und das Buch verdeutlicht das sehr schön. Es gibt keine Kapitel, die Tage und Nächte gehen ineinander über, man verliert selbst den Überblick. Zwischendurch werden Jalousien hochgezogen und wieder heruntergelassen, denn was sollen denn die Nachbarn sonst denken. Das ist der Rahmen der Geschichte, es geht aber auch ums Neuerfinden, Wiederfinden und Zueinanderfinden.

3

Oh weh, mit diesem Buch habe ich mich ganz schön schwer getan. Die Sprache war etwas holprig, die Charaktere insgesamt eher unsympathisch, besonders Helene. So viel es mir doch sehr schwer, ihre Handlungen nachzuvollziehen. Stellenweise war es auch einfach nur zäh.

5

Ich mag das Spiel mit der Sprache 🩷 Mega auch, wie die wörtliche Rede und Gedanken in die einzelnen Absätze mit Leichtigkeit eingebunden sind. Die Idee, Liedpassagen einzubauen, gefällt mir. Leider verwässert das dann im weiteren Verlauf. Womit ich fremdel, ist die Art und Weise, wie die Familienmitglieder es nicht schaffen, miteinander zu sprechen. Aber so ist das Leben ja leider auch: wir manövrieren uns um schwierige Situationen drumrum und hoffen, sie lösen sich von selbst auf. Aber was bleibt, sind lose enden, die manchmal nicht eingefangen werden können, obwohl es Bemühungen gibt. Insgesamt eine klare Leseempfehlung, die Gesprächsstoff liefert

4

Trennung der Eltern, fast immer ein schmerzhaftes Thema. Aber wenn das Kind schon längst erwachsen und unabhängig ist, fällt ein anderes Licht auf die Probleme, die damit verbunden sind. Die Autorin zerlegt Sicherheiten, hinterfragt Glaubenssätze und seziert quasi das gescheiterte Eheleben. Mit wirklich gelungenen Metaphern und manchmal aufblitzendem Humor beschreibt sie, in welchen Rollen das Leben gelebt wurde und aus welchen Rollen man vielleicht durch einen Schicksalsschlag geworfen werden kann. Ein mitunter sehr trauriges Buch, das mit gewaltiger Sprache die Sprachlosigkeit der Eltern aufdeckt. Doch obwohl alte Wunden aufgerissen werden und ein sehr bürgerliches Leben, in dem sich alle in ihren Möglichkeiten bemüht zu haben scheinen, in seine Einzelteile zerfällt, bleibt am Ende Platz für Versöhnliches. Empfehlung von mir, vor allem wegen der außergewöhnlichen Sprache.

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