Hexen in Hamburg / Hexen in Hamburg: Verflucht

Hexen in Hamburg / Hexen in Hamburg: Verflucht

Softcover
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Description

Henny lebt polyamor und betreibt einen Hexenladen in Hamburg. Bei einem von ihr organisierten Stammtisch für Hexen und Heid*innen taucht ein völkischer Neonazi auf, der für einen Fluch und jede Menge Ärger sorgt. Gemeinsam mit fünf anderen Hexen vom Stammtisch geht Henny gegen ihn vor, doch er scheint unauffindbar zu sein. Werden sie den Fluch lösen und dem Neonazi und Seinesgleichen das Handwerk legen können? Hexen gibt es wirklich und sie leben mitten unter uns … Die Buchreihe »Hexen in Hamburg« erzählt von modernen Hexen, in einer Mischung aus Urban Fantasy, Cosy Mystery und magischem Realismus.

Book Information

Main Genre
Self-Help & Non-Fiction
Sub Genre
Mind & Body
Format
Softcover
Pages
276
Price
13.00 €

Author Description

Amalia Zeichnerin lebt in Hamburg und schreibt gern Phantastik, viktorianische Cosy Krimis und Romance, oft mit queeren Protagonist*innen und Diversität, denn die Welt ist bunt und vielfältig.

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Volksverhexung! Ich wollte eigentlich kein Buch mehr von der Autorin lesen. Nun kam jüngst dieses Werk hier auf den Markt. Da ich aus anderen Büchern der Autorin weiß, dass sie oft Schwierigkeiten hat, Zusammenhänge zu verstehen, Realitäten ordentlich abzubilden und problematische Inhalte zu erkennen, hatte ich befürchtet, bei diesem Thema könnte einiges schief gehen. Also habe ich mir das Buch gekauft und zusammen mit meinem infamen Buchclub gelesen. Bei dem Thema Hexerei, Esoterik und Nazis kann man so viel falsch machen und ich habe es auch als meine Aufgabe gesehen darüber aufzuklären. Dabei geht es mir nicht darum, die Autorin fertig zu machen. Wer das Buch dennoch oder gerade deswegen kaufen und lesen möchte, kann das gerne tun. Es geht mir nur darum, ein Bewusstsein für solche Inhalte zu schaffen. Vorbereitung: Bevor wir zu Lesen begannen, haben wir das Nachwort im Buch studiert, in dem die Autorin einige Bücher erwähnt, die sie zur Recherche herangezogen hat. Hier fiel auf, dass keine kritische Literatur genutzt wurde, die sich mit Rechter Esoterik und/oder der Vermischung von verschiedenen Mythologien befassen. Stattdessen finden sich fast nur Bücher, die sich voreingenommen mit nordischer Mythologie und damit verbundenes Ahnenwissen, Schamanismus und germanischer Magie befassen. Es zeigt sich hier schon ein buntes Zusammenwürfeln von Dingen, die nichts miteinander zu tun haben. Nicht alle Bücher waren fragwürdig. Zusätzlich haben wir den Blog der Autorin studiert, um die Inhalte des Buches korrekt einordnen zu können. In mehreren Artikeln hat die Autorin ihre Intentionen zu diesem Buch mitgeteilt. Dies wird hier auch ab und zu zur Sprache kommen. Hinweis: Die Autorin macht sowohl auf ihrer Website als auch in ihrem Buch deutlich, dass sie rechtsgerichtete Ideologien ablehnt. Das glaube ich ihr. Ich verurteile auch niemanden, der gern Esoterik macht oder dem (Neu)Heidentum anhängt. Esoterik ist an sich nicht schlimm, aber man muss sich auch mit kritischen Inhalten auseinandersetzen, um sich nicht auf den „rechten“ Pfaden zu verlaufen. Vorab: Das Buch war nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Dafür gibt es einen Stern. Schreibstil: Wie bereits bei anderen Büchern der Autorin, ist hier alles wieder ziemlich leblos. Die Geschichte spielt in Hamburg, wo die Autorin laut Impressum auch wohnt, sich also vor Ort auskennt. Wir bekommen hier aber Null Hamburg-Feeling. Es heißt ständig: Laden x in Straße y, Straße a in Stadtviertel b, Polizeiwache in der z Straße. Ich kenne mich kein Stück in Hamburg aus und vermute, dass das einigen Lesenden so gehen wird. Woher soll ich also wissen, was das für eine Gegend ist, wie es dort aussieht, wie es sich dort lebt etc. Daher machen viele Dinge für mich keinen Sinn. Z.B. dass Henny ihre Alarmanlage vernachlässigt und ihr Geschäft nicht ausreichend schützt, weil sie es nicht für notwendig hält. Ja, wenn das eine gute Gegend ist, wo nie was passiert, kann das ja sein – das wird hier aber nicht mal in einem Nebensatz erwähnt. Oder auch so Dinge wie: wir lebten in Stadtviertel x. Was soll mir das sagen? Stehen da jetzt feine Einfamilienhäuser oder ist das Kreuzberg in Hamburg? Ich habe keine Ahnung. Und ich möchte auch nicht ständig Google Maps anschmeißen, wenn ich ein Buch lese. Auf der anderen Seite hält es die Autorin für notwendig, solche Dinge wie Budni oder Franzbrötchen mit einer Fußnote zu versehen, um zu erklären, was das ist. Nunja, ich will man frech behaupten, dass es Franzbrötchen überall in Deutschland gibt und was ein Budni ist, hat sich mir aus dem Kontext erschlossen (Ich geh zum Budni einkaufen). Wie die Autorin hier Prioritäten gesetzt hat, ist für mich nicht nachzuvollziehen. Ansonsten ist der Schreibstil sehr einfach, aber gut verständlich. Man muss ja auch nicht immer irgendwas Hochtrabendes lesen. Manchmal reichen einfache Geschichten aus. Leider ist es hier ziemlich langweilig. Der Plot an sich ist schon ziemlich dürftig, wird aber noch durch unsagbar langweilige Sequenzen in die Länge gezogen. Selbst Dinge, die eigentlich spannend sind, werden auf eine Weise erzählt, die mich ratlos zurückgelassen hat. Beispiel ist die Internetrecherche von Henny: Ich habe eine Website gefunden – ja, gut, gib mir das gleich mal – hier hast du die URL – ich tue noch Dinge, dann suche ich die Website – ich suche die Website – die Website geht auf – auf der Website steht dies und das – ich lese das – he, ich habe die Website gelesen – was hast du herausgefunden – Erzählung, was auf der Website steht – dann tun wir noch einige Dinge und gehen dann ins Bett. Genauso kommen Dialoge per Nachrichtentext vor, die 1zu1 so abgebildet werden. Blabla, schrieb x, blabla antwortet y, z schreibt einen Daumen hoch. Ich fand das mega langweilig und hat mir auch irgendwo die Neugier genommen, herauszufinden, wie es weitergeht. Ich bin der Meinung, dass „leichte“ oder „cosy“ Literatur durchaus spannend sein kann. Ist hier aber nicht so. Der Showdown … wie soll ich sagen … gibt es nicht. Der Typ wird beim Versuch, zu randalieren, von der Nachbarin mit Autokennzeichen gemeldet und dann off-screen festgenommen. Mehr passiert nicht. Dafür habe ich mich also durch diese ganzen langweiligen Sequenzen gelesen? Genderneutral ist wieder nicht ganz durchgezogen worden. Weiterhin wurde hier mit dem * entgendert. Das ist an sich korrekt, jedoch in einem belletristischen Text absolut Fehl am Platze und zeugt von schlechtem Stil. Realitätsferne: Erneut zeigt sich ein Buch der Autorin absolut realitätsfern. Konkret geht es darum, dass Hennys Esoterik-Geschäft (möchte das nicht Hexenladen nennen, denn das ist es nicht) von Nazis demoliert wird, ihre Ware wird zum Großteil zerstört. Erstmal ein ziemlich weltliches Ding, das man gut nachrecherchieren kann. In der Realität würde es jetzt so ablaufen, dass der Laden von der Polizei gesperrt wird, Spurensicherung untersucht einfach mal ALLES in dem Geschäft, die Versicherung macht Fotos, es müssen Formulare ausgefüllt werden etc. riesen bürokratischer Aufwand, plus der Laden ist für mehrere Monate dicht, Henny hat Umsatzeinbußen, muss aber trotzdem Miete und das Gehalt ihrer Angestellten zahlen, hat demnach richtig die Arschkarte gezogen, plus die Ware ist hinüber und muss ausgetauscht werden, sie hat Existenzängste, steht vielleicht sogar vor der Insolvenz etc. Wäre nun ein richtig guter Grund, um gegen die Verursachenden vorzugehen. Aber nein. Im Buch passiert davon nix. Die Spusi untersucht nur diesen Fluchbaumstamm, der vor ihrer Tür abgelegt wurde, mehr nicht. Es wird keine Versicherung erwähnt, nix passiert. Sie putzt einfach und ersetzt mir nix dir nix die ganze zerstörte Ware und kann am nächsten Tag wieder voll öffnen und verkaufen. Was ist das? Was ist das hier? Hiernach hätte Henny kaum Grund, da hinterher zu gehen! Es ist ihr nix weiter widerfahren! Es macht keinen Sinn! Beim Umgang mit Internetrecherche habe ich ebenfalls etwas lachen müssen. Erst knapp drei Wochen nach dem Vandalismus kommt Henny auf die Idee „Facebook nach einem Profilbild mit Wolf zu durchsuchen“. Natürlich findet die nix. Der Typ hat in der Zwischenzeit schon drei mal sein Profilbild geändert und fünf neue Accounts erstellt. Kann mir aber vorstellen, dass viele Boomer denken, dass das Internet genau so funktioniert. Allgemein braucht Henny unheimlich lange für eine Idee. Die Wahrsagerin erzählt ihr etwas von einer Zeitschrift und anstatt sofort zu recherchieren, lässt sie mehrere Wochen verstreichen, in denen sie sich die ganze Zeit fragt, was das wohl für ein Magazin ist. Dies wird dann durch Zufall von „der Antifa“ entdeckt. Auf die Idee, überhaupt mal nach Nazis in Hamburg zu suchen, in den Foren und Gruppen nach den Agierenden zu schauen, kommt Henny überhaupt nicht. Ja, „die Antifa“ ist laut Autorin offenbar ein Club oder sowas. Es gibt eine Figur, die „Kontakte zur Antifa hat“ und auch ständig mit „der Antifa“ kommuniziert. Hiermit bedient die Autorin das Narrativ der konservativen und rechtspolitischen Agierenden, „die Antifa“ wäre ein organisiertes Netzwerk anstatt eine Gesinnung. Stößt ziemlich bitter auf in diesem Kontext. Darstellung von (Neu)Heidentum: Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wird hier einiges durcheindergeworfen, was nicht zusammengehört. Zum Beispiel wird zwischendrin einfach Hexerei mit Paganismus gleichgesetzt und es gibt Einwürfe von Wicca. Wicca ist für sich eine eigene Religion. Hexerei ist keine Religion wie Heidentum und gehört auch nicht zwingend dazu. Als Christ*in segnest du auch nicht einfach alles und wirkst Wunder. Ich möchte noch einmal betonen, dass nicht jede Esoterik problematisch ist und auch die (neu)heidnische Religion nicht per se. Grundsätzlich bezeichnet Heidentum alle Religionen, die nicht christlich und nicht monotheistisch ausgerichtet sind, z.B. griechische Mythologie. In diesem Buch geht es jedoch vornehmlich um nordische Gottheiten und das ist schon schwierig, weil sich hier besonders viele Nazis tummeln. Hier habe ich zwei Hinweise: Es gibt keinen Schamanismus in der nordischen Mythologie! Auch das angebliche Ahnenzeug ist eigentlich nur ein rechtes Narrativ, das besagt, dass man ja unbedingt bio-Deutsch sein muss, um überhaupt dem Heidentum anhängen zu dürfen (weil andere sind keine „richtigen“ Menschen, Theosophie, Ariosophie). Auf ihrem Blog schreibt die Autorin, dass sie sich von solchen rechten Anschauungen distanziert. Sie gibt zudem an, dass sich Henny mit diesem Thema auch im Buch auseinandersetzt (Spoiler: sie denkt drei Sätze darüber nach und dann nie wieder). Leider hakt es gewaltig an der Umsetzung. Als die anderen Hexenden eingeführt werden, fällt selbst Henny auf, dass alle weiß sind. Da stellt sich mir die Frage, ob das Absicht ist, dass gerade in einem Buch, wo es um Nazis im Neuheidentum geht, keine einzige PoC dabei ist. Auf ihrem Blog schreibt die Autorin dazu, dass sie für PoC kein Sensitivity Reading gefunden hat und sich das deswegen nicht zutraut. Nun, nach dieser Logik dürfte sie aber auch keinen homosexuellen Mann mitspielen lassen. Interessant ist auch, dass sie für ihre anderen Bücher, z.B. ihre Miss Murray-Reihe (6 Bände) mit einer trans Frau, auch kein Sensitivity Reading hatte, sich dies aber offenbar auch ohne zutraut. Das geht hier also nicht auf. Mal abgesehen davon, wäre es überhaupt kein Problem gewesen, hier PoC einzubringen, da die Charaktere alle so flach sind, dass man außer Haar- Augen und Jackenfarbe nix von denen mitkriegt – außer eben die Marginalisierung. Das nun das größte Opfer des Nazis eine weiße Frau mit blonden Haaren und blauen Augen ist, hat daher einen üblen Beigeschmack. Henny und ihre Familie werden dargestellt wie die fanatischsten Religiösen überhaupt. Überall in der Wohnung hängen Bilder von nordischen Gottheiten, stehen Figuren herum, hängen Schwerter an der Wand, werden abends Geschichten aus der nordischen Mythologie dem Kind vorgelesen etc. Quasi das Äquivalent zum fanatischen Christentum. Das war unangenehm zu lesen, weil sich Heidentum eben nicht nur auf nordische Mythologie bezieht. Aber hier war einfach alles darauf ausgerichtet und wurde extrem übertrieben. Die Familie kam mir vor wie eine LARP-Gruppe, die den Abpfiff der Spielleitung nicht gehört hat. Die Protagonistin muss auch ständig betonen, wie weltoffen sie doch sei und wie sie mit anderen Leuten, die anderen Glauben haben, darüber diskutiert, wie toll Heidentum doch ist, als wäre sie auf Mission. Interessant fand ich, dass die Charaktere alle irgendwie nur 1 Gottheit anhängen, obwohl eine ganze Menge zur Auswahl stehen. Der Witz an Polytheismus ist doch, dass du dir je nach Anliegen, eine Gottheit aussuchen kannst, die du um Hilfe bittest. Schreibst du gerade deine Abschlussarbeit, fragst du Athene oder Odin etc. Willst du endlich die Person fürs Leben finden, fragst du halt Aphrodite. Hier wird es aber so dargestellt, als suche man sich 1 Gottheit aus, zu der dann einfach immer gebetet wird. Wurde Polytheismus hier nicht verstanden? Die Darstellung der Nazis halte ich ebenfalls nicht für gelungen. Erstmal ist der Grund des Fluches – von dem man so gut wie nix mitkriegt – ziemlich dürftig: Der Nazi dreht komplett am Rad, weil er aus einer Kneipe geworfen wird. Mehr nicht. Die Figuren sagen auch ständig, wie übel und menschenverachtend Nazis sind, aber man sieht nichts davon, sodass ich mich die ganze Zeit gefragt habe, warum Henny da so persönlich involviert ist, wo sie sich vorher ja kein Stück dafür interessiert hat, was Nazis mit Heidentum machen. Weiterhin wundert sich Henny, dass auf dem Nazi-Magazin nicht fett drauf steht, dass es ein Nazi-Magazin ist. Es kommt mir stark vor, als hätte die Autorin die Komplexität des Phänomens nicht verstanden. Im Buch sind halt Nazis die, die gegen Ausländer*innen. Mehr nicht. Das ist schon ziemlich eng gefasst. Darstellung Hexerei: Die Rituale kommen mir Erklärbär-mäßig vor. Ja, sicherlich gibt es Leute, die sich kein Stück damit auskennen und die dann auch etwas herangeführt werden müssen. Aber die ganze Hexerei wird entweder kurz abgefrühstückt (Ich segnete meinen Kaffee) oder es wird dermaßen ausführlich geschildert, dass es nervig war. Das Wicca-Ritual, das bei ca. 40% durchgeführt wird, über mehrere Seiten, ist steril und seelenlos. Wir sehen Handlungen und große theatralische Sprüche, aber es fehlt an Substanz. Etwas albern fand ich die Darstellung des Schutzzaubers. Henny benutzt dazu Runen und schreitet durch den Raum, während sie die Runen laut singt. Runen sind aber eigentlich nur eine Schrift. D.h. Henny läuft durch den Laden und singt das Alphabet. Allgemein ist mir das Konzept der Magie in diesem Buch nicht ganz klar geworden. Auf der einen Seite heißt es, Henny macht Magie, aber man sieht davon nix. Auf der anderen Seite, werden Astralreisen durchgeführt und die Wahrsagerin kann tatsächlich irgendwelche Leute an einem bestimmten Ort sehen. Selbst wenn ich jetzt die Wahrsagerin und diese Astralreise (ca. 60%) als Fantasy-Elemente deklariere, weiß ich nicht, was ich mit dem anderen Zeug machen soll. Z.B. als Henny ihren Laden mit einem Schutzzauber belegt, hätte ich etwa glühende Runen erwartet, leuchtende Symbole oder irgendwie eine Antwort des Schutzgeistes des Hauses oder sonst was. Irgendwas, das nach Magie aussieht oder sich danach anfühlt. Aber nichts davon passiert. So kann ich als Lesende auch nicht einschätzen, ob der Schutzzauber jetzt wirkt oder nicht, wie stark der ist, ob Henny das überhaupt kann etc. Den üblen Fluch, der hier ständig erwähnt wird, sieht man auch nicht. Es passiert ja einfach nichts Konkretes, das wirklich auf einen Fluch schließen lässt. Aus meiner Sicht sind das alles unglückliche Zufälle, die ohnehin keinen Einfluss haben. Magischer Realismus ist was anderes (z.B. Kafka - Die Verwandlung; Allende - Das Geisterhaus; Haushofer - Die Wand). Deshalb kam mir die Darstellung der Hexerei extrem esoterisch vor – solange du dran glaubst, wirkt es auch. In diesem Sinne zieht Henny zum Beispiel auch den Schluss, dass sie verflucht sein muss, weil sie mehrere Tage Kopfschmerzen hat und sich nicht wohlfühlt, nachdem ihr Geschäft zerstört wurde. Nein. Das sind ganz normale Reaktionen auf ein sehr belastendes Erlebnis. In einem solchen Fall sollte man eine psychologische Beratungsstelle anrufen. Auch, als das Kind der Protagonistin auf die Geschehnisse mit einem Alptraum reagiert, wird sofort auf einen Fluch geschlossen, anstatt das Problem ernst zu nehmen. Das ist gefährlich und ein typisches Ding der Esoterik, dass äußere Einflüsse komplett ausgeblendet werden und nur das Individuum gesehen wird. Das geht dann soweit, dass du halt auch selbst Schuld an einer fiesen Erkrankung bist, weil du irgendwas falsch gemacht haben musst. Diversität: Mega unangenehm. Jede der Figuren hat nach Aussage der Autorin eine Marginalisierung von ihr selbst aufs Auge gedrückt bekommen. Ich sage nicht, das self-insert per se nicht gut ist, aber hier bestehen die Figuren quasi nur aus der entsprechenden Marginalisierung. Sie haben keine Persönlichkeit. Die Beschreibungen beschränken sich auf „Person x ist ein Goth und hat eine bipolare Störung“. Mehr erfahren wir nicht über sie. Selbst über Henny erfahren wir erst bei ca. 65% dass sie dick ist. Welche Haar- und Augenfarbe sie hat kennen wir nur von der Zeichnung der Autorin. Weiterhin müssen auch ständig Dinge erklärt werden. „Ich habe eine bipolare Störung, das ist so …“ oder auch „Ich lebe in einer queer-platonischen Beziehung, das ist so…“. Henny lebt polyamor. Das ist keine Charaktereigenschaft, sondern ein Lebensstil, muss aber ständig betont werden. Polyamorie wird sowohl im Buch als auch auf dem Blog der Autorin sehr überhöht. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, es gäbe nix besseres als das. Im Blog schreibt die Autorin z.B. dass Monogamie ja nur ein gesellschaftliches Konstrukt ist blabla. Das Ganze wirkt missionierend auf mich. Im Buch wird dann ein Liebeskummer konstruiert, weil eine Person monogam leben möchte. Wie gemein, dass es tatsächlich Leute gibt, für die ein Polycule einfach nichts ist, die sich nur auf eine Person konzentrieren möchten oder für die so ein Konzept nachteilig wäre. Aber Henny lässt keine Gelegenheit aus, um Leute, die monogam leben möchten, zu shamen und zu betonen, wie toll und viel besser ihr Beziehungsgeflecht doch ist. Das gesamte erste Kapitel dient auch nur zur Darstellung, wie toll Henny doch ist. Es ist mega unangenehm und ich kam mir vor, als würde ich eine Dauerwerbesendung aus den 1950ern ansehen. Am Ende halten sich alle an den Händen und lächeln sich an wie zugedröhnt, was für eine wundervolle Familie sie doch seien. Im Grunde werden wieder nur extrem konservative Werte breitgetreten. Vor allen Dingen kam mir Henny übel unsympathisch vor. Sie ist im Prinzip nur auf sich selbst bezogen, alles muss sich um sie drehen und sie interessiert sich kaum über drei Sätze für andere Leute. Die Beziehung zu ihrer Tochter empfinde ich als kalt und desinteressiert. So geht man nicht mit Kindern um, sorry. Aber Henny hält sich eh nur für die beste. Dass die Autorin für ihre Zeichnung der Protagonistin Henny ihr eigenes Gesicht gegeben hat, ist auch ziemlich weird. Sorry. Fazit: Kann leider auch dieses Buch nicht empfehlen. Der Plot ist dürftig, die Handlung langweilig und der Showdown nicht existent. Es wird nicht ordentlich mit den rechten Narrativen umgegangen und es gibt grobe Fehler bei der Darstellung von Heidentum als Religion. Die Hexerei in diesem Buch fühlt sich tot und seelenlos an. Bin mir noch nicht sicher, ob das das letzte Buch der Autorin für mich war. Kommt drauf an, welche Themen sie anpackt.

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