Hemingways Kind

Hemingways Kind

Hardback
4.310

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Description

Unter den beiden Söhnen Greg und Patrick ist der athletische, talentierte, kluge und hübsche Greg Ernest Hemingways Liebling, mit dem er gerne angibt. Patrick neckt seinen Bruder damit, doch der Druck des Vaters auf Greg und seine Ansprüche an ihn sind hoch, und Greg will alles tun, um ihm zu gefallen, seine eigenen Sehnsüchte sind aber ganz andere. Jahre später, 1951, Greg ist Anfang zwanzig, studiert Medizin, heiratet, wird Vater – und beginnt, gegen alle damaligen Konventionen, in der Öffentlichkeit Frauenkleidung zu tragen. Im bewegten Leben zwischen Havanna, Los Angeles, New York und Miami entsteht eine unaufhaltsame Spirale aus unglücklichen Beziehungen, Abstürzen, enttäuschten Erwartungen der Familie und unterdrückten Gefühlen, in der es Greg kaum gelingt, die persönlichste Frage überhaupt zu beantworten: Wer bin ich? Greg, Gigi oder Gloria?

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
464
Price
26.80 €

Author Description

Russell Franklin, geboren in Solihull, England, lebt und arbeitet in London. 2020 wurde er für das angesehene London Library Emerging Writers Programme ausgewählt. Hemingways Kind ist sein erster Roman.

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Die Geschichte geht um den Sohn Greg/Gloria vom bekannten Schriftsteller Ernest Hemingway. Was für eine Geschichte... Ein Sohn, der immer zu Höchstleistungen getrieben wurde, damit er die Anerkennung seines Vaters erhält. Greg war magisch depressiv und dies wurde damals noch mit Elektroschocks behandelt. Er zog viel zu gerne Frauenkleider an und wurde als abartig dargestellt, sogar von seinem Vater. Im hohen Alter nahm er eine Geschlechtsumwandlung vor und kam somit für sich ins Reine. Heute gelten diese "Probleme" als völlig normal und werden respektiert. Greg hatte leider nicht so viel Verständnis. Ich bin anfangs schlecht in die Story reingekommen, da die Kapitel nicht chronologisch geschrieben wurden. Man musste immer rechnen, wie alt er da war. Das hat mich ein wenig gestört. Ich konnte aber mich gefühlsmäßig voll in Greg hineinversetzen. Das war echt hart. Sehr empfehlenswert

4

Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es um ein Kind des Autors Ernest Hemingway. Genauer gesagt um sein jüngstes Kind. Geboren als Gregory Hemingway, versucht er zeitlebens seinem Vater zu imponieren, leidet unter seiner Bekanntheit und auch unter der Familiengeschichte, die gespickt ist von depressiven Erkrankungen und Suizid. Schon früh merkt Greg, dass er einen starken Drang dazu verspürt Frauenkleidern zu tragen, lange versucht er diesem zu widerstehen und lässt sich auf Grund dessen, sowie auf Grund von immer wiederkehrenden depressiven und manischen Phasen, jahrelang mit Elektroschocks behandeln. Er will gefallen, er will nicht anders sein, er verurteilt trans Personen aufs schärfste, bis er sich im Alter von 60 Jahren einer Transition unterzieht. Fortan lebt sie meist unter dem Namen Gloria, benutzt aber auch andere Frauennamen und ab und zu auch noch Greg. - Gleich zu Anfang möchte ich erwähnen: Es handelt sich nicht um eine Biographie. Die Erzählung ist laut Aussage des Autors fiktional, lehnt sich aber am Leben von Greg/Gloria Hemingway an. Schaut man sich dieses Leben an, wird schnell klar: Es war kein Einfaches. Geprägt von Depressionen und Manie, verfällt er/sie immer wieder dem Alkohol, es kommt zu wiederholten Zusammentreffen mit der Polizei, Autorität ist nur schwer hinnehmbar. Vor allem sein/ihr Verlangen zeitweise als Frau aufzutreten, machen es schwierig ein glückliches Leben zu führen, da immer wieder Selbstvorwürfe, -hass und -zweifel vorherrschen. Bis zuletzt ist sich Greg/Gloria nicht sicher, ob sie/er eher Mann oder Frau ist, auf die Frage des Sohnes, wie er/sie fortan angesprochen werden will, antwortet er/sie, dass dies jeden Tag anders ist. Heute würde er/sie sich wahrscheinlich als non-binary bezeichnen, aber zu der damaligen Zeit gab es einfach keinen Begriff. Russell Franklin hat dies zweifelsohne brilliant eingefangen. Nicht nur Greg’s/Gloria‘s innere Zerissenheit ist toll dargestellt, auch die Familiengeschichte wurde intensiv beleuchtet. Es wird schnell bewusst, dass diese ganzen Strukturen mehr als toxisch sind. Der Vater als großes Vorbild, dem man es nie recht machen kann, der aber auf der anderen Seite auch mit seinen Dämonen zu kämpfen hat. Die lieblose Mutter, die von Kindern eher genervt war und nicht viel mit ihnen anfangen konnte und ihr Leben lang darauf hofft, dass ihr Mann zu ihr zurück kehrt. Der Großvater (später auch der Vater, Onkel und Cousine), allesamt wählen den Freitod, um dem Leben zu entkommen. Das Buch erzählt das Leben von etwa dem 10 Lebensjahr bis zum Tod. Dabei verläuft die Erzählung nicht linear, vielmehr wird wild zwischen verschiedenen Jahren hin und her gesprungen. Dies fand ich anfangs gewöhnungsbedürftig, nach dem ich aber angefangen habe die Jahreszahlen mit dem Alter zu ersetzen, ging es ganz gut. Dieses Vorgehen sorgt außerdem dafür, dass ein Spannungsbogen aufrecht erhalten wird. Zumindest mit ging es so, dass ich immer wissen wollte, wie es mit Greg/Gloria weiter geht, aber auch die Rückblicke in die Kindheit toll fand, erklären sie doch so einiges. Der tolle Schreibstil, der sich angenehm lesen lässt, tut sein übriges. - Ein wirklich tolles Buch und eine große Empfehlung von mir.

5

Sehr fesselnd und interessant geschrieben. Eine ganz andere Seite der Familie Hemingway.

5

"It's all Greg," he tried to explain. "And it's all Gloria. Because it's all me, you see? The names help, that's all. I'm not two people." Die Geschichte von Greg / Gloria Hemingway, dem "Lieblingskind" von Ernest Hemingway beginnt 1931 in Kansas City und endet 2001 in einem Frauengefängnis in Miami. Dazwischen liegt ein Leben, das faszinierend ist und eine fesselnde Romanhandlung abgibt, fünf Ehen, acht Kinder, eine Karriere als Arzt und eine als Schriftsteller. Russel Franklin liefert uns aber nicht nur die historisch belegten Fakten, sondern bietet einen berührenden Einblick in Gregs / Glorias Gefühle und Gedanken. Als Kind auf Kuba, das nichts mehr will, als dem überlebensgroßen Vater zu gefallen und später als getriebene, zerrissene Persönlichkeit, die versucht mit Elektroschocktherapie die manischen und depressiven Phasen zu bekämpfen. Ich bin Hals über Kopf eingetaucht in dieses Leben voller Tragik und Schmerz und Suff und Bruderliebe und kurzen Momenten der Euphorie und des Friedens. Russel Franklin erzählt bildgewaltig und es gelingt ihm, die Komplexität der (sich wandelnden) Geschlechtsidentität der Hauptfigur einzufangen. Die Geschichte ist nicht linear erzählt und entsprechend fließt die Handlung nicht chronologisch, aber wir bleiben durchgängig in der Perspektive von Greg / Gloria und kommen diesem komplexen Charakter so nah, dass es manchmal schwerfällt, sich daran zu erinnern, dass das hier ein Roman ist und keine (Auto-) Biografie.

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