Europa erfindet die Zigeuner

Europa erfindet die Zigeuner

Hardback
4.44
ZigeunerbildRomaAntiziganismusSinti

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Description

Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von Asozialen … Dies sind nur einige der Zuschreibungen, mit denen die Romvölker Europas in den letzten 600 Jahren ausgegrenzt wurden. Wie es möglich wurde, daß jahrhundertealter Haß in einem Spannungsverhältnis von Faszination und Verachtung sich bis heute halten konnte, zeigt in seinem brillant recherchierten Buch nun Klaus-Michael Bogdal zum ersten Mal im europäischen Vergleich. Der Autor weist in dieser spannend und anschaulich erzählten Geschichte nach, wie die Europäer zum verachteten Volk am unteren Ende der Gesellschaftsskala stets die größtmögliche Distanz suchten. Keine der unterschiedlichen Gesellschafts- und Machtordnungen, in denen sie lebten, ließ und läßt eine endgültige Ankunft in Europa zu. Ohne einen schützenden Ort sind sie seit ihrer Einwanderung vor 600 Jahren ständigen Verfolgungen und Ausgrenzungen ausgesetzt: in den Imaginationen der Kunst und in der politischen Realität. Das Buch umfaßt die Geschichte der Darstellung der ›Zigeuner‹ in der europäischen Literatur und Kunst vom Spätmittelalter bis heute – von Norwegen bis Spanien, von England bis Rußland. Die Dokumente, die Bogdal heranzieht, reichen von den frühen Chroniken und Rechtsdokumenten über ethnographische Werke und künstlerische Darstellungen bis hin zu den Holocausterinnerungen von Sinti und Roma. -- Ausgezeichnet mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2013 --

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Hardback
Pages
592
Price
25.60 €

Author Description

Klaus-Michael Bogdal, geboren 1948, ist Professor für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.

Posts

2
All
4.5

Wer erwartet, dass es um die Geschichte der Rom-Völker geht, ist hier verkehrt. Man lernt zwar eine Menge über diese, wie zb. warum es so schwer ist, die Geschichte der Rom-Völker Quellensicher aufzuschreiben, aber vor allem erfährt man, wie sich Bilder über Menschengruppen bilden und was das für katastrophale Auswirkungen haben kann. Dieses Buch ist ein gelungenes Beispiel für herausragende Quellenarbeit, weil Bogdal sich durch fast jede Quelle über Romvölker durchgelesen zu haben scheint, egal ob Urteil, Gesetzestext oder literarischer Text, und nutzt dieses um zu vergleichen, herzuleiten usw. Man benötigt schon ein Interesse für das Thema, weil ansonsten ist es etwas trocken, aber ich fand es spannend zu lesen und sehr aufschlussreich

4

Das Buch ist eine überaus dichtes und materialreiches Werk, doch mir fehlte immer ein wenig der rote Faden historischer Faktizität. Die Entwicklung der Vorurteile und Klischees, welche sich seit der frühen Neuzeit durch Literatur und Kunst schlängelte, herauszuarbeiten, ist ein lobenswertes Unternehmen. Doch ich vermisste gelegentlich einen Abgleich mit den tatsächlichen Lebensumständen und anderen Details die die Einordnung dieser Darstellungen verständlicher machen würden. Aber höchstwahrscheinlich gibt es hier eben erschreckend wenig ausbeutbare Quellen. Im Endeffekt hat sich daran ja bis zum heutigen Tag nicht viel geändert. So gibt das Buch eine hervorragende Einsicht in die Entwicklung des Zigeunerbildes in den Augen der “eingeborenen” Europäer. Ein realistische Darstellung der Geschichte dieses einzigartigen Volks sucht man auch hier vergebens. http://vivaperipheria.de/frisch-gelesene-buecher-europa-erfindet-die-zigeuner/

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