Es ist ein Mädchen
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Description
Eine bahnbrechende Bestandsaufnahme der Condition Féminine
»Haben Sie Kinder?«, wird der Vater gefragt. »Nein, ich habe zwei Mädchen«, antwortet er. – Diese Szene ist eine der ersten Erinnerungen einer Frau, die um 1960 in gutbürgerlichen Verhältnissen in Rouen aufwächst. Was folgt, ist ein Leben, wie es exemplarisch scheint für ihre Generation: Laurence befreit sich aus der Enge des Elternhauses, erlebt sexuelle Freiheit, aber auch Gewalt, sie verliert einen Sohn bei der Geburt und bringt eine Tochter zur Welt. Und mit dieser Tochter, die sich allen Rollenzuschreibungen entzieht, öffnet sich etwas – auch für Laurence und ihr Leben als Frau. Aus dem Besonderen eines Frauenschicksals leitet dieser klug konstruierte Roman ab, was im Allgemeinen folgt, nachdem es heißt: »Es ist ein Mädchen.«
»Ich wusste nicht, wie sehnend ich auf genau dieses Buch gewartet habe. ›Es ist ein Mädchen‹ ist klug, klar, witzig und erschütternd – vor allem aber so, so nötig!« Maria-Christina Piwowarski
»Ein Roman, der Frauen das Gefühl schenkt, verstanden zu werden, und Männern die Möglichkeit, zu verstehen.« Mareike Fallwickl
»Sprachlich feinfühlig erzählt der Roman von der Beleidigung, die Mädchen für Väter sein können. Und von der Katastrophe, die diese Kränkung für Frauen bedeutet. Von der Kraft der Versöhnung, die in der weiblichen Solidarität liegt.« Barbara Vinken
Book Information
Author Description
Camille Laurens, 1957 in Dijon geboren, für ihre Romane vielfach ausgezeichnet, schreibt daneben noch Theaterstücke und Essays und unterrichtete an der Sciences Po. Seit 2020 ist sie als Nachfolgerin von Virginie Despentes Mitglied der Académie Goncourt.
Posts
Dieses Buch hat mich wütend gemacht - Und das ist gut so.
Die Geschichte von Laurence beginnt in einer Zeit, in der der Patriarchat in voller Blüte steht. Auch wenn mich die Szenen und Dialoge mit Laurence‘ Vater oft fassungslos gemacht haben, liest man von dieser Art der männlichen Dominanz sehr häufig in letzter Zeit - zum Glück. Eine neue Perspektive konnten mir die Gedanken zum sprachlichen Zusammenhang von Misogynie und Geschlechterrollen geben, die die Autorin subtil und passend einwebt. Mit Fortschreiten der Geschichte und dem Eintauchen in Laucence‘ Erwachsenenleben entwickelte die Geschichte einen echten Sog. Viele Facetten des Feminismus und der Emanzipation wurden geschickt eingearbeitet. Auch wenn die Grundaussage des Buches nichts Neues bereithielt, hat mich die Umsetzung und die Zeichnung der ProtagonistInnen wirklich überzeugt.
Klug geschriebenes, großartiges Buch
Dieses Buch ist wunderbar geschrieben. Die Autorin nimmt einen mit durch das Leben von Laurence, ihrer Familie und ihres Kindes. Camille Laurens schreibt auf eine fast schon poetische Weise und trotzdem so klar, dass einem vieles wie Schuppen von den Augen fällt. Das Buch zeigt viele kleine und große Ungerechtigkeiten auf ohne mit dem Finger zu zeigen, sondern einfach nur durch präzise Beobachtung. Eine Empfehlung für alle, die sich verstanden wollen fühlen und für alle, die besser verstehen möchten.
„Du musst immer wachsam sein. Immer wissen, wer um dich herum ist, wer hinter dir ist, ob dich jemand ansieht, ob dir jemand folgt. Man muss auf der Hut sein, aber ohne, dass man es merkt.“ In Rouen 1960 kommt ein Mädchen zur Welt, Laurence. Sie ist das zweite Mädchen in der Familie und wird enttäuschend empfangen. Denn die Familie wollten ursprünglich einen Sohn - eine männliche Person. Der Vater wird gefragt, ob er Kinder habe und antwortet mit einem Nein und sagt:“ ich habe zwei Mädchen“. Und dies ist der Beginn einer Abwertung einer gutbürgerlichen aber verachteten Familie, die sexuellen Missbrauch stillschweigend ignoriert und keine Rechenschaft zu ziehen scheinen mögen. Laurence trennt sich später von dieser mit patriarchalisch geprägten Familie und wird selbst Mutter. Jedoch wird sie ständig von diesem Gefühl verfolgt, was es eigentlich bedeutet ein Mädchen zu sein. ACHTUNG TW: Mysogynie, Tod, Abtreibung, sexueller Missbrauch. Ich hatte dieses Vergnügen vor dem ET das Rezensionsexemplar lesen zu können und musste es tatsächlich paar mal weglegen. Die Autorin Camille Laurens schaffte es mich zu beeindrucken und zu bewegen, aber auch eine Art Wut auszulösen. Ein Mädchen in unserer heutigen Gesellschaft zu sein, ist alles andere als leicht. An manchen Stellen war ich erschütternd und dann ließ diese Spannung nach und ab und zu kam auch etwas Humor ins Spiel, was sehr gut tat um sich kurz zu beruhigen. Sehr beeindruckend schien mir die Du-Erzählperspektive. Bis Laurence mit 9 Jahren eine traumatische Erfahrung erleben musste, wechselte Camille in die 3. Person und baut eine Distanz zwischen Laurence und dem Geschehen auf. Es zeigt ganz klar, dass in der Gesellschaft immernoch patriachale Strukturen und Mysogynie herrschen. Dass diese immernoch nicht durch zu brechen scheinen und trotz der ständigen Erschöpfung weiter kämpfen zu müssen, macht mütend - müde und wütend. Wenn früh den Mädchen schon eingetrichtert wird, man solle auf der Straße aufpassen, kein Sex vor der Ehe haben oder die ständige Rechtfertigung sexueller Übergriffe und der Frage, was man wohl anhatte, ist eine Demütigung und einfach nur Schrott. (Sorry für diese Wortwahl…) „Der Unterschied, Mama, zwischen Männern und Frauen ist, dass Männer Angst haben um ihre Ehre, während Frauen Angst haben um ihr Leben.“
Es ist ein Mädchen - das ist ein Satz, der leider viel zu oft einen negativen Beigeschmack hat. Auch für das Leben von Laurence Barraqué hat er große Bedeutung. Sie wird Ende der 1950er Jahre in Frankreich geboren - als zweites Mädchen, das eigentlich ein Junge hätte werden sollen. So ist sie bereits von Beginn an benachteiligt und leidet in einer von Männern dominierten Welt. Ihr erstes Kind - einen Jungen - verliert sie kurz nach der Geburt, ihr zweites Kind - ein Mädchen - soll es einmal besser haben als sie. Camille Laurens spricht in diesem Buch wichtige, aktuelle Themen an: die Bedeutung des Geschlechts, nicht nur nach, sondern bereits vor der Geburt, die systematische Benachteiligung von Mädchen, Machtmissbrauch, sexuelle Gewalt, strukturelle Unterdrückung von Frauen. Ihr gelingt dies auf eine besondere Weise und das ist ihre Sprache: Laurence, die Hauptfigur, wird von Beginn an direkt angesprochen. Dadurch erhält die Geschichte eine ganz außergewöhnliche Sichtweise. Nach einem traumatischen Erlebnis gibt es einen Wechsel der Anrede, was ich sehr gelungen fand. Der zweite Teil der Geschichte, der Verlust des Kindes bei der Geburt, war für mich sehr schwer verdaulich. Dies lag nicht nur an der Thematik, sondern auch an den Umständen, die zu diesem Verlust führen. Der dritte Teil dreht dann vieles um, was vorher an Bildern aufgebaut wurde. Er schafft vor allem eins: Der Satz "Es ist ein Mädchen" bekommt nun endlich eine positive Bedeutung. Und das war für mich mit das schönste an diesem Buch! Ein großes Kompliment geht übrigens an Lis Künzli, die Übersetzerin, für ihre großartige Arbeit!
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Eine bahnbrechende Bestandsaufnahme der Condition Féminine
»Haben Sie Kinder?«, wird der Vater gefragt. »Nein, ich habe zwei Mädchen«, antwortet er. – Diese Szene ist eine der ersten Erinnerungen einer Frau, die um 1960 in gutbürgerlichen Verhältnissen in Rouen aufwächst. Was folgt, ist ein Leben, wie es exemplarisch scheint für ihre Generation: Laurence befreit sich aus der Enge des Elternhauses, erlebt sexuelle Freiheit, aber auch Gewalt, sie verliert einen Sohn bei der Geburt und bringt eine Tochter zur Welt. Und mit dieser Tochter, die sich allen Rollenzuschreibungen entzieht, öffnet sich etwas – auch für Laurence und ihr Leben als Frau. Aus dem Besonderen eines Frauenschicksals leitet dieser klug konstruierte Roman ab, was im Allgemeinen folgt, nachdem es heißt: »Es ist ein Mädchen.«
»Ich wusste nicht, wie sehnend ich auf genau dieses Buch gewartet habe. ›Es ist ein Mädchen‹ ist klug, klar, witzig und erschütternd – vor allem aber so, so nötig!« Maria-Christina Piwowarski
»Ein Roman, der Frauen das Gefühl schenkt, verstanden zu werden, und Männern die Möglichkeit, zu verstehen.« Mareike Fallwickl
»Sprachlich feinfühlig erzählt der Roman von der Beleidigung, die Mädchen für Väter sein können. Und von der Katastrophe, die diese Kränkung für Frauen bedeutet. Von der Kraft der Versöhnung, die in der weiblichen Solidarität liegt.« Barbara Vinken
Book Information
Author Description
Camille Laurens, 1957 in Dijon geboren, für ihre Romane vielfach ausgezeichnet, schreibt daneben noch Theaterstücke und Essays und unterrichtete an der Sciences Po. Seit 2020 ist sie als Nachfolgerin von Virginie Despentes Mitglied der Académie Goncourt.
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Dieses Buch hat mich wütend gemacht - Und das ist gut so.
Die Geschichte von Laurence beginnt in einer Zeit, in der der Patriarchat in voller Blüte steht. Auch wenn mich die Szenen und Dialoge mit Laurence‘ Vater oft fassungslos gemacht haben, liest man von dieser Art der männlichen Dominanz sehr häufig in letzter Zeit - zum Glück. Eine neue Perspektive konnten mir die Gedanken zum sprachlichen Zusammenhang von Misogynie und Geschlechterrollen geben, die die Autorin subtil und passend einwebt. Mit Fortschreiten der Geschichte und dem Eintauchen in Laucence‘ Erwachsenenleben entwickelte die Geschichte einen echten Sog. Viele Facetten des Feminismus und der Emanzipation wurden geschickt eingearbeitet. Auch wenn die Grundaussage des Buches nichts Neues bereithielt, hat mich die Umsetzung und die Zeichnung der ProtagonistInnen wirklich überzeugt.
Klug geschriebenes, großartiges Buch
Dieses Buch ist wunderbar geschrieben. Die Autorin nimmt einen mit durch das Leben von Laurence, ihrer Familie und ihres Kindes. Camille Laurens schreibt auf eine fast schon poetische Weise und trotzdem so klar, dass einem vieles wie Schuppen von den Augen fällt. Das Buch zeigt viele kleine und große Ungerechtigkeiten auf ohne mit dem Finger zu zeigen, sondern einfach nur durch präzise Beobachtung. Eine Empfehlung für alle, die sich verstanden wollen fühlen und für alle, die besser verstehen möchten.
„Du musst immer wachsam sein. Immer wissen, wer um dich herum ist, wer hinter dir ist, ob dich jemand ansieht, ob dir jemand folgt. Man muss auf der Hut sein, aber ohne, dass man es merkt.“ In Rouen 1960 kommt ein Mädchen zur Welt, Laurence. Sie ist das zweite Mädchen in der Familie und wird enttäuschend empfangen. Denn die Familie wollten ursprünglich einen Sohn - eine männliche Person. Der Vater wird gefragt, ob er Kinder habe und antwortet mit einem Nein und sagt:“ ich habe zwei Mädchen“. Und dies ist der Beginn einer Abwertung einer gutbürgerlichen aber verachteten Familie, die sexuellen Missbrauch stillschweigend ignoriert und keine Rechenschaft zu ziehen scheinen mögen. Laurence trennt sich später von dieser mit patriarchalisch geprägten Familie und wird selbst Mutter. Jedoch wird sie ständig von diesem Gefühl verfolgt, was es eigentlich bedeutet ein Mädchen zu sein. ACHTUNG TW: Mysogynie, Tod, Abtreibung, sexueller Missbrauch. Ich hatte dieses Vergnügen vor dem ET das Rezensionsexemplar lesen zu können und musste es tatsächlich paar mal weglegen. Die Autorin Camille Laurens schaffte es mich zu beeindrucken und zu bewegen, aber auch eine Art Wut auszulösen. Ein Mädchen in unserer heutigen Gesellschaft zu sein, ist alles andere als leicht. An manchen Stellen war ich erschütternd und dann ließ diese Spannung nach und ab und zu kam auch etwas Humor ins Spiel, was sehr gut tat um sich kurz zu beruhigen. Sehr beeindruckend schien mir die Du-Erzählperspektive. Bis Laurence mit 9 Jahren eine traumatische Erfahrung erleben musste, wechselte Camille in die 3. Person und baut eine Distanz zwischen Laurence und dem Geschehen auf. Es zeigt ganz klar, dass in der Gesellschaft immernoch patriachale Strukturen und Mysogynie herrschen. Dass diese immernoch nicht durch zu brechen scheinen und trotz der ständigen Erschöpfung weiter kämpfen zu müssen, macht mütend - müde und wütend. Wenn früh den Mädchen schon eingetrichtert wird, man solle auf der Straße aufpassen, kein Sex vor der Ehe haben oder die ständige Rechtfertigung sexueller Übergriffe und der Frage, was man wohl anhatte, ist eine Demütigung und einfach nur Schrott. (Sorry für diese Wortwahl…) „Der Unterschied, Mama, zwischen Männern und Frauen ist, dass Männer Angst haben um ihre Ehre, während Frauen Angst haben um ihr Leben.“
Es ist ein Mädchen - das ist ein Satz, der leider viel zu oft einen negativen Beigeschmack hat. Auch für das Leben von Laurence Barraqué hat er große Bedeutung. Sie wird Ende der 1950er Jahre in Frankreich geboren - als zweites Mädchen, das eigentlich ein Junge hätte werden sollen. So ist sie bereits von Beginn an benachteiligt und leidet in einer von Männern dominierten Welt. Ihr erstes Kind - einen Jungen - verliert sie kurz nach der Geburt, ihr zweites Kind - ein Mädchen - soll es einmal besser haben als sie. Camille Laurens spricht in diesem Buch wichtige, aktuelle Themen an: die Bedeutung des Geschlechts, nicht nur nach, sondern bereits vor der Geburt, die systematische Benachteiligung von Mädchen, Machtmissbrauch, sexuelle Gewalt, strukturelle Unterdrückung von Frauen. Ihr gelingt dies auf eine besondere Weise und das ist ihre Sprache: Laurence, die Hauptfigur, wird von Beginn an direkt angesprochen. Dadurch erhält die Geschichte eine ganz außergewöhnliche Sichtweise. Nach einem traumatischen Erlebnis gibt es einen Wechsel der Anrede, was ich sehr gelungen fand. Der zweite Teil der Geschichte, der Verlust des Kindes bei der Geburt, war für mich sehr schwer verdaulich. Dies lag nicht nur an der Thematik, sondern auch an den Umständen, die zu diesem Verlust führen. Der dritte Teil dreht dann vieles um, was vorher an Bildern aufgebaut wurde. Er schafft vor allem eins: Der Satz "Es ist ein Mädchen" bekommt nun endlich eine positive Bedeutung. Und das war für mich mit das schönste an diesem Buch! Ein großes Kompliment geht übrigens an Lis Künzli, die Übersetzerin, für ihre großartige Arbeit!










