Eine blassblaue Frauenschrift
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Description
›Eine blaßblaue Frauenschrift‹ erschien erstmals 1941 und gilt als einer der besten Romane, die Franz Werfel verfasst hat.
Book Information
Author Description
Am 10. September 1890 wird Franz Werfel in Prag geboren; als Schüler schreibt er Gedichte und entwirft Dramen. 1914 wird er zum Militärdiensteingezogen; 1917 begegnet er Alma Mahler-Gropius, mit der er bis zu seinem Lebensende verbunden bleibt; er siedelt nach Wien über. Zu dieser Zeit sind bereits mehrere Gedichtbände von ihm erschienen, hat er kritische Aufsätze veröffentlicht. 1919 folgt seine erste ganz eigenständige Novelle ›Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig‹. 1921 wird sein Drama ›Spiegelmensch‹ aufgeführt. In den nächsten Jahren entstehen ›Der Tod des Kleinbürgers‹, ›Kleine Verhältnisse‹, ›Der Abituriententag‹, ›Die Geschwister von Neapel‹ und immer wieder Gedichte. 1929 heiratet er Alma Mahler. 1933 erscheinen ›Die vierzig Tage des Musa Dagh‹ – eine Mahnung an die Menschlichkeit; im gleichen Jahr werden seineBücher in Deutschland verbrannt.1938, als Hitlers Truppen in Österreich einmarschieren, hält sich Werfel in Capri auf – seine Emigration beginnt. 1940 wird er in Paris an die Spitze der Auslieferungsliste der Deutschen gesetzt. Mit Alma und einigen Freunden flüchtet er zu Fuß über die Pyrenäen nach Spanien. ›Das Lied von Bernadette‹ schreibt er als Dank für seine Errettung. Von Lissabon bringt sie ein Schiff nach New York. Die letzten Jahre verlebt Werfel in Los Angeles, Kalifornien. Am 26. August 1945 erliegt er seinem schweren Herzleiden.
Posts
Brillant geschriebene Erzählung. Obwohl sie im Jahr 1936 spielt, ist sie topaktuell. Ein Emporkömmling wird von seiner unrühmlichen Vergangenheit eingeholt. Erst versucht er, sie zu vertuschen, dann taktiert er, wie er mit ihr umgehen kann, ohne etwas zu riskieren. Ein Lehrstück über Karrieremenschen, denen nur ihre eigene Behaglichkeit und ihr "Gesicht" in der Öffentlichkeit wichtig ist. Als "Klassiker" hat diese Erzählung alles, was gute Unterhaltungsliteratur ausmacht: Witz, Spannung, Emotionen, gut lesbare Sprache, mit einem Anreiz zum Nachdenken.
Richtig gutes Buch, von einem mir bisher ganz unbekannten Autor
Absolut interessant, wie viel Gehalt in einem recht schmalen Buch stecken kann Es geht um Heuchelei, den schönen Schein, Lug und Trug im noblen Wien, den Beginn bzw erste deutliche Zeichen von Antisemitismus Kann ich sehr empfehlen, liest sich leicht und flüssig und steckt doch voll wichtiger Themen
Hinter der blassen Schrift verbergen sich Abgründe „Scheußliche Sucht des Beamten, alles zu motivieren, alles zu unterbauen! Lag nicht das wahre Leben im Unvorhergesehenen, in der Eingebung der Sekunde? Hatte er, auf den Grund verderbt durch Erfolg und Wohlergehen, schon mit fünfzig Jahren verlernt, wahr zu leben?“ (S. 71) Dieses (Lese-)Jahr steht bei mir scheinbar bisher unter dem Banner „Klassiker“ – habe ich doch in den ersten 5 Monaten dieses Jahres schon den ein oder anderen gelesen bzw. bin noch dabei. Als „vor der nächsten Leserunde“-Lektüre hatte ich mir unter anderem spontan die Novelle „Eine blaßblaue Frauenschrift“ von Franz Werfel ausgewählt. Nun, die 154 Seiten stellen jetzt keine große (zeitliche) Herausforderung dar, inhaltlich war ich jedoch erstaunt, was sich hinter der blaßblauen Schrift alles verbirgt. Neben der intensiven Betrachtung von Leonida´s Innen- und Seelenleben, dass Selbigen auf Grund eines geheimnisvollen Briefes seiner ehemaligen Geliebten aus der Bahn zu werfen scheint, erfährt die geneigte Leserschaft auch etwas zur (politischen) Stimmung in Österreich des Jahres 1936, was sich nicht nur in Absätzen wie diesem widerspiegelt: „Stürmisches Wetter. Leonidas hat den Wetterbericht des Radios im Ohr. […] „Depression über Österreich. Stürmisches Wetter im Anzug.““ (S. 149) Dieses schmale Büchlein, dass mich insbesondere im 3. Kapitel teilweise an Franz Kafka denken ließ (wer wird es mir verübeln, war doch Werfel ein Freund von Kafka gewesen, auch wenn diese Novelle erst 17 Jahre nach Kafka´s Tod erschienen ist), ist auf jeden Fall eine kurzweilige, teils erheiternde, teils nachdenklich stimmende Lektüre, die ich zukünftig wohl immer mal wieder in die Hand nehmen werde. Klare Leseempfehlung! ©kingofmusic
Dieses Büchlein ist mir im letzten Jahr immer mal wieder über den Weg gelaufen und schlussendlich fasste ich den Entscheid, dass ich es nun endlich mal lesen müsse. Dass es gleich zu mehreren Challenges passt, ist ein weiterer Pluspunkt für Werfels Werk. Die Geschichte spielt sich nur innerhalb eines einzigen Tages ab und ist dabei sehr ruhig und bedacht erzählt. An einigen Stellen wechselt die Erzählperspektive und auch die Beschreibungen des Wetters im Oktober sorgen für Atmosphäre. Gleichzeitig widerspiegeln diese das Innenleben unseres Helden. Interessanterweise ist Leonidas nicht wirklich ein sympathischer Character, aber auch kein Antagonist. Er ist ein Mensch, wie es viele gibt, gab und geben wird. Sie lassen sich von aktuellen Strömungen tragen, profitieren und sind doch eigentlich ziemlich schwach. Mir persönlich kam Leonidas vor wie der bekannte "Fisch in der Hand". Dabei ist er wohl der Prototyp der damaligen höheren Gesellschaft. In Deutschland gehen seltsame Dinge vor sich, in Österreich und dem Rest der Welt guckt man schief und beobachtet erst einmal. Ist ja alles irgendwie weit weg. Doch dann geschieht etwas und es macht klick. Plötzlich hat Leonidas irgendwelche kuriosen Ideen und Fantasien und kann diese nicht mehr von der realen Welt unterscheiden. Wenn ich ehrlich sein darf - ich habe mich da auch selbst wiedererkannt. Zum Glück habe ich in meinem Leben einen Anker, der mich in solchen Situationen wieder auf den Boden der Tatsachen holt. Werfels Held fehlt dieser Halt. Aber genau diese Schwäche lässt Leon, wie er von seiner Gattin genannt wird, auch glaubhaft wirken. Er ist ein ganz normaler Held, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Werfel schreibt ohne Pathos, es ist eine Geschichte, die einem jeden in irgendeiner Weise widerfahren könnte. Auch das Thema des Zweiten Weltkrieges ist nicht dominant, aber es lauert im Hintergrund und drängt sich in Form von Vera in Leonidas Bewusstsein. Somit ist "Eine blassblaue Frauenschrift" ein kurzes, aber äusserst lesenswertes Buch, das mir wirklich Eindruck gemacht hat.
Ein Meisterwerk!
Der Einblick in die Seele des Betrügers, die von Macht und Einfluss gesteuerte Politik und Wissenschaft und das feine Gespür für einen (teils latenten, teils sehr offenkundigen) Antisemitismus im Wien der 1930er-Jahre sind nur drei gute Gründe, diese Novelle zu lesen. Fabelhafte Sprache, fast unglaubliche Metaphern und Bilder - ein Meisterwerk!
Description
›Eine blaßblaue Frauenschrift‹ erschien erstmals 1941 und gilt als einer der besten Romane, die Franz Werfel verfasst hat.
Book Information
Author Description
Am 10. September 1890 wird Franz Werfel in Prag geboren; als Schüler schreibt er Gedichte und entwirft Dramen. 1914 wird er zum Militärdiensteingezogen; 1917 begegnet er Alma Mahler-Gropius, mit der er bis zu seinem Lebensende verbunden bleibt; er siedelt nach Wien über. Zu dieser Zeit sind bereits mehrere Gedichtbände von ihm erschienen, hat er kritische Aufsätze veröffentlicht. 1919 folgt seine erste ganz eigenständige Novelle ›Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig‹. 1921 wird sein Drama ›Spiegelmensch‹ aufgeführt. In den nächsten Jahren entstehen ›Der Tod des Kleinbürgers‹, ›Kleine Verhältnisse‹, ›Der Abituriententag‹, ›Die Geschwister von Neapel‹ und immer wieder Gedichte. 1929 heiratet er Alma Mahler. 1933 erscheinen ›Die vierzig Tage des Musa Dagh‹ – eine Mahnung an die Menschlichkeit; im gleichen Jahr werden seineBücher in Deutschland verbrannt.1938, als Hitlers Truppen in Österreich einmarschieren, hält sich Werfel in Capri auf – seine Emigration beginnt. 1940 wird er in Paris an die Spitze der Auslieferungsliste der Deutschen gesetzt. Mit Alma und einigen Freunden flüchtet er zu Fuß über die Pyrenäen nach Spanien. ›Das Lied von Bernadette‹ schreibt er als Dank für seine Errettung. Von Lissabon bringt sie ein Schiff nach New York. Die letzten Jahre verlebt Werfel in Los Angeles, Kalifornien. Am 26. August 1945 erliegt er seinem schweren Herzleiden.
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Brillant geschriebene Erzählung. Obwohl sie im Jahr 1936 spielt, ist sie topaktuell. Ein Emporkömmling wird von seiner unrühmlichen Vergangenheit eingeholt. Erst versucht er, sie zu vertuschen, dann taktiert er, wie er mit ihr umgehen kann, ohne etwas zu riskieren. Ein Lehrstück über Karrieremenschen, denen nur ihre eigene Behaglichkeit und ihr "Gesicht" in der Öffentlichkeit wichtig ist. Als "Klassiker" hat diese Erzählung alles, was gute Unterhaltungsliteratur ausmacht: Witz, Spannung, Emotionen, gut lesbare Sprache, mit einem Anreiz zum Nachdenken.
Richtig gutes Buch, von einem mir bisher ganz unbekannten Autor
Absolut interessant, wie viel Gehalt in einem recht schmalen Buch stecken kann Es geht um Heuchelei, den schönen Schein, Lug und Trug im noblen Wien, den Beginn bzw erste deutliche Zeichen von Antisemitismus Kann ich sehr empfehlen, liest sich leicht und flüssig und steckt doch voll wichtiger Themen
Hinter der blassen Schrift verbergen sich Abgründe „Scheußliche Sucht des Beamten, alles zu motivieren, alles zu unterbauen! Lag nicht das wahre Leben im Unvorhergesehenen, in der Eingebung der Sekunde? Hatte er, auf den Grund verderbt durch Erfolg und Wohlergehen, schon mit fünfzig Jahren verlernt, wahr zu leben?“ (S. 71) Dieses (Lese-)Jahr steht bei mir scheinbar bisher unter dem Banner „Klassiker“ – habe ich doch in den ersten 5 Monaten dieses Jahres schon den ein oder anderen gelesen bzw. bin noch dabei. Als „vor der nächsten Leserunde“-Lektüre hatte ich mir unter anderem spontan die Novelle „Eine blaßblaue Frauenschrift“ von Franz Werfel ausgewählt. Nun, die 154 Seiten stellen jetzt keine große (zeitliche) Herausforderung dar, inhaltlich war ich jedoch erstaunt, was sich hinter der blaßblauen Schrift alles verbirgt. Neben der intensiven Betrachtung von Leonida´s Innen- und Seelenleben, dass Selbigen auf Grund eines geheimnisvollen Briefes seiner ehemaligen Geliebten aus der Bahn zu werfen scheint, erfährt die geneigte Leserschaft auch etwas zur (politischen) Stimmung in Österreich des Jahres 1936, was sich nicht nur in Absätzen wie diesem widerspiegelt: „Stürmisches Wetter. Leonidas hat den Wetterbericht des Radios im Ohr. […] „Depression über Österreich. Stürmisches Wetter im Anzug.““ (S. 149) Dieses schmale Büchlein, dass mich insbesondere im 3. Kapitel teilweise an Franz Kafka denken ließ (wer wird es mir verübeln, war doch Werfel ein Freund von Kafka gewesen, auch wenn diese Novelle erst 17 Jahre nach Kafka´s Tod erschienen ist), ist auf jeden Fall eine kurzweilige, teils erheiternde, teils nachdenklich stimmende Lektüre, die ich zukünftig wohl immer mal wieder in die Hand nehmen werde. Klare Leseempfehlung! ©kingofmusic
Dieses Büchlein ist mir im letzten Jahr immer mal wieder über den Weg gelaufen und schlussendlich fasste ich den Entscheid, dass ich es nun endlich mal lesen müsse. Dass es gleich zu mehreren Challenges passt, ist ein weiterer Pluspunkt für Werfels Werk. Die Geschichte spielt sich nur innerhalb eines einzigen Tages ab und ist dabei sehr ruhig und bedacht erzählt. An einigen Stellen wechselt die Erzählperspektive und auch die Beschreibungen des Wetters im Oktober sorgen für Atmosphäre. Gleichzeitig widerspiegeln diese das Innenleben unseres Helden. Interessanterweise ist Leonidas nicht wirklich ein sympathischer Character, aber auch kein Antagonist. Er ist ein Mensch, wie es viele gibt, gab und geben wird. Sie lassen sich von aktuellen Strömungen tragen, profitieren und sind doch eigentlich ziemlich schwach. Mir persönlich kam Leonidas vor wie der bekannte "Fisch in der Hand". Dabei ist er wohl der Prototyp der damaligen höheren Gesellschaft. In Deutschland gehen seltsame Dinge vor sich, in Österreich und dem Rest der Welt guckt man schief und beobachtet erst einmal. Ist ja alles irgendwie weit weg. Doch dann geschieht etwas und es macht klick. Plötzlich hat Leonidas irgendwelche kuriosen Ideen und Fantasien und kann diese nicht mehr von der realen Welt unterscheiden. Wenn ich ehrlich sein darf - ich habe mich da auch selbst wiedererkannt. Zum Glück habe ich in meinem Leben einen Anker, der mich in solchen Situationen wieder auf den Boden der Tatsachen holt. Werfels Held fehlt dieser Halt. Aber genau diese Schwäche lässt Leon, wie er von seiner Gattin genannt wird, auch glaubhaft wirken. Er ist ein ganz normaler Held, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Werfel schreibt ohne Pathos, es ist eine Geschichte, die einem jeden in irgendeiner Weise widerfahren könnte. Auch das Thema des Zweiten Weltkrieges ist nicht dominant, aber es lauert im Hintergrund und drängt sich in Form von Vera in Leonidas Bewusstsein. Somit ist "Eine blassblaue Frauenschrift" ein kurzes, aber äusserst lesenswertes Buch, das mir wirklich Eindruck gemacht hat.
Ein Meisterwerk!
Der Einblick in die Seele des Betrügers, die von Macht und Einfluss gesteuerte Politik und Wissenschaft und das feine Gespür für einen (teils latenten, teils sehr offenkundigen) Antisemitismus im Wien der 1930er-Jahre sind nur drei gute Gründe, diese Novelle zu lesen. Fabelhafte Sprache, fast unglaubliche Metaphern und Bilder - ein Meisterwerk!










