Drei Frauen
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Book Information
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Drei Frauen von Dacia Maraini, aus dem Italienischen von Ingrid Ickler ist mein erstes Buch der 90jährigen Autorin. Ich habe das dünne Büchlein (180 Seiten) sehr gern gelesen. Die Handlung spielt im Zeitraum von dreizehn Monaten. Drei Frauen ist in Tagebuch- bzw. Briefform geschrieben, die Kapitel sind mit Datum (ohne Jahreszahl) überschrieben, abwechselnd aus der Perspektive der 60jährigen Großmutter Gesuina, der 40jährigen Mutter Maria und der 17jährigen Tochter bzw. Enkelin Lori. Gesuina hat noch lange nicht mit der Liebe abgeschlossen, sie hat eine Internetromanze mit dem fünfzehn Jahre jüngeren Filippo und eine „Kuss-Beziehung“ mit dem jungen Bäcker Simone. Sie war früher Schauspielerin, doch seit vielen Jahren verdient sie ihren Lebensunterhalt mit dem Verabreichen von Injektionen. Maria ist Literaturübersetzerin und sehr arbeitsam, sie arbeitet von früh bis spät, um „Madame Bovary“ rechtzeitig vor Weihnachten ins Italienische zu übersetzen. Mit ihrer großen Liebe François fährt sie regelmäßig in Urlaub, in der Zeit dazwischen schreiben sie sich Briefe. Lori ist Schülerin, sie ist mit Tulú zusammen und recht rebellisch unterwegs. Aus einer Laune heraus lässt sie sich einen Drachen auf den Rücken tätowieren. Kurz vor Weihnachten kommt François für ein paar Tage zu Besuch, bevor er mit Maria zu einem längeren Urlaub nach Holland aufbricht. Der Franzose bringt eine Lawine ins Rollen, die das Leben der drei Frauen radikal umkrempelt. Nach wenigen Seiten habe ich mich an den ungewöhnlichen Schreibstil gewöhnt, und nachdem das Drama seinen Lauf genommen hatte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Am meisten mochte ich Gesuina, die sich vom Leben nimmt, was ihr gefällt, sich aber auch für ihre Tochter und Enkelin aufopfert. Ich hatte Diskussionsbedarf, da einige Fragen offenbleiben und würde das Buch an Buchclubs empfehlen. Ich freue mich, diese Autorin entdeckt zu haben und werde mir auch ihre anderen Bücher anschauen.
Drei Frauen, die zusammen in einem Haushalt in Italien leben. Großmutter, Mutter und Tochter. Sie sind sehr unterschiedlich. Vor allem Mutter Maria ist anders, eher ein Feingeist, sie liebt es Briefe zu schreiben. Sie verdient das Geld für die drei Frauen, kümmert sich um den Haushalt. Großmutter Gesuina ist verliebt in die Liebe. Ohne Männerbekanntschaften geht da nichts. Der ortsansässige Bäcker küsst sie leidenschaftlich gern. Er ist einige Jahre jünger, hat dann später auch eine Frau aber das ist nicht so wichtig. Tochter Lori ist Teenagerin, gegen alles was Mutter und Großmutter anbelangt. Sie ist recht orientierungslos und macht nur was sie will. Das Zusammenleben der drei Frauen funktioniert so irgendwie aber dann kommt ein Mann dazu und stellt das bisherige Leben komplett auf den Kopf. Dieser Roman wird uns erzählt anhand Tagebucheinträgen, Briefen und einem eingesprochenen Tagebuch. Die drei Frauen tauschen sich wenig miteinander aus, haben eine andere Art gefunden über sich zu „sprechen“. Mit poetischer Sprache besticht dieses Buch und der Frage nach der Solidarität der Frauen untereinander. Wie wichtig ist die Liebe? Was kann eine Familie eigentlich alles aushalten? Die Entwicklung von Großmutter Gesuina hat mir richtig gut gefallen. Sie wächst von der männerverückten Frau über sich hinaus, weist Lori in ihre Schranken und wird zum liebevollen Oberhaupt der drei Frauen. Auch Maria ist einfach toll. Das Buch liest sich richtig gut und viel zu schnell weg. Da auch mein Kritikpunkt. Ich hätte sehr gern gewusst wie diese Geschichte weitergeht. Ein toller Roman, der mit der wunderbaren Sprache glänzt und den leisen Zwischentönen. Empfehle ich euch sehr gern weiter.
Sehr schöner, poetischer Schreibstil, die Geschichte wirkte am Ende auf mich aber etwas unfertig.
"Ich weiß, dass dich deine Kollegen für einen etwas durchgeknallten Träumer halten, der intellektuell anspruchsvolle Bücher liest und sinnlose romantische Gedichte schreibt. Aber tatsächlich bist du ein Gefangener dieser geistlosen Gesellschaft, und deine freien Tage sind begrenzt." Dacia Maraini liefert uns mit ihrem Roman "Drei Frauen" eine Geschichte, die sich mit Generationenkonflikten, Lebenslügen und der Solidarität unter Frauen beschäftigt. Für mich glänzt dieser Roman vor allem durch seine wundervolle, poetische Sprache. Es gab so viele Zeilen, die ich zwei-, dreimal gelesen habe, um sie mir richtig auf der Zunge zergehen zu lassen. Sprachlich hat Maraini wirklich schöne Bilder entstehen lassen, daher war ich umso enttäuschter, dass mich das Buch letztlich so unbefriedigt zurückgelassen hat. Über weite Strecken war die Story etwas zäh. Das Ende kam mir persönlich dagegen zu plötzlich, was dazu führt, dass das Buch für mich so unfertig wirkt. "Verlieren macht mir nichts aus, mir gefällt, was vorher passiert, das Warten in Ungewissheit, das Balancieren auf einem Seil über dem Abgrund: Werde ich kopfüber in die Tiefe stürzen oder aber einen Haufen Goldmünzen gewinnen? Ich spreche nicht vom Glücksspiel, sondern vom Liebesroulette. Ich drehe gern am Rad und oft verliere ich. Aber manchmal gewinne ich auch." Gesuina, Mutter und Großmutter, ist ein Freigeist und voller Lebenslust, sie ist verliebt in die Liebe - vor allem ins Küssen. Gedanklich fühlt sie sich ihrer Enkelin näher als ihrer Tochter, die sie als zart und zerbrechlich empfindet. Ihre Enkelin hingegen ist rebellisch und wild. Ein bisschen wie sie selbst. "Die neuen Technologien, von denen es heißt, sie würden das Leben einfacher machen, sind mir zuwider. Sie machen alles nur komplizierter, die Intimität geht verloren, der Umgang miteinander wird oberflächlicher und zur Pflichterfüllung. Und dann dieses Monster im Alurahmen, das ewige Starren auf einen Computerbildschirm, der sich für allmächtig hält, nach außen blinkend und strahlend, im Inneren ein seelenloses Wirrwarr von Kabeln und Drähten." Maria, Tochter und Mutter, arbeitet als Übersetzerin und schreibt sich ellenlange Liebesbriefe mit François, der weit entfernt in Lille lebt und nur alle 4 oder 5 Monate nach Italien kommt. Sie ist der Halt der Familie. "Manchmal möchte ich lieber sterben, natürlich ohne wirklich zu sterben, ich möchte leben, aber nichts wissen, ich möchte fliegen, aber mit den Füßen am Boden bleiben, ich weiß selbst nicht, was ich will. Ich bin ein einziges Fiasko." Lori, Enkelin und Tochter, rebelliert für ihre Freiheit. Sie hat wenig Verständnis für ihre Briefe schreibende, allzu romantisch veranlagte Mutter. Doch genauso wenig Verständnis zeigt sie für ihre Großmutter, die ständig mit jungen Kerlen anbändelt. Sie will tun worauf sie Lust hat, ohne über die Folgen nachdenken zu müssen. Das Zusammenleben dieser drei Frauen gerät ins Wanken, als der Freund von Maria das Leben von ihnen allen durcheinanderbringt. Die Geschichte entfaltet sich vor uns aus den jeweiligen Perspektiven der Protagonistinnen. Dabei erzählt uns Gesuina ihre Sicht der Dinge, indem sie ihre Gedanken mittels Diktiergerät aufnimmt. Die Gedanken ihrer Tochter Maria hingegen erfahren wir aus den Briefen an François, während uns Lori ihre Tagebucheinträge lesen lässt. Für mich hat das allerdings nur bedingt gut funktioniert, da hier auch Gespräche - insbesondere bei Lori - eingebunden wurden, denen ich durch das Fehlen der wörtlichen Rede auch nur bedingt folgen konnte. Was funktioniert hat: Ich habe ein gutes Gefühl für die drei Frauen - wie sie ticken - bekommen. Allerdings fehlt mir eine tiefere Verbindung, was sicher auch an der Kürze des Romans liegt. Thematisch ist "Drei Frauen" definitiv ein moderner und auch aktueller Roman - sprachlich auf jeden Fall auch ein Leckerbissen - doch für mich hat das nicht gereicht, um mich zu überzeugen. Aus meiner Sicht hätte der Roman gut und gerne 200 Seiten mehr haben können, dann hätte sich das Ganze für mich vielleicht weniger unfertig angefühlt.

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Drei Frauen von Dacia Maraini, aus dem Italienischen von Ingrid Ickler ist mein erstes Buch der 90jährigen Autorin. Ich habe das dünne Büchlein (180 Seiten) sehr gern gelesen. Die Handlung spielt im Zeitraum von dreizehn Monaten. Drei Frauen ist in Tagebuch- bzw. Briefform geschrieben, die Kapitel sind mit Datum (ohne Jahreszahl) überschrieben, abwechselnd aus der Perspektive der 60jährigen Großmutter Gesuina, der 40jährigen Mutter Maria und der 17jährigen Tochter bzw. Enkelin Lori. Gesuina hat noch lange nicht mit der Liebe abgeschlossen, sie hat eine Internetromanze mit dem fünfzehn Jahre jüngeren Filippo und eine „Kuss-Beziehung“ mit dem jungen Bäcker Simone. Sie war früher Schauspielerin, doch seit vielen Jahren verdient sie ihren Lebensunterhalt mit dem Verabreichen von Injektionen. Maria ist Literaturübersetzerin und sehr arbeitsam, sie arbeitet von früh bis spät, um „Madame Bovary“ rechtzeitig vor Weihnachten ins Italienische zu übersetzen. Mit ihrer großen Liebe François fährt sie regelmäßig in Urlaub, in der Zeit dazwischen schreiben sie sich Briefe. Lori ist Schülerin, sie ist mit Tulú zusammen und recht rebellisch unterwegs. Aus einer Laune heraus lässt sie sich einen Drachen auf den Rücken tätowieren. Kurz vor Weihnachten kommt François für ein paar Tage zu Besuch, bevor er mit Maria zu einem längeren Urlaub nach Holland aufbricht. Der Franzose bringt eine Lawine ins Rollen, die das Leben der drei Frauen radikal umkrempelt. Nach wenigen Seiten habe ich mich an den ungewöhnlichen Schreibstil gewöhnt, und nachdem das Drama seinen Lauf genommen hatte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Am meisten mochte ich Gesuina, die sich vom Leben nimmt, was ihr gefällt, sich aber auch für ihre Tochter und Enkelin aufopfert. Ich hatte Diskussionsbedarf, da einige Fragen offenbleiben und würde das Buch an Buchclubs empfehlen. Ich freue mich, diese Autorin entdeckt zu haben und werde mir auch ihre anderen Bücher anschauen.
Drei Frauen, die zusammen in einem Haushalt in Italien leben. Großmutter, Mutter und Tochter. Sie sind sehr unterschiedlich. Vor allem Mutter Maria ist anders, eher ein Feingeist, sie liebt es Briefe zu schreiben. Sie verdient das Geld für die drei Frauen, kümmert sich um den Haushalt. Großmutter Gesuina ist verliebt in die Liebe. Ohne Männerbekanntschaften geht da nichts. Der ortsansässige Bäcker küsst sie leidenschaftlich gern. Er ist einige Jahre jünger, hat dann später auch eine Frau aber das ist nicht so wichtig. Tochter Lori ist Teenagerin, gegen alles was Mutter und Großmutter anbelangt. Sie ist recht orientierungslos und macht nur was sie will. Das Zusammenleben der drei Frauen funktioniert so irgendwie aber dann kommt ein Mann dazu und stellt das bisherige Leben komplett auf den Kopf. Dieser Roman wird uns erzählt anhand Tagebucheinträgen, Briefen und einem eingesprochenen Tagebuch. Die drei Frauen tauschen sich wenig miteinander aus, haben eine andere Art gefunden über sich zu „sprechen“. Mit poetischer Sprache besticht dieses Buch und der Frage nach der Solidarität der Frauen untereinander. Wie wichtig ist die Liebe? Was kann eine Familie eigentlich alles aushalten? Die Entwicklung von Großmutter Gesuina hat mir richtig gut gefallen. Sie wächst von der männerverückten Frau über sich hinaus, weist Lori in ihre Schranken und wird zum liebevollen Oberhaupt der drei Frauen. Auch Maria ist einfach toll. Das Buch liest sich richtig gut und viel zu schnell weg. Da auch mein Kritikpunkt. Ich hätte sehr gern gewusst wie diese Geschichte weitergeht. Ein toller Roman, der mit der wunderbaren Sprache glänzt und den leisen Zwischentönen. Empfehle ich euch sehr gern weiter.
Sehr schöner, poetischer Schreibstil, die Geschichte wirkte am Ende auf mich aber etwas unfertig.
"Ich weiß, dass dich deine Kollegen für einen etwas durchgeknallten Träumer halten, der intellektuell anspruchsvolle Bücher liest und sinnlose romantische Gedichte schreibt. Aber tatsächlich bist du ein Gefangener dieser geistlosen Gesellschaft, und deine freien Tage sind begrenzt." Dacia Maraini liefert uns mit ihrem Roman "Drei Frauen" eine Geschichte, die sich mit Generationenkonflikten, Lebenslügen und der Solidarität unter Frauen beschäftigt. Für mich glänzt dieser Roman vor allem durch seine wundervolle, poetische Sprache. Es gab so viele Zeilen, die ich zwei-, dreimal gelesen habe, um sie mir richtig auf der Zunge zergehen zu lassen. Sprachlich hat Maraini wirklich schöne Bilder entstehen lassen, daher war ich umso enttäuschter, dass mich das Buch letztlich so unbefriedigt zurückgelassen hat. Über weite Strecken war die Story etwas zäh. Das Ende kam mir persönlich dagegen zu plötzlich, was dazu führt, dass das Buch für mich so unfertig wirkt. "Verlieren macht mir nichts aus, mir gefällt, was vorher passiert, das Warten in Ungewissheit, das Balancieren auf einem Seil über dem Abgrund: Werde ich kopfüber in die Tiefe stürzen oder aber einen Haufen Goldmünzen gewinnen? Ich spreche nicht vom Glücksspiel, sondern vom Liebesroulette. Ich drehe gern am Rad und oft verliere ich. Aber manchmal gewinne ich auch." Gesuina, Mutter und Großmutter, ist ein Freigeist und voller Lebenslust, sie ist verliebt in die Liebe - vor allem ins Küssen. Gedanklich fühlt sie sich ihrer Enkelin näher als ihrer Tochter, die sie als zart und zerbrechlich empfindet. Ihre Enkelin hingegen ist rebellisch und wild. Ein bisschen wie sie selbst. "Die neuen Technologien, von denen es heißt, sie würden das Leben einfacher machen, sind mir zuwider. Sie machen alles nur komplizierter, die Intimität geht verloren, der Umgang miteinander wird oberflächlicher und zur Pflichterfüllung. Und dann dieses Monster im Alurahmen, das ewige Starren auf einen Computerbildschirm, der sich für allmächtig hält, nach außen blinkend und strahlend, im Inneren ein seelenloses Wirrwarr von Kabeln und Drähten." Maria, Tochter und Mutter, arbeitet als Übersetzerin und schreibt sich ellenlange Liebesbriefe mit François, der weit entfernt in Lille lebt und nur alle 4 oder 5 Monate nach Italien kommt. Sie ist der Halt der Familie. "Manchmal möchte ich lieber sterben, natürlich ohne wirklich zu sterben, ich möchte leben, aber nichts wissen, ich möchte fliegen, aber mit den Füßen am Boden bleiben, ich weiß selbst nicht, was ich will. Ich bin ein einziges Fiasko." Lori, Enkelin und Tochter, rebelliert für ihre Freiheit. Sie hat wenig Verständnis für ihre Briefe schreibende, allzu romantisch veranlagte Mutter. Doch genauso wenig Verständnis zeigt sie für ihre Großmutter, die ständig mit jungen Kerlen anbändelt. Sie will tun worauf sie Lust hat, ohne über die Folgen nachdenken zu müssen. Das Zusammenleben dieser drei Frauen gerät ins Wanken, als der Freund von Maria das Leben von ihnen allen durcheinanderbringt. Die Geschichte entfaltet sich vor uns aus den jeweiligen Perspektiven der Protagonistinnen. Dabei erzählt uns Gesuina ihre Sicht der Dinge, indem sie ihre Gedanken mittels Diktiergerät aufnimmt. Die Gedanken ihrer Tochter Maria hingegen erfahren wir aus den Briefen an François, während uns Lori ihre Tagebucheinträge lesen lässt. Für mich hat das allerdings nur bedingt gut funktioniert, da hier auch Gespräche - insbesondere bei Lori - eingebunden wurden, denen ich durch das Fehlen der wörtlichen Rede auch nur bedingt folgen konnte. Was funktioniert hat: Ich habe ein gutes Gefühl für die drei Frauen - wie sie ticken - bekommen. Allerdings fehlt mir eine tiefere Verbindung, was sicher auch an der Kürze des Romans liegt. Thematisch ist "Drei Frauen" definitiv ein moderner und auch aktueller Roman - sprachlich auf jeden Fall auch ein Leckerbissen - doch für mich hat das nicht gereicht, um mich zu überzeugen. Aus meiner Sicht hätte der Roman gut und gerne 200 Seiten mehr haben können, dann hätte sich das Ganze für mich vielleicht weniger unfertig angefühlt.








