Die Stille des Meeres

Die Stille des Meeres

Hardback
3.241
Booker PrizeTragischNichollsBerührend

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Description

Farouks Leben ist am Ende, weil er verloren hat, was ihm am meisten bedeutete. Lampys Leben sollte gerade so richtig anfangen, doch dann ließ ihn seine große Liebe Chloé einfach stehen. John hat sein Leben lang andere betrogen und hofft nun verzweifelt auf Gottes Vergebung. In einer kleinen Stadt in Irland werden diese drei Männer sich auf unwahrscheinliche Weise begegnen. Mit fatalen Folgen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
288
Price
22.70 €

Author Description

Donal Ryan, geboren 1976 in Nenagh, Tipperary, studierte Bauingenieurwesen und Jura und unterrichtet Creative Writing an der Universität von Limerick. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Castletroy, Limerick. Seine Romane ›Die Gesichter der Wahrheit‹ und ›Die Stille des Meeres‹ waren auf der Longlist des Man Booker Prize.

Posts

7
All
4

Ein leises Buch, deren Erzählstränge am Anfang des Buches von unterschiedlichen Menschen und deren Geschichten handeln und am Ende alle zuammenlaufen und sich ineinanderfügen.

4

Ein ruhiges, kraftvolles Buch, das nachdenklich macht und nachhallt…

3

Wunderschöner Schreibstil, aber trotzdem konnte ich nie so ganz in die Geschichte abtauchen.

5

Im ersten Abschnitt geht es um den syrischen Arzt Farouk, der sich mit Frau und Tochter auf eine verzweifelte Flucht begibt und das Schicksal seiner kleinen Familie in die Hände eines Schleusers legt. Ach, wie schnell man als Leser:in schon ahnt, dass das kein gutes Ende nehmen wird … Wir haben den Luxus, nur allzu klar zu sehen, wie skrupellos der Schleuser ist, wie leer seine Versprechen, wie zum Scheitern verurteilt das schäbige kleine Boot – Menschenleben sind hier nicht mal ein Teil der Kosten-Nutzen-Rechnung. Es ist Luxus, weil wir diesen Schmerz nicht selber erleben müssen, während Farouk sich später verzweifelt an seine Amnesie klammern wird. Wie oft hörst du solche Geschichten in den Nachrichten und in Dokumentarfilmen, und dennoch kannst du dir nicht wirklich vorstellen, wie sich die Überlebenden fühlen. Dem Roman gelingt eine wirkungsvolle Balance: wir sind nah genug dran, um mitfühlen zu können, aber es überschreitet nicht die Grenze zum Betroffenheitskitsch. An die Nieren geht es jedoch allemal. Im zweiten Abschnitt des Buches geht es um den 23-jährigen Lampy, der es den Leser:innen nicht leicht macht. Er ist antriebslos und emotional unreif, hat ein unbestreitbares Aggressionspotential und ein vorsintflutliches Frauenbild. Gerade hat ihn seine große Liebe verlassen und er schwankt zwischen Resignation und Todessehnsucht. Ich halte ihn für einen jungen Mann, dem ein positives männliches Vorbild fehlt; seinen Vater kennt er nicht. Mutter und Großvater sind beide auf ihre Art unzuverlässige Bezugspersonen, die selber nicht das notwendige Wissen oder die emotionale Reife haben, um Lampy zu fördern. Gleichzeitig ketten sie ihn mehr oder weniger bewusst an sich und damit an ein Milieu, in dem er sich nicht weiterentwickeln kann. Für mich ist das Interessanteste diese Leerstelle: wer ist sein Vater? Warum will die Mutter nicht raus mit der Sprache? Donal Ryan gelingt das Kunststück, dass ich als Leserin trotz Lampys unerfreulicher Eigenschaften dennoch wissen wollte, wie es mit ihm weitergeht. Ich fieberte durchaus mit ihm mit und wünschte mir, er könnte sich noch lösen aus diesem Umfeld. Mögen konnte ich ihn nur bedingt und nur mit bewusster Anstrengung – aber sie sind da, die verkümmerten positiven Eigenschaften, der Hauch Hoffnung auf ein sinnvolles Leben. Ist Farouk im Grunde ein sympathischer, tragischer Held und Lampy ein frustrierter Außenseiter mit Aggressionsproblemen, geht es im dritten Abschnitt um John, der in vielem ein schrecklicher, unmoralischer, gewissenloser Mensch ist. Da schreckst du beim Lesen geradezu zurück, willst gar nicht riskieren, vielleicht doch mit so jemandem mitzufühlen. Ja, John hat durchaus auch Schlimmes erlebt, vor allem den Tod seines Bruders, der immer der Lieblingssohn der Eltern war – was sie John auch spüren ließen –, aber das entschuldigt sein Verhalten bei Weitem nicht. Jetzt legt er Beichte ab und ich frage mich: Glaubst du denn wirklich, dass es damit getan ist? Ich rätselte beim Lesen: Wo ist das Bindeglied zwischen diesen Männern, was haben Farouk, Lampy und John gemeinsam? Geht es um Tod, Liebe, männliches Selbstverständnis? Im allerletzten Abschnitt des Buches bringt der Autor die Geschichten seiner grundverschiedenen Protagonisten zusammen und liefert damit ein Ende, dem das Kunststück gelingt, zwar überraschend und sogar eher unwahrscheinlich zu sein, aber dennoch überzeugend und glaubhaft. Chapeau! Fazit Ein Episodenroman: Drei Männer treffen im kleinen irischen Ort Ardnamoher aufeinander. Farouk ist aus Syrien geflohen und völlig traumatisiert; Lampy wurde von seiner großen Liebe verlassen und ist zornig, traurig und frustriert; John war sein ganzes Leben lang ein schrecklicher Mensch und sucht jetzt auf den letzten Drücker die Vergebung. Sie kennen sich nicht, sie haben scheinbar nichts miteinander zu tun, ihre Leben verliefen in völlig anderen Bahnen. Und doch hat ihr Weg sie hierhin geführt, und Donal Ryan gewährt den Leser:innen vielschichtige Einblicke in die Lebenswirklichkeit seiner Protagonisten. Der Schreibstil ist mal fast schon poetisch, dann wieder abgehackt und atemlos, ab und an geradezu roh… Der Autor bedient die ganze Klaviatur und erzielt damit eine sehr eindringliche Wirkung; seine Worte spiegeln die Persönlichkeiten seiner Protagonisten in jedem Abschnitt stimmig wider. Die sind meines Erachtens alle sehr komplex und überzeugend gezeichnet, in ihren positiven, aber gerade auch in ihren zwiespältigen oder sogar negativ besetzten Eigenschaften. Das erzeugt echten Tiefgang, und auch echte Spannung ohne Effekthascherei – für mich ist “Die Stille des Meeres” dementsprechend auch eine echte Leseempfehlung. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: wordpress.mikkaliest.de/rezension-donal-ryan-die-stille-des-meeres

4

3,5 Sterne Ein sehr eindringliches Buch, drei völlig nebeneinander stehende Geschichten die im letzten Teil des Buches zusammenfinden. Farouk ist Arzt in Syrien und will seine Familie vor der immer näher rückenden Kriegsfront in Sicherheit bringen. Lampy ist ein junger irischer Teenager, der von seiner ersten großen Liebe verlassen wurde und damit zurecht kommen lernen muss. John ist im Leben ein echt mieser Kerl gewesen, der jahrelang gelogen und betrogen hat um sich selbst zu bereichern. Jetzt im Alter spürt er so etwas wie Reue... aber wer kann ihm Absolution erteilen? Wenn ihr wissen wollt, wie diese sich völlig unterschiedlich anfühlenden Geschichten zusammen passen, dann kann ich euch dies eindringlich erzählte Buch ans Herz legen. Ich musste immer mal wieder pausieren und die Geschehnisse sacken lassen. Im Mittelteil gab es für mich ein wenig Längen, die das Ende aber wieder entschädigte.

5

Den Roman “Die Stille des Meeres” legt Donal Ryan in vier Teilen an, von denen die ersten drei jeweils einem männlichen Protagonisten folgen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Farouk ist Syrer und flüchtet vor dem Krieg mit seiner Frau und seiner Tochter mit Hilfe eines Schleppers über das Mittelmeer. Lampy hingegen durchlebt gerade seinen ersten Liebeskummer, denn er wurde von Chloe verlassen. Allzu viel Erbauliches hat er nicht in seinem Leben: Es wohnt Anfang 20 noch bei seiner Mutter und seinem Großvater in einem irischen Städtchen, seinen Vater hatte er nie kennengelernt und seine Arbeit im Altenheim erinnert ihn tagtäglich an sein gescheitertes Studium. Im dritten Teil begleiten wir John bei einer Lebensbeichte: Er betrog und manipulierte als “Lobbyist” sein Leben lang andere Leute und zerstörte deren Ruf und Leben für seinen eigenen finanziellen Vorteil. Den Verlust seines geliebten Bruders hat er nie ganz überwunden und als er zum ersten Mal wieder Liebe erfährt, findet die Beziehung ein tragisches Ende. Allein diesen drei Charakteren zu folgen, war ein Hochgenuss. Donal Ryan beschreibt so simpel und klar, dabei so wahrhaftig und einfühlsam, dass es mir beim Hören die Schuhe auszog. Kein Satz ist hier zu viel oder zu wenig. Dabei wird an jedem der Charaktere neu untersucht, wie sich die Erfahrungen des bisherigen Lebens auf die Gegenwart auswirken. Drei Männer aus drei unterschiedlichen Generationen erleiden Verluste und gehen auf unterschiedliche Weise damit um, insbesondere geprägt von einem Umfeld mit erwartungsgeladenem Männerbild. Jedes Schicksal hat seine individuelle Tragik, jeder Lebenslauf wirft Fragen von Schuld und Moral auf. Aber vor allem sensibilisiert Ryan die Leser*innen im Hinblick auf das Verborgene in fremden Menschen, das sie zu dem führt, der sie jetzt sind und auf die unbedingte Notwendigkeit, jedem mit Respekt und Empathie zu begegnen. Das Sahnehäubchen bildete der vierte Teil, in dem durch die Brille Lampys Großvaters die drei Stränge auf wirklich überraschende Weise zusammengeführt werden. Kurzweilig und gleichzeitig tiefgehend, ohne sprachlich abzuheben - für mich war’s die perfekte Mischung!

3

Vom Trauma wegen eines Wortes Es gibt ja Autorinnen und Autoren, deren (Teil-)Backlist auf dem Tsunny seit Jahren auf ihren Einsatz warten. Dann gibt es ein neues Buch, die Möglichkeit, jenes in einer Leserunde zu diskutieren und - tja, hier fängt es an, das Dilemma. Zunächst einmal fällt bei "Die Stille des Meeres" des irischen Autors Donal Ryan auf, dass es keinerlei Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Rede gibt; ein Stilmittel, welches man häufiger sieht bzw. liest und mit dem ich normalerweise auch kein Problem habe. Wenn aber der Text nur so dahin fließt wie ein steter Strom und sich über knapp dreihundert Seiten in Richtung Meer (Ende) bewegt (unterbrochen von kleineren Inseln im Sinne von Kapiteln und Leseabschnitten, die jeweils nach einem der Protagonisten benannt sind und dessen Geschichte die geneigte Leserschaft dann genauer kennenlernt) kann es mit dem Lesen auch anstrengend werden. So habe ich es empfunden; andere werden damit weniger Probleme haben, was aber vollkommen in Ordnung ist! Ist die Geschichte von Farouk und seiner Familie noch emotional bewegend, sind es die Kapitel über Lampy und John leider nicht mehr. Sie sind weder sympathisch (Lampy noch eher als John) noch haben sie mich bewegt, obwohl beide (wie jeder von uns) ihre Lebenspäckchen zu tragen haben. Auch die "Zusammenführung" der verschiedenen Personen im letzten Teil ist mir zu konstruiert, zu nichtssagend, zu gewollt, zu hektisch. Wenigstens da war Donal Ryan konsequent: sein ganzes Buch lebt von einer geschriebenen Hektik, die durch die häufige Benutzung des Wortes "und" noch unterstrichen wird. Zum Schluss konnte ich das Wort nicht mehr lesen ohne genervt mit den Augen zu rollen. Vielleicht war es volle Absicht des Autors, seine Geschichte "schnell" zu erzählen und im Teil über Farouk hatte ich sogar noch Verständnis für die Erzählweise. Danach hat sie sich mir leider nicht mehr erschlossen. Was bedeutet das jetzt für die Bewertung? Ich muss gestehen: selten ist es mir so schwer gefallen, eine Entscheidung zu treffen. Obwohl ich "Die Stille des Meeres" in Teilen gerne gelesen habe, muss ich mir treu bleiben und anderen gegenüber ehrlich sein, so dass ich (irgendwie mit schwerem Herzen aber konsequent) 3* und eine eingeschränkte Leseempfehlung ausspreche. © kingofmusic

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