Die seligen Jahre der Züchtigung

Die seligen Jahre der Züchtigung

Softcover
3.424

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Description

Ein Mädcheninternat im Appenzell der sechziger Jahre. Gehorsam und Disziplin prägen die Ordnung des Hauses. Die heitere Landschaft vor den Fenstern treibt die vierzehnjährige Ich-Erzählerin zu stundenlangen einsamen Spaziergängen. Eines Tages erscheint eine Neue während des Mittagessens: Frédérique, schön, streng, verächtlich und voller Überdruss. Frédérique ist anders, etwas Leises und Schreckliches umgibt sie. Ihr sind Beherrschung, Gehorsam und Perfektion bereits zur zweiten Natur geworden. Die Erzählerin ist gebannt von ihrer Erscheinung, sie will sie erobern, sucht ihre Freundschaft. Empfänglich für den morbiden Reiz der Disziplin verfällt sie Frédérique mehr und mehr. Und erst ein ganzes Leben später kann die Erzählerin ihre abgründige Liebe in Worte fassen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
110
Price
12.40 €

Author Description

Fleur Jaeggy ist eine schweizerische und italienischsprachige Autorin, Ex-Model, Intellektuelle, Mystikerin, inzwischen etwas über 80 Jahre alt, ehemals enge Vertraute Ingeborg Bachmanns, Witwe des Adelphi-Verlegers Roberto Calasso, heute lebt sie weitgehend zurückgezogen in Mailand. Ihr weltweit gefeiertes Werk umfasst Romane, Erzählungen und Geschichten – beginnend mit Ich bin der Bruder von XX, wird es fortan vollständig im Suhrkamp Verlag erscheinen.

Posts

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"Vom ersten Tag an wollte ich mit ihr zusammen sein, und mit ihr zusammen zu sein bedeutete, ihre Seele anzunehmen, Komplizin zu werden und alle anderen geringzuschätzen." (S. 23) Ein Mädcheninternat im Schweizer Appenzell der 1960er Jahre. Die Nachkriegszeit steckt noch tief in den Knochen. Disziplin, Respekt und Ordnung sind nach wie vor die Mittel, um nicht aufzufallen oder anzuecken. Die 14-jährige Ich-Erzählerin lebt seit ihrem achten Lebensjahr im Internat. Über die Jahre lernt sie verschiedene Arten weiblicher Autorität kennen: die eigene Großmutter, das Personal des Internats, aber auch unter den Schülerinnen gibt es eine Ordnung. Die Mädchen suchen untereinander nach Orientierung und Zuneigung, doch stets mit einem Hauch von Neid und Konkurrenz. Eines Tages trifft Frédérique ein: die Neue, die sich ab dem ersten Moment perfekt zu benehmen und zu geben weiß. Die Erzählerin richtet sich aus an der neuen Schülerin, die ihr in allem voraus zu sein scheint. Sie sucht ihre Nähe, möchte ihr gefallen und gesteht sich im Stillen ein, verliebt zu sein in ihr Ideal einer Frau. Der Titel lässt Grausamkeiten und Gewalt vermuten. Doch "Die seligen Jahre der Züchtigung" verlaufen überwiegend wortlos. Es ist eine stille Züchtigung, die beklemmend wirkt. Disziplin und Selbstbeherrschung sind oberstes Gebot und Emotionen finden kein Ventil. "Ich verstand die Kinder, die sich aus dem obersten Stock eines Internats stürzen, nur um einmal etwas Unordentliches zu tun." (S. 53) Die Neuauflage dieser schmalen Novelle von Fleur Jaeggy, aus dem Italienischen übersetzt von #barbaraschaden, schafft eine sterile Atmosphäre, die dennoch eine gewisse Ästhetik mitbringt. Malerisch beschreibt sie die Umgebung und eindringlich den Umgang der Mädchen miteinander sowie die Faszination füreinander. Auf allen Mädchen scheint eine Traurigkeit zu lasten, die sie stets mit Würde und aufrechter Haltung tragen. Ein Buch, das mehr als einmal und sehr aufmerksam gelesen werden muss, damit nichts verloren geht. 

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„Die seligen Jahre der Züchtigung“ von Fleur Jaeggy, erschienen im @suhrkampverlag, übersetzt von Barbara Schaden. Erstveröffentlichung 1989 Wie ist es wohl in einem Mädcheninternat in den 60er Jahren aufzuwachsen? Genau das beschreibt Fleur Jaeggy in der kurzen Novelle mit gerade einmal 110 Seiten. Die vierzehnjährige Erzählerin wächst in einem Internat, dem Bausler Institut, für Mädchen aus betuchtem Hause im Kanton Appenzell in der Schweiz auf. Es ist nicht das erste Internat und wird auch nicht das letzte in ihrer Kindheit und Jugend bleiben. Sie unternimmt lange Spaziergänge durch die Natur und lernt schließich Frédérique, die „Neue“ im Internat kennen. Sie ist fasziniert, eifert ihr nach, verfällt ihr inmitten des Lebens im Internat mit all seinen Reglements des Gehorsams und der Disziplin. Es entsteht eine enge Bindung zwischen den beiden Mädchen, bis schließlich Micheline im Internat auftaucht, die für die Erzählerin so gegensätzlich zu Frédérique zu sein scheint und sie zunächst für sich einnimmt. Irgendwann neigt sich die Zeit im Internat ihrem Ende zu und die Wege der Interatsschülerinnen trennen sich. Insbesondere die Trennung von Frédérique, die sehr emotional und eindrücklich beschrieben wird, scheint für die Protagonistin ein massiver Einschnitt zu sein und die Erinnerungen daran begleiten sie ein Leben lang. Eingebettet ist diese Geschichte in den Internatsalltag, der geprägt ist von Disziplin und Gehorsam und einer „gefühlten Kälte“. Die Erzählerin beschreibt dies anschaulich anhand des Verhaltens der Internatsleitung, eines Ehepaars, und verschiedenen Erfahrungen aus früheren Internatsaufenthalten mit beispielsweise der „Mère préfète“, der leitenden Nonne in einem französischen Internatskloster. Für mich sind die Themen der Novelle der Wunsch nach Geborgenheit der Heranwachsenden in dieser zu Gehorsam verpflichteten Welt, in der sie aufwachsen. Anhand der Beschreibungen des Elternhauses wird dies sehr deutlich hervorgehoben. Die Mutter schreibt ihre „Befehle“ und Anordnungen aus Brasilien, der Vater stattet hin und wieder Besuche ab, schreibt kurze Briefe und lässt aber im Gegensatz zu den anderen Eltern die Tochter an ihrem letzten Tag im Internat nicht abholen. Fleur Jaeggys Sprache ist sehr flüssig, sehr beschreibend. Der Internatsalltag wird immer wieder mit Metaphern des gespickt. Ein kurzweiliges Buch für zwischendurch, das ich sehr gerne gelesen habe.

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Dieses Buch hat mich stark an die Werke von Annie Ernaux erinnert. Es herrscht eine ähnlich beklemmende Stimmung vor und auch die Sprache ist ähnlich gehalten. Schlicht und direkt erzählt Jaeggy ihre Geschichte, von der ich mich stets fragte, wie viel davon autobiographisch sein könnte. Genauso wie es ein sehr kurzes Buch ist, ist es eine sehr enge Geschichte. Diese Enge ist auch deutlich spürbar. Die 60er-Jahre mit ihrem starren Bild eines Mädchens, die Enge des Internats, die Enge des Tals. Die jugendliche Erzählerin wird je länger je mehr zu gross dafür, sprengt die Seiten. Ein faszinierendes Werk, das sich zu ergründen lohnt.

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Es ist ein sehr ruhiges Buch ich hätte gedacht das es mehr Interaktion zwischen den beiden gibt aber es ist auch schön mal das Innenleben mitzubekommen von so einen Internat

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