Die liegende Frau
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Description
Book Information
Author Description
Laura Vogt, geboren 1989 in Teufen (Schweiz), studierte Kulturwissenschaften in Luzern und Literarisches Schreiben in Biel. 2016 erschien ihr Debüt So einfach war es also zu gehen, mit dem sie u. a. zu den Solothurner Literaturtagen und zu PROSANOVA – Festival für junge Literatur eingeladen wurde. 2020 folgte der Roman Was uns betrifft, der ins Englische übersetzt wurde. Sie schreibt neben Prosa auch lyrische, dramatische und journalistische Texte und ist als Schriftdolmetscherin und Mentorin tätig. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Ostschweiz.
Posts
Drei Freundinnen planen einen gemeinsamen Urlaub in Berlin. Kurz bevor es dazu kommt, fährt Nora zu ihrer Mutter ins Rheintal, verschwindet in ihrem alten Kinderzimmer, legt sich dort ins Bett und verfällt in Schweigen. Kurzerhand entschließen sich Szibila und Romi ihr hinterher zu reisen und quartieren sich in einem Wellnesshotel ein. Während Romi, die selbst gerade in einer Selbstfindung und Neuerfindung ihrer Partnerschaft steckt, sehr verstört ist von Noras Verhalten, scheint Szibila, die den Männern abgeschworen hat und keine Beziehung eingehen möchte, da sie Abhängigkeit befürchtet, nicht weiter beunruhigt über Noras Zustand. Es folgen fünf Tage, in denen Romi und Szibila sich selbst und auch einander näher kommen und letztendlich auch Nora wieder zu sich findet. - Laura Vogt erschafft sehr nahbare und tiefgründige Charaktere mit Stärken und Schwächen, voll von Fragen und Widersprüchen, angereichert mit Wünschen und einer Vorstellung vom Leben, wie es sein könnte. Da ist Nora, die mit ihrem Muttersein hadert und sich gern mal in sich zurückzieht, sonst aber ein sonniges Gemüt hat und ihrer Tochter eine bessere Sicht auf das Frau sein vermitteln will. Da ist Romi, gerade schwanger mit ihrem zweiten Kind, die sich vor kurzem in Dennis verliebt hat, aber auch ihren Mann liebt und Polyamorie für sich entdeckt. Die Alles und Nichts will und Angst hat am Ende zu versagen. Und da ist Szibila, deren Menstruationsbeschwerden sehr viel tiefer gehen und einen anderen Ursprung haben, die nichts von Abhängigkeit hält und diese in jeder Beziehung vermutet. Sie bleibt lieber allein als sich einem Mann zu unterwerfen und ist im Allgemeinen der Ansicht, dass es nicht gut ist, dass wir Menschen auf diesem Planeten sind. Sie alle eint der Wunsch anders zu sein, ihr Leben abseits von Normen und Konventionen zu führen, selbst zu bestimmen. Genau darum geht es auch. Es geht um große (feministische) Fragen, angefangen bei der, was eine Frau sich rausnehmen darf, inwieweit sie ihr Leben selbst bestimmen darf und was das für sie und ihre Umwelt bedeutet. Es geht darum Sozialisierungen zu hinterfragen und auch alte Muster zu durchbrechen. Wer sagt, das eine Frau unbedingt einen Mann an ihrer Seite braucht? Wer sagt, dass eine Mutter immer in erster Linie für die Kinder da ist, die Care-Arbeit übernimmt, die Wünsche aller anderen über die eigenen stellt? Und wer sagt, dass Mutterschaft immer etwas Schönes ist? Vogt zeigt auf, dass es schwer ist, die gesellschaftliche Prägung abzulegen, dass es mit Selbstzweifel einhergeht und nicht selten in Selbstaufgabe endet, sie zeigt aber auch, dass es möglich ist für sich selbst einen anderen, passenderen Weg zu finden. Anhand verschiedener Familiengeschichten wird außerdem klar, welche Last und Überzeugungen von der Kindheit ins Erwachsenenalter übergehen und wie diese das Denken und Fühlen beeinflussen können. - Ein starker Roman der Individualismus über Erwartungen von außen stellt, der die Freiheit der*des Einzelnen beleuchtet und gute Denkanstöße gibt. Bis auf das Ende, dass mir persönlich viel zu offen war, hat es mir sehr gut gefallen und ich kann es euch wärmstens empfehlen.
feministisch, oberflächlich, offen
„Die liegende Frau“ von Laura Vogt, ein Roman über drei Frauen, ein Roman über unterschiedliche Lebensentwürfe und über Freundschaft. Nora liegt im Bett und spricht nicht mehr. Eine Situation, die ihre beide Freundinnen so nicht stehen lassen wollen. Romi und Szibilla reisen Nora hinterher, mieten sich in der Nähe ein und warten bis ihre Freundin das Schweigen bricht. Dabei haben die beiden viel Zeit. Diese nutzen sie um über ihre unterschiedlichen Leben zu sprechen. Denn diese sind sehr verschieden. Und eigentlich mögen sich Romi und Szibilla nicht. Zu gegensätzlich ist ihre Einstellung zu Kindern und zur Liebe. Die schwangere Romi lebt polyamorös und Szibilla findet das sowie Kinderhaben unverantwortlich. Ich war sehr neugierig auf das Buch, eine Frau, die sich niederlegt, ihre Welt völlig ausklammert und die Stopp-Taste drückt ohne sich zu erklären. Ein spannendes Motiv. Doch zunächst geht es um die beiden Freundinnen Noras. Szibilla sehr feststehend in ihrer Meinung, fast militant, macht Romi klar, was sie davon hält, dass diese seit kurzem – neben ihrem Ehemann – einen weiteren Mann an ihrer Seite hat. Und das trotz Kleinkind und Schwangerschaft. Romi eher von sanfterer Natur, hinterfragt ihren Lebensentwurf unter den kritischen Aussagen Szibillas zunehmend. Über Szibillas Hintergrund und Motive erfährt man hingegen vergleichsweise recht wenig. Ich hätte gerne gewusst, wo ihre doch sehr radikale Meinung herkommt. Abgesehen davon ist sie nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, sie ist sehr offensiv und angriffig. Ich bin nicht warm mit ihr geworden. Generell sind mir die Gespräche der beiden zu sehr an der Oberfläche geblieben und die Charaktere der beiden Frauen ein wenig zu undifferenziert ausgestaltet. Das betrifft auch das Ende, ich hätte da gerne mehr gehabt! Insgesamt ein gutes Thema, interessant polarisierende Protagonistinnen und eine gute Grundlage, wobei ich mir von allem in alle Richtungen mehr gewünscht hätte.

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Laura Vogt, geboren 1989 in Teufen (Schweiz), studierte Kulturwissenschaften in Luzern und Literarisches Schreiben in Biel. 2016 erschien ihr Debüt So einfach war es also zu gehen, mit dem sie u. a. zu den Solothurner Literaturtagen und zu PROSANOVA – Festival für junge Literatur eingeladen wurde. 2020 folgte der Roman Was uns betrifft, der ins Englische übersetzt wurde. Sie schreibt neben Prosa auch lyrische, dramatische und journalistische Texte und ist als Schriftdolmetscherin und Mentorin tätig. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Ostschweiz.
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Drei Freundinnen planen einen gemeinsamen Urlaub in Berlin. Kurz bevor es dazu kommt, fährt Nora zu ihrer Mutter ins Rheintal, verschwindet in ihrem alten Kinderzimmer, legt sich dort ins Bett und verfällt in Schweigen. Kurzerhand entschließen sich Szibila und Romi ihr hinterher zu reisen und quartieren sich in einem Wellnesshotel ein. Während Romi, die selbst gerade in einer Selbstfindung und Neuerfindung ihrer Partnerschaft steckt, sehr verstört ist von Noras Verhalten, scheint Szibila, die den Männern abgeschworen hat und keine Beziehung eingehen möchte, da sie Abhängigkeit befürchtet, nicht weiter beunruhigt über Noras Zustand. Es folgen fünf Tage, in denen Romi und Szibila sich selbst und auch einander näher kommen und letztendlich auch Nora wieder zu sich findet. - Laura Vogt erschafft sehr nahbare und tiefgründige Charaktere mit Stärken und Schwächen, voll von Fragen und Widersprüchen, angereichert mit Wünschen und einer Vorstellung vom Leben, wie es sein könnte. Da ist Nora, die mit ihrem Muttersein hadert und sich gern mal in sich zurückzieht, sonst aber ein sonniges Gemüt hat und ihrer Tochter eine bessere Sicht auf das Frau sein vermitteln will. Da ist Romi, gerade schwanger mit ihrem zweiten Kind, die sich vor kurzem in Dennis verliebt hat, aber auch ihren Mann liebt und Polyamorie für sich entdeckt. Die Alles und Nichts will und Angst hat am Ende zu versagen. Und da ist Szibila, deren Menstruationsbeschwerden sehr viel tiefer gehen und einen anderen Ursprung haben, die nichts von Abhängigkeit hält und diese in jeder Beziehung vermutet. Sie bleibt lieber allein als sich einem Mann zu unterwerfen und ist im Allgemeinen der Ansicht, dass es nicht gut ist, dass wir Menschen auf diesem Planeten sind. Sie alle eint der Wunsch anders zu sein, ihr Leben abseits von Normen und Konventionen zu führen, selbst zu bestimmen. Genau darum geht es auch. Es geht um große (feministische) Fragen, angefangen bei der, was eine Frau sich rausnehmen darf, inwieweit sie ihr Leben selbst bestimmen darf und was das für sie und ihre Umwelt bedeutet. Es geht darum Sozialisierungen zu hinterfragen und auch alte Muster zu durchbrechen. Wer sagt, das eine Frau unbedingt einen Mann an ihrer Seite braucht? Wer sagt, dass eine Mutter immer in erster Linie für die Kinder da ist, die Care-Arbeit übernimmt, die Wünsche aller anderen über die eigenen stellt? Und wer sagt, dass Mutterschaft immer etwas Schönes ist? Vogt zeigt auf, dass es schwer ist, die gesellschaftliche Prägung abzulegen, dass es mit Selbstzweifel einhergeht und nicht selten in Selbstaufgabe endet, sie zeigt aber auch, dass es möglich ist für sich selbst einen anderen, passenderen Weg zu finden. Anhand verschiedener Familiengeschichten wird außerdem klar, welche Last und Überzeugungen von der Kindheit ins Erwachsenenalter übergehen und wie diese das Denken und Fühlen beeinflussen können. - Ein starker Roman der Individualismus über Erwartungen von außen stellt, der die Freiheit der*des Einzelnen beleuchtet und gute Denkanstöße gibt. Bis auf das Ende, dass mir persönlich viel zu offen war, hat es mir sehr gut gefallen und ich kann es euch wärmstens empfehlen.
feministisch, oberflächlich, offen
„Die liegende Frau“ von Laura Vogt, ein Roman über drei Frauen, ein Roman über unterschiedliche Lebensentwürfe und über Freundschaft. Nora liegt im Bett und spricht nicht mehr. Eine Situation, die ihre beide Freundinnen so nicht stehen lassen wollen. Romi und Szibilla reisen Nora hinterher, mieten sich in der Nähe ein und warten bis ihre Freundin das Schweigen bricht. Dabei haben die beiden viel Zeit. Diese nutzen sie um über ihre unterschiedlichen Leben zu sprechen. Denn diese sind sehr verschieden. Und eigentlich mögen sich Romi und Szibilla nicht. Zu gegensätzlich ist ihre Einstellung zu Kindern und zur Liebe. Die schwangere Romi lebt polyamorös und Szibilla findet das sowie Kinderhaben unverantwortlich. Ich war sehr neugierig auf das Buch, eine Frau, die sich niederlegt, ihre Welt völlig ausklammert und die Stopp-Taste drückt ohne sich zu erklären. Ein spannendes Motiv. Doch zunächst geht es um die beiden Freundinnen Noras. Szibilla sehr feststehend in ihrer Meinung, fast militant, macht Romi klar, was sie davon hält, dass diese seit kurzem – neben ihrem Ehemann – einen weiteren Mann an ihrer Seite hat. Und das trotz Kleinkind und Schwangerschaft. Romi eher von sanfterer Natur, hinterfragt ihren Lebensentwurf unter den kritischen Aussagen Szibillas zunehmend. Über Szibillas Hintergrund und Motive erfährt man hingegen vergleichsweise recht wenig. Ich hätte gerne gewusst, wo ihre doch sehr radikale Meinung herkommt. Abgesehen davon ist sie nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, sie ist sehr offensiv und angriffig. Ich bin nicht warm mit ihr geworden. Generell sind mir die Gespräche der beiden zu sehr an der Oberfläche geblieben und die Charaktere der beiden Frauen ein wenig zu undifferenziert ausgestaltet. Das betrifft auch das Ende, ich hätte da gerne mehr gehabt! Insgesamt ein gutes Thema, interessant polarisierende Protagonistinnen und eine gute Grundlage, wobei ich mir von allem in alle Richtungen mehr gewünscht hätte.






