Die Allee
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Book Information
Author Description
Florentine Anders, geboren 1968 in Berlin, ist Enkelin der Henselmanns. Sie studierte an der Universität Leipzig und der Université Assas in Paris. Danach absolvierte sie die Journalistenschule Centre de Formation des Journalistes (CFJ) in Paris und arbeitete als freie Journalistin in Frankreich und Deutschland und ist jetzt Redakteurin beim Studio ZX, einem Unternehmen des ZEIT-Verlags. Seit 2022 ist sie Vorstandsmitglied der Hermann-Henselmann-Stiftung.
Posts
Familiengeschichte des bekannten DDR-Architekten Hermann Henselmann von der Weimarer Republik bis in die Nachwendezeit. Man kann hier nachlesen, wie schwer es den DDR-Repräsentanten fiel, sich mit Visionen anzufreunden und warum die DDR-Architektur nun so aussieht wie sie aussieht. Auch die Schattenseiten von Henselmanns Persönlichkeit werden gebührend gewürdigt. Interessant
Das wunderschöne von Kat Menschik gestaltete Cover hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht. Auch der Klappentext hat mein Interesse geweckt, da ich gern Bücher über die Zeit der deutschen Teilung lese. Im Mittelpunkt des Romans steht der Stararchitekt der DDR Hermann Henselmann und seine Familie, vor allem Tochter Isi und Enkelin Isa. Das Buch wurde von Henselmanns Enkelin Florentine Anders geschrieben. Henselmanns erstes großes Projekt war die Villa Kenwin in der Schweiz, ein Wahrzeichen der Bauhaus-Bewegung. 1931 lernte Hermann die zehn Jahre jüngere Isi kennen, die damals sechzehn Jahre alt war. Wir erfahren viel über Henselmanns Bauprojekte wie die Stalinallee und den Berliner Fernsehturm, aber auch über seine Ehe und das Familienleben. Isi und Hermann bekommen acht Kinder, trotz der Kinderschar ist Isi berufstätig und arbeitet als Architektin. Die Kinder erziehen sich gegenseitig, die Älteren kümmern sich um die Kleinen. Schon bei kleineren Vergehen werden sie vom Vater hart bestraft. Besonders die kleine Isa leidet sehr unter dem Jähzorn des Vaters. Als sie ihren späteren Mann Hermann kennenlernt, nennt sie ihn Hermi, um nicht ständig an den ungeliebten Vater erinnert zu werden. Hermann ist notorischer Fremdgeher, Isi findet sich irgendwann wohl oder übel damit ab, sie konzentriert sich auf ihre Karriere. Isa ist das fünfte der acht Henselmann-Kinder. Die Familie ist privilegiert, pflegt Umgang mit der Politprominenz und bekannten Künstlern wie Bertold Brecht, Manfred Krug und Brigitte Reimann. Es ist ein sehr persönliches Buch, wir erfahren von einer Vergewaltigung und von Abtreibungen. Es war das erste Buch, das ich über regimetreue Prominente in der DDR gelesen habe. Neben der Geschichte der Henselmanns lernen wir die Geschichte der DDR kennen – über den Tod Stalins, den Aufstand vom 17. Juni 1953, dem Mauerbau bis hin in die 1980er Jahre und den Fall des kommunistischen Regimes. Das Buch liest sich wie ein Sachbuch, der Schreibstil ist nüchtern und sachlich, weswegen mich die teils schlimmen Erlebnisse und Erfahrungen nicht berühren konnten. Es passiert sehr viel in vielen kurzen Kapiteln. Die Kapitel sind mit den Ereignissen überschrieben, die erzählt werden. Das Buch empfehle ich vor allem Leser*innen, die einen Bezug zur DDR und/oder zur Architektur haben.
In dem Buch begleiten wir die Familie Henselmann in dem Zeitraum von 1931 bis 1995. Gestartet wird mit den Großeltern, später lernt Hermann Henselmann, bekannter Architekt, Isi kennen. Sie werden Eltern von stolzen acht Kindern. Isi ist nicht die geborene Mutter, sehnt sich nach Anerkennung im Beruf und hält meistens ihrem Mann den Rücken frei. Er ist ungerecht zu den Kindern, betrügt seine Frau und ist auch sonst kein sonderlich sympathischer Mann. Später geht es viel um Isa, eine Tochter der beiden. Sie hat sehr gelitten unter ihren Eltern und kämpft auch später noch mit den Folgen davon. Ein unaufgeregt geschriebener Roman, der wenig mit Emotionen, eher mit Distanziertheit hervorsticht. Wir begleiten die Familie über so viele Jahre, erleben eine dysfunktionale Familie und was das mit den einzelnen Familienmitgliedern anstellt. Es war für mich erschreckend zu lesen wie hier mit den Kindern umgegangen wurde. Das hatte ich in diesem Buch nicht unbedingt erwartet. Es geht viel um den Beruf des Vaters, ein machthungriger, angepasster DDR Bürger, der es verstand, sich das Leben auch in schwierigen Zeiten angenehm zu gestalten und sich weitestgehend um sich selbst dreht. Das machte mich als Leser schon direkt wütend. Die Abschnitte mit der Architektur haben sich für mich etwas gezogen. Das liegt zum einen daran, dass ich einfach keine Ahnung von Architektur habe, zum anderen war ich vielleicht auch noch etwas zu jung zur Wende, um das nachvollziehen zu können. Insgesamt ist hier ordentlich viel passiert, das muss ich jetzt erstmal alles sacken lassen. Für alle Leser, die sich für die DDR Geschichte interessieren, auf jeden Fall ein spannendes Buch.
Die Familiengeschichte der Henselmanns Der Architekt Hermann Henselmann, ist für einige Bauwerke berühmt. Der Fernsehturm in Berlin und der Uniriese in Leipzig. Da ich in Leipzig wohne, ist das Hochhaus natürlich ein ständiger Begleiter für mich. Die Geschichte beginnt mit dem Kennenlernen von Isi und Hermann. Er weckt das Interesse in ihr an Architektur, Isi würde es gern selbst studieren. Hermann ist der Meinung das braucht sie nicht, sie kann ja von ihm lernen. Als Isi endlich volljährig ist, können die beiden endlich heiraten und bekommen im Laufe der Jahre 8 Kinder, wobei Isi insgesamt 10 mal schwanger ist. Es ist schwer während des Krieges die immer wachsende Familie durchzubringen und auch um ihre Sicherheit zu sorgen. Sie reisen von einer Stadt zur nächsten, um sich vor den Bomben zu schützen. Hermann schafft es als unabkömmlich zu sein und zu bleiben. Der Neustart gelingt in Weimar. Als Leiter der Uni kann Hermann einiges aufbauen und Isi fängt neben den Kindern ein Studium an. Nach einigen Vorwürfen und Überwerfungen, schafft Hermann es sich nach Berlin versetzen zu lassen. Dort soll er an der Stalinallee, später Karl-Marx-Allee mitarbeiten. Seine Entwürfe kommen bei Ulbricht nicht gut an, aber irgendwie kann er weiterarbeiten, auch nicht immer so wie er es möchte. Isi hardert mit seinen Affären und der Kindererziehung. Sie hat weiterhin nichts eigenes und wird bei der Zeitschrift Sibylle eine Serie über Inneneinrichtung machen. Isa ist die mittlere Tochter, wirkte als Baby sehr kränklich und wurde dadurch von Isi nicht sehr geschätzt. Auch den Jähzorn des Vaters hat sie häufig abbekommen. Sie sehnt sich nach Freiheit, von der Familie. Sie sucht sich einen Weg, strauchelt aber immer wieder was Männer und einem Sinn im Leben betrifft. Sie hat von zwei Männern insgesamt 5 Kinder und versucht ähnlich wie ihre Mutter alles unter einen Hut zu bekommen und nicht unterzugehen. Es war sehr spannend über die Familie zu lesen, auch die Entwicklung der Zeitgeschichte in dieser Zeit. Vielleicht betrachtet man manche Gebäude nachdem lesen nochmal mit anderen Augen 😉

Familientragödie in der DDR Zeit
**** Worum geht es? **** Beides stimmte: „Hermann hätte alles für seine Kinder getan.“, „Hermann hätte jedes seiner Kinder verkauft.“ Wie das möglich ist? Das erfährt man auf dieser einzigartigen und sehr persönlichen Reise in die Vergangenheit. **** Mein Eindruck **** Selten habe ich die DDR und das Leben einer Familie mit all ihren Eigenheiten so intensiv erlebt. Ich tauchte ein in die Welt von Mutter und Künstlerin Isi, Vater und Lebemann Hermann sowie Tochter Isa, die ihren eigenen Weg gehen will. Die Erzählweise aus diesen drei Perspektiven sorgt für Abwechslung und Tiefe. Die Handlung erstreckt sich szenisch über mehr als ein halbes Jahrhundert und ist emotional dicht, auch wenn die Sprache der Autorin eher nüchtern und sachlich daherkommt. Genau dieser Kontrast hat mir gefallen: die trockene Sprache trifft auf intensive, bewegende Inhalte – das ergibt eine faszinierende Dynamik. Der Klappentext legt einen stärkeren Fokus auf die Architektur bedeutender DDR-Bauten nahe, doch dieses Thema bleibt im Buch eher im Hintergrund. Es wird zwar gestreift, spielt aber insgesamt eine untergeordnete Rolle – daher ein kleiner Punktabzug. Was bleibt, ist ein Roman mit großer Tiefe und einem eindringlichen Porträt familiärer Verstrickungen. Besonders die stillen, authentischen Zwischentöne haben mich berührt. Das Buch vermittelt ein feines Gespür für die Zeit, für die Rollen der Frauen und ihren Wunsch nach Freiheit – leise, aber wirkungsvoll erzählt. **** Empfehlung? **** Für alle, die sich für Familiengeschichten mit historischem Hintergrund interessieren. Wer echte Tiefe sucht, wird in diesem Roman vieles finden: Schmerz, Hoffnung, Widerstand, Sehnsucht – und eine Gesellschaft im Wandel.
Kann, muss nicht. Für jemanden wie mich, der sonst keine Biografien liest, war das Buch schon interessant, jedoch kein Pageturner. Es wird recht sachlich erzählt wie sich das Leben von Henselmann und den weiteren Protagonisten abgespielt hat. Mir fehlten Emotionen. Interessant fand ich die geschichtlichen Entwicklungen, die klar im Zusammenhang mit dem Leben von Henselmann stehen. Mir war nicht bewusst, dass bspw der Berliner Fernsehturm von Henselmann stammt.
Familienepos im Reportagestil mit Tiefgang
Florentine Anders zeichnet in ihrem Roman „Die Allee“ einen differenzierten Gesamteindruck vom Leben in diesem Land, der mich sehr beeindruckt hat und nachklingen wird. Auch die Aspekte, die wir in unserem sehr inspirierenden Buddy Read mit Carola und Anni diskutiert haben, haben mich persönlich sehr bereichert. Die Autorin selbst entstammt einer prominenten Familie, die vor allem durch das herausragende, künstlerische Schaffen des Patriarchen und stilprägenden Architekten Hermann Henselmann über die Grenzen der ehemaligen DDR hinweg bekannt wurde. In ihrem Buch legt sie uns detailliert die Dynamiken und Ereignisse in ihrer weit verzweigten Familie dar. Dabei liegt der Fokus neben Hermann Henselmann, auch auf seiner Ehefrau Isi und der gemeinsamen Tochter Isa, eins der acht Kinder der Familie Henselmann. Dabei durchschreiten wir nahezu sämtliche Gesellschaftsformen an der Seite der ProtagonistInnen, die das vergangene Jahrhundert zu bieten hatte, wobei der Fokus deutlich auf dem Leben der Familie zu DDR-Zeiten liegt. Dabei stellt der Blick auf Henselmanns Schaffen als Architekt einen Schlüssel für uns Lesende dar, das politische System, in dem er arbeitete und all die damit verbundenen Herausforderungen, Pokerrunden, Opfer und Zugeständnisse im Umgang mit den Machthabern zu verstehen. Er glaubt an die grundsätzliche Idee, lehnt aber die Personen, die sie umsetzen größtenteils ab. Herrmann macht Kompromisse mit dem Regime, um seine Visionen zu erreichen, dabei ist es ein ständiges Austarieren und Spiel mit dem Feuer. Gleichzeitig begleiten wir die Familie dabei, wie sie es schafft, ihre Vorstellung eines sinnstifenden, kreativ schaffenden, sozial vernetzen Lebens unter diesen Bedingungen zu etablieren, zu leben. Aber auch feministische Themen kommen zum Tragen: Isi ist eine ebenso begabte Architektin und dennoch wird es immer mehr zu ihrer Lebensaufgabe, Herrmanns Leben zu managen und zu verwalten und sich um die stetig wachsende Kinderschar von letztlich 8 Kindern zu kümmern. Subtil wird auch das Selbstbestimmungsrecht der Frau im Zusammenhang mit dem Thema Schwangerschaft in mehr als einer Generation thematisiert. Im Leben der gemeinsamen Tochter Isa geht es unter anderem um Themen wie die Emanzipation vom im Privaten impulsdurchbrüchigen, gewalttätigen und narzisstisch-akzentuierten Vater und um die Befreiung von den Kontrollansprüchen, die er auf ihr Leben erhebt. Ich liebe die Kombination aus den beiden Erzählebenen: Die Familie als kleinste gesellschaftliche Einheit und die Staatsform als die größere, übergeordnete. Beide Ebenen werden geschickt mit einander verwoben. Wir erleben Machtmissbrauch, Gewalt und den Anspruch auf Deutungshoheit von Seiten Hermanns in Bezug auf die ihn Anvertrauen und parallel auf Ebene der Machthaber im Staat gegenüber den BürgerInnen. Entlang des Buches werden von der Autorin auch diesbezüglich schockierende Szenen geschildert, die mich erschüttert zurückgelassen haben, obwohl ich auf der Sachebene über sie informiert war. Der Roman ist im Grundton sehr sachlich gehalten, der Stil wirkt Reportage- oder Tagebuchartig. Dabei erfolgt die Schilderung der zum Teil herzzerreißenden Begebenheiten nahezu entwaffnend neutral. Der Kontrast zwischen dem sachlichen Ton und dem aufwühlenden Inhalt lässt die genannten Themen noch stärker heraustreten und führt so dazu, dass dieses Familienepos uns nachhaltig berührt und eine Bandbreite an Gefühlen in uns auslöst. Vielleicht war es auch gerade dieser Stil, der es der Autorin ermöglichte, über das dynamische System ihrer eigenen Familie zu berichten, deren Teil sie selbst stets sein wird. Dieses Buch ist mir auch deswegen sehr ans Herz gewachsen, weil ich, obwohl ich noch keinen tieferen Zugang zum Thema Architektur habe, das Setting und die Schauplätze und die herausragenden Gebäude kenne, seit ich denken kann. Ähnlich wie bei Annett Gröschners „Schwebende Lasten“ sehe ich dieses Buch als Geschenk, anhand dessen ich einen Einblick in die Geschehnisse des letzten Jahrhunderts erhaschen kann, indem ich eine Familie und vor allem auch weibliche Protagonisten dabei begleite, wie sie trotz aller Hindernisse ihren Weg gehen. Ganz klare Lesempfehlung für diesen tiefgründigen Roman, in dem so viele wichtige Themen klug zum Klingen gebracht werden. UNBEAUFTRAGTE WERBUNG - REZENSIONSEXEMPLAR VOM VERLAG
Ein Parforceritt durch die Geschichte, mitreißend, spannend und bewegend: " Die Allee" erzählt das Leben und Wirken von Hermann Henselmann, kühner Visionär und genialer Architekt, aber auch cholerischer Vater. Er schuf Fernsehturm, Fennpuhl-Siedlung und die Tore zur Karl- Marx-Allee, scheute keine Auseinandersetzung mit Betonköpfen und anderen Gegnern, liebte Diskussionen, Feste und leider auch andere Frauen neben seiner Ehefrau Isi. Sie ist die Großmutter der Autorin Florentine Anders. Isa, die Mutter von Florentine, litt als Kind sehr unter den unberechenbaren Wutausbrüchen ihres Vaters, mehr als die restlichen sieben Geschwister. Trotzdem geht sie ihren Weg, erfindet sich immer wieder neu, hat mehrere Leben wie eine Katze. Männer kommen und gehen, fünf Kinder werden liebevoll großgezogen, es gibt viele Umzüge und Neuanfänge. Mir gefiel die reduzierte, lineare, wenig dialoglastigeSprache, die dennoch starke, kraftvolle Szenen schuf. Vertraute Namen tauchten so einige auf: Manfred Krug und Robert Havemann ebenso wie die von mir sehr verehrte Brigitte Reimann. Als Kind des Landes, welches es nicht mehr gibt, habe ich nichts an der literarischen Darstellung auszusetzen. Gelernt habe ich viel: über die beschriebenen Personen ebenso wie über Architektur, besonders die sozialistische. Ein beeindruckender Roman, die schönen wie die schlechten, grausamen und verspielten, harten und leichten Seiten der DDR aufzeigend, darin verwoben drei Menschenschickssle.
Die Arbeits- und Lebensgeschichte des DDR- Stararchitekten Hermann Henselmann. Erzählt vorallem mit Hilfe der Geschichte seiner Frau Isi und seiner Tochter Isa. Wie die Frauen sich auf unterschiedliche Arten versu hen zu emanzipieren. Wie Henselmann zwischen jähzornigen Vater und kreativen, geselligen Stararchitekten wechselt und immerwieder versucht seinen Platz zu finden. M an merkt, dass das Buch aus einer innerfamiliären Perspektive geschrieben ist, manche Dinge werden nur angerissen. Der Blick ins Sytsem DDR spannend, ansonsten zu viel.
Familien- und Architekturgeschichte Hermann Henselmann - War der Architekt in der DDR. Seine große Karriere hat als Direktor des Bauhauses begonnen bevor es ihn in die Hauptstadt der DDR zog. Doch Hermann Henselmann war nicht nur erfolgreich im Job, er war auch fleißig bei der Familienplanung, sodass er mit seiner Frau Isi acht Kinder hatte. Einen Einblick in das Leben der Familie Henselmann, vor allem aus dem Blickwinkel der Tochter Isa, gibt dieses Buch. Die Henselmann-Enkelin, Florentine Anders, beschreibt in „Die Allee“ das Leben der Henselmanns vor allem aus den Blickwinkeln Hermanns, seiner Frau Isi und seiner Tochter Isa. Das Buch besteht aus vielen recht kurzen Kapiteln. Diese sind mit einer Jahreszahl versehen, in der dieses spielt und beschreiben in der Überschrift kurz, um was und wen es geht. Das Buch spielt in einem Zeithorizont von 1931-1995. Ich lese gerne historische Romane und auch gerne über Ereignisse in der DDR. Doch mit diesem Roman habe ich mich schwer getan. Schon der Schreibstil konnte mich nicht abholen. Für mich war das ein bisschen zu einfach geschrieben, etwas wie geschrieben wie gedacht. Was mir wiederum gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass die Autorin hier über ihre eigene Familiengeschichte, speziell über ihre Mutter, Oma und ihren Opa schreibt und dabei nichts beschönigt hat. Sie hat eindeutig klargestellt, welche großen Erfolge ihr Großvater zustande gebracht hat, hat seine Arbeitsweisen und seine Genialität klar und strukturiert dargestellt und auch aufgezeigt, wie er sich im System verhalten hat. Auch hat sie das Verhältnis zwischen Isi und Hermann, aber auch zwischen Hermann und Isa offen und ungeschönt beschrieben. Gerade das Verhältnis zwischen Vater und Tochter zeigte oftmals das wahre Gesicht des Hermann Henselmann. Hermanns weiterer Umgang mit Kollegen, aber auch Frauen erzählt viel über seinen Charakter. Vor allem die Beziehung zu Isi zeigt seine Achillesferse. Spannend fand ich die Geschichte hinter der Entstehung bekannter deutscher Bauwerke, speziell der Stalinallee, aber auch das Uni-Hochhauses in Leipzig. Fazit: Ein interessanter und lehrreicher Roman über eine einzigartige Architekturperiode der DDR, das Gesicht dahinter, aber auch die Einflüsse der Politik auf das Bauen. Der Schreibstil hat mir nicht ganz zugesagt, ebenso hab ich mich mit den Protagonisten schwergetan. Gerade letzteres ist aber Geschmackssache, da es ein auf Tatsachen basierender , historischer Roman ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es gerade Leser, die noch viel von der DDR erlebt haben, damit besser klarkommen, sodass es vielleicht auch eine Geschmacksache abhängig von der Generation ist. Wer sich aber für Architektur interessiert, ist hier gut aufgehoben.
Sternebewertung fiktiv
„Die Allee“ von Florentine Anders Ich geb’s ehrlich zu. Mich hat zuerst das Cover neugierig gemacht. Es wurde von @katmenschik gestaltet und dann der Name Henselmann, Leipzig, ein Ort, mit dem ich selbst Erinnerungen verbinde, weil ich dort gewohnt habe. Und plötzlich war da eine Verbindung. Die Autorin, ist die Tochter der Enkelin Isa von Hermann Henselmann und erzählt in diesem Roman die Geschichte einer Architektenfamilie, die untrennbar mit der DDR, der Moderne und der Kunst verknüpft ist. Wir lernen Isi kennen, später Isa, tauchen tief ein in familiäre Spannungen, in den Alltag zwischen künstlerischem Anspruch, politischem Druck und persönlichen Opfern. Henselmann selbst, modern denkend, oft unbequem, steht unter Beobachtung des Regimes. Sein Werk droht zerstört zu werden. Gleichzeitig treibt ihn der Glaube an eine neue Architektur an. Isi, seine Frau, selbst voller Leidenschaft für die Kunst, studiert Architektur in Weimar, mit acht Kindern. Ihre Geschichte hat mich besonders beeindruckt. Erzählt wird das Ganze aus drei Perspektiven eindrücklich, schnörkellos und ehrlich. Was mich besonders berührt hat. Die Vielschichtigkeit der Figuren. Isa, die Tochter, eins von acht Kindern, geprägt von Gewalt, wird oft vom Vater geschlagen aber vom Großvater inspiriert, sowohl kulturell als auch intellektuell. Eine Familiengeschichte, die viel mehr ist als nur das. Ein Blick in die Geschichte des Bauens, des Lebens, der Ideale. Hat mir richtig gut gefallen.
Die Zeiten um den Krieg, der Aufbau der Mauer und das Leben mit all diesen schicksalhaften Ereignissen ist für meine Generation kaum vorstellbar. Um so wichtiger ist es Erzählungen von damals anzusehen! Die heutige Zeit macht Angst! Angst davor, dass es werden wird wie schon einmal! Hermann Henselmann steigt nach dem Krieg als Chefarchitekt Ost Berlins auf. Eine Achterbahn der Gefühle steht im bevor. Erfolg und Misserfolg sind dicht gefolgt. Dazu kommt die schwere Lage in Deutschland! Angst vor neuen Kriegen, Unsicherheiten und wenig Geld! Dann ist es noch die Familie, die Frau Isi und die acht Kinder. Eine wirklich spannende Geschichte. Die Autorin des Buches ist selbst Mitglied der Familie und hat hier große Teile der Familiengeschichte erzählt. Das Buch wird aus drei verschwundene Perspektiven erzählt. Hermann der Vater, Isi die Mutter und Isa eine der acht Kinder und ebenfalls die Mutter der Autorin. Wie ich schon geschrieben habe war das Buch wirklich spannend. Phasenweise für mich aber auch zäh! Ich habe mit Architektur nichts am Hut und kenne mich damit nicht aus. Gerade Hermann erzählt natürlich viel über seine Arbeit, das war mir einfach zu zäh. Ansonsten war die Lebensgeschichte auch zum Teil schrecklich! Was Isa in ihrem Leben alles ertragen muss, kaum vorstellbar! Auch Isi wird von ihrem Mann nicht gerade gut behandelt und bleibt dennoch ihr Leben lang an seiner Seite. Das ist schon unvorstellbar! Eine Sache hat mich irritiert. Isi ist mit Kind 10 schwanger und sie ist in großer Sorge was Hermann dazu sagen wird. Doch dann ist keine Rede mehr von diesem Kind ( oder hab ich das übersehen). Eine aufwühlende Geschichte die auch noch mal Einblicke gibt wie Menschen sich gefühlt haben, wenn liebste in den Krieg ziehen müssen oder wenn plötzlich eine Mauer Leben und Land teilt!
Description
Book Information
Author Description
Florentine Anders, geboren 1968 in Berlin, ist Enkelin der Henselmanns. Sie studierte an der Universität Leipzig und der Université Assas in Paris. Danach absolvierte sie die Journalistenschule Centre de Formation des Journalistes (CFJ) in Paris und arbeitete als freie Journalistin in Frankreich und Deutschland und ist jetzt Redakteurin beim Studio ZX, einem Unternehmen des ZEIT-Verlags. Seit 2022 ist sie Vorstandsmitglied der Hermann-Henselmann-Stiftung.
Posts
Familiengeschichte des bekannten DDR-Architekten Hermann Henselmann von der Weimarer Republik bis in die Nachwendezeit. Man kann hier nachlesen, wie schwer es den DDR-Repräsentanten fiel, sich mit Visionen anzufreunden und warum die DDR-Architektur nun so aussieht wie sie aussieht. Auch die Schattenseiten von Henselmanns Persönlichkeit werden gebührend gewürdigt. Interessant
Das wunderschöne von Kat Menschik gestaltete Cover hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht. Auch der Klappentext hat mein Interesse geweckt, da ich gern Bücher über die Zeit der deutschen Teilung lese. Im Mittelpunkt des Romans steht der Stararchitekt der DDR Hermann Henselmann und seine Familie, vor allem Tochter Isi und Enkelin Isa. Das Buch wurde von Henselmanns Enkelin Florentine Anders geschrieben. Henselmanns erstes großes Projekt war die Villa Kenwin in der Schweiz, ein Wahrzeichen der Bauhaus-Bewegung. 1931 lernte Hermann die zehn Jahre jüngere Isi kennen, die damals sechzehn Jahre alt war. Wir erfahren viel über Henselmanns Bauprojekte wie die Stalinallee und den Berliner Fernsehturm, aber auch über seine Ehe und das Familienleben. Isi und Hermann bekommen acht Kinder, trotz der Kinderschar ist Isi berufstätig und arbeitet als Architektin. Die Kinder erziehen sich gegenseitig, die Älteren kümmern sich um die Kleinen. Schon bei kleineren Vergehen werden sie vom Vater hart bestraft. Besonders die kleine Isa leidet sehr unter dem Jähzorn des Vaters. Als sie ihren späteren Mann Hermann kennenlernt, nennt sie ihn Hermi, um nicht ständig an den ungeliebten Vater erinnert zu werden. Hermann ist notorischer Fremdgeher, Isi findet sich irgendwann wohl oder übel damit ab, sie konzentriert sich auf ihre Karriere. Isa ist das fünfte der acht Henselmann-Kinder. Die Familie ist privilegiert, pflegt Umgang mit der Politprominenz und bekannten Künstlern wie Bertold Brecht, Manfred Krug und Brigitte Reimann. Es ist ein sehr persönliches Buch, wir erfahren von einer Vergewaltigung und von Abtreibungen. Es war das erste Buch, das ich über regimetreue Prominente in der DDR gelesen habe. Neben der Geschichte der Henselmanns lernen wir die Geschichte der DDR kennen – über den Tod Stalins, den Aufstand vom 17. Juni 1953, dem Mauerbau bis hin in die 1980er Jahre und den Fall des kommunistischen Regimes. Das Buch liest sich wie ein Sachbuch, der Schreibstil ist nüchtern und sachlich, weswegen mich die teils schlimmen Erlebnisse und Erfahrungen nicht berühren konnten. Es passiert sehr viel in vielen kurzen Kapiteln. Die Kapitel sind mit den Ereignissen überschrieben, die erzählt werden. Das Buch empfehle ich vor allem Leser*innen, die einen Bezug zur DDR und/oder zur Architektur haben.
In dem Buch begleiten wir die Familie Henselmann in dem Zeitraum von 1931 bis 1995. Gestartet wird mit den Großeltern, später lernt Hermann Henselmann, bekannter Architekt, Isi kennen. Sie werden Eltern von stolzen acht Kindern. Isi ist nicht die geborene Mutter, sehnt sich nach Anerkennung im Beruf und hält meistens ihrem Mann den Rücken frei. Er ist ungerecht zu den Kindern, betrügt seine Frau und ist auch sonst kein sonderlich sympathischer Mann. Später geht es viel um Isa, eine Tochter der beiden. Sie hat sehr gelitten unter ihren Eltern und kämpft auch später noch mit den Folgen davon. Ein unaufgeregt geschriebener Roman, der wenig mit Emotionen, eher mit Distanziertheit hervorsticht. Wir begleiten die Familie über so viele Jahre, erleben eine dysfunktionale Familie und was das mit den einzelnen Familienmitgliedern anstellt. Es war für mich erschreckend zu lesen wie hier mit den Kindern umgegangen wurde. Das hatte ich in diesem Buch nicht unbedingt erwartet. Es geht viel um den Beruf des Vaters, ein machthungriger, angepasster DDR Bürger, der es verstand, sich das Leben auch in schwierigen Zeiten angenehm zu gestalten und sich weitestgehend um sich selbst dreht. Das machte mich als Leser schon direkt wütend. Die Abschnitte mit der Architektur haben sich für mich etwas gezogen. Das liegt zum einen daran, dass ich einfach keine Ahnung von Architektur habe, zum anderen war ich vielleicht auch noch etwas zu jung zur Wende, um das nachvollziehen zu können. Insgesamt ist hier ordentlich viel passiert, das muss ich jetzt erstmal alles sacken lassen. Für alle Leser, die sich für die DDR Geschichte interessieren, auf jeden Fall ein spannendes Buch.
Die Familiengeschichte der Henselmanns Der Architekt Hermann Henselmann, ist für einige Bauwerke berühmt. Der Fernsehturm in Berlin und der Uniriese in Leipzig. Da ich in Leipzig wohne, ist das Hochhaus natürlich ein ständiger Begleiter für mich. Die Geschichte beginnt mit dem Kennenlernen von Isi und Hermann. Er weckt das Interesse in ihr an Architektur, Isi würde es gern selbst studieren. Hermann ist der Meinung das braucht sie nicht, sie kann ja von ihm lernen. Als Isi endlich volljährig ist, können die beiden endlich heiraten und bekommen im Laufe der Jahre 8 Kinder, wobei Isi insgesamt 10 mal schwanger ist. Es ist schwer während des Krieges die immer wachsende Familie durchzubringen und auch um ihre Sicherheit zu sorgen. Sie reisen von einer Stadt zur nächsten, um sich vor den Bomben zu schützen. Hermann schafft es als unabkömmlich zu sein und zu bleiben. Der Neustart gelingt in Weimar. Als Leiter der Uni kann Hermann einiges aufbauen und Isi fängt neben den Kindern ein Studium an. Nach einigen Vorwürfen und Überwerfungen, schafft Hermann es sich nach Berlin versetzen zu lassen. Dort soll er an der Stalinallee, später Karl-Marx-Allee mitarbeiten. Seine Entwürfe kommen bei Ulbricht nicht gut an, aber irgendwie kann er weiterarbeiten, auch nicht immer so wie er es möchte. Isi hardert mit seinen Affären und der Kindererziehung. Sie hat weiterhin nichts eigenes und wird bei der Zeitschrift Sibylle eine Serie über Inneneinrichtung machen. Isa ist die mittlere Tochter, wirkte als Baby sehr kränklich und wurde dadurch von Isi nicht sehr geschätzt. Auch den Jähzorn des Vaters hat sie häufig abbekommen. Sie sehnt sich nach Freiheit, von der Familie. Sie sucht sich einen Weg, strauchelt aber immer wieder was Männer und einem Sinn im Leben betrifft. Sie hat von zwei Männern insgesamt 5 Kinder und versucht ähnlich wie ihre Mutter alles unter einen Hut zu bekommen und nicht unterzugehen. Es war sehr spannend über die Familie zu lesen, auch die Entwicklung der Zeitgeschichte in dieser Zeit. Vielleicht betrachtet man manche Gebäude nachdem lesen nochmal mit anderen Augen 😉

Familientragödie in der DDR Zeit
**** Worum geht es? **** Beides stimmte: „Hermann hätte alles für seine Kinder getan.“, „Hermann hätte jedes seiner Kinder verkauft.“ Wie das möglich ist? Das erfährt man auf dieser einzigartigen und sehr persönlichen Reise in die Vergangenheit. **** Mein Eindruck **** Selten habe ich die DDR und das Leben einer Familie mit all ihren Eigenheiten so intensiv erlebt. Ich tauchte ein in die Welt von Mutter und Künstlerin Isi, Vater und Lebemann Hermann sowie Tochter Isa, die ihren eigenen Weg gehen will. Die Erzählweise aus diesen drei Perspektiven sorgt für Abwechslung und Tiefe. Die Handlung erstreckt sich szenisch über mehr als ein halbes Jahrhundert und ist emotional dicht, auch wenn die Sprache der Autorin eher nüchtern und sachlich daherkommt. Genau dieser Kontrast hat mir gefallen: die trockene Sprache trifft auf intensive, bewegende Inhalte – das ergibt eine faszinierende Dynamik. Der Klappentext legt einen stärkeren Fokus auf die Architektur bedeutender DDR-Bauten nahe, doch dieses Thema bleibt im Buch eher im Hintergrund. Es wird zwar gestreift, spielt aber insgesamt eine untergeordnete Rolle – daher ein kleiner Punktabzug. Was bleibt, ist ein Roman mit großer Tiefe und einem eindringlichen Porträt familiärer Verstrickungen. Besonders die stillen, authentischen Zwischentöne haben mich berührt. Das Buch vermittelt ein feines Gespür für die Zeit, für die Rollen der Frauen und ihren Wunsch nach Freiheit – leise, aber wirkungsvoll erzählt. **** Empfehlung? **** Für alle, die sich für Familiengeschichten mit historischem Hintergrund interessieren. Wer echte Tiefe sucht, wird in diesem Roman vieles finden: Schmerz, Hoffnung, Widerstand, Sehnsucht – und eine Gesellschaft im Wandel.
Kann, muss nicht. Für jemanden wie mich, der sonst keine Biografien liest, war das Buch schon interessant, jedoch kein Pageturner. Es wird recht sachlich erzählt wie sich das Leben von Henselmann und den weiteren Protagonisten abgespielt hat. Mir fehlten Emotionen. Interessant fand ich die geschichtlichen Entwicklungen, die klar im Zusammenhang mit dem Leben von Henselmann stehen. Mir war nicht bewusst, dass bspw der Berliner Fernsehturm von Henselmann stammt.
Familienepos im Reportagestil mit Tiefgang
Florentine Anders zeichnet in ihrem Roman „Die Allee“ einen differenzierten Gesamteindruck vom Leben in diesem Land, der mich sehr beeindruckt hat und nachklingen wird. Auch die Aspekte, die wir in unserem sehr inspirierenden Buddy Read mit Carola und Anni diskutiert haben, haben mich persönlich sehr bereichert. Die Autorin selbst entstammt einer prominenten Familie, die vor allem durch das herausragende, künstlerische Schaffen des Patriarchen und stilprägenden Architekten Hermann Henselmann über die Grenzen der ehemaligen DDR hinweg bekannt wurde. In ihrem Buch legt sie uns detailliert die Dynamiken und Ereignisse in ihrer weit verzweigten Familie dar. Dabei liegt der Fokus neben Hermann Henselmann, auch auf seiner Ehefrau Isi und der gemeinsamen Tochter Isa, eins der acht Kinder der Familie Henselmann. Dabei durchschreiten wir nahezu sämtliche Gesellschaftsformen an der Seite der ProtagonistInnen, die das vergangene Jahrhundert zu bieten hatte, wobei der Fokus deutlich auf dem Leben der Familie zu DDR-Zeiten liegt. Dabei stellt der Blick auf Henselmanns Schaffen als Architekt einen Schlüssel für uns Lesende dar, das politische System, in dem er arbeitete und all die damit verbundenen Herausforderungen, Pokerrunden, Opfer und Zugeständnisse im Umgang mit den Machthabern zu verstehen. Er glaubt an die grundsätzliche Idee, lehnt aber die Personen, die sie umsetzen größtenteils ab. Herrmann macht Kompromisse mit dem Regime, um seine Visionen zu erreichen, dabei ist es ein ständiges Austarieren und Spiel mit dem Feuer. Gleichzeitig begleiten wir die Familie dabei, wie sie es schafft, ihre Vorstellung eines sinnstifenden, kreativ schaffenden, sozial vernetzen Lebens unter diesen Bedingungen zu etablieren, zu leben. Aber auch feministische Themen kommen zum Tragen: Isi ist eine ebenso begabte Architektin und dennoch wird es immer mehr zu ihrer Lebensaufgabe, Herrmanns Leben zu managen und zu verwalten und sich um die stetig wachsende Kinderschar von letztlich 8 Kindern zu kümmern. Subtil wird auch das Selbstbestimmungsrecht der Frau im Zusammenhang mit dem Thema Schwangerschaft in mehr als einer Generation thematisiert. Im Leben der gemeinsamen Tochter Isa geht es unter anderem um Themen wie die Emanzipation vom im Privaten impulsdurchbrüchigen, gewalttätigen und narzisstisch-akzentuierten Vater und um die Befreiung von den Kontrollansprüchen, die er auf ihr Leben erhebt. Ich liebe die Kombination aus den beiden Erzählebenen: Die Familie als kleinste gesellschaftliche Einheit und die Staatsform als die größere, übergeordnete. Beide Ebenen werden geschickt mit einander verwoben. Wir erleben Machtmissbrauch, Gewalt und den Anspruch auf Deutungshoheit von Seiten Hermanns in Bezug auf die ihn Anvertrauen und parallel auf Ebene der Machthaber im Staat gegenüber den BürgerInnen. Entlang des Buches werden von der Autorin auch diesbezüglich schockierende Szenen geschildert, die mich erschüttert zurückgelassen haben, obwohl ich auf der Sachebene über sie informiert war. Der Roman ist im Grundton sehr sachlich gehalten, der Stil wirkt Reportage- oder Tagebuchartig. Dabei erfolgt die Schilderung der zum Teil herzzerreißenden Begebenheiten nahezu entwaffnend neutral. Der Kontrast zwischen dem sachlichen Ton und dem aufwühlenden Inhalt lässt die genannten Themen noch stärker heraustreten und führt so dazu, dass dieses Familienepos uns nachhaltig berührt und eine Bandbreite an Gefühlen in uns auslöst. Vielleicht war es auch gerade dieser Stil, der es der Autorin ermöglichte, über das dynamische System ihrer eigenen Familie zu berichten, deren Teil sie selbst stets sein wird. Dieses Buch ist mir auch deswegen sehr ans Herz gewachsen, weil ich, obwohl ich noch keinen tieferen Zugang zum Thema Architektur habe, das Setting und die Schauplätze und die herausragenden Gebäude kenne, seit ich denken kann. Ähnlich wie bei Annett Gröschners „Schwebende Lasten“ sehe ich dieses Buch als Geschenk, anhand dessen ich einen Einblick in die Geschehnisse des letzten Jahrhunderts erhaschen kann, indem ich eine Familie und vor allem auch weibliche Protagonisten dabei begleite, wie sie trotz aller Hindernisse ihren Weg gehen. Ganz klare Lesempfehlung für diesen tiefgründigen Roman, in dem so viele wichtige Themen klug zum Klingen gebracht werden. UNBEAUFTRAGTE WERBUNG - REZENSIONSEXEMPLAR VOM VERLAG
Ein Parforceritt durch die Geschichte, mitreißend, spannend und bewegend: " Die Allee" erzählt das Leben und Wirken von Hermann Henselmann, kühner Visionär und genialer Architekt, aber auch cholerischer Vater. Er schuf Fernsehturm, Fennpuhl-Siedlung und die Tore zur Karl- Marx-Allee, scheute keine Auseinandersetzung mit Betonköpfen und anderen Gegnern, liebte Diskussionen, Feste und leider auch andere Frauen neben seiner Ehefrau Isi. Sie ist die Großmutter der Autorin Florentine Anders. Isa, die Mutter von Florentine, litt als Kind sehr unter den unberechenbaren Wutausbrüchen ihres Vaters, mehr als die restlichen sieben Geschwister. Trotzdem geht sie ihren Weg, erfindet sich immer wieder neu, hat mehrere Leben wie eine Katze. Männer kommen und gehen, fünf Kinder werden liebevoll großgezogen, es gibt viele Umzüge und Neuanfänge. Mir gefiel die reduzierte, lineare, wenig dialoglastigeSprache, die dennoch starke, kraftvolle Szenen schuf. Vertraute Namen tauchten so einige auf: Manfred Krug und Robert Havemann ebenso wie die von mir sehr verehrte Brigitte Reimann. Als Kind des Landes, welches es nicht mehr gibt, habe ich nichts an der literarischen Darstellung auszusetzen. Gelernt habe ich viel: über die beschriebenen Personen ebenso wie über Architektur, besonders die sozialistische. Ein beeindruckender Roman, die schönen wie die schlechten, grausamen und verspielten, harten und leichten Seiten der DDR aufzeigend, darin verwoben drei Menschenschickssle.
Die Arbeits- und Lebensgeschichte des DDR- Stararchitekten Hermann Henselmann. Erzählt vorallem mit Hilfe der Geschichte seiner Frau Isi und seiner Tochter Isa. Wie die Frauen sich auf unterschiedliche Arten versu hen zu emanzipieren. Wie Henselmann zwischen jähzornigen Vater und kreativen, geselligen Stararchitekten wechselt und immerwieder versucht seinen Platz zu finden. M an merkt, dass das Buch aus einer innerfamiliären Perspektive geschrieben ist, manche Dinge werden nur angerissen. Der Blick ins Sytsem DDR spannend, ansonsten zu viel.
Familien- und Architekturgeschichte Hermann Henselmann - War der Architekt in der DDR. Seine große Karriere hat als Direktor des Bauhauses begonnen bevor es ihn in die Hauptstadt der DDR zog. Doch Hermann Henselmann war nicht nur erfolgreich im Job, er war auch fleißig bei der Familienplanung, sodass er mit seiner Frau Isi acht Kinder hatte. Einen Einblick in das Leben der Familie Henselmann, vor allem aus dem Blickwinkel der Tochter Isa, gibt dieses Buch. Die Henselmann-Enkelin, Florentine Anders, beschreibt in „Die Allee“ das Leben der Henselmanns vor allem aus den Blickwinkeln Hermanns, seiner Frau Isi und seiner Tochter Isa. Das Buch besteht aus vielen recht kurzen Kapiteln. Diese sind mit einer Jahreszahl versehen, in der dieses spielt und beschreiben in der Überschrift kurz, um was und wen es geht. Das Buch spielt in einem Zeithorizont von 1931-1995. Ich lese gerne historische Romane und auch gerne über Ereignisse in der DDR. Doch mit diesem Roman habe ich mich schwer getan. Schon der Schreibstil konnte mich nicht abholen. Für mich war das ein bisschen zu einfach geschrieben, etwas wie geschrieben wie gedacht. Was mir wiederum gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass die Autorin hier über ihre eigene Familiengeschichte, speziell über ihre Mutter, Oma und ihren Opa schreibt und dabei nichts beschönigt hat. Sie hat eindeutig klargestellt, welche großen Erfolge ihr Großvater zustande gebracht hat, hat seine Arbeitsweisen und seine Genialität klar und strukturiert dargestellt und auch aufgezeigt, wie er sich im System verhalten hat. Auch hat sie das Verhältnis zwischen Isi und Hermann, aber auch zwischen Hermann und Isa offen und ungeschönt beschrieben. Gerade das Verhältnis zwischen Vater und Tochter zeigte oftmals das wahre Gesicht des Hermann Henselmann. Hermanns weiterer Umgang mit Kollegen, aber auch Frauen erzählt viel über seinen Charakter. Vor allem die Beziehung zu Isi zeigt seine Achillesferse. Spannend fand ich die Geschichte hinter der Entstehung bekannter deutscher Bauwerke, speziell der Stalinallee, aber auch das Uni-Hochhauses in Leipzig. Fazit: Ein interessanter und lehrreicher Roman über eine einzigartige Architekturperiode der DDR, das Gesicht dahinter, aber auch die Einflüsse der Politik auf das Bauen. Der Schreibstil hat mir nicht ganz zugesagt, ebenso hab ich mich mit den Protagonisten schwergetan. Gerade letzteres ist aber Geschmackssache, da es ein auf Tatsachen basierender , historischer Roman ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es gerade Leser, die noch viel von der DDR erlebt haben, damit besser klarkommen, sodass es vielleicht auch eine Geschmacksache abhängig von der Generation ist. Wer sich aber für Architektur interessiert, ist hier gut aufgehoben.
Sternebewertung fiktiv
„Die Allee“ von Florentine Anders Ich geb’s ehrlich zu. Mich hat zuerst das Cover neugierig gemacht. Es wurde von @katmenschik gestaltet und dann der Name Henselmann, Leipzig, ein Ort, mit dem ich selbst Erinnerungen verbinde, weil ich dort gewohnt habe. Und plötzlich war da eine Verbindung. Die Autorin, ist die Tochter der Enkelin Isa von Hermann Henselmann und erzählt in diesem Roman die Geschichte einer Architektenfamilie, die untrennbar mit der DDR, der Moderne und der Kunst verknüpft ist. Wir lernen Isi kennen, später Isa, tauchen tief ein in familiäre Spannungen, in den Alltag zwischen künstlerischem Anspruch, politischem Druck und persönlichen Opfern. Henselmann selbst, modern denkend, oft unbequem, steht unter Beobachtung des Regimes. Sein Werk droht zerstört zu werden. Gleichzeitig treibt ihn der Glaube an eine neue Architektur an. Isi, seine Frau, selbst voller Leidenschaft für die Kunst, studiert Architektur in Weimar, mit acht Kindern. Ihre Geschichte hat mich besonders beeindruckt. Erzählt wird das Ganze aus drei Perspektiven eindrücklich, schnörkellos und ehrlich. Was mich besonders berührt hat. Die Vielschichtigkeit der Figuren. Isa, die Tochter, eins von acht Kindern, geprägt von Gewalt, wird oft vom Vater geschlagen aber vom Großvater inspiriert, sowohl kulturell als auch intellektuell. Eine Familiengeschichte, die viel mehr ist als nur das. Ein Blick in die Geschichte des Bauens, des Lebens, der Ideale. Hat mir richtig gut gefallen.
Die Zeiten um den Krieg, der Aufbau der Mauer und das Leben mit all diesen schicksalhaften Ereignissen ist für meine Generation kaum vorstellbar. Um so wichtiger ist es Erzählungen von damals anzusehen! Die heutige Zeit macht Angst! Angst davor, dass es werden wird wie schon einmal! Hermann Henselmann steigt nach dem Krieg als Chefarchitekt Ost Berlins auf. Eine Achterbahn der Gefühle steht im bevor. Erfolg und Misserfolg sind dicht gefolgt. Dazu kommt die schwere Lage in Deutschland! Angst vor neuen Kriegen, Unsicherheiten und wenig Geld! Dann ist es noch die Familie, die Frau Isi und die acht Kinder. Eine wirklich spannende Geschichte. Die Autorin des Buches ist selbst Mitglied der Familie und hat hier große Teile der Familiengeschichte erzählt. Das Buch wird aus drei verschwundene Perspektiven erzählt. Hermann der Vater, Isi die Mutter und Isa eine der acht Kinder und ebenfalls die Mutter der Autorin. Wie ich schon geschrieben habe war das Buch wirklich spannend. Phasenweise für mich aber auch zäh! Ich habe mit Architektur nichts am Hut und kenne mich damit nicht aus. Gerade Hermann erzählt natürlich viel über seine Arbeit, das war mir einfach zu zäh. Ansonsten war die Lebensgeschichte auch zum Teil schrecklich! Was Isa in ihrem Leben alles ertragen muss, kaum vorstellbar! Auch Isi wird von ihrem Mann nicht gerade gut behandelt und bleibt dennoch ihr Leben lang an seiner Seite. Das ist schon unvorstellbar! Eine Sache hat mich irritiert. Isi ist mit Kind 10 schwanger und sie ist in großer Sorge was Hermann dazu sagen wird. Doch dann ist keine Rede mehr von diesem Kind ( oder hab ich das übersehen). Eine aufwühlende Geschichte die auch noch mal Einblicke gibt wie Menschen sich gefühlt haben, wenn liebste in den Krieg ziehen müssen oder wenn plötzlich eine Mauer Leben und Land teilt!
















