Der Sammler
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„Doch wer Kindern nicht die Geschichte vom Schwarzen Mann glaubt, der in der Nacht an ihren Betten steht, der verschließt auch die Augen, wenn die Alten in scheinbarer Vergreisung des Geistes abstruse Geschichten erzählen.“ Unterhaltsam, fesselnd, eindrucksvoll, bildhaft, atmosphärisch. „Der Sammler“ lässt sich wie die anderen Werke von Hagen schwer in ein Genre einordnen. Der Einstieg ist düster und beklemmend. Das Setting ist neblig und grau, wie die Gestalt selbst. Eine Gestalt, die sich von Erinnerungen ernährt, dabei vollkommen skrupellos vorgeht, und jeden Augenblick genüsslich auskostet. Gleichzeitig bannt er die Erinnerungen auf Leinwand. Sein unvorsichtiges Handeln bewirkt allerdings eine radikale Veränderung. Das Monster wird menschlicher. Es blutet, es weint, es bekommt Panik. Es wird mitfühlender, menschlicher, aber schwebt dadurch selbst in großer Gefahr. Denn der Sammler will dem Menschen, den er am meisten verletzt hat, warnen. Schon fast philosophisch setzt sich der Leser hier mit der Frage auseinander: Gehören Monster letzten Endes nicht in unsere Welt? Sind sie weniger menschlich, weil wir sie fürchten, sie als Fremde betrachten und sie bekämpfen wollen? Stück für Stück wird das Monster zum Menschen, der Feind zum Freund, das Übel zur Rettung. In Alexandra, einer ehrgeizigen, gerechten Pflegeschülerin und guten Seele, finden wir den Funken, der hoffen lässt, dass nicht jeder Mitarbeiter eines Pflegeheims stur seine Arbeit verrichtet, ohne die wahre Natur der Bewohner zu ignorieren. Doch auch sie stößt an ihre Belastbarkeitsgrenze. Wie viel Unrecht kann ein Mensch ertragen, bis die Realität zu viel wird? »Aber das ist es ja! Ich will nichts vergessen! Ich habe Angst davor, dass ich morgen noch mehr vergessen habe, wenn ich wieder von dieser Gestalt träume – oder sie hier an meinem Bett steht. Und nein, ich glaube nicht an ein Monster im Schrank oder unter dem Bett, Herrgott noch mal! Ich weiß nicht, was geschehen ist. Aber etwas ist nun einmal passiert! Etwas hat mir meine Anna geraubt!« Unsere alltägliche Angst, nicht zu wissen, was das Alter für uns bereit hält, was mit unserem Geist geschieht, wenn der Körper äußerlich verfällt, welche Vorurteile und Missstände sich durch das blinde Auge der Gesellschaft ergeben; das Altwerden ist eine unaufhaltsame Reise, die auf jeden von uns zukommt. Verfall ist menschlich. Vergessen ist menschlich. Was wir gegen das Vergessen tun können, ist, geliebte Erinnerungen aufzubewahren, seien es Bilder oder Texte.
Worum geht´s? Der Sammler schleicht des Nachtens durch die Stadt und labt sich an den Träumen der Menschen. Als er sich in ein Altenheim schleicht und Walters Träume heimsucht, hätte er nicht mit Widerstand gerechnet. Meine Meinung: Hagen Thiele hat mich mit seinem Schreibstil wieder vollkommen überzeugt. Ich mag seine Art, die Geschichte zu erzählen unglaublich gern. Der Anfang des Buches konnte mich mehr als fesseln und ich war gespannt, wie der weitere Verlauf der Geschichte ist. Thiele nutzt fantastische Elemente und bettet sie in die Realität ein. Seine Beschreibungen vom Sammler waren spannend und machten mich neugierig, was es mit der ganzen Sache auf sich hat! Die erste Hälfte des Buches überzeugte mich sehr. Der Sammler schleicht sich in ein Altenheim um dem dort lebenden Walter seine Erinnerungen zu stehlen. Doch er hätte nicht damit gerechnet, dass der alte Herr sich wehrt und wird so vor ungeahnte Schwierigkeiten gestellt. Walter bekommt Hilfe in Gestalt einer Schwesternschülerin. Das Verhältnis der beiden ist sehr gut gezeichnet und es hat wirklich Spaß gemacht, die Entwicklung dieser Freundschaft zu verfolgen. Leider erfolgte in der Hälfte des Buches ein Abfall der Spannung und Thiele ging mir zu sehr auf die Missstände in dem Altenheim und die Differenzen zwischen den Mitarbeitern ein. Unnötige Wiederholungen und in meinen Augen unwichtige Informationen verdarben mir ein bisschen den Lesefluss. Die Wendung am Ende des Buches war leider nicht nach meinem Geschmack. Nichtsdestotrotz ist dies Meckern auf hohem Niveau. Hagen Thiele hat hier wieder einen tollen Roman mit mystischen Elementen erschaffen, der insbesondere durch den unglaublich tollen Schreibstil besticht! Fazit: Tolles Leseerlebnis mit kleinen Abstrichen. Von mir gibts 4 von 5 Alpträumen!
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„Doch wer Kindern nicht die Geschichte vom Schwarzen Mann glaubt, der in der Nacht an ihren Betten steht, der verschließt auch die Augen, wenn die Alten in scheinbarer Vergreisung des Geistes abstruse Geschichten erzählen.“ Unterhaltsam, fesselnd, eindrucksvoll, bildhaft, atmosphärisch. „Der Sammler“ lässt sich wie die anderen Werke von Hagen schwer in ein Genre einordnen. Der Einstieg ist düster und beklemmend. Das Setting ist neblig und grau, wie die Gestalt selbst. Eine Gestalt, die sich von Erinnerungen ernährt, dabei vollkommen skrupellos vorgeht, und jeden Augenblick genüsslich auskostet. Gleichzeitig bannt er die Erinnerungen auf Leinwand. Sein unvorsichtiges Handeln bewirkt allerdings eine radikale Veränderung. Das Monster wird menschlicher. Es blutet, es weint, es bekommt Panik. Es wird mitfühlender, menschlicher, aber schwebt dadurch selbst in großer Gefahr. Denn der Sammler will dem Menschen, den er am meisten verletzt hat, warnen. Schon fast philosophisch setzt sich der Leser hier mit der Frage auseinander: Gehören Monster letzten Endes nicht in unsere Welt? Sind sie weniger menschlich, weil wir sie fürchten, sie als Fremde betrachten und sie bekämpfen wollen? Stück für Stück wird das Monster zum Menschen, der Feind zum Freund, das Übel zur Rettung. In Alexandra, einer ehrgeizigen, gerechten Pflegeschülerin und guten Seele, finden wir den Funken, der hoffen lässt, dass nicht jeder Mitarbeiter eines Pflegeheims stur seine Arbeit verrichtet, ohne die wahre Natur der Bewohner zu ignorieren. Doch auch sie stößt an ihre Belastbarkeitsgrenze. Wie viel Unrecht kann ein Mensch ertragen, bis die Realität zu viel wird? »Aber das ist es ja! Ich will nichts vergessen! Ich habe Angst davor, dass ich morgen noch mehr vergessen habe, wenn ich wieder von dieser Gestalt träume – oder sie hier an meinem Bett steht. Und nein, ich glaube nicht an ein Monster im Schrank oder unter dem Bett, Herrgott noch mal! Ich weiß nicht, was geschehen ist. Aber etwas ist nun einmal passiert! Etwas hat mir meine Anna geraubt!« Unsere alltägliche Angst, nicht zu wissen, was das Alter für uns bereit hält, was mit unserem Geist geschieht, wenn der Körper äußerlich verfällt, welche Vorurteile und Missstände sich durch das blinde Auge der Gesellschaft ergeben; das Altwerden ist eine unaufhaltsame Reise, die auf jeden von uns zukommt. Verfall ist menschlich. Vergessen ist menschlich. Was wir gegen das Vergessen tun können, ist, geliebte Erinnerungen aufzubewahren, seien es Bilder oder Texte.
Worum geht´s? Der Sammler schleicht des Nachtens durch die Stadt und labt sich an den Träumen der Menschen. Als er sich in ein Altenheim schleicht und Walters Träume heimsucht, hätte er nicht mit Widerstand gerechnet. Meine Meinung: Hagen Thiele hat mich mit seinem Schreibstil wieder vollkommen überzeugt. Ich mag seine Art, die Geschichte zu erzählen unglaublich gern. Der Anfang des Buches konnte mich mehr als fesseln und ich war gespannt, wie der weitere Verlauf der Geschichte ist. Thiele nutzt fantastische Elemente und bettet sie in die Realität ein. Seine Beschreibungen vom Sammler waren spannend und machten mich neugierig, was es mit der ganzen Sache auf sich hat! Die erste Hälfte des Buches überzeugte mich sehr. Der Sammler schleicht sich in ein Altenheim um dem dort lebenden Walter seine Erinnerungen zu stehlen. Doch er hätte nicht damit gerechnet, dass der alte Herr sich wehrt und wird so vor ungeahnte Schwierigkeiten gestellt. Walter bekommt Hilfe in Gestalt einer Schwesternschülerin. Das Verhältnis der beiden ist sehr gut gezeichnet und es hat wirklich Spaß gemacht, die Entwicklung dieser Freundschaft zu verfolgen. Leider erfolgte in der Hälfte des Buches ein Abfall der Spannung und Thiele ging mir zu sehr auf die Missstände in dem Altenheim und die Differenzen zwischen den Mitarbeitern ein. Unnötige Wiederholungen und in meinen Augen unwichtige Informationen verdarben mir ein bisschen den Lesefluss. Die Wendung am Ende des Buches war leider nicht nach meinem Geschmack. Nichtsdestotrotz ist dies Meckern auf hohem Niveau. Hagen Thiele hat hier wieder einen tollen Roman mit mystischen Elementen erschaffen, der insbesondere durch den unglaublich tollen Schreibstil besticht! Fazit: Tolles Leseerlebnis mit kleinen Abstrichen. Von mir gibts 4 von 5 Alpträumen!





