Der einzige Mann auf dem Kontinent

Der einzige Mann auf dem Kontinent

Hardback
4.47
Das UngeheuerWirtschaftskriseVertreterDariuskoop

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Description

Das Leben eines Mannes im globalisierten NirgendwoAusgezeichnet mit dem Georg-Büchner-Preis 2018.Umgeben von globalen Wirtschaftskatastrophen macht sich ein Mann daran, sein Lebensidyll zu verteidigen, auch wenn er schon längst zugeben müsste, dass die Firma, für die er arbeitet, zusammengebrochen ist und seine Ehe vor dem Aus steht …„Der einzige Mann auf dem Kontinent“ erzählt eine Woche im Leben von Darius Kopp. Er ist Anfang vierzig, verheiratet und einziger Vertreter einer US-amerikanischen Firma für drahtlose Netzwerke. Darius sieht sich als Gewinner der neuen Zeit. Er stammt aus der DDR, war als Informatiker nach deren Zusammenbruch ein gefragter Mann und legt Wert darauf, ein zufriedener Mensch zu sein. In letzter Zeit laufen die Geschäfte allerdings mehr schlecht als recht. Eines Tages lässt ein säumiger Kunde eine Pappschachtel mit Geld in seinem Büro liegen. In der Folge versucht Darius Kopp vergeblich, einen seiner Chefs in London oder Los Angeles zu erreichen, um zu beraten, was mit dem Geld geschehen soll. Fast scheint es, als gebe es die Firma überhaupt nicht mehr. Darius Kopp leidet zunehmend unter dem Verlust seiner Sicherheiten, doch er kann dies weder sich gegenüber zugeben, noch will er Flora, seine hypersensible Frau, damit belasten. Denn Flora findet sich in ihrem Leben nur schwer zurecht. Nicht nur in seinem Beruf, muss Darius schließlich erkennen, kämpft er um das nackte Überleben, auch seine Ehe, die Liebe seines Lebens, droht vor dem Aus zu stehen.Nach „Alle Tage“ hat Terézia Mora erneut einen hochaktuellen und überaus wachen und sensiblen Roman eines Mannes geschrieben, der glaubt, in der besten aller Welten zu leben, auch wenn sein Leben genauso wie die Welt um ihn herum längst in Stücke zerbricht. Krisen von noch so globaler und intim-verworrener Natur sollen ihm nichts anhaben können. In der umspannenden vernetzten Welt mag zerbrechen, was will, sein Lebensidyll nicht.Das neue Buch der Autorin des preisgekrönten Romans „Alle Tage“.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
384
Price
22.60 €

Author Description

Terézia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Für ihren Roman „Das Ungeheuer“ erhielt sie 2013 den Deutschen Buchpreis. Ihr literarisches Debüt, der Erzählungsband „Seltsame Materie“, wurde mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für ihr Gesamtwerk wurde ihr 2018 der Georg-Büchner-Preis zugesprochen. Terézia Mora zählt außerdem zu den renommiertesten Übersetzern aus dem Ungarischen.

Posts

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All
5

Der Buchtitel klingt etwas apokalyptisch, aber so recht konnte ich gar nicht glauben, dass es hier um einen verbleibenden Überlebenden einer Pandemie geben sollte, als ich in der Bücherei blind zu diesem Werk griff. Der letzte Mann auf dem Kontinent ist Darius Kopp aus Berlin, und Berlin lebt und pulsiert. Kopp ist IT-Spezialist, Diplom-Ingenieur, in der DDR aufgewachsen, übergewichtig, phlegmatisch, unorganisiert, gelangweilt und mit einer großen Portion Faulheit ausgestattet. Wir dürfen ihn in diesem Buch eine Woche im Jahr 2008 durch sein Leben begleiten und zwar äußerst detailliert beschrieben, mit ständig wechselnden Innen- und Außenansichten, mit direkter und indirekter Rede sowie Klammervermerken, die die Gedanken in Worte während des Redens fassen. Das ist zunächst mal kein einfaches Buch. Man muss sich an diesen Stil gewöhnen. Insbesondere Freunde von handlungsorientierten Büchern dürfte es zu wenig Story sein. Doch anders wie bei anderen zeitgenössischen Romanen, die sich den Realismus als Stilmittel zuwenden, wirken die Beschreibungen von Kopps Handeln, Denken und Sagen nicht detailverliebt und zäh, sondern spöttisch, ironisch, aber auch kritisch und witzig. Kurz um, diese Art des Realismus hat mir z.B. wesentlich mehr Freude beim Lesen bereitet, wie z.B. bei einem Karl Ove Knausgård. Dieser Gesellschaftsroman befasst sich mit dem Thema „Der Mensch in einer globalisierten Welt“. Und da es sich für ein kleines amerikanisches IT-Unternehmen gehört, Ende der 00-Jahre weltweit präsent zu sein, braucht man auch einen Vertreter auf dem europäischen Festland. Und das ist Darius Kopp, alleine in seinem Büro in Berlin-Mitte in einer Art Co-Working-Space befindet er sich auf dem Stockwerk mit lauter anderen Einzelkämpfern aus anderen Branchen. In Kopps Arbeits- und Privatleben läuft es nicht gut. Der Arbeitgeber in London oder Kalifornien telefonisch nie zu erreichen, fühlt er sich wirklich wie ein letzter Überlebender seines Betriebs. Seine Frau ist genervt von seiner Unzuverlässigkeit, seine Freunde sind auch wie er nur Egozentriker und seine Mutter liegt im Heimatstädtchen im Krankenhaus. Eine Vielzahl von privaten Problemen zeigt, dass die globalen Probleme schnell in den Hintergrund treten, wenn das Hemd mit der Frühstücksmarmelade verkleckert ist oder die Mutter hypochondert. Und so gelingt es Kopp nicht, das Heft des Handeln zu übernehmen, sondern letztlich ist er nur ein Opfer der Umstände und ein Getriebener. Darius Kopp ist kein Sympathieträger, im Gegenteil: er ist ein Mensch, mit dem man eigentlich nichts zu tun haben will. Aber letztlich beschreibt Terezia Mora ihren Protagonisten so authentisch, dass seine vielen kleinen Fehler auch die unsrigen sein könnten. Nach dem Lektüre hat man den Wunsch, diesem Sozial- und Konnektivitätswahn zu entfliehen und sich autark auf das Land zurückzuziehen. Aber so leben wie Darius Kopp? Nein, Danke. Mittlerweile sind über 10 Jahre seit Erscheinen des Buchs vergangen und eigentlich ist mit dem mobilen Internet alles noch schlimmer (oder extremer? oder doch schöner geworden?). Der Schreibstil von Terezia Mora ist ein Genuss. Es war mein erstes Buch der ungarischen Schriftstellerin, aber bestimmt nicht das Letzte.

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Der Buchtitel klingt etwas apokalyptisch, aber so recht konnte ich gar nicht glauben, dass es hier um einen verbleibenden Überlebenden einer Pandemie geben sollte, als ich in der Bücherei blind zu diesem Werk griff. Der letzte Mann auf dem Kontinent ist Darius Kopp aus Berlin, und Berlin lebt und pulsiert. Kopp ist IT-Spezialist, Diplom-Ingenieur, in der DDR aufgewachsen, übergewichtig, phlegmatisch, unorganisiert, gelangweilt und mit einer großen Portion Faulheit ausgestattet. Wir dürfen ihn in diesem Buch eine Woche im Jahr 2008 durch sein Leben begleiten und zwar äußerst detailliert beschrieben, mit ständig wechselnden Innen- und Außenansichten, mit direkter und indirekter Rede sowie Klammervermerken, die die Gedanken in Worte während des Redens fassen. Das ist zunächst mal kein einfaches Buch. Man muss sich an diesen Stil gewöhnen. Insbesondere Freunde von handlungsorientierten Büchern dürfte es zu wenig Story sein. Doch anders wie bei anderen zeitgenössischen Romanen, die sich den Realismus als Stilmittel zuwenden, wirken die Beschreibungen von Kopps Handeln, Denken und Sagen nicht detailverliebt und zäh, sondern spöttisch, ironisch, aber auch kritisch und witzig. Kurz um, diese Art des Realismus hat mir z.B. wesentlich mehr Freude beim Lesen bereitet, wie z.B. bei einem Karl Ove Knausgård. Dieser Gesellschaftsroman befasst sich mit dem Thema „Der Mensch in einer globalisierten Welt“. Und da es sich für ein kleines amerikanisches IT-Unternehmen gehört, Ende der 00-Jahre weltweit präsent zu sein, braucht man auch einen Vertreter auf dem europäischen Festland. Und das ist Darius Kopp, alleine in seinem Büro in Berlin-Mitte in einer Art Co-Working-Space befindet er sich auf dem Stockwerk mit lauter anderen Einzelkämpfern aus anderen Branchen. In Kopps Arbeits- und Privatleben läuft es nicht gut. Der Arbeitgeber in London oder Kalifornien telefonisch nie zu erreichen, fühlt er sich wirklich wie ein letzter Überlebender seines Betriebs. Seine Frau ist genervt von seiner Unzuverlässigkeit, seine Freunde sind auch wie er nur Egozentriker und seine Mutter liegt im Heimatstädtchen im Krankenhaus. Eine Vielzahl von privaten Problemen zeigt, dass die globalen Probleme schnell in den Hintergrund treten, wenn das Hemd mit der Frühstücksmarmelade verkleckert ist oder die Mutter hypochondert. Und so gelingt es Kopp nicht, das Heft des Handeln zu übernehmen, sondern letztlich ist er nur ein Opfer der Umstände und ein Getriebener. Darius Kopp ist kein Sympathieträger, im Gegenteil: er ist ein Mensch, mit dem man eigentlich nichts zu tun haben will. Aber letztlich beschreibt Terezia Mora ihren Protagonisten so authentisch, dass seine vielen kleinen Fehler auch die unsrigen sein könnten. Nach dem Lektüre hat man den Wunsch, diesem Sozial- und Konnektivitätswahn zu entfliehen und sich autark auf das Land zurückzuziehen. Aber so leben wie Darius Kopp? Nein, Danke. Mittlerweile sind über 10 Jahre seit Erscheinen des Buchs vergangen und eigentlich ist mit dem mobilen Internet alles noch schlimmer (oder extremer? oder doch schöner geworden?). Der Schreibstil von Terezia Mora ist ein Genuss. Es war mein erstes Buch der ungarischen Schriftstellerin, aber bestimmt nicht das Letzte.

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