Das Fähnlein der sieben Aufrechten

Das Fähnlein der sieben Aufrechten

Pamphlet
3.44
RealismusProsaKlassische BelletristikBelletristik

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Description

Aus eigenem Erleben ist diese Novelle gestaltet; denn diesen Bund der Aufrechten, gab es wirklich. Kellers Vater gehörte ihm an. Es ist eine satirische, humorvolle Schilderung der politisch zerrissenen Zustände in der Schweiz nach der französischen Revolution, ganz aus demokratischer Gesinnung heraus geschrieben. Getragen wird die Handlung von des Schneidermeisters Hediger Sohn und der Tochter des reichen Zimmermeisters Frymann. Ihrer beider Geschicklichkeit und Klugheit und der Hilfe der Mutter ist es zu verdanken, dass die beiden am Ende ein glückliches Paar werden, trotz des Widerstandes ihrer Väter. Das Nachwort bringt Daten zur Textgeschichte und Textgestaltung sowie Anmerkungen zum Verständnis der Erzählung.

Book Information

Main Genre
Young Adult Books
Sub Genre
Educational material
Format
Pamphlet
Pages
47
Price
1.60 €

Posts

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All
3.5

Heute möchte ich euch die Novelle „Das Fähnlein der sieben Aufrechten“ von Gottfried Keller vorstellen. Erstmals erschien sie 1861 im Deutschen Volkskalender und wurde 1877 in die Züricher Novellen aufgenommen. Die Geschichte zeichnet ein lebendiges Sittengemälde der Schweiz im 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Karl Hediger, Sohn eines gebildeten Schneiders, der sich in Hermine Frymann, die Tochter eines wohlhabenden Zimmermanns, verliebt. Obwohl die Väter durch gemeinsame politische Überzeugungen miteinander befreundet sind, lehnen sie eine Verbindung der Kinder ab, da sie Familie und Politik nicht vermischen wollen. Doch Karl und Hermine lassen sich davon nicht beirren: Mit Witz, Mut und Cleverness setzen sie sich durch. Beim großen Schützenfest in Aarau gelingt es Karl, sowohl als Redner wie auch als Schütze zu überzeugen. Er gewinnt nicht nur Anerkennung und den Siegerbecher, sondern auch Hermines Hand. Am Ende triumphiert also nicht allein die Liebe, sondern ebenso die Idee der „Freundschaft in der Freiheit“. Kellers Erzählstil ist bildhaft, anschaulich und detailreich – ganz im Geist des poetischen Realismus. Seine Sprache ist klar, durchzogen von feinem Humor und leiser Ironie. Neben erzählenden und reflektierenden Passagen finden sich auch Ausschweifungen und moralische Kommentare. Dialoge zwischen den Figuren verleihen der Novelle Lebendigkeit und Authentizität, während subtile Ironie besonders in der Darstellung politischer Gegner oder sturer Bürokratie durchscheint. Das Fähnlein selbst ist mehr als nur ein Wimpel – es symbolisiert Freiheit, Gemeinschaft und Idealismus. Kellers gesellschaftskritische Themen verbinden sich mit einer liebevollen Charakterzeichnung und einer warmherzigen Grundhaltung. Besonders die sieben alten Männer werden mit Humor und Zuneigung gezeichnet, was sie trotz ihres Alters nahbar und sympathisch erscheinen lässt. Kritisch fällt jedoch auf, dass Frauen in der Erzählung nur eine sehr begrenzte Rolle spielen, was aus heutiger Sicht einseitig wirkt. Insgesamt ist die Novelle ein eindrucksvolles Zeugnis bürgerlicher Ideale, das zwischen Humor und politischem Ernst vermittelt. Von mir erhält sie 3,5 von 5 Sternen. ✨️

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Dies war die erste Geschichte Kellers, die ich gelesen habe, die nicht zum Seldwyla-Zyklus gehört. Deshalb ist die Handlung auch konkret angesiedelt, nämlich in Zürich und Aarau. Auch zeitlich kann „Das Fähnlein der sieben Aufrechten“ eingeordnet werden: Nämlich etwas nach 1848, der Geburtsstunde der Schweiz, wie wir sie heute kennen. Alles andere hätte eigentlich auch typisch „seldwylisch“ sein können. Keller gehört unterdessen zu den Autoren, die ich sehr gerne lese. Diese Art zu erzählen misse ich im aktuellen Kanon der Schweizer Literaten, die sich alle meiner Meinung nach viel zu ernst nehmen. Keller kommt da eher wie ein Kumpel daher, der einem das Neueste aus der Nachbarschaft erzählt. „Die sieben Aufrechten“, ein Club typischer „Bünzlis“, wie wir sie heutzutage nennen würden, merken dabei zum Glück nicht, dass der Erzähler die Gruppe gutmütig betrachtet, aber nicht wirklich ernst nimmt. Er beobachtet ihr Wanken, ihr Reden und ihr Hin und Her und amüsiert sich dabei selber. Man merkt jedoch, dass Keller seine älteren Herren durchaus zu schätzen weiss. Der eigentliche Held der Geschichte ist jedoch Karl, der jüngste Sohn Hedingers, der seines Zeichens ein gestandener Freiheitskämpfer und Mitglied bei den Sieben ist. Karl, anfangs sehr unscheinbar und ein wenig unsicher, mausert sich im Verlaufe der Handlung zum glorreichen Gewinner von… allem. Dabei wirkt er vor allem zum Schluss schon etwas übertrieben talentiert. Doch passt dies zu Kellers Darstellungen der Figuren, die alle etwas überspitzt dargestellt sind. Ja, ich kann Keller wirklich als Nationaldichter anerkennen und finde es fast schon schade, dass ich nun keine Geschichten von ihm mehr auf dem SUB habe. Dieses Gefühl kenne ich ansonsten nur von Terry Pratchett. Demnach muss ich wohl bald Keller-Nachschub holen gehen.

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