bY Hallie Rubenhold The Five The Untold Lives of the Women Killed by Jack the Ripper Paperback - 30 January 2020
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Everybody should read this! Especially the conclusion! Wer ist, mal von Diktatoren wie Hitler und Stalin abgesehen, wohl der bekannteste Mörder der Geschichte? Jack the Ripper, ganz klar. Es ist schwer, die seltsame Faszination zu erklären, die der nie identifizierte Mörder ausübt – auch auf mich, ich habe schon Bücher über ihn gelesen und ich muss gestehen, ich wäre einer Tour zu den Schauplätzen in London nicht abgeneigt. Doch die ganze Diskussion, die Forschung und die Literatur konzentrierte sich seit jeher auf die Identität des Rippers, während über seine Opfer nicht viel mehr bekannt war als die im Internet problemlos auffindbaren schrecklichen Fotos, die von ihren Leichen gemacht wurden. Es waren ja „nur Prostituierte“. Aber was heißt hier „nur“? Wir reden hier über Menschen, die einmal Töchter, Ehefrauen und Mütter waren. Die britisch-amerikanische Historikerin Hallie Rubenhold widmete sich der Erforschung des Lebens der sogenannten „kanonischen Fünf“, also der Frauen, die traditionell als sichere Opfer von Jack the Ripper betrachtet werden, und von denen, wie sie herausfand, nur zwei tatsächlich Prostituierte waren. Ich sage es vorweg, in diesem Buch geht es nicht um Jack the Ripper. Hallie Rubenhold beteiligt sich mit keinem einzigen Satz an den Spekulationen über dessen Identität. Sie erzählt nacheinander den Lebensweg der Frauen in der Reihenfolge, in der sie getötet wurden. Es ist schlicht ergreifend erstaunlich, was Rubenhold alles über sie herausgefunden hat. Es muss eine enorme, leidenschaftliche Fleißarbeit gewesen sein, die sie dazu befähigte, die Frauen für die Leser so zum Leben zu erwecken, denn genau das tut sie. Sie werden zu greifbaren Menschen, mit denen man mitleidet und um die man letztendlich trauert, wenn das jeweilige Kapitel schließlich zu der Nacht kommt, in der sie ermordet wurden, und mit ihrem letzten Aufenthaltsort endet. Die Lebenswege der Frauen waren sehr unterschiedlich, gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie alle nicht bereits durch unglückliche Umstände ihrer Geburt unbedingt zu einem Dasein in Armut verurteilt waren. Annie Chapman etwa gehört durchaus der Mittelschicht an. Doch sie alle ereilte das Unglück in irgendeiner Form und führte sie in die Slums von Whitechapel, durch Verlassenwerden durch den Ehemann etwa, einem Schicksal, das für Frauen im viktorianischen England wie Polly Nichols oft den sozialen Abstieg und bittere Armut bedeutete, oder Tragödien wie dem Tod von Kindern, in Verbindung mit Alkoholismus. Insbesondere das Schicksal von Annie Chapman hat mich zu Tränen gerührt. Obwohl man weiß, was passieren wird, ertappt man sich dabei, mit den Frauen zu fiebern, man will sie davon abhalten, die Nacht im Freien zu verbringen, man wünscht sich absurderweise, dass sie überleben. Gleichzeitig ist Rubenholds Buch ein Zeugnis der sozialen Ungerechtigkeit, die zu der damaligen Zeit herrschte. Ganz besonders erschütternd ist, wie ungeschützt Frauen im viktorianischen England leben mussten, wie sie quasi für ihr Geschlecht bestraft wurden. Im Anschluss an die Lebensgeschichte des letzten und jüngsten Opfers, Mary Jane Kelly, über die wir auch am wenigsten wissen, steht Hallie Rubenholds Fazit, das wohl der stärkste Teil von „The Five“ ist. Darin klagt die Autorin an, und zwar nicht nur die Jack-the-Ripper-Industrie, die dem Mörder mitunter gar ein positives Image verschafft, seine Cleverness hervorhebt, nie identifiziert worden zu sein. Sondern auch die trotz allem Feminismus immer noch weit verbreitete Misogynie, die Bewegungen wie #metoo hervorbringt und Gewalt an Frauen oft ungestraft lässt. Jack the Ripper weilt immer noch unter uns. Hallie Rubenhold hat ein Buch geschrieben, das nicht nur alle, die sich schon einmal in irgendeiner Form mit dem Ripper-Phänomen beschäftigt haben, lesen sollten. Hallie Rubenhold hat ihr Buch Mary Ann „Polly“ Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Marie Jeanette Kelly gewidmet und ihnen ihre Würde wiedergegeben. Für mich eines der besten Sachbücher, die ich je gelesen habe.
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Everybody should read this! Especially the conclusion! Wer ist, mal von Diktatoren wie Hitler und Stalin abgesehen, wohl der bekannteste Mörder der Geschichte? Jack the Ripper, ganz klar. Es ist schwer, die seltsame Faszination zu erklären, die der nie identifizierte Mörder ausübt – auch auf mich, ich habe schon Bücher über ihn gelesen und ich muss gestehen, ich wäre einer Tour zu den Schauplätzen in London nicht abgeneigt. Doch die ganze Diskussion, die Forschung und die Literatur konzentrierte sich seit jeher auf die Identität des Rippers, während über seine Opfer nicht viel mehr bekannt war als die im Internet problemlos auffindbaren schrecklichen Fotos, die von ihren Leichen gemacht wurden. Es waren ja „nur Prostituierte“. Aber was heißt hier „nur“? Wir reden hier über Menschen, die einmal Töchter, Ehefrauen und Mütter waren. Die britisch-amerikanische Historikerin Hallie Rubenhold widmete sich der Erforschung des Lebens der sogenannten „kanonischen Fünf“, also der Frauen, die traditionell als sichere Opfer von Jack the Ripper betrachtet werden, und von denen, wie sie herausfand, nur zwei tatsächlich Prostituierte waren. Ich sage es vorweg, in diesem Buch geht es nicht um Jack the Ripper. Hallie Rubenhold beteiligt sich mit keinem einzigen Satz an den Spekulationen über dessen Identität. Sie erzählt nacheinander den Lebensweg der Frauen in der Reihenfolge, in der sie getötet wurden. Es ist schlicht ergreifend erstaunlich, was Rubenhold alles über sie herausgefunden hat. Es muss eine enorme, leidenschaftliche Fleißarbeit gewesen sein, die sie dazu befähigte, die Frauen für die Leser so zum Leben zu erwecken, denn genau das tut sie. Sie werden zu greifbaren Menschen, mit denen man mitleidet und um die man letztendlich trauert, wenn das jeweilige Kapitel schließlich zu der Nacht kommt, in der sie ermordet wurden, und mit ihrem letzten Aufenthaltsort endet. Die Lebenswege der Frauen waren sehr unterschiedlich, gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie alle nicht bereits durch unglückliche Umstände ihrer Geburt unbedingt zu einem Dasein in Armut verurteilt waren. Annie Chapman etwa gehört durchaus der Mittelschicht an. Doch sie alle ereilte das Unglück in irgendeiner Form und führte sie in die Slums von Whitechapel, durch Verlassenwerden durch den Ehemann etwa, einem Schicksal, das für Frauen im viktorianischen England wie Polly Nichols oft den sozialen Abstieg und bittere Armut bedeutete, oder Tragödien wie dem Tod von Kindern, in Verbindung mit Alkoholismus. Insbesondere das Schicksal von Annie Chapman hat mich zu Tränen gerührt. Obwohl man weiß, was passieren wird, ertappt man sich dabei, mit den Frauen zu fiebern, man will sie davon abhalten, die Nacht im Freien zu verbringen, man wünscht sich absurderweise, dass sie überleben. Gleichzeitig ist Rubenholds Buch ein Zeugnis der sozialen Ungerechtigkeit, die zu der damaligen Zeit herrschte. Ganz besonders erschütternd ist, wie ungeschützt Frauen im viktorianischen England leben mussten, wie sie quasi für ihr Geschlecht bestraft wurden. Im Anschluss an die Lebensgeschichte des letzten und jüngsten Opfers, Mary Jane Kelly, über die wir auch am wenigsten wissen, steht Hallie Rubenholds Fazit, das wohl der stärkste Teil von „The Five“ ist. Darin klagt die Autorin an, und zwar nicht nur die Jack-the-Ripper-Industrie, die dem Mörder mitunter gar ein positives Image verschafft, seine Cleverness hervorhebt, nie identifiziert worden zu sein. Sondern auch die trotz allem Feminismus immer noch weit verbreitete Misogynie, die Bewegungen wie #metoo hervorbringt und Gewalt an Frauen oft ungestraft lässt. Jack the Ripper weilt immer noch unter uns. Hallie Rubenhold hat ein Buch geschrieben, das nicht nur alle, die sich schon einmal in irgendeiner Form mit dem Ripper-Phänomen beschäftigt haben, lesen sollten. Hallie Rubenhold hat ihr Buch Mary Ann „Polly“ Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Marie Jeanette Kelly gewidmet und ihnen ihre Würde wiedergegeben. Für mich eines der besten Sachbücher, die ich je gelesen habe.




