Brennendes Geheimnis

Brennendes Geheimnis

Softcover
3.918
KunstmarkIdentitätStadtLebenskunst

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Description

Mit zwölf Jahren lebt Edgar am Rand seiner Kindheit. Die Menschen in der Welt der Erwachsenen erscheinen ihm als »lose Puppen und totes Spielzeug», und so lebt er »hart hinter den Träumen, dem Unwirklichen und Unerreichbaren«, bis er sich gerade von denjenigen, denen er bislang mit Vertrauen, Liebe, Gläubigkeit, Respekt begegnet ist, verraten fühlt. Sie zwingen ihn geradezu, den Riegel seiner Kindheit wegzuschieben, hinter ihr Geheimnis zu kommen, das er sich nicht zu deuten weiß. Er ist mit der Mutter, seiner Gesundheit wegen, auf den Semmering gefahren und glaubt dort unverhofft in einem jungen Baron einen Freund gefunden zu haben - doch er muß sehr schnell erkennen, daß dessen Freundlichkeit nicht ihm, Edgar, sondern der Mutter gilt. Mehr und mehr fühlt er sich zurückgesetzt, mehr und mehr spürt er, wie die Erwachsenen ihn belügen, wenn sie sich auf das konzentrieren, was ihm noch verschlossen bliebt und um so stärker als Geheimnis in ihm brennt. Es wird ihm schmerzlich - aber er muß diesen Weg einschlagen, die Vorstellungswelt des Kindseins allmählich verlassen und in die Fremdheit des Unbekannten hineinschauen, auch wenn es sich für den Augenblick noch mit einem ahnungslosen Vorgefühl begnügen darf.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Short Stories
Format
Softcover
Pages
112
Price
11.40 €

Author Description

Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren und lebte ab 1919 in Salzburg, bevor er 1938 nach England, später in die USA und schließlich 1941 nach Brasilien emigrierte. Mit seinen Erzählungen und historischen Darstellungen erreichte er weltweit in Millionenpublikum. Zuletzt vollendete er seine Autobiographie ›Die Welt von Gestern‹ und die ›Schachnovelle‹. Am 23. Februar 1942 schied er zusammen mit seiner Frau »aus freiem Willen und mit klaren Sinnen« aus dem Leben.

Posts

2
All
4.5

Psychologisch tief und mit einer sprach Gewalt, nur zu empfehlen.

Nachdem ich mit Stefan Zweigs Schachnovelle bereits einen literarischen Klassiker erleben durfte, der mich mit seiner psychologischen Wucht und meisterhaften Sprachgewalt tief beeindruckt zurückließ, wollte ich unbedingt noch tiefer in das Werk dieses außergewöhnlichen Autors eintauchen. So fiel meine Wahl auf Brennendes Geheimnis – eine kurze Novelle, die auf den ersten Blick beinahe unscheinbar wirken mag, deren emotionale Kraft jedoch wie ein schleichendes Feuer unter der Oberfläche lodert und sich Seite für Seite immer intensiver entfaltet. Stefan Zweig gelingt es auch hier wieder mit einer nahezu unvergleichlichen Eleganz, aus einer scheinbar einfachen Konstellation ein tief bewegendes, psychologisch fein gesponnenes Drama zu erschaffen. Im Mittelpunkt stehen drei Figuren: der zwölfjährige Edgar, seine Mutter und ein Baron. Was zunächst wie eine harmlose Begegnung in der abgeschlossenen Welt eines Hotels beginnt, entwickelt sich zu einem feinfühligen, schmerzhaften und zugleich hochspannenden Geflecht aus Vertrauen, Manipulation, Erwachen und Enttäuschung. Besonders Edgar ist eine Figur, die mich emotional vollkommen ergriffen hat, denn Zweig beschreibt dessen kindliche Sehnsucht nach Anerkennung, seine aufrichtige Freude über die neue Bekanntschaft und schließlich seine schmerzvolle Konfrontation mit der Welt der Erwachsenen auf eine Weise, die zutiefst unter die Haut geht. Man spürt beim Lesen jede Unsicherheit, jede Hoffnung, jede Verletzung dieses Jungen so intensiv, dass man sich seinem inneren Erleben kaum entziehen kann. Was mich jedoch erneut am meisten fasziniert hat, ist Zweigs Sprache, die sich kaum in Worte fassen lässt, weil sie eine Schönheit besitzt, die man vielmehr fühlen als beschreiben kann. Seine Sätze fließen mit einer solchen Feinheit, einer solchen literarischen Anmut, dass selbst die leisesten emotionalen Regungen eine gewaltige Wirkung entfalten. Brennendes Geheimnis liest sich nicht einfach nur – es zieht einen in einen Strudel aus Emotionen, Beobachtungen und unausgesprochenen Spannungen hinein. Obwohl die gesellschaftlichen Rollenbilder selbstverständlich stark von der Entstehungszeit geprägt sind, verliert die Geschichte dadurch keineswegs an Wirkung. Vielmehr entfaltet sie gerade durch ihre psychologische Tiefe und die universellen Themen von Vertrauen, Verlust der Unschuld und emotionalem Erwachen eine zeitlose Kraft. Besonders bemerkenswert ist, wie Stefan Zweig die Handlung mit beinahe thrillerartiger Spannung aufbaut, dabei jedoch niemals laut oder effekthascherisch wird. Stattdessen steigert sich die Geschichte langsam, subtil und mit einer beinahe quälenden Intensität, die mich immer tiefer in ihren Bann gezogen hat. Diese leise, aber stetig wachsende Spannung hätte ich in dieser Form kaum erwartet und sie macht die Novelle umso eindringlicher. Brennendes Geheimnis ist für mich ein weiterer eindrucksvoller Beweis dafür, warum Stefan Zweig zu den großen Meistern der psychologischen Literatur gehört. Diese Novelle mag kurz sein, doch ihre Wirkung ist enorm. Sie berührt, fesselt und hallt lange nach. Ich kann diesen Klassiker daher nur von Herzen empfehlen, denn allein Zweigs Sprache ist bereits ein Genuss, doch die emotionale Tiefe und die meisterhafte Erzählkunst machen dieses Werk zu einem wahrhaft brennenden literarischen Erlebnis.

5

Wundere mich jetzt schon zum vierten Mal in diesem Jahr, dass Stefan Zweig mich so fesseln kann. Edgar, gerade 12 Jahre alt führt uns durch die Geschichte und erzählt sehr emotional die Begegnungen zwischen ihm, einem jungen Baron und seiner Mutter. Das Ende wirkt überstürzt, wenn auch stimmig. Ein weiteres Mal, ein großes Dankeschön an Herrn Zweig! Und welches Buch lese ich jetzt von ihm?

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