Berlingtons Geisterjäger 1 - Anderswelt

Berlingtons Geisterjäger 1 - Anderswelt

Softcover
3.25

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Book Information

Main Genre
N/A
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
272
Price
10.00 €

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3
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1

Eigentlich geht’s nur um Sex Wir haben das Buch im Buchclub gelesen, weil wir alle irgendwie Lust auf einen viktorianischen Krimi hatten. Das Buch verspricht History, Steampunk, ein bisschen Gothic und Horror. Super. Leider nicht. Satans Ziege, war das ein Trip! Ich möchte zunächst auf das Handwerkliche eingehen, denn auch Schreiben ist ein Handwerk und hat weniger mit Talent zu tun als mit stetiger Übung und Weiterbildung. Danach gehe ich auf die Queerness ein, mit der die Autorin das Buch bewirbt. HANDWERK Plot: Welcher Plot? Es gibt keinen. Die Charaktere stolpern aus Versehen von einem Ding zum nächsten. Sie sind passiv und lassen alles auf sich zukommen. Die erste Hälfte des Buches besteht aus einer Geschichte, die nichts mit der zweiten Hälfe zu tun hat. Dafür dürfen wir unfassbar schlechtem Sex zwischen zwei Männern und zwei Frauen beiwohnen. Im zweiten Teil des Plots spielt die Autorin eine irische Mythologie nach und versetzt sie nach London. Das wirkt ziemlich perfide, da Irland quasi Englands erste Kolonie war. Bis heute ist ein Teil Irlands besetzt – ein Blick auf die Europakarte genügt. Jetzt also die Mythologie eines kolonialisierten Landes der Kolonialmacht zuzuschreiben, ist schon ein ziemlich übler Move. Schreibstil: Die Autorin sagt von sich selbst, dass sie nur "Mittelmäßig" schreibe, weshalb ich auch kein Meisterwerk mit diesem Buch erwartet habe. Ich wollte etwas leichtverdauliches für den Feierabend, zum Ausschalten – ihr kennt. Meine Erwartungen an das Buch waren deshalb ohnehin schon niedrig. Wir haben zunächst das Offensichtliche … Hinter fast jedem Satz stehen Auslassungszeichen … Da wundert man sich schon … Vor allem hinter Sätzen, die definitiv abgeschlossen sind … Wenn wir ein Trinkspiel draus gemacht hätten, wären wir nach 3 Seiten mit maximum 18 Auslassungszeichen … mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden … aber hey: für die nächste Studierendenparty bestimmt der Hit … Das ist aber nicht alles. Die Autorin wirft mit ihrem "Wissen" und Nicht-Wissen um sich. An den unpassendsten Stellen. So werden wir mitten in einer Sexszene geinfodumped, wie Unterwäsche funktioniert – auch noch falsch. Mitten im Showdown erfahren wir, was Komplementärfarben sind. Die Autorin muss uns auch erklären, was Vampire sind. Zu jeder Person gibt eine Perspektive. Wir dürfen sogar an den Gedankengängen einer ELSTER teilhaben. Ja, einem Vogel, einem verdammten Vogel. Will ich wissen, wie es im Kleinhirn einer Elster aussieht? NEIN! Aber die Autorin konnte die Handlung nicht anders voranzutreiben. Im Prinzip ist das nicht so schlimm, denn sie beschreibt den Vogel wie jede andere Person auch. Wenn nicht über jedem Kapitel der Name der jeweiligen POV stehen würde, würde man keinen Unterschied merken. Charakterdesign: Das haben wir genauso gesucht wie den Plot. Fiona ist Irin und eine andere Eigenschaft hat sie nicht. Sie ist die peinlichste Version einer irischen Person, über die ich je lesen durfte. Mal abgesehen davon hat Fiona (natürlich) rote Haare, trägt ständig grüne Kleidung und ist eine Hexe. Mehr gibt es über sie nicht zu sagen. Sie hat keine Charaktereigenschaften, keine Hobbies, keine Meinung, keine Agenda. Genauso sieht es bei den anderen Charakteren aus. Sie sind halt irgendwie da. Berlington ist der unlordigste Lord ever. Die Autorin blendet komplett aus, dass er seit seiner Kindheit auf sein Erbe vorbereitet wird und in der entsprechenden Gesellschaft verankert ist. Sie wollte ihn "rebellisch" machen, weil er ja so "anders" ist als alle anderen. Aber was macht ihn anders? Wir wissen es nicht. Dann haben wir Eliott, der Amerikaner. Laut Klappentext sollte die Story ja um ihn gehen, aber er taucht erst nach ca. 30% des Buches auf. Auch wenn er tatsächlich der am besten designte Charakter ist, bleibt er eine Karikatur seiner Selbst. Auch hier: der Typ ist Mitglied in einem englischen Gentlemen´s Club. Als Amerikaner, der irgendwo im East End in einer ollen Baracke wohnt und den ich irgendwo in der unteren Mittelschicht verankert würde. Welcher ordentliche Club nimmt DEN auf? Richtig: Keiner. Die anderen Charaktere sind noch blasser. Die tragen nichts zur Handlung bei! Die laufen mit, sagen mal ab und zu was, mehr nicht. Ständig tauchen neue Personen auf, die dann aber auch wieder keine Rolle spielen. Selbst auf der letzten Seite kommen noch neue Figuren hinzu. Emotionen oder anderweitige Gefühlsregungen werden so gut wie gar nicht beschrieben. Wir lesen, dass die Personen Dinge tun, aber wir wissen nicht, was sie dabei empfinden. Deshalb sind so manche Liebesgeständnisse auch kaum nachzuvollziehen. Auch scheinen die traumatisierenden Erlebnisse den Personen nichts auszumachen. Jedenfalls wird das von der Autorin so abgetan, als wäre nie etwas passiert. Echsenmenschen, Feuer, Nahtoderfahrungen, Verletzungen – ach, passt schon. Weltenbau: Es gibt Magie, aber mehr wissen wir auch nicht. Die Fähigkeiten von Fiona und ihrer Omi sind mal da, mal nicht, mal können sie was richtig fettes, in der nächsten Szene, haben sie es aber schon wieder verlernt, oder vergessen. Mal müssen sie für einen simplen Zauber ein aufwändiges Ritual durchführen, mal kann Fiona einfach aus der hohlen Hand einen Drachen (!) einschläfern. Dann unterscheidet die Autorin zwischen weißer und schwarzer Hexenmagie. Das ist ein Magiemodell, das ich persönlich echt schon ziemlich überholt finde, da es "gute" und "böse" Hexen entwirft. Die Darstellung dieser Magie ist auch unausgereift. Einmal erzählt die Autorin, dass das niemand wissen dürfte, dann erfahren wir, dass auch Personen in hohen politischen Ämtern Magie ausüben können. Das passt hinten und vorne nicht. Die müssen doch Regeln haben, Gesetze. Irgendwie kann jeder Magie, aber keiner darf es wissen? Recherche: Wir wissen, dass eine Recherche stattgefunden hat, weil die Autorin es im Nachwort erzählt. Aber wir fragen uns wirklich, ob diese tatsächlich verstanden worden sind. Es gibt viele "Kleinigkeiten", die sauer aufstoßen. Zum Beispiel ziehen die Damen an einer Stelle die Tournüren aus, weil diese angeblich unbequem seien, dann entledigen sie sich völlig ihrer Kleider, weil man damit nicht reiten könne. Ohnehin gibt es viele falsche Darstellungen von Kleidung. In einer Szene sind die Personen in einem brennenden Haus. Die Autorin hat wohl recherchiert, wie sich Feuer ausbreitet (laut Nachtrag), dass jedoch auch eine Rauchentwicklung vorliegt, hat sie wohl nicht bedacht. Die Leute laufen da rum, unterhalten sich und um sie herum brennt alles nieder. Auch, dass Feuer verdammt heiß sein kann, ist wohl irrelevant. Im Showdown erleidet ein Charakter Verbrennungen, weil seine Hose Feuer fängt. Am nächsten Tag ist er bandagiert und alles ist gut. Wisst ihr, wie Verbrennungen aussehen? Der Mann ist gebrandmarkt für den Rest seines Lebens! Heute würde man wahrscheinlich eine Hauttransplantation vornehmen müssen. Das hat auch Auswirkungen auf Bewegung etc., Schmerzen … ach, wem erzähle ich das. Die Hintergrundgeschichte von Fiona ist mir richtig sauer aufgestoßen. Die erzählt einer Person, die sie gerade erst kennengelernt hat, frei heraus, dass sie ein uneheliches Kind ist und bei ihrer Granny aufgewachsen ist. Huii! Also erstmal nennen irische Personen ihre Omas nicht Granny. Das ist eine Nana. Zweitens, wäre Fiona wohl entweder gar nicht am Leben oder würde in einer sogenannten Magdalen Laundry knechten. Diese Mother and Baby Homes gab es in Irland bis in die 1990er und wurden von der katholischen Kirche unterhalten. Schwangere, die nicht verheiratet waren, Sexworkerinnen oder Opfer von Vergewaltigungen wandten sich dort hin, um Schutz zu erfahren, wurden aber übel ausgebeutet und auf jegliche Art und Weise misshandelt – alles unter dem Deckmäntelchen der Nächstenliebe, Moral und des Anstands. HASS. Babys von unverheirateten Frauen wurden zuweilen auch direkt aus den Häusern geholt, oft gegen den Willen der Familien. Wo diese Kinder dann hingekommen sind, wusste niemand, viele wurden getötet. Irland ist immernoch dabei, alles aufzuarbeiten. Bis heute gibt es Menschen, die nicht wissen, wo sie herkommen, die traumatisiert sind von den Erlebnissen dort. Vor diesem Hintergrund kommt mir das Buch echt hoch. Selbst wenn Fiona das überlebt hätte, würde sie das nicht einfach so rumerzählen, als würde sie ihr Rezept für Kartoffelsalat weitergeben. REPRÄSENTATION Gibt es kaum. Der Cast ist komplett weiß, jedenfalls wird nirgends irgendeine Hautfarbe erwähnt. Unterschiedliche Kulturen/Länder, beschränken sich auf England, Irland, Frankreich und die USA. Irische Kultur und Historie sind extrem schlecht recherchiert und lässt auch mangelhaften Respekt erkennen. Wo ist überhaupt die pagane Religion, die sie erwähnt? Haben wir nicht gefunden. Magie ist keine Religion. Dann haben wir die Queerness. Berlington entdeckt erst mit ca. 40 seine eigene Queerness – kann sein. Aber als ihm Dandy Damian über den Weg läuft, verhält er sich so, als hätte er sowas noch nie gesehen. Sehr unglaubwürdig. Das wurde damals in Zeitungen thematisiert und es gab eigene Clubs für queere Menschen. Was willst du mir erzählen? Die Darstellung der Queerness ist echt übel, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Autorin selbst queer ist und diese Bücher auch queeren Menschen empfiehlt. Ich bin queer. Will ich über Harrassment an queeren Personen lesen? NEIN! Stell dir vor, du gehst auf eine Party und jeder Sack hisst dir "S*d*m*t" hinterher. Stell dir vor, du wirst als "widernatürlich" bezeichnet und als "Monster" dargestellt. Stell dir vor, du hast gerad deine Queerness entdeckt und wirst vor fremden Leuten zwangsweise geoutet, mehrere Male. Stell dir vor, du entdeckst das erste Mal Gefühle für eine Person und wirst von dieser Person zum gewaltvollen Sex "überredet" ("Ich weiß, du willst es doch auch!"). Das alles passiert in diesem Buch. Im ersten Teil des Buches geht es um Dandy Damian, die einzig offen lebende queere Person. Diese wird von Beginn an zeitgleich dämonisiert und lächerlich gemacht. Es passiert irgendwas Merkwürdiges – es muss die queere Person gewesen sein. Tatsächlich entpuppt sich der dann als Echsenmonster, das sich ein menschliches Mäntelchen angezogen hat. Was soll mir das sagen: Queere Menschen sind innerlich verdorbene Monster? Das Monster saugt die Energie von anderen Person aus. Beim Sex. Ich glaube, genau deshalb hat die Autorin die Entscheidung für diesen vollkommen irrelevanten Plot getroffen. Es geht hier NUR um Sex. Sie wollte unbedingt die Sexszene zwischen zwei Männern darstellen und hat dafür einen Grund gebraucht. Allerdings findet dieser Sex vollkommen ohne Konsens statt. Die Szene wird gewaltvoll beschrieben, gleicht einer Vergewaltigung. Aber der Mann hat dadurch sein Awakening. Damit wird die Trope festgetreten, dass Sex zwischen Männern gewaltvoll ist und queere Männer Predators sind, die andere Männer queer machen. Das wird auch so wortwörtlich gesagt: "Das Monster hat mich dazu gebracht, ich bin widernatürlich." Der Typ hätte auch anders seine Queerness entdecken können, als von einem Echsenmonster vergewaltigt zu werden. Warum also auf diese Weise? Gleich nachdem er den Schock überstanden hat, bringt die Autorin das nächste Love Interest ins Spiel. Dieser Mensch ist ein harter Kontrast zu Damian und unterstreicht noch einmal die Aussage, welche Art Queerness gut ist und welche schlecht: Schlecht, wenn du offen lebst und deine Queerness zeigst; Gut, wenn du es heimlich tust. What? Es gibt auch ein Pärchen bestehend aus zwei Frauen, die jedoch kaum thematisiert werden. Der Sex zwischen den beiden Frauen passiert random, aber dieser ist voller Blümchen und wird klischeehaft dargestellt. Bei den Frauen ist alles mit Scham besetzt und wir müssen raten, was da eigentlich geschieht, weil alles "unaussprechlich" ist. Ganz anders bei den Männern. Dass es der Autorin hauptsächlich um die Darstellung von Sex geht, merkt man daran, dass sie bei der Beschreibung der Personen besonders die Fickbarkeit herausheben muss. Beim ersten Treffen, gleich erstmal abchecken. Mitten im Showdown, für eine Bewertung fremder Körper ist noch Zeit. Die Personen hier sind Objekte. Objekte ohne Charakter, Eigenschaften, Ziele und Agenda. Die sind nur dazu da, um Sex darzustellen und zufälliger Weise geraten sie dabei in … ja, was … diesen komischen Plot, wo nix zusammenpasst. FAZIT Ich weiß ehrlich nicht, was ich davon halten soll. Die Autorin meint, sie sorgt für gute Repräsentation und dann hast du so ein Buch vor dir liegen, das im Prinzip Queerness verteufelt und schädliche Tropes breittritt. Trotzdem empfiehlt sie dieses Buch queeren Menschen. Sorry, nein. Das will ich nicht lesen. Wenn ich über Diskriminierung und Harrassment von Queers lesen will, gibt es Sachbücher, die das respektvoll und fachkundig behandeln. Ja, das Buch ist von 2016. Aber es erscheint im SP und kann jeder Zeit runtergenommen und überarbeitet werden. Warum passiert das nicht?

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Story: Für die irische Hexe Fiona O’Reilly und ihre Kollegin Giselle Butler von der Gesellschaft Friends of the Departed ist das kleine Geisterproblem des jungen Adeligen Victor Berlington keine große Sache – im Gegensatz zu der Angelegenheit, in die sie ungewollt hineingezogen werden, als zwei junge, adelige Gentlemen aus London verschwinden. Einer der Vermissten ist ein Bekannter Victors, der andere ein guter Freund des amerikanischen Privatdetektives Eliott Breeches. Gemeinsam stoßen sie auf einen Ritualkreis und einen Übergang in die mysteriöse Anderswelt, in der grausem Geschöpfe herrschen und nichts ist wie es scheint. Während sich die junge Künstlerin Nica der Gruppe ebenfalls anschließt, um Fiona näher zu kommen, gerät Victor in die Fänge des exzentrischen Dandys Damian Quinn, der nicht ganz menschlich ist und seine eigenen Pläne schmiedet … Eigene Meinung: Mit „Anderswelt“ legt die Autorin Amalia Zeichnerin den ersten Teil ihrer „Berlingtons Geisterjäger“ – Reihe vor. Der Roman wartet mit einer Mischung aus Horror, Steampunk, Urban Fantasy und Gay/Lesbian Romance auf und bietet daher eine facettenreiche und sehr abwechslungsreiche Geschichte, teils wirkt die Mischung jedoch zu konfus, da viele verschiedene Handlungsstränge und Ideen miteinander vermischt werden. Inhaltlich bekommt der Leser einen wahren Genre-Mix, der in dieser Form nur selten auf dem deutschen Markt zu finden ist. Rollenspieler wird das Setting ein wenig an das Pen&Paper-RPG „Castle Falkenstein“ erinnern, da sowohl die Zeit, als auch die Anderswelt stark an die Welt des Spiels denken lassen, ebenso die sprunghafte Erzählstruktur. Die Handlung wird aus sechs verschiedenen Perspektiven erzählt, als hätten alle Spielercharaktere einmal zu Wort kommen sollen. Dieser Stil ist sehr gewöhnungsbedürftig und dürfte nicht jedem liegen, da man auf diesem Weg kaum in der Lage ist für die Charaktere Sympathien aufzubauen. Man lernt sie leider nur oberflächlich kennen, fühlt sich zwischen den vielen Perspektiven hin- und hergerissen und hat mitunter Probleme von einer weiblichen Erzählerstimme zu einer männlichen zu wechseln. Auch sonst schreitet die Geschichte mitunter zu schnell und zu hektisch voran. Die Lösungen werden mitunter zu überstürzt präsentiert – kaum ist das Problem bekannt, wird auch schon eine Lösung gefunden. Da wird viel Potenzial und Spannung verschenkt, denn man hätte da wesentlich mehr aus seinem Geheimnis herausholen können – ganz besonders, da man die Leser ums Miträtseln bringt. Auch in der Anderswelt wirkt alles stark runtererzählt. Es wirkt wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen und Kämpfen, die aber nicht wirklich mitreißen und fesseln können. Das Buch hätte locker 100 Seiten mehr vertragen können, wenn dafür einige Szenen ausführlicher beschrieben und die Lösungen nicht sofort präsentiert worden wären. Auch die historischen Szenerien und Beschreibungen hätten ausführlicher sein können, um sich in das London des 19. Jahrhunderts hineinversetzen können. Sicherlich sind gerade die Modebeschreibungen und etliche historische Begebenheiten sehr schön eingewoben worden, doch auch die Stadt und die Umgebung macht die Atmosphäre des Buches aus. Die Charaktere lernt man leider nur oberflächlich kennen, da man mit sehr vielen Charakteren konfrontiert wird. In Victor hat man den reichen Adeligen, der mit den Geistern seiner verstorbenen Eltern zu kämpfen hat und unseligerweise an Quinn Interesse findet, ansonsten aber nur wenig zur Handlung beiträgt und fast ein wenig überflüssig wirkt. Leider kann auch Eliott Breeches nur bedingt überzeugen – der Amerikaner ist zumeist laut, unwirsch und von den Ereignissen überfordert. Im Gegensatz dazu nimmt Fiona O’Reilly den Platz der Handlungsträgerin ein, da sie für alle Probleme einen passenden Zauber hat – sei es Kampfmagie oder einen Verteidigungszauber, einen Suchzauber oder tierische Unterstützung in Form einer Elster. Sie kann einfach alles und wirkt daher fast wie eine Mary Sue, was die Sympathien für sie im Laufe der Zeit doch ziemlich dämpft. Dass sie sich in Nica verliebt und mit der Künstlerin zusammenkommt scheint fast obligatorisch. Giselle Butler nimmt ebenfalls eine große Rolle ein, da auch sie über gewisse Fähigkeiten verfügt und die Gruppe auf ihre Art und Weise anführt. Im Grunde sind die Frauen die starken Geschlechter und treiben die Handlung voran, während die Männer eher unsicher hinterherlaufen und versuchen mit ihren bescheidenen Mitteln zu unterstützen. Hoffentlich wird das im zweiten Teil ein bisschen ausgewogener – so gern ich Geschichten mit starken weiblichen Charakteren lese, es sollte nicht zu aufgesetzt wirken. Stilistisch ist „Anderswelt“ Geschmackssache – die vielen Perspektivsprünge erschweren das Lesen und reißen einen immer wieder aus der Handlung, kaum dass man sich in eine Figur hineingedacht hat. Hin und wieder sorgen auch die Satzkonstruktionen dafür, dass man aus dem geschehen fliegt, denn einige Formulierungen muten etwas seltsam an. Schade ist auch, dass der Steampunk-Anteil verhältnismäßig klein ist – bis auf einige kleine Randbemerkungen auf Luftschiffe oder andere dampfbetriebene Apparate findet man nur wenig genretypisches in Amalia Zeichnerins Roman. Dafür kommt der Urban Fantasy Aspekt stark zum Tragen, ebenso die Liebesgeschichte zwischen Fiona und Nica, bzw. Victor und Quinn. In beiden Fällen scheut sich die Autorin nicht expliziter zu schreiben, als es zwischen den Pärchen knistert, sprich Fans von Gay und Lesbian Romance kommen durchaus auf ihre Kosten. Fazit: „Berlingtons Geisterjäger – Anderswelt“ ist ein interessanter Auftakt einer Reihe, die durchaus Neues zu bieten hat und abseits des üblichen Genre-Einheitsbreis bleibt. Trotz aller Kritikpunkte besticht der Roman durch eine schöne Grundidee und macht durchaus Lust auf mehr, denn die Charaktere haben Potenzial nach oben. Wer mit dem sprunghaften Stil der Autorin keine Probleme hat und auf der Suche nach einer ungewöhnlichen Geschichte ist, sollte „Berlingtons Geisterjäger“ eine Chance geben und zumindest einen Blick in die Leseprobe werfen.

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Als die Hexe Fiona O'Reilly und ihre Kollegin Giselle Butler von der Gesellschaft Friends of the Departed zu dem jungen Lord Berlington gerufen werden, um dort Geister zu vertreiben, haben sie noch keine Ahnung in was für einen Fall sie mit hineingezogen werden. Denn plötzlich befinden sie sich mitten in dem de beiden verschwundenen Gentlemens, die kurz nach Halloween einfach verwunden sind. Unterstützung bekommen sie vom dem Privatdetektiv Eliott Breeches und auch die Künstlerin Veronica Chester beteiligt sich an den Ermittlungen. Gemeinsam kommen sie eine Für ihre Geschichte hat sich die Autorin London im Jahre 1887 ausgesucht. Nur ist das nicht unser London, sondern ein alternatives London. Denn durch gewisse geschichtliche Ereignisse hat sich einiges verändert, es gibt viele technische Errungenschaften und Frauen mehr Freiheiten als üblich für diese Zeit. Typische Elemente des Steampunks. Erzählt die Handlung abwechselnd auf verschiedenen Perspektiven, was mir sehr gut gefallen hat, denn so bleibt es konstant spannend und man bekommt die Geschichte aus der Sicht verschiedener Leute erzählt. Am Anfang des Buches gibt es zum Glück ein Verzeichnis mit allen wichtigen Personen, so kann man der Handlung auch sehr gut folgen. Wie der Klappentext vermuten lässt, ist die Handlung schön schaurig und gruselig, teilweise auch recht brutal und blutig, was aber sehr gut passt. Neben den Ermittlungen spielt auch Romantik eine gewisse Rolle, wobei die Autorin sich dabei ausschließlich auf gleichgeschlechtliche Beziehungen beschränkt. Das hat mich zwar nicht richtig gestört, hätte ich aber in dem Maße nicht erwartet. Ich dachte, zumindest ein Paar wären Mann und Frau, was leider nicht der Fall war, denn grundsätzlich mag ich solche Romanzen eher als Nebenhandlung. Alles in allem ein sehr gutes Buch, das von mir 8 von 10 Punkte bekommt.

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