Aus dem Dachfenster die Wolken sehen

Aus dem Dachfenster die Wolken sehen

Hardback
4.013

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Description

Wie möchte ich leben? Was erfüllt mich? Ist ein erfülltes Leben überhaupt möglich angesichts der Krisen, in denen sich die Welt befindet? Möchte ich ein Kind? Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag stellt sich die Ich-Erzählerin viele Fragen. Sie arbeitet im Café und träumt seit Jahren davon, endlich einen Roman zu schreiben. Stattdessen beginnt sie jedoch, die Menschen zu beschreiben, denen sie im Café begegnet. Sie stellt sich vor, wie anders ihr Leben sein könnte, wenn sie eine luxuriöse Wohnung mit Dachfenster hätte wie ihre Freundin Janu. Und sie beobachtet andere Frauen in ihrem Alter, die eine nach der anderen in Lebensmodelle hineinrutschen, die der Ich-Erzählerin erschreckend konservativ erscheinen. Als die Ehe ihrer Schwester scheitert und diese mit Kind bei ihr auftaucht, verändert sich von heute auf morgen auch ihr eigenes Leben. Der Roman beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld zwischen dem, wonach man sich sehnt, und dem, was möglich ist – der Suche nach einem Lebensmodell, das wirklich passt. Er zeichnet die Spuren einer Kindheit als Trennungskind nach und beschreibt die leise Erkenntnis, dass Fürsorge viele Formen haben kann. Eine berührende und vielschichtige Erzählung über das Frausein in unserer Zeit.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
192
Price
22.70 €

Author Description

Selene Mariani, geboren 1994, wuchs in Verona und Dresden auf. Sie studierte am Hildesheimer Literaturinstitut und lebt heute in Hannover. 2021 erschien ihr Kurzprosaband »Miniaturen in Blau«, 2022 ihr Romandebüt »Ellis«. Ihre Texte wurden unter anderem für den Literaturpreis Prenzlauer Berg, den Berliner Hörspielpreis und den BücherFrauen-Literaturpreis nominiert.

Characteristics

2 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
44%
7%
N/A
N/A
12%
14%
32%
65%
4%
54%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
54%
74%
52%
46%

Pace

Fast50%
Slow0%
Moderate50%
Variable0%

Writing Style

Simple100%
Complex0%
Moderate0%
Minimalistisch (100%)

Posts

3
All
4

Ein ruhiges aber nahbares Buch über Selbstfindung und Heilung

Habt du dich auch schonmal gefragt, wie dein Leben verlaufen wäre wenn...? Die, und viele andere Fragen stellt sich unsere fast 30-jährige Protagonistin, welche in einem Cafe arbeitet und davon träumt, endlich ihr eigenes Buch zu schreiben. Im Cafe beobachtet die das Leben anderer und denkt über Lebenswege, Entscheidungen und ihre Eltern nach. Auch stellt sie sich Themen wie Familie, Kinderwunsch und Selbstverwirklichung. Als die Ehe ihrer Schwester scheidert und sie für ihre Nichte dasein muss, ändert sich ihr Alltag komplett. 💫Lieblingszitat💫 Meine Mutter war nicht herzlos, sie bereitete mich auf die Welt vor. Meinung: Selena Mariani hat einen sehr einfühlsamen und nahbaren Schreibstil, indem die Ich-Erzählerin uns ohne großes Drama an ihren Gedanken teilhaben lässt. Themen wie Kinderwunsch und Verlustängste werden besonders sensibel aufgegriffen und bekommen durch ihre Wurzeln in der Kindheit noch mehr Tiefe. Zwischen leisen Momenten und Alltagschaos steckt so viel. Es geht unter anderem um Selbstfindung, Heilung, unterschiedliche Lebensentwürfe und die Frage, wie Fürsorge eigentlich aussehen kann. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich zügig lesen. Allerdings hatte ich manchmal Schwierigkeiten, den Zeitsprüngen oder Ortswechseln zu folgen. Diese kamen mir manchmal zu abrupt. Wer ein Buch über Selbstfindung, Heilung und Fürsorge mit einer weiblichen Protagonistin sucht, der ist hier richtig.

4

Ein Roman darüber, 30 zu werden und über das Leben nachzudenken.

Die Ich-Erzählerin arbeitet in einem Café und schreibt an einem Buch. Sie beschäftigen Themen wie Liebe, Kinderwunsch, Armut und das Leben als Frau in der Gesellschaft. Ihre Schwester zieht zudem eines Tages mitsamt Tochter in die kleine Wohnung. Es ist ein langsames Buch über Selbstfindung und Ich-Werdung. Am Ende stehen keine Antworten, manches ist klarer, aber nicht alles. Zudem wird sehr viel über Rolle der Frau reflektiert. Wie ist es, 30 zu werden? Welche Lebensziele verbinden sich damit? Der Schreibstil ist, wie die vorherigen beiden Romane, eher fragmentarisch und parataktisch. Das macht den Roman sehr dicht.

4.5

Als wäre mein Gast in einem Café

Ich glaube, dass es heutzutage viel problematischer ist, die Schwelle von den 20er zu den 30er Jahren zu nehmen. Frauen wird bewusster, welche Änderungen ihr Leben bestimmen werden, wenn sie sich für ein Kind entscheiden. Das war vor 40 Jahren sehr viel leichter, weil die Option alleine zu bleiben immer etwas von „Versagen“ hatte und man schon alleine deswegen oft danach strebte, Ehefrau und Mutter zu werden. Heute haben das Frauen nicht mehr nötig. Die namenlose ICH - Erzählerin beschäftigt sich intensiv mit dem Gedanken, welchen Weg sie einschlagen möchte. Es steht überhaupt nicht zur Disposition Mutter zu werden, denn ein Partner, der potentiell Vater wäre, ist in ihrem Leben gar nicht vorhanden. Trotzdem setzt sie sich mit sich selbst auseinander. Wie wäre sie als Mutter? Sie richtet die Sprache an ihr ungezeugtes Kind und befragt sich selbst nach ihren Wünschen. Sie arbeitet in einem Café, und wie Miniaturen tauchen Ausschnitte vor uns auf, von Gästen und deren Bedürfnissen. Ab und an bekommen wir Einblicke in die Familie der Erzählerin und wissen bald, dass ihre Schwester scheinbar das perfekte Leben führt. Dann steht diese plötzlich vor ihrer Haustür. Wie kleine Polaroids reiht sich hier Bild um Bild aneinander. Die Arbeit im Café wird sehr nahbar geschildert. Man kann den Kaffeeduft riechen, den Kuchen schmecken und auch das Sonnenlicht, das durch die Fensterscheiben scheint und auf die Tische fällt ist deutlich zu sehen und zu spüren. Die Autorin schafft es mit ihrer literarischen Stärke die Erzählstimme reduziert sprechen und sich dabei eine fast filmhafte Atmosphäre entwickeln zu lassen. Ruhig, aber mit unglaublicher Kraft entspinnt sich vor unseren Augen der Lebensabschnitt einer Protagonistin, die schwankt und nicht genau weiß, in welche Richtung sie gehen soll. Sehr deutlich wird hier gezeigt, was es bedeutet, heutzutage eine Mutter zu sein, die ein gutes Leben führen möchte, und die merkt, dass sie allein gelassen wird. Um die Arbeitgeberin der ICH-Erzählerin rankt sich etwas Geheimnisvolles, das neugierig macht. Dass am Ende nicht alles auserzählt ist, hat mich überhaupt nicht gestört. Die kurzen Textabschnitte waren leicht zugänglich. Ich hab gerne zu diesem Buch gegriffen und gemerkt, wie es mich runterholen kann, fast so, als wäre ich ein Gast im Café, der vielleicht ein bisschen mehr weiß, als die anderen und eingeladen wurde, zuzuschauen. Ich empfehle diesen Text allen die Bücher mögen, die mit leisen Tönen große Kraft entfalten und eine einladende Atmosphäre erzeugen.

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