Auf der Sandbank der Zeit
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Description
Book Information
Author Description
Karl Schlögel, Jahrgang 1948, studierte Philosophie, Soziologie, Osteuropäische Geschichte und Slawistik an der Freien Universität Berlin. Er arbeitete zunächst als freiberuflicher Übersetzer, Publizist und Autor, bevor er 1990 auf den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Konstanz berufen wurde. 1995 wechselte er an die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, wo er bis 2013 lehrte. Karl Schlögel ist Mitglied des Ordens Pour le mérite und wurde mit zahllreichen Preisen geehrt, u.a.: Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2004), Preis des Historischen Kollegs (2016), Preis der Leipziger Buchmesse (2018), Gerda Henkel Preis (2024) und Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2025). Bei Hanser erschienen zuletzt: "Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen" (2015, NA 2022), "Der Duft der Imperien. 'Chanel No. 5' und 'Rotes Moskau'" (2020), "American Matrix. Besichtigung einer Epoche" (2023) und "Auf der Sandbank der Zeit. Der Historiker als Chronist der Gegenwart" (2025). Karl Schlögel lebt in Berlin.
Posts
Das Buch beinhaltet eine Ansammlung von Texten aus der Vergangenheit von Karl Schlögel. Er ist sicherlich einer der größten Osteuropa-Experten bzw. Historiker. Das Eintauchen in seine Gedankenwelt ist absolut interessant. Am besten gefallen haben mir seine deutlich formulierten Ausführungen zum aktuellen politischen und gesellschaftlichen Verhalten Russlands und Putins, das er als Putinismus definiert. Bei 1-2 Kapiteln ist stärkere Konzentration gefragt gewesen als es zum Beispiel um Raum und Zeit in der Erzählbarkeit von Geschichte geht. Hier war für mich nicht immer alles verständlich. Auch weil die verwendete Sprache eher als kompliziert einzustufen ist.
Insgesamt ein sehr guter Einblick in viele Themen des vielfältigen Schaffens von Karl Schlögel. Vielleicht sogar geeignet als Einstieg in sein Werk. Einziger Wermutstropfen war die Wiederholung einiger Aussagen fast wortgleich in mehreren Artikeln. Für verstreut Publiziertes verständlich, bei der zweiten Wiederholung aber leicht nervend.
„Das Operieren mit Halbwahrheiten und das Streuen von Falschmeldungen sind zu einer wesentlichen Form von Kriegführung geworden.“ Karl Schlögel ist Osteuropahistoriker, aber mit seinen Analysen und Bewertungen der russischen Kriegsführung in der Ukraine und der allgemeinen politischen Situation in Russland begibt er sich, wie so oft in den letzten Jahren, auch mit seinem neuen Essayband „Auf der Sandbank der Zeit“ in die Ebenen der Gegenwart. Und natürlich ist der Titel zugleich Lesebrille für die versammelten Texte - als „Zeit des Innehaltens, des Sich-neu-Orientierens, des Wartens und Hoffens auf die Flut, die doch kommen muss“ definiert er die Jetztzeit. Dementsprechend liefert der Friedenspreisträger hier eine kritische Selbstbefragung, reflektiert die eigene frühere Verfallenheit an Russland und schaut kritisch auf die deutschen Russlandkomplexe. Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang vor allem die ellenlangen Aufzählungen der Kreml-Verbrechen im Inneren und Äußeren. Als Historiker stehen ihm genügend Kategorien zum Verständnis der derzeitigen Herrschaftsform zur Verfügung - ob Mafiastaat, Neues Zarentum, Raschismus oder Neototalitarismus. Schlögel plädiert, kurz gesagt jedoch für die Betonung des Neuen im Putinismus. Symptomatisch dafür: „Die wichtigste Lehre, die man hier gezogen hat, ist, dass alles relativ und die Frage nach Wahrheit und was wirklich ist, sinnlos ist.“ Neben diesen Texten über Spezifika gibt es auch Grundlegendes über seine eigene Weise der Historiographie, über die Schwierigkeit, von der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Entwicklungen in geeigneter Weise zu schreiben, über die Komplexität von Städten. Insgesamt also ein sehr guter Einblick in viele Themen des vielfältigen Schaffens von Karl Schlögel. Vielleicht sogar geeignet als Einstieg in sein Werk. Einziger Wermutstropfen war die Wiederholung einiger Aussagen fast wortgleich in mehreren Artikeln. Für verstreut Publiziertes verständlich, bei der zweiten Wiederholung aber leicht nervend. Trotzdem: Große Empfehlung!
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Karl Schlögel, Jahrgang 1948, studierte Philosophie, Soziologie, Osteuropäische Geschichte und Slawistik an der Freien Universität Berlin. Er arbeitete zunächst als freiberuflicher Übersetzer, Publizist und Autor, bevor er 1990 auf den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Konstanz berufen wurde. 1995 wechselte er an die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, wo er bis 2013 lehrte. Karl Schlögel ist Mitglied des Ordens Pour le mérite und wurde mit zahllreichen Preisen geehrt, u.a.: Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2004), Preis des Historischen Kollegs (2016), Preis der Leipziger Buchmesse (2018), Gerda Henkel Preis (2024) und Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2025). Bei Hanser erschienen zuletzt: "Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen" (2015, NA 2022), "Der Duft der Imperien. 'Chanel No. 5' und 'Rotes Moskau'" (2020), "American Matrix. Besichtigung einer Epoche" (2023) und "Auf der Sandbank der Zeit. Der Historiker als Chronist der Gegenwart" (2025). Karl Schlögel lebt in Berlin.
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Das Buch beinhaltet eine Ansammlung von Texten aus der Vergangenheit von Karl Schlögel. Er ist sicherlich einer der größten Osteuropa-Experten bzw. Historiker. Das Eintauchen in seine Gedankenwelt ist absolut interessant. Am besten gefallen haben mir seine deutlich formulierten Ausführungen zum aktuellen politischen und gesellschaftlichen Verhalten Russlands und Putins, das er als Putinismus definiert. Bei 1-2 Kapiteln ist stärkere Konzentration gefragt gewesen als es zum Beispiel um Raum und Zeit in der Erzählbarkeit von Geschichte geht. Hier war für mich nicht immer alles verständlich. Auch weil die verwendete Sprache eher als kompliziert einzustufen ist.
Insgesamt ein sehr guter Einblick in viele Themen des vielfältigen Schaffens von Karl Schlögel. Vielleicht sogar geeignet als Einstieg in sein Werk. Einziger Wermutstropfen war die Wiederholung einiger Aussagen fast wortgleich in mehreren Artikeln. Für verstreut Publiziertes verständlich, bei der zweiten Wiederholung aber leicht nervend.
„Das Operieren mit Halbwahrheiten und das Streuen von Falschmeldungen sind zu einer wesentlichen Form von Kriegführung geworden.“ Karl Schlögel ist Osteuropahistoriker, aber mit seinen Analysen und Bewertungen der russischen Kriegsführung in der Ukraine und der allgemeinen politischen Situation in Russland begibt er sich, wie so oft in den letzten Jahren, auch mit seinem neuen Essayband „Auf der Sandbank der Zeit“ in die Ebenen der Gegenwart. Und natürlich ist der Titel zugleich Lesebrille für die versammelten Texte - als „Zeit des Innehaltens, des Sich-neu-Orientierens, des Wartens und Hoffens auf die Flut, die doch kommen muss“ definiert er die Jetztzeit. Dementsprechend liefert der Friedenspreisträger hier eine kritische Selbstbefragung, reflektiert die eigene frühere Verfallenheit an Russland und schaut kritisch auf die deutschen Russlandkomplexe. Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang vor allem die ellenlangen Aufzählungen der Kreml-Verbrechen im Inneren und Äußeren. Als Historiker stehen ihm genügend Kategorien zum Verständnis der derzeitigen Herrschaftsform zur Verfügung - ob Mafiastaat, Neues Zarentum, Raschismus oder Neototalitarismus. Schlögel plädiert, kurz gesagt jedoch für die Betonung des Neuen im Putinismus. Symptomatisch dafür: „Die wichtigste Lehre, die man hier gezogen hat, ist, dass alles relativ und die Frage nach Wahrheit und was wirklich ist, sinnlos ist.“ Neben diesen Texten über Spezifika gibt es auch Grundlegendes über seine eigene Weise der Historiographie, über die Schwierigkeit, von der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Entwicklungen in geeigneter Weise zu schreiben, über die Komplexität von Städten. Insgesamt also ein sehr guter Einblick in viele Themen des vielfältigen Schaffens von Karl Schlögel. Vielleicht sogar geeignet als Einstieg in sein Werk. Einziger Wermutstropfen war die Wiederholung einiger Aussagen fast wortgleich in mehreren Artikeln. Für verstreut Publiziertes verständlich, bei der zweiten Wiederholung aber leicht nervend. Trotzdem: Große Empfehlung!





