Anne Bäbi Jowäger

Anne Bäbi Jowäger

Hardback
4.01

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Description

Eine Streitschrift wider die Quacksalberei, den Aberglauben und die Impfskepsis sollte es werden, doch gleichzeitig ist Gotthelf eine komische und rührende Liebesgeschichte gelungen: die vom krankheitsgezeichneten Bauernsohn Jakobli und dem schönen Waisenkind Meyeli. Zwischen beiden steht freilich eine ganze Welt, angeführt von Jakoblis Mutter Anne Bäbi, die nicht nur über Glück und Leben ihres Sohnes wacht, sondern es überhaupt gut mit allen meint, solange sie ihren Rat befolgen. Das Beste aber für Jakobli, so meint sie, sei seine Verheiratung mit dem gierigen Lisi vom Zyberlihoger. Und Mädi, die Magd, schmiedet ebenfalls eigene Pläne …

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
592
Price
35.00 €

Author Description

Jeremias Gotthelf, geboren 1797 in Murten als Albert Bitzius, war Theologe und lebte als Pfarrer in Lützelflüh im Emmental. Erst mit 40 Jahren begann er zu schreiben. Es entstanden 13 Romane sowie 75 Geschichten, die alle von den Menschen und vom Leben im Emmental erzählen und eine ländliche Comédie humaine bilden. Gotthelf starb 1854 in Lützelflüh.

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Zwischen Kräuterglauben und Herzenskraft

Eine bäuerliche Welt, die nach Kräutern, Krankheit und gut gemeinten Ratschlägen riecht, entfaltet sich langsam, aber mit erstaunlicher Wucht. Jeremias Gotthelf erzählt in Anne Bäbi Jowäger keine gemütliche Dorfgeschichte, sondern eine scharfe, zugleich warmherzige Abrechnung mit Aberglauben, falscher Autorität und jener gefährlichen Fürsorge, die sich selbst nie hinterfragt. Zwischen Predigt und Prosa liegt hier ein Text, der fordert, manchmal sperrig ist, aber immer meint, was er sagt. Besonders berührt hat mich Jakobli, dessen schwacher Körper in starkem Kontrast zu seinem leisen Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben steht. Die Liebe zu Meyeli wirkt zart und beinahe schutzlos, eingeklemmt zwischen Standesdünkel, mütterlicher Kontrolle und gesellschaftlichen Erwartungen. Gerade diese Zurückhaltung macht ihre Beziehung so glaubhaft und rührend, weil sie nie laut sein darf, um wahr zu sein. Anne Bäbi selbst ist eine Figur, die mich gleichzeitig genervt, amüsiert und fasziniert hat. Ihre Allwissenheit ist grotesk überzeichnet und doch erschreckend aktuell. In ihrem unbeirrbaren Glauben an Hausmittel, Halbwissen und moralische Überlegenheit spiegelt sich eine Haltung, die bis heute wirkt. Gotthelfs Humor ist dabei trocken, manchmal bissig, dann wieder überraschend zärtlich. Die Sprache verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt aber mit Tiefe und feiner Ironie. Nicht jede Passage liest sich leicht, manches wirkt belehrend, doch genau darin liegt auch die Kraft dieses Romans. Zurück bleibt das Gefühl, ein Stück Literatur erlebt zu haben, das unbequem sein darf und gerade deshalb lange nachhallt.

Zwischen Kräuterglauben und Herzenskraft
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