Angelfall: Fürchtet euch nicht

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3.02
Gefallener EngelAngelfallRomantasyApokalypse

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19.50 €

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Herrje, ich glaube, mich haben meine Schutzengel verlassen, als ich mit blindem Vertrauen in die guten Kritiken zu diesem Werk gegriffen habe. Mir ist schon bewusst, dass ich bei Büchern aus der YA-Fantasy gewisse Stereotypen in Kauf nehmen muss und daher will ich mich über eine einfache Sprache nur bedingt oder über die herzerweichende Liebesbeziehungen überhaupt nicht aufregen. Ich erwartete aber von diesen Büchern (genauso wie von allen anderen Büchern für ältere Zielgruppen) eine schlüssige Welterschaffung, plausible Handlungen und realistische Charaktere. Und keins dieser drei Punkte bot mir Angelfall. Darüber hinaus waren die sprachlichen Mängel und die stilistischen Fehler so gravierend, dass ich das Buch relativ früh schon als Trash abhakt hatte, der Faszination über der Schlechtigkeit wegen las ich aber weiter. Es wurde nicht besser. Wie bei so vielen Jugendbücher greift die Autorin auf die Ich-Erzählung im Präsens zurück. Während ich das zu Beginn bei den Tributen von Panem noch originell fand (Suzanne Collins hatte sich aber mit diesem Stil auch schwer getan, doch Katniss ist ein anderer Charakter als Penryn), ist die Inflation an hautnahen Berichterstattungen inzwischen nervend. Es gibt Romane, da hat dieser Stil noch halbwegs einen Sinn (z.B. die tagebuchhafte Schreibweise bei All die verdammt perfekten Tage), aber hier empfinde ich diesen reporterhaften Stil (z.B. auch bei The Hate U Give) mit kurzen Sätzen nur lästig. Es erhöht nicht die Dramaturgie, sondern rückt die Hauptperson zu stark in den Mittelpunkt zu Lasten der Handlung. Die größte Schwäche für mich waren aber die Rahmenbedingung des Handlung, die voller Logiklücken steckten. Es ist gerade mal 6-7 Wochen her, dass die Apokalypse über die Welt durch den Angriff von Engeln hereinbrach. Die Autorin legt aber überhaupt keinen Wert darauf, sich damit auseinanderzusetzen, was eine solche Katastrophe für die Gesellschaft, die Wirtschaft oder die Infrastruktur für Auswirkungen hat. Es gibt keine öffentliche Ordnung mehr. Die Gangs haben sich so formiert, als ob sie jahrelang die Trümmerwelt beherrschten. Für abgeschnittene Engelflügel gibt es sogar schon einen Schwarzmarkt. Außerdem wird immer noch mit Dollar bezahlt (Geld spielt keine Rolle mehr in einer untergegangenen Welt, da kehren wir zum Tauschhandel zurück). Die Gedanken der Heldin sind auch nicht geprägt durch den Schock des Weltverlustes oder der massenhaften Toten, sondern die interessiert sich in erster Linie für die Schönheit des von ihr geretteten Engels. Die Romance-Sequenzen sind wirklich fürchterlich und die Handlung über weite Strecken schlicht langweilig. Zudem wird das Ganze dann auch immer mal wieder (gerade am Ende) mit einer Überdosis an ekelhaften Szenen gespickt, so dass man es eigentlich zartbesaiteten Jugendlichen gar nicht zur Lektüre empfehlen kann. Interesse hatte bei mir die Tatsache geweckt, dass hier Engel als die Bösen erscheinen. Obwohl ich ein gläubiger Mensch bin, habe ich mit solchen Gedankenspielen kein Problem. Mich interessiert dann aber, warum zerstören die Engel die Erde. Engel sind Geschöpfe Gottes, was hat diese Apokalypse daher für eine generelle theologische und soziale Aussage. Und wenn ich schon keine Botschaft vermitteln will, doch dann wenigstens die Gründe, warum es zu Zerstörung der Erde kam. Aber da nimmt Frau Ee nie richtig Bezug drauf. Wenn mal die Unterhaltung in eine solche Richtung geht, dann sagt Raffe, der Engel, dass er auch keine Ahnung hierüber hat. Das war mir zu billig. Letztlich hat mich das Buch nicht nur enttäuscht, sondern derart aufgeregt, dass ich ihm nur einen Stern geben kann.

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