Aller Anfang fällt vom Himmel

Aller Anfang fällt vom Himmel

Ebook
3.27
FrauenliteraturGehobene UnterhaltungGeschichte Einer FreundschaftAbenteuer

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Description

Was geschieht, wenn eine junge Ausreißerin und
ein pedantischer Witwer aufeinanderprallen?


Korbinian Gerhard ist Lehrer und seit dem Tod seiner Frau allein lebend. Er ist kauzig, pedantisch und legt Wert darauf, die Dinge unter Kontrolle zu haben. Billa ist siebzehn, freiheitsliebend und rebellisch – und ohne Dach über dem Kopf, denn sie ist von zu Hause abgehauen. Als Korbinian sie an einem kalten Winterabend hungrig und krank auffindet, nimmt er sie widerwillig mit zu sich nach Hause. Dass seine sorgsam gehütete Ordnung damit bedrohlich ins Wanken gerät, bekommt er bald zu spüren: Billa fegt – nebst ihrer Entourage – wie ein Wirbelwind durch sein Leben und scheut sich nicht, alle vermeintlichen Gewissheiten auf den Kopf zu stellen. Und Korbinian staunt nicht wenig, als er sich plötzlich wiederfindet in dem großen Abenteuer, das man Freundschaft nennt ...

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Ebook
Pages
N/A
Price
5.99 €

Author Description

Veronika Peters, geboren 1966 in Gießen, verbrachte ihre Kindheit in Deutschland und Afrika. Im Alter von 15 Jahren verließ sie ihr Elternhaus, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch und absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin. Sie arbeitete in einem psychiatrischen Jugendheim, bis sie Ende 1987 für zwölf Jahre aus dem sogenannten bürgerlichen Leben ausstieg und in eine Benediktinerinnenabtei eintrat. Von der Zeit, die sie dort lebte, handelt die autobiographische Erzählung »Was in zwei Koffer passt« (2007). Es folgten die Romane »An Paris hat niemand gedacht« (2009), »Das Meer in Gold und Grau« (2011), »Die Liebe in Grenzen« (2013) und »Aller Anfang fällt vom Himmel« (2015). In ihrem neuesten Roman »Die Dame hinter dem Vorhang« setzt sie der englischen Exzentrikerin Edith Sitwell ein Denkmal.Veronika Peters ist verheiratet mit dem Schriftsteller Christoph Peters, hat eine Tochter und lebt als freie Autorin in Berlin.

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3.5

🌟🌟🌟,5 von 5 Sternen für „Aller Anfang fällt vom Himmel“ Plötzlich ist er Witwer, viel zu früh und unerwartet. Halt findet er in seiner manischen Ordnung. Eine 17jährige Chaotin bringt zusammen mit ihren Freunden und Korbinians Schwester die geheiligte Ordnung in Schieflage - aber insgeheim geben sie ihm Halt. 🌻Ana🌻

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Die Hauptfigur von Veronika Peters‘ Roman ist Korbinian Gerhard. Für alle Unwissenden: Der Heilige Korbinian war im 7./8. Jahrhundert n. Chr. ein christlicher Missionar, der ein Eremitendasein führen wollte, vom Papst jedoch dezent daran gehindert wurde. Vom einsamkeitsliebenden Aspekt der Hauptfigur her ist die Namensgebung aber durchaus passend. Doch damit hören die Besonderheiten dieses neuen Romans leider bereits auf. Auf nicht einmal 300 Seiten erfahren wir in welcher alltäglichen Einöde sich einer alternder Deutschlehrer nach dem Tod seiner Frau vor acht Jahren versucht zurechtzufinden. Mit kuriosen, sich bis ins Aspergertum steigernden Ordnungsticks, zweifelhaften pädagogischen Maßnahmen und einem täglich schrumpfenden Einfühlungsvermögen beschreitet er sein trostloses Dasein. Aber er kann ja täglich in sein Berliner Stammrestaurant „Ochsenglück“ gehen, um seiner teuren Sechsraumwohnung zu entgehen und sich mit dem passablen Wirt [der sich vor allem nur durch seine Glatzköpfigkeit auszeichnet] unterhalten, dessen Gasthaus sich trotz geringster Kundschaft seit über zwanzig Jahren hält. In Berlin ist alles möglich. Eines Tages stolpert eine siebzehnjährige Ausreißerin in sein Leben: Billa, eigentlich Sybilla, die unbedingt von Zuhaus fortmusste, da Daddy ein fieser Schläger war und rettete sich kurzeitig zu ihrem 24-jährigen Machofreund Manfred – Manni genannt, der darüber hinaus mit allerhand Drogen dealt. Eine wunderbare Umgebung für eine ausgehungerte 17-jährige, wahrlich. Wer hinter Billa ein taffes, kluges Mädchen vermutet, das einigermaßen im Leben stand und sich emanzipiert aus einer patriarchalisch-geprägten Umgebung entfernte, um sich aufgrund eigener, herausragender Fähigkeiten zu einem selbstständigen, mündigen Wesen zu entwickeln, ist leider auf der völlig falschen Spur. Mit einem grippalen Virus im Gepäck wird ihr in Korbinians beschaulicher Wohnung ein Nest hergerichtet, das sie mit einigem Gezeter annimmt und freudvoll zu verunstalten weiß. Der geneigte Leser erwartet nun natürlich, dass sich hier zwei Figuren begegnen, die so gegensätzlich sind, dass sie einander wieder aufzubauen wissen. Keine Sorge, genau das bekommt man auch. Grundsätzlich habe ich nicht erwartet, dass mit diesem Roman das Rad der hohen Erzählkunst neu erfunden wird, aber mit einer solch herben Enttäuschung hatte ich bei weitem leider auch nicht gerechnet. Im Prinzip findet man die Idee des hartherzigen Menschen, der seit Jahren einsam vor sich hinlebt und dann auf ein bekümmernswertes Wesen trifft, um sich maßgeblich zum Besseren zu wandeln bereits in Klassikern wie „Der kleine Lord“ wieder, genauso wie in „Die Eleganz des Igels“ oder „Das Labyrinth der Wörter“ oder Filmen wie „Oben“ und „Mr. Morgan‘s Last Love“. Diese Werke seien angeführt für Beispiele dieses Erzähl-Topos, die mich [teilweise sehr] begeistern konnten. Die Figuren: Wer vielschichtige und plastisch-authentische Charaktere erwartet, wird in diesem Roman kaum fündig werden. Bis auf die [leider auch wenig Entwicklung zeigende] Hauptfigur bleiben alle anderen Handelnden erstaunlich blass und bloße Abziehbilder eines vielgebrauchten Rollenklischees. Die Frauen putzen viel, können sich nur schreiend, kreischend, ätzend oder heulend artikulieren und sind ansonsten gerade so an den Kleidungsstücken und ihrer Frisur zu unterscheiden. Mehr Äußerlichkeiten muss man ja wahrlich nicht beschreiben. Billa wird leider als weinerliche, naive, willenlose und verzogene Göre charakterisiert, die erst Dankbarkeit zeigt, nachdem sie ungefragt [als K. abwesend ist] sein Telefon benutzt, um zwielichtige Freunde anzurufen oder laut mit einem dieser Freunde in der Wohnung Musik hört. Natürlich hören die rebellischen Jugendlichen Slayer, wahrhafte „Satansmusik“ (S. 251). Vielen Dank für diesen diffamierenden Kommentar zur Metal-Musik/Szene, von der die Autorin wahrscheinlich wenig Ahnung hat. Ihr einziger Lebenssinn besteht zudem darin, auf ein Zeichen ihres Freundes Manni zu warten, zu dem sie in völliger emotionaler Abhängigkeit steht. Wenn eine Figur tatsächlich einmal einen nachdenklichen, lebensbejahenden und voranbringenden Gedanken fasst, wird dieser entweder verdrängt oder von den anderen im selben Raum befindlichen Personen wenig beachtet, wenn nicht gar durch eine sinnlos-banale Auseinandersetzung vollkommen missachtet. Die Sprache: Sprachlich ist der Roman leider auch nicht sonderlich hochwertig. Vielerlei standarisierte Metaphern und Unmengen an umgangssprachlichen Wendungen und Idiomen werden genauso wie Jugendsprache bevorzugt. Hier einige Beispiele für euch: „die ewige Schokopampe auf deinem Brot“, „Das war so krass. Er hat mich voll gerettet.“ , „und ihr seid die besten Menschen von der ganzen Welt“, „dafür, dass ich Ihnen eine geschallert habe“, „Dieser Kackbratze von einem Typen sollte man die Eier abschneiden“, „darauf kannst du deinen nicht vorhandenen Arsch verwetten“, „Habt ihr noch krass gefeiert, ja?“, „Voll krass, du Irrer“, „Ey, ich riskiere Knast für euch, ja?“ Die Handlung: Während ich bis zur Unterbringung Billas in Korbinians Wohnung noch Hoffnungen hegte, dass sich die Geschichte in ein poetisches Meisterwerk von tiefenpsychologischer Bandbreite entwickeln könnte, wurden danach sämtliche Erwartungen von Seite zu Seite enttäuscht und abgebaut. Die Konflikte: Die versuchten Ansätze von Beinahe-Konflikten sind leider nur halbfertig ausgearbeitet. Ein Streit der z.B. zwischen Billa und der Schwester der Hauptfigur entsteht wird damit beendet, dass Korbinian einfach zum Biertrinken ins „Ochsenglück“ zieht und hofft, den „Weibern“ damit zu entkommen. Der bereits acht Jahre zurückliegende Tod von Korbinians Frau wird entweder überflüssig oft auf einer Seite erwähnt oder für die nächsten 50 Seiten völlig vergessen. Auf den ersten 100 Seiten wird ihr tragisches Versterben so inflationär häufig erwähnt, ohne dass man ansatzweise erfährt, woran die gute Frau denn nun gestorben ist. Die häufigen Erinnerungen an sie sind meist geprägt durch Verdrängung, Kitsch oder Sex. Im Gesamten spreche ich für dieses oberflächliche, wenig durchdachte und hundertfach-recycelte Thema und dessen Behandlung in Peters‘ Roman eine klare Nicht-Empfehlung aus. Selbst für geneigtere Leser von „Unterhaltungsliteratur“ dürfte das um Längen zu seicht sein.

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