Yesteryear: A GMA Book Club Pick: A Novel
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Holy shit! Bis auf eine Szene, die mich geärgert hat, hat mir das wirklich gut gefallen. Unterhaltsam und mit Tiefgang.
Achtung, am Ende der Besprechung folgt ein kurzer spoilerischer Text, nur lesen, wenn euch das egal ist oder ihr das Buch bereits gelesen habt ;-) Natalie ist eine phänomenal erfolgreiche Influencerin auf Instagram. Sie bezeichnet sich selbst nicht als Tradwife, aber das ist das, was sie ihren Followern präsentiert: eine traditionelle amerikanische Ehefrau, die mit ihrem gutaussehenden Cowboy-Ehemann und bisher fünf Kindern auf einer idyllischen Ranch mit Hühnern, Kühen und Gemüseanbau, selbstverständlich organic, den Traum der christlichen Konservativen lebt. Dass sie zwei Vollzeit-Nannies, eine Producerin und zahlreiche Farmarbeiter beschäftigt, erwähnt sie nicht. Schließlich leugnet sie es aber auch nicht. Als sie gerade im Supermarkt steht, den sie natürlich trotz Farm dennoch benötigt, kommt es zu einem Filmriss. Natalie wacht in einem ihr fremden Bett auf. Als sie dieses verlässt erwarten sie vier Kinder, die nicht ihre sind, und ein Ehemann, der ihrem gleicht, jedoch wesentlich älter ist. In einer Umgebung, die an die Pionierzeit im westlichen Amerika erinnert. Und nun muss Natalie plötzlich tatsächlich ohne jeglichen modernen Komfort zurechtkommen… Es ist im englischsprachigen Raum gerade das aktuelle Hype-Buch. Was ich verständlich finde, wen fasziniert das überwiegend amerikanische Tradwife-Phänomen nicht? „Yesteryear“ ist in drei Teile gegliedert: Im ersten befinden wir uns an einem Zeitpunkt, zu dem Natalie auf dem Höhepunkt ihres Erfolges steht, von vielen beneidet. Dann erfolgt der erwähnte Filmriss und wir werden Zeuge von Natalies verzweifelten Versuchen, in dem Vergangenheitsszenario zurechtzukommen, durchsetzt mit Rückblicken, in denen Natalies Werdegang erzählt wird. Und dann kommt die große Auflösung, die ich erst kurz vorher erahnt habe und mir wirklich gefallen hat, auch wenn sie vielleicht nicht absolut hundertprozentig glaubwürdig ist. Dass die Tradwives im Grund überhaupt nicht dem Ideal der christlichen Fundamentalisten entsprechen, da sie tatsächlich vielbeschäftigte Unternehmerinnen sind, hat sich nun durchaus bereits herumgesprochen. Natalies Producerin fasst es in einem kurzen Satz zusammen: „You don’t have a home, you have a business“. Jedoch führt uns Caro Claire Burke dies sehr schön vor Augen mit einer wirklich unsympathischen Protagonistin umgeben von Figuren, die das Bild ergänzen: der Cowboy-Ehemann, dessen White-Nationalist-MAGA-Vater, der eine Präsidentschaftskandidatur ins Auge fasst, und seine alkoholabhängige Ehefrau. Und den „Angry Women“, den progressiven, feministischen Frauen, die Natalie unter ihren Posts beschimpfen. Das liest sich alles sehr spannend und unterhaltsam und man fiebert schon sehr auf die Auflösung hin. Eine Szene hat mir heftige Bauchschmerzen bereitet, ist aber nach Abschluss des Buches nachvollziehbar. Für meine Begriffe hält der Roman dem Hype stand, er unterhält bestens, beschäftigt sich mit wichtigen gesellschaftspolitischen Themen und gibt den Lesenden die Gelegenheit, mitzudenken. Will heißen, das Pacing ist bis auf den letzten Teil eher langsam, weswegen manche sagen, es sei „off“, mir hat dieser Aspekt jedoch gerade gut gefallen. Kurzer, spoilerischer Zusatz: <spoiler>Ich kann gut nachvollziehen, wie der Ruby Franke-Fall dieses Buch beeinflusst hat, schließlich habe ich Shari Frankes „The House of My Mother“ ebenfalls gehört. Es gibt eine sehr interessante, ausführliche Besprechung der Booktuberin „Plant Based Bride“, in der diese darauf aufmerksam macht, dass wie im Falle von Ruby Franke der Ehemann Caleb, der ja doch eine beträchtliche Mitschuld am Schicksal seiner Kinder hat, scheinbar nicht juristisch belangt wird, d. h., zumindest erfahren wir nichts darüber. Dieser Kritik stimme ich zu und wollte dies auch äußern, dies in der eigentlichen Rezension zu tun, wäre ja aber ein ziemlicher Spoiler ;-)<spoiler/>
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Holy shit! Bis auf eine Szene, die mich geärgert hat, hat mir das wirklich gut gefallen. Unterhaltsam und mit Tiefgang.
Achtung, am Ende der Besprechung folgt ein kurzer spoilerischer Text, nur lesen, wenn euch das egal ist oder ihr das Buch bereits gelesen habt ;-) Natalie ist eine phänomenal erfolgreiche Influencerin auf Instagram. Sie bezeichnet sich selbst nicht als Tradwife, aber das ist das, was sie ihren Followern präsentiert: eine traditionelle amerikanische Ehefrau, die mit ihrem gutaussehenden Cowboy-Ehemann und bisher fünf Kindern auf einer idyllischen Ranch mit Hühnern, Kühen und Gemüseanbau, selbstverständlich organic, den Traum der christlichen Konservativen lebt. Dass sie zwei Vollzeit-Nannies, eine Producerin und zahlreiche Farmarbeiter beschäftigt, erwähnt sie nicht. Schließlich leugnet sie es aber auch nicht. Als sie gerade im Supermarkt steht, den sie natürlich trotz Farm dennoch benötigt, kommt es zu einem Filmriss. Natalie wacht in einem ihr fremden Bett auf. Als sie dieses verlässt erwarten sie vier Kinder, die nicht ihre sind, und ein Ehemann, der ihrem gleicht, jedoch wesentlich älter ist. In einer Umgebung, die an die Pionierzeit im westlichen Amerika erinnert. Und nun muss Natalie plötzlich tatsächlich ohne jeglichen modernen Komfort zurechtkommen… Es ist im englischsprachigen Raum gerade das aktuelle Hype-Buch. Was ich verständlich finde, wen fasziniert das überwiegend amerikanische Tradwife-Phänomen nicht? „Yesteryear“ ist in drei Teile gegliedert: Im ersten befinden wir uns an einem Zeitpunkt, zu dem Natalie auf dem Höhepunkt ihres Erfolges steht, von vielen beneidet. Dann erfolgt der erwähnte Filmriss und wir werden Zeuge von Natalies verzweifelten Versuchen, in dem Vergangenheitsszenario zurechtzukommen, durchsetzt mit Rückblicken, in denen Natalies Werdegang erzählt wird. Und dann kommt die große Auflösung, die ich erst kurz vorher erahnt habe und mir wirklich gefallen hat, auch wenn sie vielleicht nicht absolut hundertprozentig glaubwürdig ist. Dass die Tradwives im Grund überhaupt nicht dem Ideal der christlichen Fundamentalisten entsprechen, da sie tatsächlich vielbeschäftigte Unternehmerinnen sind, hat sich nun durchaus bereits herumgesprochen. Natalies Producerin fasst es in einem kurzen Satz zusammen: „You don’t have a home, you have a business“. Jedoch führt uns Caro Claire Burke dies sehr schön vor Augen mit einer wirklich unsympathischen Protagonistin umgeben von Figuren, die das Bild ergänzen: der Cowboy-Ehemann, dessen White-Nationalist-MAGA-Vater, der eine Präsidentschaftskandidatur ins Auge fasst, und seine alkoholabhängige Ehefrau. Und den „Angry Women“, den progressiven, feministischen Frauen, die Natalie unter ihren Posts beschimpfen. Das liest sich alles sehr spannend und unterhaltsam und man fiebert schon sehr auf die Auflösung hin. Eine Szene hat mir heftige Bauchschmerzen bereitet, ist aber nach Abschluss des Buches nachvollziehbar. Für meine Begriffe hält der Roman dem Hype stand, er unterhält bestens, beschäftigt sich mit wichtigen gesellschaftspolitischen Themen und gibt den Lesenden die Gelegenheit, mitzudenken. Will heißen, das Pacing ist bis auf den letzten Teil eher langsam, weswegen manche sagen, es sei „off“, mir hat dieser Aspekt jedoch gerade gut gefallen. Kurzer, spoilerischer Zusatz: <spoiler>Ich kann gut nachvollziehen, wie der Ruby Franke-Fall dieses Buch beeinflusst hat, schließlich habe ich Shari Frankes „The House of My Mother“ ebenfalls gehört. Es gibt eine sehr interessante, ausführliche Besprechung der Booktuberin „Plant Based Bride“, in der diese darauf aufmerksam macht, dass wie im Falle von Ruby Franke der Ehemann Caleb, der ja doch eine beträchtliche Mitschuld am Schicksal seiner Kinder hat, scheinbar nicht juristisch belangt wird, d. h., zumindest erfahren wir nichts darüber. Dieser Kritik stimme ich zu und wollte dies auch äußern, dies in der eigentlichen Rezension zu tun, wäre ja aber ein ziemlicher Spoiler ;-)<spoiler/>




