Ich wollte das nicht

Ich wollte das nicht

Softcover
3.82

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Die Halbbrüder Joshi und Patrick verbringen ihre Jugend gemeinsam mit ihrem alleinerziehenden Vater. Ihr Verhältnis ist kompliziert, dennoch sind sie miteinander verbunden – und zwar tiefer als es anfangs von außen den Anschein hat. Erst nach und nach wird deutlich, mit wie viel Schuld und Scham dieses Verhältnis belastet ist und wie sich die so gravierenden Ereignisse besonders auf Joshis Leben auswirken. Lange bleibt im Verborgenen, was im Laufe der Jahre passiert ist und Joshi findet sich letztendlich in der Drogenszene wieder. Er erlebt Dinge, die ihn vollkommen aus der Bahn werfen. Und erst dem Sozialarbeiter Leo gelingt es, eine einschneidend positive Wendung in Joshis Leben zu bewirken.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
384
Price
21.90 €

Posts

1
All
4

Ich hatte absolut keine Erwartungen, als ich mit dem Lesen begonnen habe. Ich wollte ganz unbefangen in die Geschichte finden- was auch super geklappt hat. Überrascht wurde ich dann von vielen Gedanken und Emotionen, die mich bis weit über das Ende der Geschichte hinaus nicht loslassen. Als Nikolai mir ein Rezensionsexemplar zu seinem Buch »Ich wollte das nicht« angeboten hatte, war ich gleich Feuer und Flamme. Titel und Klappentext geben bereits eine gewisse Vorahnung, welche sensiblen Themen Joshis Geschichte behandelt. Ich würde mich als Leserin einschätzen, die so ziemlich alles lesen kann. Es gibt kaum Themen, die mich triggern. Dennoch würde ich behaupten, dass das Buch nicht für jeden Leser und jede Leserin gemacht ist. Eine Triggerwarnung wäre hier sicherlich hilfreich. Gleich zu Beginn fiel mir der Schreibstil positiv auf. Der Autor schreibt bildlich und atmosphärisch, ohne dabei zu viele Schnörkel zu setzen. Viele Situationen wurden direkt und schonungslos beschrieben, was der gesamten Geschichte eine gewisse Authentizität verleiht. Das macht zudem die Protagonisten nahbar und verdeutlicht gleichzeitig die furchtbaren Auswirkungen frühkindlicher Traumata. Der Schreibstil ermöglichte mir ein Miterleben und Mitfühlen. Ich hatte das Gefühl, ganz nah dran zu sein, was nicht immer schön war, sondern auch den Schmerz hervorgehoben hat, den auch die handelnden Personen erleben. Joshi ist ein spannender Protagonist. Als Leser*in begleitet man mehrere Jahre seiner Kindheit bis hin zum frühen Erwachsenenalter. In seiner Kindheit wird er mit verschiedenen Schicksalsschlägen konfrontiert, was ihn in eine Abwärtsspirale befördert. Es wird so ehrlich über Joshi geschrieben, dass man gar nicht anders kann, als ihm ein besseres Leben zu wünschen. Auch wird klar, wie wichtig die Aufarbeitung von Traumata ist! Ab einem gewissen Punkt war mir das Elend, in welches Joshi schlittert, doch etwas zu viel. Ich hatte auf den hinteren Seiten das Gefühl, dass die Hilflosigkeit, die Joshi befällt, genügend übermottelt wurde und nicht noch weiter vorangetrieben werden müsse. Ehrlich gepackt hat mich das Buch mit seinen Hoffnungsvollen Botschaften, die es vermittelt. Egal wie ausweglos Joshis Situation auch scheint, es gibt zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben Menschen, die sich um ihn sorgen. Sei es seine beste Freundin, sein Vater oder ein Betreuer der Jugendhilfe. Ein damit verknüpfter Punkt, welcher mir besonders gut gefallen hat, ist die thematisierte Menschlichkeit. Alle Charaktere haben etwas an sich, das Verständnis hervorruft. Selbst moralisch verwerfliche Taten haben einen Ursprung und es zeigt sich mal wieder, dass man nicht vorschnell über Menschen urteilen sollte. Ich habe dieses Buch mit einem Gefühl des Vergebens beendet. Auch ich vergebe den Figuren ihre Taten und wünsche mir, dass sie alle Frieden finden. Ein großartiges Buch mit tollen Elementen und gut durchdachten Figuren. Einen Stern ziehe ich für die, meiner Meinung nach, zu lang anhaltende Problematik ab und die fehlende Triggerwarnung. Für die Intensität und sprachliche Stärke müsste das Buch jedoch eigentlich einen Extrastern verdienen. Ich bin absolut dankbar für das Leseerlebnis und kann das Buch hartgesottenen Leser*innen gerne weiterempfehlen. Ich bin gespannt, was Nikolais Feder noch entspringen wird.

Post image
Create Post