Zweistromland

Zweistromland

Hardback
4.322

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Als der Tigris in die Nordsee floss

Die Rechtsberaterin Dilan ist Tochter kurdischer Aleviten, die Verfolgung und Gewalt ausgesetzt waren. Doch darüber schweigen sie. Erst als ihre Mutter stirbt und sie selbst ein Kind erwartet, arbeitet Dilan gegen das unerträgliche Schweigen an: Sie reist nach Diyarbakır im Osten der Türkei. Die alte Stadt am Tigris ist die heimliche Metropole der Kurden. Hier haben ihre Eltern einst gelebt, geliebt und gekämpft.Ein poetischer und brennend aktueller Roman über politischen Mut, qualvolles Vergessen und die gefährliche Reise einer jungen Frau.

»Beliban zu Stolberg erzählt eindrücklich von der Suche nach einer verschütteten Vergangenheit und dem Schmerz der Gegenwart. Ein Roman, der einen immer tiefer und tiefer hineinzieht in den Strom.« Ronya Othmann

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
208
Price
23.70 €

Author Description

Beliban zu Stolberg wurde 1993 in Hamburg geboren und wuchs in Husum auf. Sie hat eine deutsche Mutter und einen kurdischen Vater. Sie studierte Drehbuch an der deutschen Film- und Fernsehakademie, danach Arbeit als Drehbuchautorin für TV und Kino. 2018 wurde sie mit dem »Grenzgänger«-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung gefördert, nahm 2019 an der Autorenwerkstatt Prosa des LCB teil und erhielt sowohl 2019 und 2022 ein Aufenthaltsstipendium in der Villa Sarkia/Finnland. Seit 2023 nimmt sie an der »Netflix Writing Academy« teil. »Zweistromland« ist ihr Debütroman. Beliban zu Stolberg lebt in Berlin.

Posts

4
All
4

Dilan ist Kurdin, genauer gesagt Tochter kurdischer Aleviten. Ihre Eltern kommen aus dem Zweistromland, auch als Mesopotamien bekannt, einem weitläufigen Kulturraum zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris. Diyarbakir nennt sich der Ort, aus dem sie stammen. Nennen einige ihn zumindest, denn Diyarbakir ist die türkische Bezeichnung für diese historische Metropole nahe dem Tigris. Amed hingegen ist die Bezeichnung, auf die Dilan stößt auf der Spurensuche nach der Herkunft ihrer Eltern - so doch auch irgendwie ihrer eigenen. Spuren, über die sich ihre Eltern seit jeher in Schweigen hüllen. Ein Schweigen, das auch Dilans Leben beeinträchtigt. Amed, das erste Puzzleteil. Der Ort, an dem ihre Eltern in ihrem früheren Leben leidenschaftlich geliebt und gekämpft haben - der ihnen irgendwann jedoch gewaltvoll entrissen wurde. Der Ort, zu dem es Dilan Jahrzehnte später nahezu körperlich hinzieht. Um endlich zu erfahren, was hinter dem unerträglichen Schweigen steckt. Beliban zu Stolberg ist mit „Zweistromland“ ein im besten Sinne bedrückender Roman über die Auswirkungen des (kollektiven) Schweigens und das Verdrängen von Schmerz gelungen. Eine sehr atmosphärische, aber auch höchst politische Erzählung über das beispielhafte Schicksal gewaltvoll vertriebener Kurd:innen. Zudem ist dieses Buch für mich aber auch einfach ein literarischer Genuss, der einen wunderbaren Lesefluss und in mir durch seine starke Bildhaftigkeit eine undefinierte Sehnsucht nach diesem fernen Ort am Rande des Zweistromlands ausgelöst hat. Eine literarische Bereicherung, die ich ohne Einschränkung empfehlen kann. Ein herzlicher Dank geht an den @kanonverlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Post image
4

Aufgewachsen in Deutschland, lebt Dilan nach dem Tod ihrer Mutter als Erwachsene mit ihrem Mann in Instanbul. Eines Tages bricht die Schwangere ohne Vorankündigung und ohne Ziel auf, um sich schließlich im Osten der Türkei wiederzufinden, wo ihre Familie ihre Wurzeln hat. Die Rahmenhandlung mit der erwachsenen Protagonistin spielt im Jahr 2016, während mit einem Abstecher ins Jahr 1999 ihre Jugend beleuchtet wird. Dieser Zeitsprung macht klar, warum es für Dilan so wichtig ist, Nachforschungen nach den Aktivitäten ihrer Eltern anzustellen, die der kurdischen Minderheit in der Türkei angehörten. Die vorherrschenden Themen des Romans, Identität und Familie, werden eingebettet in die türkische Geschichte. Obwohl wir uns in der seltsamen Situation vorfinden, in der die Hauptfigur scheinbar irrational und wenig nachvollziehbar agiert, fiel es mir leicht, Vertrauen in sie und ihre Entscheidungen zu setzen. „Dass die Stille alles andere zwischen uns verdrängt hatte, merkte ich zu spät. Die Stille war schon ausgelegen, die Mulden darin perfekt an unsere Körper angepasst.“ Mit einfühlsamer Sprache zeigt die Autorin, dass es nicht nur schwarz oder weiß, sondern viele Nuancen in den Gefühlen und Handlungen der Familienmitglieder gibt. Die Geschichte einer selbstbewussten Frau in einem schwierigen Umfeld hat mich begeistert und hallt nach.

5

Besondere Leseerfahrung ❤️‍🩹

Was macht das mit dir, wenn wichtige Erinnerungen wie Puzzleteile fehlen? Deine Eltern über ihre Vergangenheit schweigen und du ihre Sprache nicht sprichst? Was macht das mit dir, wenn dein Kopf voller Fragen ist, auf die du keine Antworten bekommst? Die Protagonistin Dilan ist an der norddeutschen Küste aufgewachsen. Ihre Eltern waren kurdische Aleviten, die Gewalt und Verfolgung ausgesetzt waren. Doch darüber wird geschwiegen. Ebenso wie über ihre heimliche Sprache, Kurmancî, denn Dilan hat nur Deutsch und Türkisch gelernt. Sie bekommt schon als Kind eingetrichtert, nicht neugierig zu sein. Und somit legt sich ein Nebel des Schweigens um sie. Nun lebt Dilan in Istanbul und erwartet ein Kind. Als ihre Mutter stirbt, beschließt sie, gegen das unerträgliche Schweigen anzukämpfen. Sie will Antworten und reist in den Osten der Türkei, nach Diyarbakır. Dies ist nicht nur die heimliche Metropole der Kurd*innen sondern auch die Heimatstadt ihrer Eltern. In diesem Roman bleibt Vieles unausgesprochen. Das Schweigen zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Es ist beklemmend. Und dennoch hat mich dieser Roman zutiefst berührt. Die Sprache ist bildgewaltig, fast schon cineastisch. Ein politischer Roman, voller Schmerz und zugleich von poetischer Schönheit. Ich habe parallel viel recherchiert, um den Kontext von »Zweistromland« für mich besser einordnen zu können. Und ich bin dankbar, wenn Literatur es schafft, mir eine wichtige historische und politische Thematik näher zu bringen. Ein großartiges Debüt von Beliban zu Stolberg!

Besondere Leseerfahrung ❤️‍🩹
3

Dilan lebt als Juristin in Istanbul. Sie ist schwanger und verheiratet, doch ihr Mann ist ihr fremd geworden. Aufgewachsen ist die kurdische Alevitin in Deutschland und auch jetzt lebt sie in Istanbul in einem alevitischen Viertel. Nach dem Tod ihrer Mutter beschließt Dilan ihrer Familiengeschichte in Amed, der heimlichen Hauptstadt der Kurden, nachzuforschen, denn in ihrer Familie ist sehr vieles unausgesprochen geblieben. Zweistromland besticht durch poetische Sprache und nähert sich durch Introspektion dem Thema des Traumas das auch die nachfolgenden Generationen erfasst und dem damit verbunden Schweigen unter dessen Oberfläche es brodelt. Dilan ist mir durch ihre doch recht passive Art leider ziemlich fremd geblieben, viel interessanter finde ich ihre Mutter über die ich sehr gerne ein Buch lesen würde. Den Abstecher in die Vergangenheit war zwar erhellend, aber hat die Geschichte etwas verlangsamt. Nichtsdestotrotz beweist Beliban zu Stolberg ein klares Ziel mit dem Buch und erzählt die Geschichte stringent, ohne Effekthascherei, jedoch mit einer unterschwellig bedrückenden und entfremdeten Atmosphäre.

Create Post