Die lichten Sommer
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Description
Book Information
Author Description
Simone Kucher ist Theater- und Hörspielautorin. Für die Recherche zu dem WDR-Hörspiel »Von einem zum anderen Tag« ist sie 2016 erstmals in das südmährische Dorf Želetice, den Kindheitsort ihrer Großmutter, gereist. Sie lebt in Berlin. »Die lichten Sommer« ist ihr erster Roman.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
„Könnte sie nur so hoch über der Baumkrone kreisen wie ein Adler, dann würde sie an manchen Tagen über die Felder hinweg die Schornsteine der Textilfabriken von Brünn sehen und in der anderen Richtung über den dichten Wald, über die Thaya hinweg den Wiener Dunst. Denn das Dorf lag genau dazwischen.“ Brutalität trifft Zartheit, Herausforderung Poesie.
Interessante Thematik, welche mich auf Grund familiärer Hintergründe und der aktuellen Flüchtlingsthematik sehr interessiert hat. Leider konnte ich mich in den Abschnitten, welche die Jugendzeit von Nevenka behandelten, nicht immer vollends auf die Geschichte einlassen. Irgendwie wirkte der Schreibstil in diesen Abschnitten gänzlich anders auf mich. Was sich jedoch durchaus positiv auf die Atmosphäre des Buchs ausgewirkt hat.
„Gut kann sich Liz noch an die Baracken dort unten am Fluss erinnern, wo sie geboren wurde und lebte, bis sie zwölf war, weil sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater zu den Flüchtlingsströmen aus dem Osten gehörten. Wie aus dem Nichts waren sie nach Kriegsende plötzlich hier aufgetaucht und hatten das Dorf in helle Aufregung versetzt, es plötzlich gesprächig und streitlustig gemacht“ In ihrem Debütroman „Die lichten Sommer“ erzählt Simone Kucher mit feiner Sprache von einem bisher wenig beachteten Thema in der deutschen Literatur (sowie Geschichte) — der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zentrum der Erzählung steht Liz, eine junge Frau, die in Süddeutschland in einer Geflüchtetenunterkunft Mitte der fünfziger Jahre zur Welt kommt. Schon früh beginnt sie in der örtlichen Batteriefabrik zu arbeiten, um etwas für den Lebensunterhalt der Familie beizusteuern. In ihrer Welt ist das ganz normal. Ihre Familie ist deutlich gezeichnet von den Umständen des Lebens, der Vertreibung und erzwungenem Neuanfang in einem Land, dass sie nicht haben will. Der Vater versinkt zunehmend im Alkoholismus. Der Blick der Mutter Nevenka richtet sich letztlich nur noch nach innen. Auf die eigene Vergangenheit, Erinnerungen an die alte Heimat, den Krieg. Liz hingegen sucht nach einem Ausweg, will in die Zukunft schauen. Doch trägt sie die Last des generationenübergreifenden Traumas auf ihren Schultern… Simone Kucher erzählt in leisen Tönen aber dennoch kraftvoller Sprache, die mitunter gerade durch ihre Auslassungen lebt, von einer unglaublich schwerwiegenden Thematik. Zwei Zeitebenen werden miteinander verflochten. Das Leben der Mutter sowie das der Tochter in unterschiedlichen Ländern. Wie ist es, wenn du in deiner Heimat nicht mehr gewollt bist, als Feind:in gesehen wirst, obwohl du kein Nazi bist? Den Krieg hautnah miterleben musstet? Wie es ist ein Mädchen zu sein im Krieg? Kann mensch dieses unbeschadet überleben? In feiner Sprache, die die Gräuel des Krieges mitunter nur andeutet aber gerade dadurch den Schrecken einfängt und Raum gibt, ohne zu konkret zu werden, nähert sich Kucher der Historie an. Gibt einer Bevölkerungsgruppe eine Stimme, zu der ihre eigene Großmutter gehörte. Sie zeigt auf, wie sich Traumata generationenübergreifend auswirken. Wie sie die Zukunft beeinflussen können. Denn auch in der neuen Heimat, sind sie keineswegs willkommen. Auch nicht in der darauffolgenden Generation. Gibt es schließlich ein Zusammenfinden — auch angesichts großer Sprachlosigkeit? Diesen und weiteren Fragen spürt die Autorin nach, mal leichtfüßig, mal poetisch. Leseempfehlung!

Eine sehr berührende Geschichte über Mütter, Töchter, Schweigen und Leerstellen. Die Mutter, in den Fünfzigerjahren aus der ehemaligen Tschecheslowakei geflohen. Die Tochter, in einem kleinen Dorf in Süddeutschland geboren und aufgewachsen. Beide versuchen auf ihre Art, den Zwängen ihrer Zeit zu entgehen und ihr Glück zu finden.
Ein wunderbares Romandebüt.
“Die lichten Sommer” ist eine Geschichte über drei Generationen Frauen einer Familie. Eine Geschichte über eine Heimat, die es nicht mehr gibt, über Vertreibung und Flucht, übers nicht Ankommen und nirgends wirklich zu Hause sein. Erzählt werden abwechselnd zwei Zeitstränge. Die Geschichte beginnt mit Liz, geboren in den 50er Jahren in Süddeutschland in einem Lager für deutsche Aussiedler aus Tschechien. Inzwischen ist sie eine junge Frau, die sich zwischen den unausgesprochenen Traumas ihrer Eltern, den Anforderungen der neuen Heimat und ihren eigenen Wünschen aufreibt. In der zweiten Erzählebene ist erst einmal Zeit, mit der kindlichen Nevenka (der Mutter von Liz) auf Bäume zu klettern und durch sommerliche Wiesen zu streifen. Auch ihre Mutter Olina lernt der Leser als dritte Frau im Bunde kennen. Nevenka wächst in Tschechischen, in der Nähe von Brno (Brünn) auf. Ihre zunächst unbeschwerte Kindheit und Jugend wird langsam aber unaufhaltsam vom Unheil des zweiten Weltkrieges und seinen Nachwirkungen durchwoben. Der Autorin gelingt es hier ebenso zart, wie eindringlich Geschichte lebendig zu erzählen. Die generationenübergreifenden Traumata werden dabei teilweise mehr durch die Lücken, als im Geschriebenen erzählt; was sie nicht weniger bedrückend aus dem Erzählten aufsteigen lässt. Große Leseempfehlung!
»Da ist es also, das Leben, diese ganzen Leute, die sich um mich herum scharen, diese Lebendigkeit, diese Teilhabe an den vielen kleinen Geschichten, den Wehwehchen, den Freuden. Und alles fühlt sich so leicht an, so richtig« (S. 22). Und genau so fühlt es sich an, dieses Buch zu lesen. Simone Kucher lädt uns ein, an kleinen Geschichten teilhaben zu dürfen, die von Freud und Leid geprägt sind. In »Die lichten Sommer« verfolgen wir die Geschichte von vier Generationen. Urgroßmutter Olina, Großmutter Nevenka, Mutter Elisabeth »Liz« und ihren Kindern August, Lilly und Ina. Im Fokus steht das Erleben von Nevenka und ihrer Tochter Liz. Liz wird Anfang der Fünfzigerjahre in Süddeutschland geboren, ihre Mutter wurde nach Kriegsende aus der ehemaligen Tschechoslowakei vertrieben. Während Nevenka sich Tagträumen hingibt, in der sie ihre Vergangenheit Revue passieren lässt, konzentriert sich Liz in einer liebenswürdigen und gleichzeitig unsicheren Art auf die Zukunft. Ihr Sein als Tochter einer Vertriebenen wird ihr mehrmals im Buch schmerzlich bewusst, durch Begegnungen die von Kälte und Ablehnung geprägt sind. Sowohl Liz wie auch Nevenka begleiten wir in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens. Insgesamt wird in der Familie wenig über das eigene (Er-)Leben an die nächste Generation weitergegeben. Durch dieses Schweigen legt sich ein Schleier der Ungewissheit über die einzelnen Familienmitglieder. Diese Ungewissheit arbeitet Simone Kucher auch gegenüber der Leser:innenschaft ein, da einzelne Sequenzen in ihrer Beschreibung lediglich angedeutet und nicht vollständig auserzählt werden. Poetisch und mit eindrücklichen Metaphern widmet sich Simone Kucher dem Thema Nachkriegszeit. Die Autorin schreibt respektvoll über ein schweres Thema und gibt diesem gleichzeitig eine überraschende Leichtigkeit. Die Geschichte ist geprägt von starken Frauen, die es schaffen sich zu behaupten – in den schweren Zeiten des Krieges und in der Nachkriegszeit. Ihr Handeln ist oftmals limitiert durch häusliche patriarchale Strukturen und die herrschende Gesetzgebung. CN: Alkoholkonsum, Gewalt, patriarchale Strukturen/Gesetzgebung, Krieg.

Elisabeth, genannt Liz, kommt Anfang der 1950er Jahre in einem kleinen Dorf in Süddeutschland zur Welt. Als Tochter von Vertriebenen aus der ehemaligen Tschechoslowakei wächst sie in einer Umgebung auf, in der Frauen wie sie frühzeitig in der örtlichen Batteriefabrik arbeiten. Während ihr Vater dem Alkoholismus verfällt und ihre Mutter Nevenka sich in Erinnerungen an ihre alte Heimat verliert, strebt Liz nach vorne. Als junge Frau, die vollkommen auf sich allein gestellt ist und mit einer belastenden Vergangenheit konfrontiert wird, steht Liz vor großen Herausforderungen. Doch sie kämpft mit allen Mitteln darum, ihren eigenen Weg zu finden. Simone Kuchers Debütroman „Die lichten Sommer“ entführt uns in die bewegte Geschichte zweier Frauen, die in der deutschen Nachkriegszeit leben und beleuchtet ein oft übersehenes Kapitel der deutschen Geschichte: Die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit einfühlsamen Worten und persönlicher Verbundenheit wandelt die Autorin auf den Spuren ihrer eigenen Geschichte. Dabei gelingt ihr durch die Geschichte von Liz und ihren familiären Hintergrund ein tiefer Einblick in die Folgen von Vertreibung und Flucht, die bis heute Generationen prägen. Kuchers erzählerische Sprache ist leise und einfühlsam, aber zugleich so eindringlich und ergreifend, was dem Buch eine ganz besondere Intensität verleiht. Voller zärtlicher Leichtigkeit und poetischer Eleganz gelingt es ihr, dieses Kapitel unserer Vergangenheit aufzuzeigen und uns tief in die Gefühle und Erfahrungen der Betroffenen eintauchen zu lassen. Ein absolut lesenswerter Roman, der aktuelle Themen wie Identitätsfindung, Vergangenheitsbewältigung und familiäre Verstrickungen auf sensible Weise behandelt. „Die lichten Sommer“ ist nicht nur ein einfühlsamer Blick auf das Schicksal von Menschen, die im Schatten der Geschichte stehen, sondern auch eine Hommage an die Stärke und Resilienz der menschlichen Seele. Ich liebe einfach alles an diesem Buch!

In ihrem Debütroman "Die lichten Sommer" erzählt Simone Kucher von zwei Frauen einer Familie. Es geht zum einen um Nevenkas Kindheit in der Tschechoslowakei bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Zum anderen um ihre Tochter Liz, die in den 50er Jahren in einem Dorf in Süddeutschland aufwächst. Denn die Familie wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Deutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben. Doch auch in Deutschland sind sie nicht erwünscht, sondern werden als ‚Flüchtlinge‘ stigmatisiert und leben eher am Rand der Gesellschaft. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Man muss allerdings, wenn man in dem Thema nicht so versiert ist, ein wenig Recherchearbeit leisten, denn Simone Kucher liefert die historischen Details und Zusammenhänge nicht gerade auf dem Silbertablett, sondern gibt eher einen sehr persönlichen, emotionalen Einblick in ein „davor“ und ein „danach“ dieser für sudetendeutsche Familien krassen Zäsur. Dass das Thema der Vertreibung drei Millionen Deutscher aus der Tschechoslowakei heute wieder vermehrt in Romanen (in Tschechien wie in Deutschland!) bearbeitet und damit auch irgendwie aufgearbeitet wird – nachdem es viele Jahre eher als Tabuthema galt – finde ich toll. Und Simone Kucher zeigt auch hervorragend, dass es kein "schwarz-weiß-Thema" ist, denn die Figuren, die sie hier in den Mittelpunkt stellt, sind nicht gerade ausschließlich oder eindeutig deutsch oder tschechisch. Dennoch wurden sie nach 1945 als dieses oder jenes klassifiziert und es wurde eine unfassbare Gewalt an der Zivilbevölkerung verübt.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
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Author Description
Simone Kucher ist Theater- und Hörspielautorin. Für die Recherche zu dem WDR-Hörspiel »Von einem zum anderen Tag« ist sie 2016 erstmals in das südmährische Dorf Želetice, den Kindheitsort ihrer Großmutter, gereist. Sie lebt in Berlin. »Die lichten Sommer« ist ihr erster Roman.
Posts
„Könnte sie nur so hoch über der Baumkrone kreisen wie ein Adler, dann würde sie an manchen Tagen über die Felder hinweg die Schornsteine der Textilfabriken von Brünn sehen und in der anderen Richtung über den dichten Wald, über die Thaya hinweg den Wiener Dunst. Denn das Dorf lag genau dazwischen.“ Brutalität trifft Zartheit, Herausforderung Poesie.
Interessante Thematik, welche mich auf Grund familiärer Hintergründe und der aktuellen Flüchtlingsthematik sehr interessiert hat. Leider konnte ich mich in den Abschnitten, welche die Jugendzeit von Nevenka behandelten, nicht immer vollends auf die Geschichte einlassen. Irgendwie wirkte der Schreibstil in diesen Abschnitten gänzlich anders auf mich. Was sich jedoch durchaus positiv auf die Atmosphäre des Buchs ausgewirkt hat.
„Gut kann sich Liz noch an die Baracken dort unten am Fluss erinnern, wo sie geboren wurde und lebte, bis sie zwölf war, weil sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater zu den Flüchtlingsströmen aus dem Osten gehörten. Wie aus dem Nichts waren sie nach Kriegsende plötzlich hier aufgetaucht und hatten das Dorf in helle Aufregung versetzt, es plötzlich gesprächig und streitlustig gemacht“ In ihrem Debütroman „Die lichten Sommer“ erzählt Simone Kucher mit feiner Sprache von einem bisher wenig beachteten Thema in der deutschen Literatur (sowie Geschichte) — der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zentrum der Erzählung steht Liz, eine junge Frau, die in Süddeutschland in einer Geflüchtetenunterkunft Mitte der fünfziger Jahre zur Welt kommt. Schon früh beginnt sie in der örtlichen Batteriefabrik zu arbeiten, um etwas für den Lebensunterhalt der Familie beizusteuern. In ihrer Welt ist das ganz normal. Ihre Familie ist deutlich gezeichnet von den Umständen des Lebens, der Vertreibung und erzwungenem Neuanfang in einem Land, dass sie nicht haben will. Der Vater versinkt zunehmend im Alkoholismus. Der Blick der Mutter Nevenka richtet sich letztlich nur noch nach innen. Auf die eigene Vergangenheit, Erinnerungen an die alte Heimat, den Krieg. Liz hingegen sucht nach einem Ausweg, will in die Zukunft schauen. Doch trägt sie die Last des generationenübergreifenden Traumas auf ihren Schultern… Simone Kucher erzählt in leisen Tönen aber dennoch kraftvoller Sprache, die mitunter gerade durch ihre Auslassungen lebt, von einer unglaublich schwerwiegenden Thematik. Zwei Zeitebenen werden miteinander verflochten. Das Leben der Mutter sowie das der Tochter in unterschiedlichen Ländern. Wie ist es, wenn du in deiner Heimat nicht mehr gewollt bist, als Feind:in gesehen wirst, obwohl du kein Nazi bist? Den Krieg hautnah miterleben musstet? Wie es ist ein Mädchen zu sein im Krieg? Kann mensch dieses unbeschadet überleben? In feiner Sprache, die die Gräuel des Krieges mitunter nur andeutet aber gerade dadurch den Schrecken einfängt und Raum gibt, ohne zu konkret zu werden, nähert sich Kucher der Historie an. Gibt einer Bevölkerungsgruppe eine Stimme, zu der ihre eigene Großmutter gehörte. Sie zeigt auf, wie sich Traumata generationenübergreifend auswirken. Wie sie die Zukunft beeinflussen können. Denn auch in der neuen Heimat, sind sie keineswegs willkommen. Auch nicht in der darauffolgenden Generation. Gibt es schließlich ein Zusammenfinden — auch angesichts großer Sprachlosigkeit? Diesen und weiteren Fragen spürt die Autorin nach, mal leichtfüßig, mal poetisch. Leseempfehlung!

Eine sehr berührende Geschichte über Mütter, Töchter, Schweigen und Leerstellen. Die Mutter, in den Fünfzigerjahren aus der ehemaligen Tschecheslowakei geflohen. Die Tochter, in einem kleinen Dorf in Süddeutschland geboren und aufgewachsen. Beide versuchen auf ihre Art, den Zwängen ihrer Zeit zu entgehen und ihr Glück zu finden.
Ein wunderbares Romandebüt.
“Die lichten Sommer” ist eine Geschichte über drei Generationen Frauen einer Familie. Eine Geschichte über eine Heimat, die es nicht mehr gibt, über Vertreibung und Flucht, übers nicht Ankommen und nirgends wirklich zu Hause sein. Erzählt werden abwechselnd zwei Zeitstränge. Die Geschichte beginnt mit Liz, geboren in den 50er Jahren in Süddeutschland in einem Lager für deutsche Aussiedler aus Tschechien. Inzwischen ist sie eine junge Frau, die sich zwischen den unausgesprochenen Traumas ihrer Eltern, den Anforderungen der neuen Heimat und ihren eigenen Wünschen aufreibt. In der zweiten Erzählebene ist erst einmal Zeit, mit der kindlichen Nevenka (der Mutter von Liz) auf Bäume zu klettern und durch sommerliche Wiesen zu streifen. Auch ihre Mutter Olina lernt der Leser als dritte Frau im Bunde kennen. Nevenka wächst in Tschechischen, in der Nähe von Brno (Brünn) auf. Ihre zunächst unbeschwerte Kindheit und Jugend wird langsam aber unaufhaltsam vom Unheil des zweiten Weltkrieges und seinen Nachwirkungen durchwoben. Der Autorin gelingt es hier ebenso zart, wie eindringlich Geschichte lebendig zu erzählen. Die generationenübergreifenden Traumata werden dabei teilweise mehr durch die Lücken, als im Geschriebenen erzählt; was sie nicht weniger bedrückend aus dem Erzählten aufsteigen lässt. Große Leseempfehlung!
»Da ist es also, das Leben, diese ganzen Leute, die sich um mich herum scharen, diese Lebendigkeit, diese Teilhabe an den vielen kleinen Geschichten, den Wehwehchen, den Freuden. Und alles fühlt sich so leicht an, so richtig« (S. 22). Und genau so fühlt es sich an, dieses Buch zu lesen. Simone Kucher lädt uns ein, an kleinen Geschichten teilhaben zu dürfen, die von Freud und Leid geprägt sind. In »Die lichten Sommer« verfolgen wir die Geschichte von vier Generationen. Urgroßmutter Olina, Großmutter Nevenka, Mutter Elisabeth »Liz« und ihren Kindern August, Lilly und Ina. Im Fokus steht das Erleben von Nevenka und ihrer Tochter Liz. Liz wird Anfang der Fünfzigerjahre in Süddeutschland geboren, ihre Mutter wurde nach Kriegsende aus der ehemaligen Tschechoslowakei vertrieben. Während Nevenka sich Tagträumen hingibt, in der sie ihre Vergangenheit Revue passieren lässt, konzentriert sich Liz in einer liebenswürdigen und gleichzeitig unsicheren Art auf die Zukunft. Ihr Sein als Tochter einer Vertriebenen wird ihr mehrmals im Buch schmerzlich bewusst, durch Begegnungen die von Kälte und Ablehnung geprägt sind. Sowohl Liz wie auch Nevenka begleiten wir in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens. Insgesamt wird in der Familie wenig über das eigene (Er-)Leben an die nächste Generation weitergegeben. Durch dieses Schweigen legt sich ein Schleier der Ungewissheit über die einzelnen Familienmitglieder. Diese Ungewissheit arbeitet Simone Kucher auch gegenüber der Leser:innenschaft ein, da einzelne Sequenzen in ihrer Beschreibung lediglich angedeutet und nicht vollständig auserzählt werden. Poetisch und mit eindrücklichen Metaphern widmet sich Simone Kucher dem Thema Nachkriegszeit. Die Autorin schreibt respektvoll über ein schweres Thema und gibt diesem gleichzeitig eine überraschende Leichtigkeit. Die Geschichte ist geprägt von starken Frauen, die es schaffen sich zu behaupten – in den schweren Zeiten des Krieges und in der Nachkriegszeit. Ihr Handeln ist oftmals limitiert durch häusliche patriarchale Strukturen und die herrschende Gesetzgebung. CN: Alkoholkonsum, Gewalt, patriarchale Strukturen/Gesetzgebung, Krieg.

Elisabeth, genannt Liz, kommt Anfang der 1950er Jahre in einem kleinen Dorf in Süddeutschland zur Welt. Als Tochter von Vertriebenen aus der ehemaligen Tschechoslowakei wächst sie in einer Umgebung auf, in der Frauen wie sie frühzeitig in der örtlichen Batteriefabrik arbeiten. Während ihr Vater dem Alkoholismus verfällt und ihre Mutter Nevenka sich in Erinnerungen an ihre alte Heimat verliert, strebt Liz nach vorne. Als junge Frau, die vollkommen auf sich allein gestellt ist und mit einer belastenden Vergangenheit konfrontiert wird, steht Liz vor großen Herausforderungen. Doch sie kämpft mit allen Mitteln darum, ihren eigenen Weg zu finden. Simone Kuchers Debütroman „Die lichten Sommer“ entführt uns in die bewegte Geschichte zweier Frauen, die in der deutschen Nachkriegszeit leben und beleuchtet ein oft übersehenes Kapitel der deutschen Geschichte: Die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit einfühlsamen Worten und persönlicher Verbundenheit wandelt die Autorin auf den Spuren ihrer eigenen Geschichte. Dabei gelingt ihr durch die Geschichte von Liz und ihren familiären Hintergrund ein tiefer Einblick in die Folgen von Vertreibung und Flucht, die bis heute Generationen prägen. Kuchers erzählerische Sprache ist leise und einfühlsam, aber zugleich so eindringlich und ergreifend, was dem Buch eine ganz besondere Intensität verleiht. Voller zärtlicher Leichtigkeit und poetischer Eleganz gelingt es ihr, dieses Kapitel unserer Vergangenheit aufzuzeigen und uns tief in die Gefühle und Erfahrungen der Betroffenen eintauchen zu lassen. Ein absolut lesenswerter Roman, der aktuelle Themen wie Identitätsfindung, Vergangenheitsbewältigung und familiäre Verstrickungen auf sensible Weise behandelt. „Die lichten Sommer“ ist nicht nur ein einfühlsamer Blick auf das Schicksal von Menschen, die im Schatten der Geschichte stehen, sondern auch eine Hommage an die Stärke und Resilienz der menschlichen Seele. Ich liebe einfach alles an diesem Buch!

In ihrem Debütroman "Die lichten Sommer" erzählt Simone Kucher von zwei Frauen einer Familie. Es geht zum einen um Nevenkas Kindheit in der Tschechoslowakei bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Zum anderen um ihre Tochter Liz, die in den 50er Jahren in einem Dorf in Süddeutschland aufwächst. Denn die Familie wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Deutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben. Doch auch in Deutschland sind sie nicht erwünscht, sondern werden als ‚Flüchtlinge‘ stigmatisiert und leben eher am Rand der Gesellschaft. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Man muss allerdings, wenn man in dem Thema nicht so versiert ist, ein wenig Recherchearbeit leisten, denn Simone Kucher liefert die historischen Details und Zusammenhänge nicht gerade auf dem Silbertablett, sondern gibt eher einen sehr persönlichen, emotionalen Einblick in ein „davor“ und ein „danach“ dieser für sudetendeutsche Familien krassen Zäsur. Dass das Thema der Vertreibung drei Millionen Deutscher aus der Tschechoslowakei heute wieder vermehrt in Romanen (in Tschechien wie in Deutschland!) bearbeitet und damit auch irgendwie aufgearbeitet wird – nachdem es viele Jahre eher als Tabuthema galt – finde ich toll. Und Simone Kucher zeigt auch hervorragend, dass es kein "schwarz-weiß-Thema" ist, denn die Figuren, die sie hier in den Mittelpunkt stellt, sind nicht gerade ausschließlich oder eindeutig deutsch oder tschechisch. Dennoch wurden sie nach 1945 als dieses oder jenes klassifiziert und es wurde eine unfassbare Gewalt an der Zivilbevölkerung verübt.













