Birobidschan
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Description
Book Information
Author Description
Tomer Dotan-Dreyfus, 1987 in Haifa geboren, lebt seit zehn Jahren in Berlin und ist als freier Autor, Lyriker und Übersetzer tätig. Er studierte Philosophie und Komparatistik in Berlin, Wien und Paris und schreibt sowohl in hebräischer als auch in deutscher Sprache. Für die Arbeit an Birobidschan erhielt er 2020 ein einjähriges Stipendium des Berliner Senats, außerdem wurde er für das Übersetzungsprogramm Jewish Writers in Translation 2021 der Jewish Book Week in London ausgewählt. Im September 2021 war er zu Gast auf dem Meridian Czernowitz International Poetry Festival in der Ukraine. 2022 erscheint sein Essay-Band "Meine Forschung zum O: Unlearning Sprache" (Gans Verlag Berlin). Birobidschan ist sein erster Roman.
Posts
Ein Stetl zwischen Zeit und Raum
Birobidschan ist aus ganz unterschiedlichen Gründen keine normale Stadt. Zum einen wurde das sibirische „Stetl“ als isolierte jüdisch-sozialistische Gemeinde von Stalin gegründet und hat damit seine ganz eigene Kulturgeschichte. Zum anderen dient sie Tomer Dotan-Dreyfus als Ausgangspunkt für eine ganz spezielle Erzählung, die nicht nur mit dem Begriff der Fiktionalität spielt. Denn auch Zeit und Raum sind im literarischen Birobitschan praktisch relative Begriffe, die sich in einer außergewöhnlichen Erzählstruktur widerspiegeln. Beim Lesen ist sehr viel Aufmerksamkeit gefragt, um den inhaltlich und sprachlich anspruchsvollen Text durchdringend zu können. Doch gleichzeitig motivieren einen die zahlreichen aber wunderbar individuell ausgearbeiteten Charaktere, ihnen zu folgen, mit ihnen Wut, Liebe und Verzweiflung zu spüren, Geheimnisse aufzudecken und Todesfälle zu untersuchen. Dotan-Dreyfus findet einen Erzählton, der sich zwischen Märchen, Sage, humoristischem Kammerspiel und Drama ansiedelt - eine Kombination, die ich so noch nie gelesen habe, die mir aber noch lange im Gedächtnis bleiben wird. In der Geschichte über die ganz normalen und auch sehr speziellen Probleme und Schicksale der jüdischen Gemeinschaft steckt so viel drin, dass ich am liebsten direkt nach dem Beenden der Lektüre nochmal von vorne anfangen würde. Sicher werde ich das auch noch irgendwann machen und zurückkehren nach Birobidschan.
Es bleibt bis zum Schluss ein chaotisches Sammelsurium an Eindrücken aus dem Leben der sozialistischen, jüdischen Gesellschaft aus Birobidschan, an der Grenze zu China, mit dem Versuch die Zeit zu durchschreiten, sie zu verwirbeln und dies als eine zersplitterte Kloschüssel der Kunst auszugeben, deren Klebstoff mit den restlichen Teilen frei im Raum schwebt. Versatzstücke aus Philosophie und Psychoanalyse strudeln wirr und inkohärent im Wettstreit mit magischen, halluzinatorischen Einschüben um den Bedeutungsabgrund, der sich am Ende als misslungenes Experiment herausstellt. Ich hab keine Ahnung was ich mit diesem Buch anfangen soll. Es sagt mir nichts, es unterhält mich nicht, es ist sprachlich und stilistisch eine Katastrophe. Das Buch ist anarchistischer Lärm in meinem Kopf, der sich in ein Gewand von Gesetzmäßigkeit und harten Grenzen kleidet, die überwunden werden wollen. Da steht einer schon ganz weit draußen im Nirgendwo und schreibt sich eine Einhegung zusammen, die durch zufälliges Werfen von Ereignis- und Handlungsbomben aus dem Reich des Imaginären erschüttert werden soll. Das ergibt für mich vorne und hinten keinen Sinn. Evtl. schaffe ich es noch eine argumentativ saubere Rezension zu verfassen. Das gerade ist Gefühlschaos, das dem Stil des Buches entspricht.
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Tomer Dotan-Dreyfus, 1987 in Haifa geboren, lebt seit zehn Jahren in Berlin und ist als freier Autor, Lyriker und Übersetzer tätig. Er studierte Philosophie und Komparatistik in Berlin, Wien und Paris und schreibt sowohl in hebräischer als auch in deutscher Sprache. Für die Arbeit an Birobidschan erhielt er 2020 ein einjähriges Stipendium des Berliner Senats, außerdem wurde er für das Übersetzungsprogramm Jewish Writers in Translation 2021 der Jewish Book Week in London ausgewählt. Im September 2021 war er zu Gast auf dem Meridian Czernowitz International Poetry Festival in der Ukraine. 2022 erscheint sein Essay-Band "Meine Forschung zum O: Unlearning Sprache" (Gans Verlag Berlin). Birobidschan ist sein erster Roman.
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Ein Stetl zwischen Zeit und Raum
Birobidschan ist aus ganz unterschiedlichen Gründen keine normale Stadt. Zum einen wurde das sibirische „Stetl“ als isolierte jüdisch-sozialistische Gemeinde von Stalin gegründet und hat damit seine ganz eigene Kulturgeschichte. Zum anderen dient sie Tomer Dotan-Dreyfus als Ausgangspunkt für eine ganz spezielle Erzählung, die nicht nur mit dem Begriff der Fiktionalität spielt. Denn auch Zeit und Raum sind im literarischen Birobitschan praktisch relative Begriffe, die sich in einer außergewöhnlichen Erzählstruktur widerspiegeln. Beim Lesen ist sehr viel Aufmerksamkeit gefragt, um den inhaltlich und sprachlich anspruchsvollen Text durchdringend zu können. Doch gleichzeitig motivieren einen die zahlreichen aber wunderbar individuell ausgearbeiteten Charaktere, ihnen zu folgen, mit ihnen Wut, Liebe und Verzweiflung zu spüren, Geheimnisse aufzudecken und Todesfälle zu untersuchen. Dotan-Dreyfus findet einen Erzählton, der sich zwischen Märchen, Sage, humoristischem Kammerspiel und Drama ansiedelt - eine Kombination, die ich so noch nie gelesen habe, die mir aber noch lange im Gedächtnis bleiben wird. In der Geschichte über die ganz normalen und auch sehr speziellen Probleme und Schicksale der jüdischen Gemeinschaft steckt so viel drin, dass ich am liebsten direkt nach dem Beenden der Lektüre nochmal von vorne anfangen würde. Sicher werde ich das auch noch irgendwann machen und zurückkehren nach Birobidschan.
Es bleibt bis zum Schluss ein chaotisches Sammelsurium an Eindrücken aus dem Leben der sozialistischen, jüdischen Gesellschaft aus Birobidschan, an der Grenze zu China, mit dem Versuch die Zeit zu durchschreiten, sie zu verwirbeln und dies als eine zersplitterte Kloschüssel der Kunst auszugeben, deren Klebstoff mit den restlichen Teilen frei im Raum schwebt. Versatzstücke aus Philosophie und Psychoanalyse strudeln wirr und inkohärent im Wettstreit mit magischen, halluzinatorischen Einschüben um den Bedeutungsabgrund, der sich am Ende als misslungenes Experiment herausstellt. Ich hab keine Ahnung was ich mit diesem Buch anfangen soll. Es sagt mir nichts, es unterhält mich nicht, es ist sprachlich und stilistisch eine Katastrophe. Das Buch ist anarchistischer Lärm in meinem Kopf, der sich in ein Gewand von Gesetzmäßigkeit und harten Grenzen kleidet, die überwunden werden wollen. Da steht einer schon ganz weit draußen im Nirgendwo und schreibt sich eine Einhegung zusammen, die durch zufälliges Werfen von Ereignis- und Handlungsbomben aus dem Reich des Imaginären erschüttert werden soll. Das ergibt für mich vorne und hinten keinen Sinn. Evtl. schaffe ich es noch eine argumentativ saubere Rezension zu verfassen. Das gerade ist Gefühlschaos, das dem Stil des Buches entspricht.








