Der Schlafwagendiener

Der Schlafwagendiener

Hardback
3.934

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Description

Baxter träumt davon, Zahnarzt zu werden, und spart dafür jeden Dollar Trinkgeld. Bis er sich das Studium leisten kann, muss er auf mehrtägigen Schlafwagentouren stumm lächelnd und nickend alle Aufträge der reichen, weißen, oft skurrilen Fahrgäste ausführen. Er darf weder seinen eigenen Namen verwenden noch sich den kleinsten Fehler erlauben, dort am untersten Ende der gesellschaftlichen Hierarchie, auf dem Trittschemel beim Schuhepolieren oder beim Kloputzen. Im Jahr 1929 würde er für seine heimliche Hingabe an Männer nicht nur seinen Job verlieren, sondern unweigerlich im Gefängnis landen. Unterdessen bleibt der Zug auf der Fahrt von Montreal nach Vancouver vor einer Schlammlawine stehen. Die Stimmung an Bord wird mit jeder Stunde angespannter. Während des pausenlosen Tag- und Nachtdiensts bekommt der völlig übermüdete Baxter langsam Halluzinationen und hat seine unterdrückten Gefühle immer weniger unter Kontrolle.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
240
Price
25.70 €

Posts

8
All
4

Alles andere als Zug-Romantik

​🚂 REZENSION: „Der Schlafwagendiener“ von Suzette Mayr 📖 ​Schaut euch bitte dieses unglaublich schöne Cover an! 😍 Ein absoluter Blickfang im Bücherregal. Da die Story im Zug spielt, hatte ich ehrlicherweise auf etwas mehr Zug-Romantik gehofft. Bekommen habe ich stattdessen einen tiefen, realistischen Einblick in eine ganz andere Zeit. ​Das hat mir gut gefallen: ✨ Der Schreibstil ist wirklich gut und zieht einen schnell in die Geschichte. ✨ Man spürt auf jeder Seite, wie unfassbar gut die Autorin recherchiert hat (großes Plus für das Quellenverzeichnis am Ende!). ✨ Richtig cool: Es wurden reale Zitate aus anderen historischen Quellen in den Text eingebaut das habe ich so vorher noch nie in einem Roman gelesen! ​Das hätte besser sein können: Die Charaktere waren zwar sehr unterschiedlich, aber gerade bei den Nebenrollen hätte ich mir einfach noch mehr Einzelheiten und Ausarbeitung gewünscht. Sie blieben mir manchmal etwas zu blass. ​Mein Fazit: Eine hübsche, aber auch ernste Geschichte über den harten Alltag eines Dieners im Zug und die Ungerechtigkeiten, die damals herrschten. Wer historische Tiefe sucht, wird hier definitiv fündig! 🪵🛤️

Alles andere als Zug-Romantik
4

Mord im Orient Express-Vibes – aber ohne Mord

Eisenbahnromantik? Die kommt in diesem rasanten Roman eher nicht auf. Dafür reißt einen Suzette Mayr direkt sprachlich mit, sodass man gefühlt mehrere Tage lang in verschiedenen Zügen auf verschiedenen Strecken unterwegs ist und durch die Landschaft rauscht. Ich habe mit den Passanten gestritten, gegessen, diskutiert, gelauscht, so nah war ich dran. Eher im Hintergrund – aber stets zu Diensten – ist dabei Baxter, der Schlafwagendiener. Er kümmert sich darum, dass alle eine entspannte Fahrt haben und kein Wunsch unerfüllt bleibt. Und das alles, weil er davon träumt, Zahnarzt zu werden und Geld für sein Studium verdienen will. Sobald die Klingel läutet, muss er springen – und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Schließlich braucht er jeden Cent Trinkgeld. Was ihm seine Arbeit 1929 erschwert, ist nicht nur seine stete vollkommene Übermüdung, sondern auch die Tatsache, dass er nicht Weiß und noch dazu homosexuell ist. Permanente Diskriminierungen und Rassismus sind gegenwärtige Gäste auf seiner letzten Fahrt von Montreal nach Vancouver, auf der er allen erdenkbaren Kapriolen seiner illustren und zugleich herablassenden Zuggesellschaft ausgesetzt ist. Für mich ein wirklich ungewöhnliches und doch irgendwie packendes Buch. Sprachlich, aber auch inhaltlich. Es hat mich vom Flair ein wenig an "Mord im Orient Express" erinnert. Zumal ein Zug als "Bühne" natürlich alles auf sehr engem Raum passieren lässt, was für zusätzliches Drama sorgt. Eine kleine Entdeckung mit einem wunderschönen Cover!

Mord im Orient Express-Vibes – aber ohne Mord
4.5

Wenn Realität und Traum verschmilzen

Baxter ist schwarz und Schlafwagendiener. Die Passagiere kennen seinen Namen nicht, kommandieren ihn herum, schikanieren ihn und drohen ihm mit Strafpunkten, die ihn seinen Job kosten. Als der Zug aufgrund einer Schlammlawine stecken bleibt und die Dienerschaft noch mehr auf Schlaf und Essen verzichten muss, vermischt sich langsam Realität und Traum. Zugegebenermaßen war es keine leichte Kost, die da serviert wird, doch am Ende passt wieder alles, der Zug rollt wieder und alles ruckelt sich zurecht. Tolles Buch!

3

Für den Schlafwagendiener Baxter eine lange anstrengende Reise durch Kanada im Jahr 1929. Er braucht Geld für sein Studium. Von den Passagieren wird er in der Regel respektlos behandelt, muss immer drauf achten, keine Strafpunkte zu bekommen, um nicht entlassen zu werden. Armer gequälter Kerl. Armer gequälter Leser

5

"Er ist ein Schlafwagendiener. Ein schläfriger Wagendiener. Schläfrig Diener im Wagen. Wagen schläfrig. Diener. Schlaf." Denn er kann niemals länger am Stück schlafen, immer muss er parat stehen, wenn die Gäste nach ihm, dem Diener, klingeln. Und hungrig ist er außerdem, denn er muss für das Essen auf der Fahrt zahlen und das ist zu teuer. Das Buch hat mich sehr in seinen Bann gezogen. Ich konnte den Hunger und die Müdigkeit spüren. "Er schließt die Augen für ein Nickerchen von der Größe eines Mohnsamens...". Die Ungerechtigkeit ihm und seinen Kollegen gegenüber hat mich so sehr wütend gemacht. Und dann ist da noch das kleine Mädchen mit ihrer Oma, die Baxter ständig anvertraut wird und ihm folgt wie ein Hündchen. Meist muss er sie jedoch tragen. Und das hat mich stark an die Care-Arbeit von Müttern erinnert. Wie viel Hausarbeit muss mit einem Kind auf dem Arm erledigt werden, immer müde von zu wenig Schlaf am Stück? Ein wundervoll geschriebenes Buch, toll übersetzt von Anne Emmert und wunderschön in Szene gesetzt von Julie August , unter Verwendung des Gemäldes "Unapologetically William " Ganz große Coverliebe😍

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4

Unterhaltsame Gesellschaftskritik.

Ein hart arbeitender Baxter, immer von Sanktion und Arbeitslosigkeit bedroht, immer die Angst vor der nächsten Beschwerde. Dazu der teils unverdiente Wohlstand in Form von Passagieren, die ihm auf der Nase rumtanzen. Und seine Liebe zu Männern, die er nicht offen ausleben darf. Aber auch von Hoffnung und Sehnsucht handelt dieses Buch - aus meiner Sicht ein starkes Werk.

3.5

Alles einsteigen, bitte! Zurückbleiben, bitte!

Das Leben auf Schienen ist hart. Das weiß auch Baxter. Dennoch bringt der Job als Schlafwagendiener gutes Geld. Das kann Baxter gut gebrauchen, denn sein großer Traum ist ein Studium der Zahnmedizin, und das ist leider teuer. Bis er das Geld zusammenhat, muss er allerhand Rassismus und Erniedrigung über sich ergehen lassen. Denn die Zugfahrgäste haben ihre Eigenheiten, und sind zudem meist reich und vor allem weiß. Baxter hingegen ist Schwarz und muss buckeln, um keine Strafpunkte zu riskieren. Zusätzlich zu seinen üblichen Aufgaben - Kojen hoch- bzw. herunterklappen, Schuhe putzen oder Drinks besorgen - muss er alle möglichen Wünsche erfüllen - auch wenn dazu gehört, sich durch Singen und Tanzen zum Clown zu machen. Abgesehen von den Schrullen der Passagiere, plagt ihn zusätzlich noch ein enormer Schlafmangel, der Wahn und Wirklichkeit zunehmend verschwimmen lässt. Am letzten Tag der mehrtägigen Reise passiert dann auch noch ein Unglück, welches alle Personen im Zug vor eine weitere Belastungsprobe stellt. Die Erzählung ist eher ruhig, jedoch auch intensiv. Ein richtige Spannung stellt sich nicht ein, doch entwickelte sich bei mir über die 240 Seiten ein reges Interesse am sehr liebenswürdigen Baxter und seinen Träumen. Der Rassismus ist manchmal hart zu ertragen, und gerade weil Baxter so sympathisch ist, leidet mensch noch mehr mit. Doch er schlägt sich durch und es ist wirklich ein Lesegenuss, ihm durch die Tage im Zug zu folgen. Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es ist literarisch wunderbar, ohne übermäßig anspruchsvoll zu sein. Keine blanke Unterhaltung und doch lädt die Lektüre auf eine wunderbare Zugfahrt mit allerhand illustren Gästen ein.

Alles einsteigen, bitte! Zurückbleiben, bitte!
4

Bahnromantik? Nicht ganz Bahn fahren ist schön. Oder? In gewisser Weise ja *g*. Aber das Bahn fahren auch anstrengend sein kann, beweist Suzette Mayr mit ihrem 6. Roman „Der Schlafwagendiener“, der von Anne Emmert aus dem Englischen übersetzt wurde, 2023 im Wagenbach-Verlag erschien und zudem bereits 2022 in Kanada mit dem renommiertesten kanadischen Literaturpreis, dem Giller Prize, ausgezeichnet wurde. Denn natürlich ist die Geschichte um den Schwarzen Baxter, der eigentlich Zahnarzt werden und sich mit dem Job als Schlafwagendiener das Studium finanzieren will, keine romantisierende Ode an die (vergessenen) Schlafwagendiener dieser Welt. Vielmehr prangert die Autorin mit der auf Tatsachen beruhenden Geschichte die rassistischen und (im Falle von Baxter) auch homophoben Zustände in Kanada 1929 an. Suzette Mayr schwingt aber nicht die übergroße Moralkeule, sondern verpackt ihre Kritik in zum Teil wunderbar poetisch, manchmal etwas schräge Sprachbilder ohne dabei „kitschig“ zu werden. „Der Tag beginnt. Die neugeborene Sonne bricht durch die Bäume und sticht Baxter geradewegs in die brennenden roten Augen. Er ist ein Schlafwagendiener. Ein schläfriger Wagendiener. Schläfriger Diener im Wagen. Wagen schläfrig. Diener. Schlaf.“ (S. 168) Als Leser:in hat man Baxter von Anfang an ins Herz geschlossen, bewundert die stoische Ruhe, mit der er die Erniedrigungen der weißen Wohlstandsgesellschaft über sich ergehen lässt, lacht und lächelt über Baxters Typisierungen der Passagiere anhand des Gebisses und wird immer tiefer in die Welt der Halluzinationen gezogen. Richtig gelesen: die Geschichte hat eine zweite, nicht minder faszinierende Ebene. Während der Fahrt von Montreal nach Vancouver wird der völlig übermüdete Baxter immer wieder von Halluzinationen heimgesucht, die sich aber genial zwischen die Absurditäten der Passagiere „einfügen“, so dass man als Leser:in aufpassen muss, nicht zwischen Realität und Halluzination stecken und äh, auf der Strecke zu bleiben. Ob Baxter es schafft, sein Studium zu finanzieren? Das wird hier natürlich nicht verraten *g*. Alles in Allem ist „Der Schlafwagendiener“ ein überaus lesenswerter Roman, der mit einem tollen Cover (ich musste beim Blick darauf sofort an „Singing in the rain“ von Gene Kelly denken *g*) ebenso punktet wie mit der Geschichte an sich und dem ich deshalb 4 swingende Sterne verpasse. ©kingofmusic

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