Das Wasser des Sees ist niemals süß

Das Wasser des Sees ist niemals süß

Hardback
4.033

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Description

Am Grund des Sees liegt eine versunkene Weihnachtskrippe, sein Wasser schimmert trüb, schmeckt nach Sonnencreme und Benzin. Hier, am Lago di Bracciano, bezieht Gaia mit ihrer Familie eine Sozialwohnung: der Vater, der seit einem Arbeitsunfall im Rollstuhl sitzt, der ältere anarchistische Bruder Mariano, die kleinen Zwillinge – und die Mutter Antonia, die so zupackend wie rücksichtslos alles zusammenhält. Ihre Tochter, blass, sommersprossig, dürr, soll nicht so enden wie sie, Bildung soll der Ausweg für Gaia sein. Doch die erkennt früh, dass Talent und zwanghafter Fleiß nicht ausreichen, um mitzuhalten – wenn man kein liebes Mädchen sein will, den filzstiftgrünen Pullover des Bruders aufträgt und sich kein Handy leisten kann. Konfrontiert mit Herabsetzungen, Leistungsdruck und Orientierungslosigkeit verwandelt sich Gaias stumme Verletzlichkeit in maßlose Wut, die sie zunehmend Grenzen überschreiten lässt. Giulia Caminito hat ein sanftes, raues, wundersam reiches Buch geschrieben: über eine Jugend in der Provinz, lächerliche Lieben, grundstürzende Dramen und eine junge Frau, die ihrer Herkunft nicht entkommt. Ein Roman mit einer unverwechselbaren Erzählstimme und Bildern, die haften bleiben wie ungeliebte Spitznamen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
320
Price
26.80 €

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
57%
17%
N/A
N/A
88%
N/A
67%
63%
62%
43%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
23%
63%
60%
61%

Pace

Fast0%
Slow0%
Moderate100%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex0%
Moderate100%
Bildhaft (100%)

Posts

9
All
4

Ein anspruchsvoller Roman über die enttäuschten Träume junger Italiener. Gaia wohnt mit ihrer Familie in einer Sozialwohnung in der Nähe von Rom. Der apathische Vater sitzt nach einem Arbeitsunfall im Rollstuhl, der große Bruder polarisiert durch seine politische Haltung, die Zwillinge sind total angepasst und Gaias Mutter dominiert und dirigiert die Familie durchs Leben. Sie ist es auch, die Gaia immer wieder antreibt, was aus ihrem Leben zu machen. Bildung soll der Ausweg für sie sein. Doch Gaia erkennt schnell, dass ihr Talent zum Lernen und ihr Fleiß nicht ausreichen werden, um ihrer Herkunft zu entkommen. Wenn man sich in der heutigen Zeit kein Handy leisten kann, die Klamotten des Bruders aufträgt und schäbige Schulutensilien besitzt, weil mehr nicht drin ist, man sich auf Unternehmungen konzentrieren muss, die möglichst nichts bis wenig kosten, ist man außen vor und dem täglichen Kampf um Ausgrenzung und Anerkennung ausgesetzt. Und das macht verletzlich und orientierungslos und die Wut darauf in Gaia wächst... Ein intensives Buch, sprachlich toll, aber oft auch anstrengend, weil so viel Wahrheit, Distanz und Leidensdruck dahinter stecken... muss man aushalten können ...

5

Hart und kalt und dennoch so bewegend

"Dann sehe ich es, dick und aufrecht, mein Wörterbuch, gelassen liegt es da, fürchtet kein Urteil und keine Böswilligkeit, da falle ich drüber her, weil dieses Wörterbuch das Erste war, das moch betrogen hat, mich glauben machte, dass ich durch Worte mein Leben ändern würde, es umschreiben, es in erster Person erzählen würde, aber nichts dergleichen, immer sind es die anderen, die von uns erzählen, sie sind es, die uns definieren, die unsere eckigen Klammern füllen, die Wurzeln, von denen wir abstammen" Die Autorin nimmt uns mit in die Realität eines wirtschaftlich armen Mädchens, die wir hauptsächlich durch ihre Jugend begleiten dürfen. Sie befindet sich in der untersten Schicht der italienischen Gesellschaft und sieht sich dort diversen Konflikten in ihrem Alltag gegenübergestellt. Starke Armut, ein Bildungs- und damit Aufstiegsversprechen, welches unerfüllt bleiben wird, eine diktatorische Mutter, ein emotionsloses Familienleben und einfach wahnsinnig viel Frust, der sich über die Jahre in ihr aufbaut. Das ganze Buch ist als eine Gesellschaftskritik zu verstehen, die die prekären Verhältnisse der italienischen Jugend symbolisiert und welcher Frust und welche Aggressionen sich hier entwickeln. Die Ich-Erzählung lässt den Leser tief in ihre Welt eintauchen, wobei ich sagen muss, dass ich viel Mitleid hatte und viel mitfühlen konnte, die Protagonisten mir aber allesamt wenig sympathisch sind. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch. Die Sprache ist teilweise sehr hart und fast melancholisch an wenigen Stellen. Andere Stellen jedoch schon liebevoll und zugewandt. Ich war vom Sprachstil begeistert und erstaunt, wie sie die Wörter in so eine harmonische Klangfarbe bringen konnte. Sehr zu empfehlen!

4

Eine starke, verzweifelte und irgendwie auch unsympathische Frau ohne Perspektive aus den Vororten Roms kämpft sich ins Leben.

3.5

Irgendwo zwischen 3.5 und 4 ⭐️ Das hier ist kein Wohlfühlroman und auch keine Wohlfühl-Protagonistin. Hart und brutal, aber auch zart und poetisch, wird hier die krasse Jugend von Gaia erzählt. In ärmlichen Verhältnissen, wächst Gaia zunächst mit ihrer Familie in Rom auf. Der Vater sitzt nach einem Arbeitsunfall im Rollstuhl, die Mutter Antonia verdient mit Putzjobs etwas nebenher. Sie kommen in eine Sozialwohnung unter, nachdem sie vorher zu sechst in 20 qm gehaust haben, aber werden von der Nachbarschaft gemieden. S. 26 „Sie findet heraus, dass die Deutsche das verlangt hat, sie hat zur Portiersfrau gesagt, dass ihre sabbernde Tochter dort kein schöner Anblick sei, das seien ja schon die da - meine Familie und ich -, da würde sich ja niemand mehr eine Wohnung kaufen, wir würden die Immobilie abwerten.“ Schnell bekomme ich ein Gefühl dafür, was es heißt sich ausgeschlossen zu fühlen. Wenn es für alle um eine herum selbstverständlich ist, Geld zu Verfügung zu haben, für Kleidung, Make-up, Kettchen, Haarklammern oder Zeitschriften und Gaia dafür auf den Snack in der Pause verzichten muss. Wie es sich anfühlt, genug zu lernen und hart zu arbeiten und doch nicht gerecht behandelt zu werden. Ich versteh, warum die Mutter es für besser hält aus der Stadt rauszuziehen, immer mit dem Wunsch, dass es ihre Kinder mal besser haben werden. Aber ich kann auch nachvollziehen, wie die Wut in Gaia immer mehr wächst, größer und brutaler wird und sie Grenzen überschreitet. An manchen Stellen hätte ich sie gern geschüttelt und ihr gerne gesagt, mach dein Herz wieder weich, aber kann gleichzeitig so sehr mitfühlen, wie sehr die Lebensumstände, vor allem in jungen Jahren, dich verhärten können. Das war kein Buch, zum nebenher lesen. Ich habe durch die Sprünge in der Erzählung ganz viel Aufmerksamkeit für die Geschichte gebraucht, deswegen hab ich auch länger daran gelesen, aber habe auch sehr viele Sätze markiert, weil ich den Schreibstil sehr mochte, die Vergleiche die gezogen werden und die Poesie in der Brutalität. Hier war alles drin - es war roh, brutal, hart und ehrlich und doch auch lieblich, zart, poetisch und traurig. S. 40 „Die Leute hier sind ganz versessen darauf, Spitznamen zu vergeben, sie müssen dich umtaufen, alle, die was zählen, werden umbenannt, der Spitzname kann von der Arbeit abhängen, die du machst, oder dem Ort, an dem du wohnst, oder der Geschichte deines Großvaters, du kannst „der Fischer“ sein „der Frosch“, „die Schlampe“, und niemand wird dir je den Namen nehmen, den der Ort dir verpasst hat, er wird für immer dein auf den Leib geschneidertes Kleid bleiben.“ S.67 „Antonia hatte Angst, dass wir, wenn wir hinausgingen, mit jenen Spielen und Spielzeugen Bekanntschaft machen würden, die auch sie in ihrer Kindheit kennengelernt hatte, an Orten, die nicht den Kindern gehörten, sondern dem Verfall.“ S.173 „Weißt du, was mir wirklich wehtut? Dass eine wie du, die die Kundgebungen im Viertel mitgemacht hat, die Streiks für Wohnraum, die Kämpfe mit der Wohnungsbaugesellschaft, dass eine wie du, die schwarz arbeitet, die die Häuser der Reichen putzt, dass so eine mir sagen will, was illegal ist. Nicht alles was legal ist, ist gerecht, und das weißt du.“

3.5

Gutes Buch, ich hab es gern gelesen - es lässt mich aber etwas ratlos zurück. Jedenfalls werden sehr wichtige Themen angesprochen wie Armut im reichen Umfeld etc

3.5

Abseits der italienischen Gesellschaft wächst die Protagonistin in bitterer Armut in der Nähe von Rom auf. Ihre Mutter kämpft mit allen Mitteln und ohne jedes Mitleid für die Gefühle ihrer Kinder für ein besseres Leben und mehr Bildung für ihre Kinder. Sie schafft es, ihre Tochter auf einem Gymnasium für reiche Kinder unterzubringen. Um all das emotional zu überleben, entwickelt die Tochter eigene Strategien, wird stärker, wird brutaler. Und dennoch schafft sie es, ein gutes Abitur und ein Philosophiestudium abzuschließen. Das Buch, das Teile des Lebens der Autorin verarbeitet (ohne dass sie es selbst als autobiographisch verstanden haben will) trifft den richtigen Ton, den es braucht, um diese Geschichte nachzufühlen.

5

Sprachgewaltiges zorniges Gesellschaftsportrait, das auch mit "nüchternen" Beschreibungen berührt aber keinen leichten Lesefluss besitzt!

5

Chapeau. Ein großartiger Roman!

Italien fernab von jeglichen Klischees und Dolce Vita. Eine bittere Geschichte über Klasse, Bildung, Armut und das Erwachsenwerden. Intensiv, roh und melancholisch. Mit einer Anti-Heldin als Protagonistin ist dies definitiv kein Feelgood-Buch. Aber verdammt authentisch. Caminitos fast schon poetische Sprache ist eine Wucht. Sie erschafft mit ihren Worten eine besondere und bildgewaltige Atmosphäre. Das Buch hielt mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinem Bann. Ein Roman, der mich sehr beeindruckt hat und den ich euch ans Herz legen möchte. Großartig aus dem Italienischen übersetzt von Barbara Kleiner.

Chapeau. Ein großartiger Roman!
3

Harte Kost. Konnte mich aber nicht überzeugen und mit der Hauptfigur wurde ich auch nicht warm.

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