Unter dem Tagmond
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Description
Book Information
Author Description
Keri Hulme, die 1947 in Christchurch/ Neuseeland geboren wurde und mütterlicherseits Maori-Vorfahren hat, erwarb sich durch ihren 1985 veröffentlichten Erstlingsroman ›Unter dem Tagmond‹ (im Original ›The Bone People‹) internationales Ansehen: der Roman, der von der Mythen- und Symbolwelt der Maori beseelt ist, wurde sogleich mit dem Booker Prize, Englands renommiertestem Literaturpreis, ausgezeichnet. Neben Romanen veröffentlichte Keri Hulme auch Erzählungen und Gedichte. Keri Hulme starb im Dezember 2021 in Walmate, Neuseeland.
Posts
Dieses mit dem Booker Prize prämierte Werk aus dem Jahr 1985 ist wahrlich schwere Kost. Wer dezidierte Schilderungen von Gewalt gegen Kinder nicht lesen kann, dem sei davon abgeraten. Ich denke, dass ich hart im Nehmen bin, aber zumindest verstört und mitgenommen war ich durch die Schilderung des Dreiecksverhältnisses Junge-Adoptivvater-Nachbarin auf jeden Fall. Keri Hulme nimmt sich sehr viel Zeit, ihre handelnden Person durch Selbstreflexionen, Gedankenströme, Schilderung von Handlung und Dialogen plastisch werden zu lassen. Ihr Schreibstil ist dabei sehr eigenwillig und komplex, da die vier genannten Erzählformen und erzählende Person teilweise von Satz zu Satz wechseln können. Dies erfordert vom Leser Phantasie und vor allem komplexes Denken und viel Aufmerksamkeit beim Lesen. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Lesezeit für ein 650 Seiten Buch gebraucht. Das liest man nicht mal so nebenher. Simon, der Siebenjährige, ist Überlebender eines Schiffsunglück in Neuseeland. Seine Herkunft ist nicht bekannt. Er wird nach dem Unglück von Joe, einem Maori, groß gezogen. Simon spricht nicht, ist rebellisch und in seinem Zorn kaum zu beendigen. Joe bestraft ihn mit Schlägen, die aber keine Wirkung auf das Verhalten des Kleinen haben. Eines Tages taucht der Junge bei Kerewen auf, eine Achtel Maori, die eigentlich keinen Wert auf den Kontakt legt, doch sie kommt von Joe und Simon nicht los. Alle drei Figuren sind gefangen in ihren Problemen und Unzulänglichkeiten. Doch so gebrochen brauchen sie auch Halt und diesen finden sie dann doch immer wieder in dem toxischen Dreieck. Ich fand dies sehr beeindruckend geschrieben, auch wenn vor allem am Ende die maorische Mystik über meine Vorstellungskraft ging, was zum Sternabzug führt. Über weite Strecken ist dies ein 5-Sterne-Psychogramm von Menschen, die sich auf der Suche nach sich selbst und die Liebe Anderer verloren haben. Traurig, aber sehr lesenswert.
TW: Gewalt gegen Kinder Keri Hulme gewann 1985 als erste Neuseeländerin den Man Booker Prize mit ihrem Debütroman “The Bone People” (dt. Titel: “Unter dem Tagmond”). Darin verwebt sie Maori-Kultur und Mythen mit den schweren Schicksalen dreier Personen, die sich in stürmischer Landschaft begegnen. Sie nähern sich an, doch dunkle Traumata und innere Kämpfe verunmöglichen ihnen immer wieder, eine unbeschwerte Beziehung aufzubauen. Kerewin lebt als Einsiedlerin in einem selbstgebauten Turm direkt an der Küste, als eines Tages ein Junge bei ihr einbricht, der nicht sprechen kann. Simon ist in der Gegend bereits bekannt, da er oft herumstreunt, wenn sein Vater bei der Arbeit ist. Joe Gillayley nahm ihn bei sich auf, als er nach einem wüsten Sturm halbtot am Strand gefunden wurde. Alle drei Protagonisten dürsten nach Nähe und Freundschaft, sind jedoch durch schwere Einschnitte in ihrer Vergangenheit beinahe unfähig, Vertrauen zu entwickeln und eine gesunde Bindung einzugehen. Die Autorin hat hier etwas Monumentales geschaffen, das mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Beim Lesen sind wir den einzelnen Figuren ganz nah und bekommen Einblick in alle Zweifel und Hoffnungen, die die drei Gemüter wie unbändige Wellen durchrütteln. Die kaputten Seelen ihrer Figuren überträgt Keri Hulme unübersehbar auf die Seele des Landes, die dringend Heilung und nährende Verbindung benötigt. Neben den messerscharfen Psychogrammen von Kerewin, Simon und Joe wird schnell diese höhere Deutungsebene aufgezeigt, die im letzten Viertel des Buches nochmals unmissverständlich in den Fokus rückt. Es geht um Erneuerung, es geht um Heimkehren, Verbindung mit dem Land und den Menschen und um Fürsorge. Es geht um Spiralen, die auf Maori “Koru” genannt werden.. It was reckoned that the old people found inspiration for the double spirals they carved so skilfully, in uncurling fernfronds: perhaps. But it was an old symbol of rebirth, and the outward-inward nature of things. S. 45 Sicherlich ist es kein Zufall, dass Simon Pakeha, sein Vater Joe dagegen von Maori Abstammung ist. In Kerewins Blut fließt ein Achtel Maori und sie wächst sehr schnell in die Rolle der Vermittlerin zwischen Joe und Simon. Anhand vieler Motive wird deutlich gemacht, wie die Verständigung erschwert wird und scheitert. Der Junge kann nicht sprechen und sich nur durch Zeichen und schriftliche Notizen mitteilen, während auch Worte zwischen Joe und Kerewin oft missdeutet werden und zu falschen Schlussfolgerungen führen. Aufgrund dieser an vielen Stellen scheiternden Kommunikation und der seelischen Verletzungen, scheint es trotz des Willens jedes Einzelnen, eine Gemeinschaft zu bilden, beinahe unmöglich, sich ganz aufeinander einzulassen und zu öffnen. Keri Hulme hat hier ein Meisterwerk geschrieben, das hoffentlich noch viele weitere Leser findet. Für mich ein absolutes Lebensbuch.
Dieses mit dem Booker Prize prämierte Werk aus dem Jahr 1985 ist wahrlich schwere Kost. Wer dezidierte Schilderungen von Gewalt gegen Kinder nicht lesen kann, dem sei davon abgeraten. Ich denke, dass ich hart im Nehmen bin, aber zumindest verstört und mitgenommen war ich durch die Schilderung des Dreiecksverhältnisses Junge-Adoptivvater-Nachbarin auf jeden Fall. Keri Hulme nimmt sich sehr viel Zeit, ihre handelnden Person durch Selbstreflexionen, Gedankenströme, Schilderung von Handlung und Dialogen plastisch werden zu lassen. Ihr Schreibstil ist dabei sehr eigenwillig und komplex, da die vier genannten Erzählformen und erzählende Person teilweise von Satz zu Satz wechseln können. Dies erfordert vom Leser Phantasie und vor allem komplexes Denken und viel Aufmerksamkeit beim Lesen. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Lesezeit für ein 650 Seiten Buch gebraucht. Das liest man nicht mal so nebenher. Simon, der Siebenjährige, ist Überlebender eines Schiffsunglück in Neuseeland. Seine Herkunft ist nicht bekannt. Er wird nach dem Unglück von Joe, einem Maori, groß gezogen. Simon spricht nicht, ist rebellisch und in seinem Zorn kaum zu beendigen. Joe bestraft ihn mit Schlägen, die aber keine Wirkung auf das Verhalten des Kleinen haben. Eines Tages taucht der Junge bei Kerewen auf, eine Achtel Maori, die eigentlich keinen Wert auf den Kontakt legt, doch sie kommt von Joe und Simon nicht los. Alle drei Figuren sind gefangen in ihren Problemen und Unzulänglichkeiten. Doch so gebrochen brauchen sie auch Halt und diesen finden sie dann doch immer wieder in dem toxischen Dreieck. Ich fand dies sehr beeindruckend geschrieben, auch wenn vor allem am Ende die maorische Mystik über meine Vorstellungskraft ging, was zum Sternabzug führt. Über weite Strecken ist dies ein 5-Sterne-Psychogramm von Menschen, die sich auf der Suche nach sich selbst und die Liebe Anderer verloren haben. Traurig, aber sehr lesenswert.
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Author Description
Keri Hulme, die 1947 in Christchurch/ Neuseeland geboren wurde und mütterlicherseits Maori-Vorfahren hat, erwarb sich durch ihren 1985 veröffentlichten Erstlingsroman ›Unter dem Tagmond‹ (im Original ›The Bone People‹) internationales Ansehen: der Roman, der von der Mythen- und Symbolwelt der Maori beseelt ist, wurde sogleich mit dem Booker Prize, Englands renommiertestem Literaturpreis, ausgezeichnet. Neben Romanen veröffentlichte Keri Hulme auch Erzählungen und Gedichte. Keri Hulme starb im Dezember 2021 in Walmate, Neuseeland.
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Dieses mit dem Booker Prize prämierte Werk aus dem Jahr 1985 ist wahrlich schwere Kost. Wer dezidierte Schilderungen von Gewalt gegen Kinder nicht lesen kann, dem sei davon abgeraten. Ich denke, dass ich hart im Nehmen bin, aber zumindest verstört und mitgenommen war ich durch die Schilderung des Dreiecksverhältnisses Junge-Adoptivvater-Nachbarin auf jeden Fall. Keri Hulme nimmt sich sehr viel Zeit, ihre handelnden Person durch Selbstreflexionen, Gedankenströme, Schilderung von Handlung und Dialogen plastisch werden zu lassen. Ihr Schreibstil ist dabei sehr eigenwillig und komplex, da die vier genannten Erzählformen und erzählende Person teilweise von Satz zu Satz wechseln können. Dies erfordert vom Leser Phantasie und vor allem komplexes Denken und viel Aufmerksamkeit beim Lesen. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Lesezeit für ein 650 Seiten Buch gebraucht. Das liest man nicht mal so nebenher. Simon, der Siebenjährige, ist Überlebender eines Schiffsunglück in Neuseeland. Seine Herkunft ist nicht bekannt. Er wird nach dem Unglück von Joe, einem Maori, groß gezogen. Simon spricht nicht, ist rebellisch und in seinem Zorn kaum zu beendigen. Joe bestraft ihn mit Schlägen, die aber keine Wirkung auf das Verhalten des Kleinen haben. Eines Tages taucht der Junge bei Kerewen auf, eine Achtel Maori, die eigentlich keinen Wert auf den Kontakt legt, doch sie kommt von Joe und Simon nicht los. Alle drei Figuren sind gefangen in ihren Problemen und Unzulänglichkeiten. Doch so gebrochen brauchen sie auch Halt und diesen finden sie dann doch immer wieder in dem toxischen Dreieck. Ich fand dies sehr beeindruckend geschrieben, auch wenn vor allem am Ende die maorische Mystik über meine Vorstellungskraft ging, was zum Sternabzug führt. Über weite Strecken ist dies ein 5-Sterne-Psychogramm von Menschen, die sich auf der Suche nach sich selbst und die Liebe Anderer verloren haben. Traurig, aber sehr lesenswert.
TW: Gewalt gegen Kinder Keri Hulme gewann 1985 als erste Neuseeländerin den Man Booker Prize mit ihrem Debütroman “The Bone People” (dt. Titel: “Unter dem Tagmond”). Darin verwebt sie Maori-Kultur und Mythen mit den schweren Schicksalen dreier Personen, die sich in stürmischer Landschaft begegnen. Sie nähern sich an, doch dunkle Traumata und innere Kämpfe verunmöglichen ihnen immer wieder, eine unbeschwerte Beziehung aufzubauen. Kerewin lebt als Einsiedlerin in einem selbstgebauten Turm direkt an der Küste, als eines Tages ein Junge bei ihr einbricht, der nicht sprechen kann. Simon ist in der Gegend bereits bekannt, da er oft herumstreunt, wenn sein Vater bei der Arbeit ist. Joe Gillayley nahm ihn bei sich auf, als er nach einem wüsten Sturm halbtot am Strand gefunden wurde. Alle drei Protagonisten dürsten nach Nähe und Freundschaft, sind jedoch durch schwere Einschnitte in ihrer Vergangenheit beinahe unfähig, Vertrauen zu entwickeln und eine gesunde Bindung einzugehen. Die Autorin hat hier etwas Monumentales geschaffen, das mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Beim Lesen sind wir den einzelnen Figuren ganz nah und bekommen Einblick in alle Zweifel und Hoffnungen, die die drei Gemüter wie unbändige Wellen durchrütteln. Die kaputten Seelen ihrer Figuren überträgt Keri Hulme unübersehbar auf die Seele des Landes, die dringend Heilung und nährende Verbindung benötigt. Neben den messerscharfen Psychogrammen von Kerewin, Simon und Joe wird schnell diese höhere Deutungsebene aufgezeigt, die im letzten Viertel des Buches nochmals unmissverständlich in den Fokus rückt. Es geht um Erneuerung, es geht um Heimkehren, Verbindung mit dem Land und den Menschen und um Fürsorge. Es geht um Spiralen, die auf Maori “Koru” genannt werden.. It was reckoned that the old people found inspiration for the double spirals they carved so skilfully, in uncurling fernfronds: perhaps. But it was an old symbol of rebirth, and the outward-inward nature of things. S. 45 Sicherlich ist es kein Zufall, dass Simon Pakeha, sein Vater Joe dagegen von Maori Abstammung ist. In Kerewins Blut fließt ein Achtel Maori und sie wächst sehr schnell in die Rolle der Vermittlerin zwischen Joe und Simon. Anhand vieler Motive wird deutlich gemacht, wie die Verständigung erschwert wird und scheitert. Der Junge kann nicht sprechen und sich nur durch Zeichen und schriftliche Notizen mitteilen, während auch Worte zwischen Joe und Kerewin oft missdeutet werden und zu falschen Schlussfolgerungen führen. Aufgrund dieser an vielen Stellen scheiternden Kommunikation und der seelischen Verletzungen, scheint es trotz des Willens jedes Einzelnen, eine Gemeinschaft zu bilden, beinahe unmöglich, sich ganz aufeinander einzulassen und zu öffnen. Keri Hulme hat hier ein Meisterwerk geschrieben, das hoffentlich noch viele weitere Leser findet. Für mich ein absolutes Lebensbuch.
Dieses mit dem Booker Prize prämierte Werk aus dem Jahr 1985 ist wahrlich schwere Kost. Wer dezidierte Schilderungen von Gewalt gegen Kinder nicht lesen kann, dem sei davon abgeraten. Ich denke, dass ich hart im Nehmen bin, aber zumindest verstört und mitgenommen war ich durch die Schilderung des Dreiecksverhältnisses Junge-Adoptivvater-Nachbarin auf jeden Fall. Keri Hulme nimmt sich sehr viel Zeit, ihre handelnden Person durch Selbstreflexionen, Gedankenströme, Schilderung von Handlung und Dialogen plastisch werden zu lassen. Ihr Schreibstil ist dabei sehr eigenwillig und komplex, da die vier genannten Erzählformen und erzählende Person teilweise von Satz zu Satz wechseln können. Dies erfordert vom Leser Phantasie und vor allem komplexes Denken und viel Aufmerksamkeit beim Lesen. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Lesezeit für ein 650 Seiten Buch gebraucht. Das liest man nicht mal so nebenher. Simon, der Siebenjährige, ist Überlebender eines Schiffsunglück in Neuseeland. Seine Herkunft ist nicht bekannt. Er wird nach dem Unglück von Joe, einem Maori, groß gezogen. Simon spricht nicht, ist rebellisch und in seinem Zorn kaum zu beendigen. Joe bestraft ihn mit Schlägen, die aber keine Wirkung auf das Verhalten des Kleinen haben. Eines Tages taucht der Junge bei Kerewen auf, eine Achtel Maori, die eigentlich keinen Wert auf den Kontakt legt, doch sie kommt von Joe und Simon nicht los. Alle drei Figuren sind gefangen in ihren Problemen und Unzulänglichkeiten. Doch so gebrochen brauchen sie auch Halt und diesen finden sie dann doch immer wieder in dem toxischen Dreieck. Ich fand dies sehr beeindruckend geschrieben, auch wenn vor allem am Ende die maorische Mystik über meine Vorstellungskraft ging, was zum Sternabzug führt. Über weite Strecken ist dies ein 5-Sterne-Psychogramm von Menschen, die sich auf der Suche nach sich selbst und die Liebe Anderer verloren haben. Traurig, aber sehr lesenswert.






