Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt
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Description
Book Information
Author Description
Jegana Dschabbarowa, geboren 1992 in einer aserbaidschanischen Familie in Jekaterinburg/Russland, ist Dichterin, Essayistin und Wissenschaftlerin. Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt ist ihr Debütroman. 2024 war sie gezwungen, Russland zu verlassen, sie lebt heute in Hamburg.
Posts
Wie schreibt man über dieses Buch? Die Ich Erzählerin wächst in Russland auf, die Familie stammt aber aus Aserbaidschan und ist muslimisch. Sie erzählt wie es ist mit den Regeln aufzuwachsen. Ein Beispiel ist, dass die Augenbrauen von Mädchen erst gezupft und in Form gebracht werden dürfen, wenn sie verheiratet sind. Sie erzählt von den Ehen der Großeltern und Eltern, wie gewalttätig diese waren und nur eine Frau in der Familie sich getraut hat, ihren Mann zu verlassen und die Scheidung einzureichen. Sie berichtet wie wichtig die Haare sind und das die traurig ist, dass sie braune Augen hat. Es ist eine Zeit in der Rassismus in Russland grassiert, anders Aussehende werden in der Öffentlichkeit beschimpft, mit den üblichen Parolen. Glatzkopf Nazis marschieren sogar vor einer Schule auf. Der Vater sehnt sich nach seiner Heimat zurück und trinkt und wird immer unglücklicher, aber auch jähzorniger. Die Ich Erzählerin wird krank, sie beschreibt wie ihr Körper versagt, wie gerätselt wird was sie hat. Dystonie. Sie erzählt wie sie am Ende vom Strom und einer Fernbedienung abhängig sein wird. Ein kurzes aber eindrückliches Buch.
In den Körper eingeschrieben…
Hat sich ja bei vielen Frauen so einiges, Jegana Dschabbarowa schreibt gefühlt ihre Erfahrungen aus ihrem Körper raus. Mit eine körperlichen Bestandsaufnahme erzählt sie die Geschichte der Frauen und Männer vor sich. Schmerzhaft. Als würde sie uns selbst in den Körper schreiben, aber mit wunderschöner Sprache. Ich habe mir diesmal beim Lesen ja wirklich Zeit gelassen, vor allem in Anbetracht der wenigen Seiten, weil es einfach zu dicht ist, um es zu verschlingen. Was über bleibt? Egal, was irgendjemand sagen mag: wir brauchen den Feminismus.

Poetisch, kraftvoll und organisch ist die autofiktionale Erzählung und das Debüt der aserbeidschanischen Autorin. Anhand von Kapiteln, die einzelnen Körperteilen zugeordnet sind, erfahren wir mehr über die Autorin und den anderen Frauen aus ihrer Familie, die aus Aserbaidschan stammen und in Russland leben. „Von klein auf war mir klar, dass es, wenn ich mehrere Sprachen spreche, auch mehrere Versionen von mir gibt. Eine russische in der großen Welt der Schule und auf der Straße, und eine aserbaidschanische in der kleinen Welt der Familie.“ Ausgrenzung und und ein Aufwachsen in eine konservative , muslimische Gesellschaft, geprägt von männlicher Gewalt sind deutlich spürbar. Nur verheirateten Frauen steht es zu, ihr Aussehen zu verändern. Es gilt für eine Tochter , als höchstes Ziel , verheiratet zu werden, wenngleich dies oft ansonsten wenig verheißungsvoll erscheint. „Irgendwann hatten Sie entschieden, dass lieben bedeutet, sich aufopfern zu können, sie hatten entschieden, dass auf den eigenen Körper zu verzichten das Wohl der Mitglieder der Gemeinschaft garantiert, sie hatten entschieden, dass nur ein Messer, das ins Fleisch gerammt wird, von Liebe zeugt.“ Der zweite Erzählstrang handelt von der schwer zu diagnostizierenden Muskelerkrankung der Protagonistin, die immer weniger Selbstkontrolle über ihren Körper hat, Ein gutes hat es, sie wird nicht mehr hoch gehandelt auf dem Heiratsmarkt und kann sich mehr ihrer literarischen Vorliebe widmen. Erstes Highlight dieses Jahr, hat mich inhaltlich wie sprachlich sehr berührt und begeistert. Diese intime Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper, aus kultureller, medizinischer und patriarchaler Perspektive , der Wunsch nach Selbstbestimmung immer gegenwärtig. Ein feines Buch, mit wenigen Seiten, aber immenser Wucht - große Empfehlung!
Ein sprachlicher Schatz!
Was für eine sprachliche Wucht, mit der die Autorin hier über das Frauenbild in der aserbaidschanischen Gesellschaft und das Fremdsein als Minderheit in Russland erzählt. Jedes Kapitel ist überschrieben mit einem Körperteil. Und entlang des Körpers erzählt sie von der Rolle der Frau, von Unterdrückung und Erwartungen, von häuslicher Gewalt, die seit Generationen gar nicht mehr hinterfragt wird. "Mit jedem Schlag gegen Mutters rechtlosen Körper prügelte er unsere Freiheit in einen Sarg, hämmerte diese Worte immer tiefer ein, warf Erde über unsere Hoffnungen, stampfte mit seinen großen Füßen unsere kleinen Körper fest in einer Kiste mit der Aufschrift 'Frau'." Frau sein, das bedeutet heiraten, gebären, sorgen, sich bedecken und unterordnen, die Eltern nicht enttäuschen. Dass die Erzählerin eine seltene Krankheit diagnostiziert bekommt, macht ihr all das quasi unmöglich. Und so ist sie gleich dreifach gefangen: Im eigenen unkontrollierbaren Körper, in einer gewaltvollen Familie und in der Fremde Russlands, in der sie sich als "Gefäß für Jähzorn" der anderen empfindet, in der sie ihre Sprache zu verlieren scheint wie ein versagendes Organ. "Die aserbaidschanischen Wörter verschwanden: Das Organ erfüllte seine Funktion nicht mehr, willenlos lag es im Mund." Dieser Roman ist ein sprachlicher Schatz und das erschütternde Zeugnis einer Familie. Große Empfehlung!
Meiner bescheidenen Meinung nach steht es völlig zurecht auf der Shortlist für den Hamburger Literaturpreis als Buch des Jahres 2025. Es darf gewinnen
Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt Doch ich bin sehr froh, dass Jegana Dschabbarowa es getan hat. Dieses Buch ist ein Brett! In der Übersetzung von Maria Rajer erzählt Dschabbarowa ihre eigene Geschichte anhand von Körperteilen. Augenbrauen, Mund, Hals, Rücken, Beine, Bauch. Wie der Glaube der muslimischen Gemeinschaft der Diaspora in Russland den Frauen sämtliche Kontrolle über ihre Körper nimmt. Wie das Patriarchat dafür sorgt, dass Frauen sich gegenseitig weiter unter Druck setzen. Als dann eine Krankheit in ihrem Körper ausbricht, erhält die die Erzählerin die Chance, aus diesem Korsett auszubrechen. Doch um welchen Preis? Dieses Büchlein mag schmal sein, wiegt aber ganz gewaltig. Mit voller Absicht habe ich mir Zeit gelassen, es zu lesen. Es ist zu dicht, um es zu verschlingen. Und meiner bescheidenen Meinung nach steht es völlig zurecht auf der Shortlist für den Hamburger Literaturpreis als Buch des Jahres. Es darf gewinnen.

Jegana Dschabbarowa legt mit ihrem Debüt „Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt“ einen eindrucksvollen, poetisch verdichteten Roman vor, der die Unterdrückung von Frauen in einer streng patriarchalen, aserbaidschanisch-muslimischen Community in Russland schonungslos sichtbar macht. Die Erzählerin führt uns durch ihre Lebensgeschichte, die eng mit dem eigenen Körper verwoben ist. Kapitel für Kapitel widmet sie einem Körperteil – Augenbrauen, Nase, Mund, Hände, Schultern, Rücken – und zeigt damit, wie tief religiöse und kulturelle Vorschriften in den Alltag eingreifen. Die Frauenkörper werden kontrolliert, bewertet und geformt, bis in die kleinsten Details. Besonders eindrücklich ist die Passage über die Hände, die nur zum Arbeiten, Pflegen und Dienen bestimmt sind – nicht zum Schreiben. Doch der Roman ist mehr als eine Chronik von Gewalt und Einschränkung: Er ist auch eine Geschichte des Widerstands. Der Körper der Erzählerin entzieht sich den Erwartungen, indem er krank wird – schmerzhaft und zerstörerisch, aber zugleich eine Art Schutz vor der Zwangsverheiratung und der Rolle als Ehefrau und Mutter. Dieser „Krankheitsvorteil“ öffnet paradoxerweise einen Weg in die Freiheit, auch wenn er Leid bedeutet. Stilistisch ist das Buch bemerkenswert: Dschabbarowa schreibt mit einer poetischen, lakonischen und zugleich messerscharfen Sprache, die in der Übersetzung von Maria Rajer nichts von ihrer Intensität verliert. Sie verbindet schonungslose Schilderung mit zarter Bildsprache, legt Wunden offen und verwandelt sie in Literatur. Die innere Spannung zwischen Zerstörung und Befreiung, Schmerz und Widerstand macht die Lektüre herausfordernd, aber auch zutiefst berührend. Ein kurzer, aber kraftvoller Roman, der eindringlich zeigt, wie patriarchale Gewalt sich in Körper und Biografien einschreibt – und wie Sprache und Erzählen dennoch Räume der Freiheit eröffnen können. Dschabbarowas Debüt ist ein wichtiges, literarisch herausragendes Zeugnis gegen Unterdrückung und für die Selbstermächtigung von Frauen. Unbedingt lesenswert! Aus dem Russischen von Maria Rajer.

Eindrücklich und bedrückend
Anhand verschiedener Körperteile beschreibt die Autorin die Rolle und Aufgabe der Frauen ihrer Kultur/ Religion oder viel eher die Grenzen und den Umfang des Käfigs in dem sie gefangen sind Und als wären diese vielen Einschränkungen nicht schon genug, beginnt auch noch der eigene Körper damit sie einzusperren (oder ist es eher eine Art Rebellion ihres weiblichen Körpers?) Der wahrscheinliche Grund für ihre Krankheit, der im letzten Kapitel offenbart wird, macht sehr betroffen und sprachlos Ich würde an ihrer Stelle wahrscheinlich vergehen vor Hass und Verbitterung
Ziemlich traurige Realität
Ich wusste nicht, was auf mich zukommt, eine Nachbarin meinte, ich könne es lesen bis sie es ihrer Mutter weitergeben würde.. Jegana erzählt hier angeblich ihre eigene Geschichte und wir kennen alle Geschichten ais erster oder zweiter Hand, wie sich zugereiste Migranten fühlen. Aber wenn du noch in einer Familie hineingeboren wirst, die auf sehr alte Traditionen pochen, dann kommt man sich überall fremd vor. Mit Hilfe von Körperteilen erzählt sie wie sie sich fühlt und wie es ist unter 'Fremde' aufzuwachen, wo nichts zum anderen passen will. Schon gar kicht, wenn man selber auch noch krank ist.
Im autofiktionalen Debüt “Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt” beschreibt Jegana Dschabbarowa (ins Deutsche übersetzt von Maria Rajer) die Geschichte ihrer Familie und insbesondere das ihrer Vorfahrinnen und veranschaulicht so die unterdrückenden Strukturen der aserbaidschanischen Community in Russland. In einzelnen Kapiteln, die sich immer einem bestimmten Körperteil widmen (z.B. Hände, Hals...), entsteht so ein bewegendes poetisches Puzzle, das den krankheitsbedingten Ausbruch der Ich-Erzählerin aus den vorgefertigten Lebenslauf-Schablonen zeigt. Mich haben Sprache und Schreibstil sehr berührt, insbesondere die Beschreibung und der Umgang mit der Muskelkrankheit, die mir bis dato unbekannt war. Dieses Buch ist ein Aufschrei für mehr Selbstbestimmung und über die Nöte von Frauen, die zwischen zwei Kulturen hin- und hergerissen sind, das mehr Aufmerksamkeit in der breiten Masse erhalten sollte. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Ist es ein klassischer Roman? Nicht wirklich. Ist es eine autofiktionale Geschichte und bin ich von solchen Erzählungen inzwischen übersättigt? Ja, schon. Ist meine Bewertung rein subjektiv und konzentriert sie sich auf die inhaltliche Wirkung des Textes, nicht auf formale Aspekte ? Absolut. Dieses Buch hat mich vor allem deshalb so getroffen, weil ich unzählige Parallelen zur Generation meiner Mutter und Großeltern entdeckt habe. Es erzählt von Erfahrungen, die mir vertraut vorkamen, auch wenn sie nie so offen ausgesprochen wurden. Wird dieses Buch allen gefallen und kann ich es unvoreingenommen empfehlen? Vermutlich nicht. Aber das ändert nichts an meiner Bewertung: Es hat mich tief bewegt, weil es den Frauen in meiner Familie (und vielleicht auch vielen anderen) eine Stimme gegeben hat.
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Jegana Dschabbarowa, geboren 1992 in einer aserbaidschanischen Familie in Jekaterinburg/Russland, ist Dichterin, Essayistin und Wissenschaftlerin. Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt ist ihr Debütroman. 2024 war sie gezwungen, Russland zu verlassen, sie lebt heute in Hamburg.
Posts
Wie schreibt man über dieses Buch? Die Ich Erzählerin wächst in Russland auf, die Familie stammt aber aus Aserbaidschan und ist muslimisch. Sie erzählt wie es ist mit den Regeln aufzuwachsen. Ein Beispiel ist, dass die Augenbrauen von Mädchen erst gezupft und in Form gebracht werden dürfen, wenn sie verheiratet sind. Sie erzählt von den Ehen der Großeltern und Eltern, wie gewalttätig diese waren und nur eine Frau in der Familie sich getraut hat, ihren Mann zu verlassen und die Scheidung einzureichen. Sie berichtet wie wichtig die Haare sind und das die traurig ist, dass sie braune Augen hat. Es ist eine Zeit in der Rassismus in Russland grassiert, anders Aussehende werden in der Öffentlichkeit beschimpft, mit den üblichen Parolen. Glatzkopf Nazis marschieren sogar vor einer Schule auf. Der Vater sehnt sich nach seiner Heimat zurück und trinkt und wird immer unglücklicher, aber auch jähzorniger. Die Ich Erzählerin wird krank, sie beschreibt wie ihr Körper versagt, wie gerätselt wird was sie hat. Dystonie. Sie erzählt wie sie am Ende vom Strom und einer Fernbedienung abhängig sein wird. Ein kurzes aber eindrückliches Buch.
In den Körper eingeschrieben…
Hat sich ja bei vielen Frauen so einiges, Jegana Dschabbarowa schreibt gefühlt ihre Erfahrungen aus ihrem Körper raus. Mit eine körperlichen Bestandsaufnahme erzählt sie die Geschichte der Frauen und Männer vor sich. Schmerzhaft. Als würde sie uns selbst in den Körper schreiben, aber mit wunderschöner Sprache. Ich habe mir diesmal beim Lesen ja wirklich Zeit gelassen, vor allem in Anbetracht der wenigen Seiten, weil es einfach zu dicht ist, um es zu verschlingen. Was über bleibt? Egal, was irgendjemand sagen mag: wir brauchen den Feminismus.

Poetisch, kraftvoll und organisch ist die autofiktionale Erzählung und das Debüt der aserbeidschanischen Autorin. Anhand von Kapiteln, die einzelnen Körperteilen zugeordnet sind, erfahren wir mehr über die Autorin und den anderen Frauen aus ihrer Familie, die aus Aserbaidschan stammen und in Russland leben. „Von klein auf war mir klar, dass es, wenn ich mehrere Sprachen spreche, auch mehrere Versionen von mir gibt. Eine russische in der großen Welt der Schule und auf der Straße, und eine aserbaidschanische in der kleinen Welt der Familie.“ Ausgrenzung und und ein Aufwachsen in eine konservative , muslimische Gesellschaft, geprägt von männlicher Gewalt sind deutlich spürbar. Nur verheirateten Frauen steht es zu, ihr Aussehen zu verändern. Es gilt für eine Tochter , als höchstes Ziel , verheiratet zu werden, wenngleich dies oft ansonsten wenig verheißungsvoll erscheint. „Irgendwann hatten Sie entschieden, dass lieben bedeutet, sich aufopfern zu können, sie hatten entschieden, dass auf den eigenen Körper zu verzichten das Wohl der Mitglieder der Gemeinschaft garantiert, sie hatten entschieden, dass nur ein Messer, das ins Fleisch gerammt wird, von Liebe zeugt.“ Der zweite Erzählstrang handelt von der schwer zu diagnostizierenden Muskelerkrankung der Protagonistin, die immer weniger Selbstkontrolle über ihren Körper hat, Ein gutes hat es, sie wird nicht mehr hoch gehandelt auf dem Heiratsmarkt und kann sich mehr ihrer literarischen Vorliebe widmen. Erstes Highlight dieses Jahr, hat mich inhaltlich wie sprachlich sehr berührt und begeistert. Diese intime Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper, aus kultureller, medizinischer und patriarchaler Perspektive , der Wunsch nach Selbstbestimmung immer gegenwärtig. Ein feines Buch, mit wenigen Seiten, aber immenser Wucht - große Empfehlung!
Ein sprachlicher Schatz!
Was für eine sprachliche Wucht, mit der die Autorin hier über das Frauenbild in der aserbaidschanischen Gesellschaft und das Fremdsein als Minderheit in Russland erzählt. Jedes Kapitel ist überschrieben mit einem Körperteil. Und entlang des Körpers erzählt sie von der Rolle der Frau, von Unterdrückung und Erwartungen, von häuslicher Gewalt, die seit Generationen gar nicht mehr hinterfragt wird. "Mit jedem Schlag gegen Mutters rechtlosen Körper prügelte er unsere Freiheit in einen Sarg, hämmerte diese Worte immer tiefer ein, warf Erde über unsere Hoffnungen, stampfte mit seinen großen Füßen unsere kleinen Körper fest in einer Kiste mit der Aufschrift 'Frau'." Frau sein, das bedeutet heiraten, gebären, sorgen, sich bedecken und unterordnen, die Eltern nicht enttäuschen. Dass die Erzählerin eine seltene Krankheit diagnostiziert bekommt, macht ihr all das quasi unmöglich. Und so ist sie gleich dreifach gefangen: Im eigenen unkontrollierbaren Körper, in einer gewaltvollen Familie und in der Fremde Russlands, in der sie sich als "Gefäß für Jähzorn" der anderen empfindet, in der sie ihre Sprache zu verlieren scheint wie ein versagendes Organ. "Die aserbaidschanischen Wörter verschwanden: Das Organ erfüllte seine Funktion nicht mehr, willenlos lag es im Mund." Dieser Roman ist ein sprachlicher Schatz und das erschütternde Zeugnis einer Familie. Große Empfehlung!
Meiner bescheidenen Meinung nach steht es völlig zurecht auf der Shortlist für den Hamburger Literaturpreis als Buch des Jahres 2025. Es darf gewinnen
Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt Doch ich bin sehr froh, dass Jegana Dschabbarowa es getan hat. Dieses Buch ist ein Brett! In der Übersetzung von Maria Rajer erzählt Dschabbarowa ihre eigene Geschichte anhand von Körperteilen. Augenbrauen, Mund, Hals, Rücken, Beine, Bauch. Wie der Glaube der muslimischen Gemeinschaft der Diaspora in Russland den Frauen sämtliche Kontrolle über ihre Körper nimmt. Wie das Patriarchat dafür sorgt, dass Frauen sich gegenseitig weiter unter Druck setzen. Als dann eine Krankheit in ihrem Körper ausbricht, erhält die die Erzählerin die Chance, aus diesem Korsett auszubrechen. Doch um welchen Preis? Dieses Büchlein mag schmal sein, wiegt aber ganz gewaltig. Mit voller Absicht habe ich mir Zeit gelassen, es zu lesen. Es ist zu dicht, um es zu verschlingen. Und meiner bescheidenen Meinung nach steht es völlig zurecht auf der Shortlist für den Hamburger Literaturpreis als Buch des Jahres. Es darf gewinnen.

Jegana Dschabbarowa legt mit ihrem Debüt „Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt“ einen eindrucksvollen, poetisch verdichteten Roman vor, der die Unterdrückung von Frauen in einer streng patriarchalen, aserbaidschanisch-muslimischen Community in Russland schonungslos sichtbar macht. Die Erzählerin führt uns durch ihre Lebensgeschichte, die eng mit dem eigenen Körper verwoben ist. Kapitel für Kapitel widmet sie einem Körperteil – Augenbrauen, Nase, Mund, Hände, Schultern, Rücken – und zeigt damit, wie tief religiöse und kulturelle Vorschriften in den Alltag eingreifen. Die Frauenkörper werden kontrolliert, bewertet und geformt, bis in die kleinsten Details. Besonders eindrücklich ist die Passage über die Hände, die nur zum Arbeiten, Pflegen und Dienen bestimmt sind – nicht zum Schreiben. Doch der Roman ist mehr als eine Chronik von Gewalt und Einschränkung: Er ist auch eine Geschichte des Widerstands. Der Körper der Erzählerin entzieht sich den Erwartungen, indem er krank wird – schmerzhaft und zerstörerisch, aber zugleich eine Art Schutz vor der Zwangsverheiratung und der Rolle als Ehefrau und Mutter. Dieser „Krankheitsvorteil“ öffnet paradoxerweise einen Weg in die Freiheit, auch wenn er Leid bedeutet. Stilistisch ist das Buch bemerkenswert: Dschabbarowa schreibt mit einer poetischen, lakonischen und zugleich messerscharfen Sprache, die in der Übersetzung von Maria Rajer nichts von ihrer Intensität verliert. Sie verbindet schonungslose Schilderung mit zarter Bildsprache, legt Wunden offen und verwandelt sie in Literatur. Die innere Spannung zwischen Zerstörung und Befreiung, Schmerz und Widerstand macht die Lektüre herausfordernd, aber auch zutiefst berührend. Ein kurzer, aber kraftvoller Roman, der eindringlich zeigt, wie patriarchale Gewalt sich in Körper und Biografien einschreibt – und wie Sprache und Erzählen dennoch Räume der Freiheit eröffnen können. Dschabbarowas Debüt ist ein wichtiges, literarisch herausragendes Zeugnis gegen Unterdrückung und für die Selbstermächtigung von Frauen. Unbedingt lesenswert! Aus dem Russischen von Maria Rajer.

Eindrücklich und bedrückend
Anhand verschiedener Körperteile beschreibt die Autorin die Rolle und Aufgabe der Frauen ihrer Kultur/ Religion oder viel eher die Grenzen und den Umfang des Käfigs in dem sie gefangen sind Und als wären diese vielen Einschränkungen nicht schon genug, beginnt auch noch der eigene Körper damit sie einzusperren (oder ist es eher eine Art Rebellion ihres weiblichen Körpers?) Der wahrscheinliche Grund für ihre Krankheit, der im letzten Kapitel offenbart wird, macht sehr betroffen und sprachlos Ich würde an ihrer Stelle wahrscheinlich vergehen vor Hass und Verbitterung
Ziemlich traurige Realität
Ich wusste nicht, was auf mich zukommt, eine Nachbarin meinte, ich könne es lesen bis sie es ihrer Mutter weitergeben würde.. Jegana erzählt hier angeblich ihre eigene Geschichte und wir kennen alle Geschichten ais erster oder zweiter Hand, wie sich zugereiste Migranten fühlen. Aber wenn du noch in einer Familie hineingeboren wirst, die auf sehr alte Traditionen pochen, dann kommt man sich überall fremd vor. Mit Hilfe von Körperteilen erzählt sie wie sie sich fühlt und wie es ist unter 'Fremde' aufzuwachen, wo nichts zum anderen passen will. Schon gar kicht, wenn man selber auch noch krank ist.
Im autofiktionalen Debüt “Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt” beschreibt Jegana Dschabbarowa (ins Deutsche übersetzt von Maria Rajer) die Geschichte ihrer Familie und insbesondere das ihrer Vorfahrinnen und veranschaulicht so die unterdrückenden Strukturen der aserbaidschanischen Community in Russland. In einzelnen Kapiteln, die sich immer einem bestimmten Körperteil widmen (z.B. Hände, Hals...), entsteht so ein bewegendes poetisches Puzzle, das den krankheitsbedingten Ausbruch der Ich-Erzählerin aus den vorgefertigten Lebenslauf-Schablonen zeigt. Mich haben Sprache und Schreibstil sehr berührt, insbesondere die Beschreibung und der Umgang mit der Muskelkrankheit, die mir bis dato unbekannt war. Dieses Buch ist ein Aufschrei für mehr Selbstbestimmung und über die Nöte von Frauen, die zwischen zwei Kulturen hin- und hergerissen sind, das mehr Aufmerksamkeit in der breiten Masse erhalten sollte. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Ist es ein klassischer Roman? Nicht wirklich. Ist es eine autofiktionale Geschichte und bin ich von solchen Erzählungen inzwischen übersättigt? Ja, schon. Ist meine Bewertung rein subjektiv und konzentriert sie sich auf die inhaltliche Wirkung des Textes, nicht auf formale Aspekte ? Absolut. Dieses Buch hat mich vor allem deshalb so getroffen, weil ich unzählige Parallelen zur Generation meiner Mutter und Großeltern entdeckt habe. Es erzählt von Erfahrungen, die mir vertraut vorkamen, auch wenn sie nie so offen ausgesprochen wurden. Wird dieses Buch allen gefallen und kann ich es unvoreingenommen empfehlen? Vermutlich nicht. Aber das ändert nichts an meiner Bewertung: Es hat mich tief bewegt, weil es den Frauen in meiner Familie (und vielleicht auch vielen anderen) eine Stimme gegeben hat.














