Lieber Daddy-Long-Legs
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Description
Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.
Book Information
Author Description
Jean Webster, eigentlich Alice Jane Chandler Webster (1876 - 1916), war eine amerikanische Schriftstellerin und Journalistin und eine Nichte von Mark Twain. Sie studiert Englisch und Ökonomie am Vassar College. Ihr berühmtester Roman ist der Briefroman „Daddy-Long-Legs“. Er wurde mehrfach verfilmt, in viele Sprachen übersetzt, und ist seit 1947 in verschiedenen Ausgaben auch auf Deutsch erschienen.
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Ich liebe Bücher im Briefstil!
In diesem Buch schreibt ein 17 jähriges Mädchen als ehemalige Waise ihrem unbekannten Befreier zahlreiche Briefe über vier Jahre. Dieser Mann spendiert ihr nämlich ein Stipendium und möchte, dass aus ihr mal eine Autorin wird. Wir dürfen Judy auf ihrem Weg begleiten und erleben, auf Grund ihres absolut wundervollen Schreibstils, mit ihr Seite an Seite den steinigen Weg des Erwachsenwerdens in einer ihr bis dato unbekannten Welt. Die Kapitel sind kurz, voller Zeichnungen, Wortwitz, Situationskomik und stimmungsschwankend wie die Laune eines jungen Erwachsenen! Dass das Buch 1912 erstmals veröffentlich wurde ist ihm kaum anzumerken, es scheint damals seiner Zeit schon voraus gewesen zu sein. Leider war das Ende nicht überraschend und zu kurz gehalten, aber vier Jahre glaubhaft in knappe 260 Seiten unterzubringen ist ja auch fast ein Kunstwerk der Literatur!
Ein Briefroman, der stellenweise doch etwas eintönig war
"lieber Daddy Long Legs" ist ein Briefroman, der ganz nett ist, aber auch seine "Fehler" hat. Der Schreibstil, alles nur in Briefen serviert zu bekommen, ist mal was anderes und von daher wirklich gut. Da man aber hier nur die Briefe von Judy aka Jerusha lesen kann, bleibt alles sehr einseitig von der Sichtweise. Das führt auch dazu, dass die Story dann ein wenig eintönig wird, da immer nur das gleiche passiert: Beschreibungen vom College-Leben und den Erlebnissen in den Ferien. Mehr ist da nicht. Die Entwicklung von Judy ist definitiv da, wobei ich Schwierigkeiten mit ihrer Art hatte. Zeitlich würde ich das Buch Anfang 20. Jahrhundert einordnen und da ist ihr flapsiger Schreibstil gegenüber ihrem Gönner doch schon sehr frech und irgendwie nicht authentisch. Und da man eben nur alles aus ihrer Sicht erfährt bleiben alle anderen Figuren eher blass. Das Ende war irgendwie doch sehr vorhersehbar und damit hat es für mich leider auch die Spannung rausgenommen, was ich schade fand. Mein Fazit: Ein kurzweiliges Buch, aber es hätte mit einem anderen Format mehr Potential.

Klappentext: Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton. [Quelle: Königskinder Verlag] Meine Meinung: Schande auf mein Haupt, aber mir war dieser Klassiker vorher kein Begriff. Umso schöner war es dann aber, von Judys Geschichte zu lesen, mitzuverfolgen, welche Chancen sich ihr durch ihren edlen Spender eröffnen und wie glücklich sie ist, endlich etwas für sich und ihre Bildung tun zu können. Judy wächst im Waisenhaus auf und kümmert sich dort im Laufe der Jahre um alle „Neuankömmlinge“, die ihren Weg zum Waisenhaus gehen müssen. Einmal im Jahr kommen Treuhändler vorbei, die das Waisenhaus finanzieren und wollen sehen, wie sich die Kinder dort machen. Und plötzlich geht alles ganz schnell: Judy wird zur Direktorin beordert und ihr wird mitgeteilt, dass sie aufs College gehen kann, da sie einen anonymen Unterstützer auf ihrer Seite hat. Das College!! Dieses Ziel war für sie vorher nicht greifbar. Wie hätte sie es auch zahlen können? Umso größer ist die Freude, als sie von dieser Nachricht erfährt. Das Einzige, was sie als Gegenleistung tun muss, ist einmal monatlich einen Brief an ihren Spender – sie nennt ihn liebevoll Daddy Long Leg – zu schreiben. Doch das ist für Judy gar kein Problem. Ihr Wunsch, Schriftstellerin zu werden und ihre hervorragenden Aufsätze waren nämlich die Gründe, weshalb sie die finanzielle Unterstützung überhaupt bekommen hat. Im Verlauf des Buches begleiten wir Judy also auf dem College, erfahren, wie sie sich dort fühlt, dass sie Freunde findet und einfach aufblüht. Sie ist glücklich. Wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben. Dank des Geldes von Daddy Long Leg kann sie nicht nur das College finanzieren. Sie kann sogar immer mal wieder Kleinigkeiten für sich kaufen, was sie unglaublich glücklich macht. Ursprünglich sollte sie sich jeden Monat meldet. Aber schnell wird dem Leser klar, dass sie so viel erlebt und so viel mitzuteilen hat, dass sie ihrem Treuhändler teilweise einmal die Woche schreibt. Eine Sache ärgert sie allerdings immer wieder: sie erhält nie eine Antwort. Sie schreibt Daddy Long Leg immer wieder lange Briefe, aber erhält (falls eine Frage im Brief war) eigentlich nur von seinem Sekretär kurze Antworten. Sie fühlt sich manchmal so, als würde sie mit sich selbst reden. Deshalb wirkt es im Verlauf des Buches auch immer wieder mal wie ein Tagebuch. Grundsätzlich ist das Buch wirklich schön geschrieben. Wir erfahren alles nur aus Sicht von Judy, was wirklich interessant ist. Außerdem ist das Buch nur in Briefform inklusive kleinerer Zeichnungen geschrieben. Aber so wirkt es noch viel realer und ansprechender. Ich finde es faszinierend, wie sie ihr Leben am College beschreibt. Sie ist mir von der ersten Seite an wirklich sehr sympathisch. Und das Ende hat natürlich auch eine kleine Überraschung für alle Leser parat. Als er näher kam und einen Augenblick direkt auf ihn zuhielt, warfen die grellen Scheinwerfer seinen Umriss scharf an die Innenwand. Der Schatten zeigte grotesk verlängerte Beine und Arme, die über den Fußboden und die Wand hinaufliefen. Er sah ganz und gar wie ein riesiger, schwankender Weberknecht aus – ein „Daddy-Long-Legs“. Fazit: Es handelt sich hierbei um einen wirklich schönen Klassiker, der aufgrund seiner Aufmachung aus Briefen und Skizzen schnell zu lesen ist. Dass die Briefe aus Judys Sicht geschrieben sind, hat mir wirklich gut gefallen. So war der Leser live bei allen Geschehnissen dabei, erfährt es aber trotzdem (wie Daddy Long Legs) durch einen Brief. Ein richtig tolles Buch!
In „Lieber Daddy Longlegs“ von Jean Webster geht es um die Waise Jerusha Abbott, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr im Waisenhaus aufwächst. Das Waisenhaus wird von einer Stiftung getragen, der viele wohlhalbende Männer beiwohnen. Jeder der Unterstützer kann einem Waisenkind eine Ausbildung finanzieren, dass diese Kinder eine gute Bildung erhalten. Mr. Smith unterstützt in der Regel nur Jungs, da er Mädchen nicht mag. Aber irgendwie schafft es Jerusha, genannt Judy, Mr. Smiths Aufmerksamkeit zu erreichen. Und so kommt es, dass Mr. Smith Jerushas Ausbildung finanziert. Die einzige Bedingung, die er stellt, ist, dass Judy ihm jeden Monat einen Brief schreibt, wie das Studium voran geht. Doch Judy soll nicht erwarten, dass Mr. Smith ihr antwortet. Und so studiert Judy fleißig, und schreibt noch fleißiger Mr. Smith Briefe. Da sie ihn nur einmal noch zu Zeiten des Waisenhaus von hinten gesehen hatte, und er sie aufgrund seines schlankes und großen Körperbaus an einen Weberknecht hält, spricht Judy Mr. Smith als einen Weberknecht an (Weberknecht = Daddy Long Legs auf Englisch). Wenn Anweisungen an Judy kommen, werden diese von dem Sekretär des Spenders ausgerichtet. Während Judy erfolgreich ihr Studium beendet, erzählt sie im Laufe der Zeit ihre Ängste und Sorgen, ihre Erfolge und anderen Erlebnisse, die sie erlebt. Sei es Bälle, Inhalte der Studienfächer, Freundschaften, Ferien, usw. Doch Mr. Smith, der diesen Namen nur zur Tarnung trägt, und so nicht heißt, bleibt unsichtbar. Das Buch fand ich im Großen und Ganzen gut. Leider war für mich das Ende etwas arg herbeigerufen, als hätte der Autor nur ein begrenztes Kontigent an Seiten gehabt, die plötzlich aufgebraucht war. Was mir gefallen hat, war dass Judy alles mit ihrem Förderer teilt. Gefühle, sei es die guten wie die schlechten. Sie hat Wünsche und Träume, und sogut es geht, versucht Mr. Smith diese Wünsche Judy zu erfüllen. Judy ist für diese Geschenke sehr dankbar, aber es ist ihr auch peinlich, da Judy sehr sparsam ist, und dankbar ist für das, was sie hat. Sie möchte Mr. Smith nicht mehr als nötig zur Last fallen, da sie auch die Schulden abzahlen möchte. Lieber Daddy-Long-Legs hat etwas von Tagebuchcharakter, da Mr. Daddy Long-Legs im Verborgenen bleibt, und höchstens zur Ferienplanung oder durch Geschenke mit Judy Kontakt aufnimmt. Ein schöner Klassiker, der mit seinem Alter – das Buch ist aus dem Jahre 1912 – nicht hausieren geht. Die Sprache wirkt nicht altbacken, und dennoch ist durch verschiedene Handlungen zu erkennen, dass das Buch Anfang des letzten Jahrhunderts spielt. Definitiv ein Buch, was man gelesen haben sollte, allein wegen der Aufmachung. Das Buch hat ein sehr buntes, aber wundervoll passendes Cover, und selbst im Innenteil sind Seiten gefüllt mit Rosenblüten, oder Zeichnungen der Autorin.
Ich muss gestehen, erst nachdem Lesen ist mir aufgefallen, dass die Geschichte schon 1912 das erste Mal veröffentlicht wurde. Ich dachte den ganzen Roman über, die Autorin hätte sich beim Schreiben in eine andere Zeit versetzt, dabei hat sie diese miterlebt. Was die Geschichte rückwirkend noch mal interessanter macht. Es gibt auch einige Verfilmung des Romans, welche aber alle schon älter sind. Das Cover ist richtig schön, finde ich. Der Mann mit Zylinder passt zu Geschichte und vermittelt gleich den Eindruck, dass die Geschichte nicht in der heutigen Zeit spielt. Außerdem ist auch der Einband, wenn man den Schutzumschlag abnimmt, sehr schön gestaltet. Judy Abbott lebt in einem Waisenhaus, doch mit ihren bald 18 Jahren ist dort kein Platz mehr für sie. Durch einen humorvollen und auch leicht frechen Aufsatz erweckt sie das Interesse eines reichen Gönners. Diese schickt sie auf die Universität, damit eine Schriftstellerin aus ihr wird, möchte aber lieber anonym bleiben und doch stellt er eine Bedienung. Judy soll ihm jeden Monat einen Brief schreiben, über ihr Leben dort und ihre Fortschritte im Studium. Der Leser erlebt mit, wie Judy an der Universität auf blüht. Sich immer weiter entwickelt und langsam das Waisenhaus hinter sich lässt. Sie schreibt zumeist voller Leidenschaft von ihrem Alltag und auch hin und wieder von ihren Studien an Daddy-Long-Legs. Diesen Namen hat sie sich ausgedacht, nachdem sie nur ein Mal kurz seine Silhouette gesehen hat. Bis auf den Anfang ist das Buch in Briefform aufgebaut. Da Daddy-Long-Legs Judy nie antwortet, lesen wir immer nur die Dinge aus ihrer Sicht. Und wissen somit lange nicht, wer sich hinter diesem Wohltäter verbirgt. Wobei man da recht schnell einen Verdacht hat. Die Geschichte ist nicht besonders spannend. Es geht eher um die leisen Töne. Wie Judy immer mehr eine Beziehung zu einem Mann aufbaut, den sie eigentlich gar nicht kennt und ihm ganze 4 Jahre Briefe schreibt. Darüber, wie sie ihren Weg geht und ein neues Leben entdeckt. Für mich kam die damalige Zeit sehr gut zum Ausdruck, auch wenn diese nie ausdrücklich erwähnt wurde. Und ich fand es sehr interessant, diese knapp 100 Jahre zurückzureisen. Trotzdem hat mir etwas bei der Geschichte gefehlt. Die Geschichte plätscherte so ein bisschen dahin und irgendwie passiert nicht viel. Klar Judy reift und lernt ihren Weg zu gehen und auch die Welt lernt sie kennen. Aber oft dachte ich beim Lesen, da müsste noch was kommen. Vielleicht ist so ein ruhiges Buch auch nichts für mich und ich brauche ein gewisses Drama. Fazit: Ein sehr ruhiger Roman. Die Geschichte ist genauso zart, wie die Blumen auf dem wunderschönen Cover. Eine leise und unaufdringliche Geschichte über ein Waisenmädchen, erzählt in Briefform. Für mich manchmal zu ruhig.
Eine moderne Coming of Age Geschichte passend zum letzten Jahrhundert!
Wann habt ihr zuletzt ein Buch gelesen, das vor mehr als 100 Jahren erstmals erschienen ist? Vermutlich denken da die meisten an Schullektüren. Aber auch dieses so hübsch neu übersetzte und herausgegebene Buch aus meinem so geliebten @koenigskinderverlag ist bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erstmalig gedruckt worden. Protagonistin Jerusha, die sich selbst bald lieber Judy nennen lässt, ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und nun eigentlich schon zu alt dafür. Einer der Sponsoren des Waisenhauses bietet ihr die Chance, zu studieren und Schriftstellerin zu werden, da ihre Lehrer*innen von ihrem Schreibtalent sehr begeistert waren. Er erwartet als Gegenleistung nur, dass Judy ihm regelmäßig Briefe über ihre Fortschritte schreibt - auf die er nicht antworten wird. Jegliche Kommunikation läuft über seinen Sekretär, so dass Judy nicht einmal seinen echten Namen kennt und ihn aufgrund eines flüchtigen Blicks auf seinen Schatten beim Verlassen des Waisenhauses, der sie an einen Weberknecht (engl. daddy longlegs) erinnert hat, Daddy Long-Legs nennt. Judy blüht in der Zeit an der Universität auf, findet Freundinnen, liebt das Lernen und lernt das Leben kennen, das die meisten anderen Mädchen führen. Die Briefe sind natürlich recht einseitig, da wirklich nie eine Antwort kommt und auch keine sonstigen Szenen enthalten sind, nur das, was Judy in ihren Briefen erzählt. Doch mit ihr zusammen die neue Freiheit und das echte Leben zu erobern, ist eine Geschichte fürs Herz! Ihre Euphorie und ihr Enthusiasmus sprüht durch die Seiten. Ihre Dankbarkeit, aber auch das Unverständnis als sie eine Ferieneinladung einer Freundin ablehnen soll, ihre Einsamkeit und die Offenheit gegenüber dem Unbekannten, schlicht mangels Alternativen. Dazwischen immer wieder einige putzige Skizzen, die Franz Renger super illustriert hat. Die neue Übersetzung stammt aus der Tastatur von Ingo Herzke, dem diese wieder hervorragend gelungen ist. Schreibt ihr noch Briefe?

Jerusha Abbott ist im Waisenhaus John-Grier-Heim aufgewachsen. Sie lebt mit wenig, und gibt immer alles. Sie sucht nach einem Ausweg, und dann erscheint er plötzlich aus dem Nichts, ein Wohltäter auf. Er will Jerusha fördern und ihr das Collage spendieren, er hat jedoch zwei Bedingungen: Er will unbekannt bleiben und monatlich einen Brief über ihren Fortschritt erhalten. Und so beginnt der großartige Briefroman von Jean Webster. Jerusha, oder Judy wie sie sich lieber selbst nennt, ist eine ganz besondere Protagonistin. Durch ihr Leben im John-Grier-Heim hat sie viele der "normalen" Dinge nicht erlebt. Sie hat die Schule besucht, dort war sie sehr geschickt, und hat danach im John-Grier-Heim gearbeitet, ohne Aussicht auf eine echte Zukunft. Und sie wirkt dennoch in sich zufrieden, und durch Daddy-Long-Legs erhält sie eine Chance, mit der sie nie gerechnet hat. Deshalb ist sie auch zunächst zurückhaltend und vorsichtig. Diesen Wesenszug fand ich an Judy besonders wundervoll, dass sie immer mit Vorsicht lebt, und weiß, dass das Leben auch nimmt, statt nur zu geben. Und genau deshalb hat mich Jean Webster mit dem Aufblühen von Judy total gefangen genommen. Sie erlebt endlich all die Dinge, die ihr bisher nicht zugestanden haben, und geht darin total auf. Entscheidend für diesen Schritt und diese Entwicklung ist Daddy-Long-Legs, der geheimnisvolle Mann der nie antwortet, und den wir trotzdem Stück für Stück kennenlernen und mögen. Natürlich sehen wir ihn immer nur durch die Augen von Judy, dennoch gewinnt er auch für den Leser an Sympathie. Für mich war nach ungefähr zwei Drittel des Buches deutlich, wer hinter Daddy-Long-Legs steckt, und auch wen Judy wirklich lange brauch, war der Weg dorthin, trotz meiner Vermutung amüsant und aufregend. Ich glaube an dieser Stelle auch nicht, dass Judy dadurch"unrealistisch" wirkt, weil sie nicht sofort alles zusammen zählen kann, denn trotz ihrer Freude am Lernen scheint es, als fehle ihr eine gewissen Lebenserfahrung um diesen Schluss ziehen zu können. "Vielleicht sollten zwei Menschen, wenn sie perfekt harmonieren, wenn sie zusammen immer glücklich und getrennt immer einsam sind, nichts auf der Welt zwischen sich kommen lassen" (Seite 246) Aufgelockert wird der Briefroman durch interessante und einfache Zeichnungen, die Judy in ihre Briefe einbindet. Auch fand ich den Spannungsbogen gelungen, man bangt mit Judy einfach mit, ob man will oder nicht. Die neue Übersetzung aus dem Königskinderverlag ist gelungen, und ich bin froh, dass ich so Zugang zu diesem Klassiker bekommen habe. Und ich kann auch schon verraten, dass im kommenden Jahr der zweite Teil von Jean Webster erscheinen wird. Fazit: Ein Klassiker der viel zu wenig gelesen wird, doch dank dem Königskinderverlag erhält auch eine neue Generation Zugang zu diesem wirklich gelungen Roman. Der Briefroman von Jean Webster erzählt zum einem von einer jungen Frau die endlich eine Chance erhält, sondern auch von Liebe, auf ganz einfache und wunderschöne Art.
Jerusha Abbott ist im Waisenhaus John-Grier-Heim aufgewachsen. Sie lebt mit wenig, und gibt immer alles. Sie sucht nach einem Ausweg, und dann erscheint er plötzlich aus dem Nichts, ein Wohltäter auf. Er will Jerusha fördern und ihr das Collage spendieren, er hat jedoch zwei Bedingungen: Er will unbekannt bleiben und monatlich einen Brief über ihren Fortschritt erhalten. Und so beginnt der großartige Briefroman von Jean Webster. Jerusha, oder Judy wie sie sich lieber selbst nennt, ist eine ganz besondere Protagonistin. Durch ihr Leben im John-Grier-Heim hat sie viele der "normalen" Dinge nicht erlebt. Sie hat die Schule besucht, dort war sie sehr geschickt, und hat danach im John-Grier-Heim gearbeitet, ohne Aussicht auf eine echte Zukunft. Und sie wirkt dennoch in sich zufrieden, und durch Daddy-Long-Legs erhält sie eine Chance, mit der sie nie gerechnet hat. Deshalb ist sie auch zunächst zurückhaltend und vorsichtig. Diesen Wesenszug fand ich an Judy besonders wundervoll, dass sie immer mit Vorsicht lebt, und weiß, dass das Leben auch nimmt, statt nur zu geben. Und genau deshalb hat mich Jean Webster mit dem Aufblühen von Judy total gefangen genommen. Sie erlebt endlich all die Dinge, die ihr bisher nicht zugestanden haben, und geht darin total auf. Entscheidend für diesen Schritt und diese Entwicklung ist Daddy-Long-Legs, der geheimnisvolle Mann der nie antwortet, und den wir trotzdem Stück für Stück kennenlernen und mögen. Natürlich sehen wir ihn immer nur durch die Augen von Judy, dennoch gewinnt er auch für den Leser an Sympathie. Für mich war nach ungefähr zwei Drittel des Buches deutlich, wer hinter Daddy-Long-Legs steckt, und auch wen Judy wirklich lange brauch, war der Weg dorthin, trotz meiner Vermutung amüsant und aufregend. Ich glaube an dieser Stelle auch nicht, dass Judy dadurch"unrealistisch" wirkt, weil sie nicht sofort alles zusammen zählen kann, denn trotz ihrer Freude am Lernen scheint es, als fehle ihr eine gewissen Lebenserfahrung um diesen Schluss ziehen zu können. "Vielleicht sollten zwei Menschen, wenn sie perfekt harmonieren, wenn sie zusammen immer glücklich und getrennt immer einsam sind, nichts auf der Welt zwischen sich kommen lassen" (Seite 246) Aufgelockert wird der Briefroman durch interessante und einfache Zeichnungen, die Judy in ihre Briefe einbindet. Auch fand ich den Spannungsbogen gelungen, man bangt mit Judy einfach mit, ob man will oder nicht. Die neue Übersetzung aus dem Königskinderverlag ist gelungen, und ich bin froh, dass ich so Zugang zu diesem Klassiker bekommen habe. Und ich kann auch schon verraten, dass im kommenden Jahr der zweite Teil von Jean Webster erscheinen wird. Fazit: Ein Klassiker der viel zu wenig gelesen wird, doch dank dem Königskinderverlag erhält auch eine neue Generation Zugang zu diesem wirklich gelungen Roman. Der Briefroman von Jean Webster erzählt zum einem von einer jungen Frau die endlich eine Chance erhält, sondern auch von Liebe, auf ganz einfache und wunderschöne Art.
Jerusha Abbot, 18 Jahre jung, Bewohnerin eines Waisenhauses, kann ihr Glück kaum fassen, als ein geheimnisvoller Mann namens Mr John Smith sich dazu entschließt, ihr Treuhänder zu werden und sie zum Studieren aufs College schickt. Die einzige Gegenleistung die der mysteriöse Mr Smith erwartet ist es, ihm monatlich Briefe zu schreiben und ihn über ihre Fortschritte auf dem Laufenden zu halten. Was uns in diesem Buch also erwartet? Jede Menge von Jerusha „Judy“ Abbot handgeschriebene Briefe an den geheimnisvollen Mr John Smith, den sie liebevoll Daddy-Long-Legs nennt. Die liebe Judy hat mit ihrem wunderbar ehrlichem Geschreibsel mein Herz im Sturm erobert. Sie ist so erfrischend ehrlich und herrlich amüsant, dass es fast schon unmöglich ist, sie nicht zu mögen. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, schafft es dennoch in ihren Briefen unheimlich charmant zu sein und den lieben Mr Smith um den Finger zu wickeln. Was mir an ihr jedoch am besten gefallen hat ist die Tatsache, dass sie dem lieben Mr Smith so richtig die Stirn bietet. Sie lässt sich ungerne den Mund verbieten, geschweige denn irgendetwas vorschreiben und obgleich Mr Smith derjenige ist, der ihr das Studium finanziert und ihr monatlich Taschengeld zukommen lässt für Verpflegung, Bücher, Hüte und Kleider, hält sie dies nicht davon ab, ihm auch schon einmal zu sagen, wie grässlich und herrisch er doch ist. Aufgrund ihrer Briefe hatte man während des Lesens die Gelegenheit, Judy richtig gut kennenzulernen. Sie berichtet über die Möglichkeiten, die sich ihr auf dem College bieten, erzählt von ihren gemachten Erfahrungen, von ihren Erlebnissen und lässt dabei das Studium meist gänzlich unbeachtet, obwohl es ja eigentlich genau das ist, worüber sie berichten soll. Hier und da fällt mal ein Wort über etwas, was sie am Tag zuvor in den Vorlesungen und Seminaren gelernt hat, doch im Grunde benutzt sie die Briefe an den unbekannten Mr Smith, der nie antwortet und wenn dann höchstens über seinen Sekretär, als Tagebuch. Sie erzählt dem lieben Mr Smith von den großartigen Büchern, die sie gelesen hat, schimpft über ihre hochnäsigen Mitstudentinnen, schwärmt von der Freiheit, die sie dank ihm erfahren darf und lässt sich über verhasste Hausarbeiten und schwierige Prüfungen aus. Obwohl es „nur“ Briefe sind, die man liest, fühlt man mit Judy mit, als wäre man selbst der Empfänger der Briefe. Man schwärmt, man lacht, man hofft, man weint, man ist enttäuscht – man fühlt während des Lesens mit ihr mit, als wäre man selbst dabei; als würde man Judy kennen aus einer lang vergangenen Zeit. Das schönste an diesem Buch ist jedoch seine Botschaft. Freiheit. Lebe dein Leben, so wie du es möchtest. Finde etwas, was dir Spaß macht und lebe danach. Kämpfe dafür, es zu erreichen und mache dich nicht abhängig von irgendwelchen Dingen oder Leuten. Jean Webster war 1912, als ihr Briefroman veröffentlicht wurde, ihrer Zeit schon sehr voraus, allerdings bin ich mir sicher, dass sie damals mit ihrer Geschichte vielen Frauen die Augen geöffnet und ihnen womöglich sogar zu einem besseres, aufregenderen und glücklicheren Leben verholfen hat. Dieser Roman bestärkt Frauen das zu tun, was sie möchten; ihr Leben so zu leben, wie sie es sich schon immer erhofft haben. Das Ende war etwas vorhersehbar muss ich gestehen, dennoch hat es dem Buch nicht das Gefühl und die Faszination genommen. Es war eine wundervolle Reise durch das junge Leben der Judy Abbot auf der Suche nach sich selbst und ich bin unglaublich dankbar, dass ich auf dieses Goldstück aufmerksam wurde. Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Lieber Daddy-Long-Legs ist eine zeitlose Geschichte über das Glücklichsein, über Selbstfindung und Freiheit. Gepaart mit dem locker leichten Erzählstil und der unglaublich charmanten und humorvollen Protagonistin ist dieses Buch ein absoluter Genuss.
Einen Briefroman zu verfassen, ist kein leichtes Unterfangen. Nur wenigen Autoren gelingt es ihre Charaktere auch auf diese Art und Weise lebendig werden zu lassen und deren Emotionen zu transportieren. Aufgrund der Tatsache, dass spannungsgeladene Handlungen und direkte Dialoge keinen Einbezug finden, muss der Autor ein unglaubliches Sprachgefühl mitbringen, um den Leser mit Witz, Wortgewandheit und einer Menge Gefühl für die Handlung zu begeistern. Ich persönlich hätte es kaum für möglich gehalten, dass ein Roman, der vor über einhundert Jahren verfasst wurde, diese Elemente in sich vereint. Jean Webster ist es gelungen, eine Protagonistin zu erschaffen, die ich von der ersten Seite an in mein Herz geschlossen habe. Ihre humorvollen und zugleich geistreichen Briefe konnten mir regelmäßig ein wohliges Lächeln ins Gesicht zaubern. Es ist erstaunlich, dass eine Geschichte, die im Großen und Ganzen betrachtet nur von einem einzigen Charakter handelt derart lebendig sein kann. Ich hatte das Gefühl, Judy zu kennen und würde eine Menge dafür geben, eine Freundin wie sie zu haben. Obwohl Judy im Zuge ihrer Briefe beinahe ausschließlich von ihrem Leben als Studentin berichtet, wurde mir zu keinem Zeitpunkt langweilig. Ich habe jede einzelne Seite dieses Buches genossen, vor allem den Brief, in dem sie ihre Französischkenntnisse zum Besten gibt. Ich bin aus dem Schmunzeln nicht mehr herausgekommen. Die Frage nach der Identität von Daddy-Long-Legs bildet einen weiteren Nervenkitzel der Geschichte. Ich selbst hatte ca. ab der Hälfte des Buches eine Vermutung, ob diese sich letztendlich bestätigte oder nicht, das müsst Ihr selbst erfahren, indem ihr dieses wunderbare Buch lest. Für einen Klassiker herrlich erfrischend, geistreich und eine absolute Leseempfehlung. PS.: "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer erlaubt es mir an dieser Stelle dennoch nicht, volle 5 Sterne zu vergeben. Dieses Buch bleibt ungeschlagen an der Spitze der wunderschönsten Briefromane dieser Erde.
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Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.
Book Information
Author Description
Jean Webster, eigentlich Alice Jane Chandler Webster (1876 - 1916), war eine amerikanische Schriftstellerin und Journalistin und eine Nichte von Mark Twain. Sie studiert Englisch und Ökonomie am Vassar College. Ihr berühmtester Roman ist der Briefroman „Daddy-Long-Legs“. Er wurde mehrfach verfilmt, in viele Sprachen übersetzt, und ist seit 1947 in verschiedenen Ausgaben auch auf Deutsch erschienen.
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Ich liebe Bücher im Briefstil!
In diesem Buch schreibt ein 17 jähriges Mädchen als ehemalige Waise ihrem unbekannten Befreier zahlreiche Briefe über vier Jahre. Dieser Mann spendiert ihr nämlich ein Stipendium und möchte, dass aus ihr mal eine Autorin wird. Wir dürfen Judy auf ihrem Weg begleiten und erleben, auf Grund ihres absolut wundervollen Schreibstils, mit ihr Seite an Seite den steinigen Weg des Erwachsenwerdens in einer ihr bis dato unbekannten Welt. Die Kapitel sind kurz, voller Zeichnungen, Wortwitz, Situationskomik und stimmungsschwankend wie die Laune eines jungen Erwachsenen! Dass das Buch 1912 erstmals veröffentlich wurde ist ihm kaum anzumerken, es scheint damals seiner Zeit schon voraus gewesen zu sein. Leider war das Ende nicht überraschend und zu kurz gehalten, aber vier Jahre glaubhaft in knappe 260 Seiten unterzubringen ist ja auch fast ein Kunstwerk der Literatur!
Ein Briefroman, der stellenweise doch etwas eintönig war
"lieber Daddy Long Legs" ist ein Briefroman, der ganz nett ist, aber auch seine "Fehler" hat. Der Schreibstil, alles nur in Briefen serviert zu bekommen, ist mal was anderes und von daher wirklich gut. Da man aber hier nur die Briefe von Judy aka Jerusha lesen kann, bleibt alles sehr einseitig von der Sichtweise. Das führt auch dazu, dass die Story dann ein wenig eintönig wird, da immer nur das gleiche passiert: Beschreibungen vom College-Leben und den Erlebnissen in den Ferien. Mehr ist da nicht. Die Entwicklung von Judy ist definitiv da, wobei ich Schwierigkeiten mit ihrer Art hatte. Zeitlich würde ich das Buch Anfang 20. Jahrhundert einordnen und da ist ihr flapsiger Schreibstil gegenüber ihrem Gönner doch schon sehr frech und irgendwie nicht authentisch. Und da man eben nur alles aus ihrer Sicht erfährt bleiben alle anderen Figuren eher blass. Das Ende war irgendwie doch sehr vorhersehbar und damit hat es für mich leider auch die Spannung rausgenommen, was ich schade fand. Mein Fazit: Ein kurzweiliges Buch, aber es hätte mit einem anderen Format mehr Potential.

Klappentext: Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton. [Quelle: Königskinder Verlag] Meine Meinung: Schande auf mein Haupt, aber mir war dieser Klassiker vorher kein Begriff. Umso schöner war es dann aber, von Judys Geschichte zu lesen, mitzuverfolgen, welche Chancen sich ihr durch ihren edlen Spender eröffnen und wie glücklich sie ist, endlich etwas für sich und ihre Bildung tun zu können. Judy wächst im Waisenhaus auf und kümmert sich dort im Laufe der Jahre um alle „Neuankömmlinge“, die ihren Weg zum Waisenhaus gehen müssen. Einmal im Jahr kommen Treuhändler vorbei, die das Waisenhaus finanzieren und wollen sehen, wie sich die Kinder dort machen. Und plötzlich geht alles ganz schnell: Judy wird zur Direktorin beordert und ihr wird mitgeteilt, dass sie aufs College gehen kann, da sie einen anonymen Unterstützer auf ihrer Seite hat. Das College!! Dieses Ziel war für sie vorher nicht greifbar. Wie hätte sie es auch zahlen können? Umso größer ist die Freude, als sie von dieser Nachricht erfährt. Das Einzige, was sie als Gegenleistung tun muss, ist einmal monatlich einen Brief an ihren Spender – sie nennt ihn liebevoll Daddy Long Leg – zu schreiben. Doch das ist für Judy gar kein Problem. Ihr Wunsch, Schriftstellerin zu werden und ihre hervorragenden Aufsätze waren nämlich die Gründe, weshalb sie die finanzielle Unterstützung überhaupt bekommen hat. Im Verlauf des Buches begleiten wir Judy also auf dem College, erfahren, wie sie sich dort fühlt, dass sie Freunde findet und einfach aufblüht. Sie ist glücklich. Wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben. Dank des Geldes von Daddy Long Leg kann sie nicht nur das College finanzieren. Sie kann sogar immer mal wieder Kleinigkeiten für sich kaufen, was sie unglaublich glücklich macht. Ursprünglich sollte sie sich jeden Monat meldet. Aber schnell wird dem Leser klar, dass sie so viel erlebt und so viel mitzuteilen hat, dass sie ihrem Treuhändler teilweise einmal die Woche schreibt. Eine Sache ärgert sie allerdings immer wieder: sie erhält nie eine Antwort. Sie schreibt Daddy Long Leg immer wieder lange Briefe, aber erhält (falls eine Frage im Brief war) eigentlich nur von seinem Sekretär kurze Antworten. Sie fühlt sich manchmal so, als würde sie mit sich selbst reden. Deshalb wirkt es im Verlauf des Buches auch immer wieder mal wie ein Tagebuch. Grundsätzlich ist das Buch wirklich schön geschrieben. Wir erfahren alles nur aus Sicht von Judy, was wirklich interessant ist. Außerdem ist das Buch nur in Briefform inklusive kleinerer Zeichnungen geschrieben. Aber so wirkt es noch viel realer und ansprechender. Ich finde es faszinierend, wie sie ihr Leben am College beschreibt. Sie ist mir von der ersten Seite an wirklich sehr sympathisch. Und das Ende hat natürlich auch eine kleine Überraschung für alle Leser parat. Als er näher kam und einen Augenblick direkt auf ihn zuhielt, warfen die grellen Scheinwerfer seinen Umriss scharf an die Innenwand. Der Schatten zeigte grotesk verlängerte Beine und Arme, die über den Fußboden und die Wand hinaufliefen. Er sah ganz und gar wie ein riesiger, schwankender Weberknecht aus – ein „Daddy-Long-Legs“. Fazit: Es handelt sich hierbei um einen wirklich schönen Klassiker, der aufgrund seiner Aufmachung aus Briefen und Skizzen schnell zu lesen ist. Dass die Briefe aus Judys Sicht geschrieben sind, hat mir wirklich gut gefallen. So war der Leser live bei allen Geschehnissen dabei, erfährt es aber trotzdem (wie Daddy Long Legs) durch einen Brief. Ein richtig tolles Buch!
In „Lieber Daddy Longlegs“ von Jean Webster geht es um die Waise Jerusha Abbott, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr im Waisenhaus aufwächst. Das Waisenhaus wird von einer Stiftung getragen, der viele wohlhalbende Männer beiwohnen. Jeder der Unterstützer kann einem Waisenkind eine Ausbildung finanzieren, dass diese Kinder eine gute Bildung erhalten. Mr. Smith unterstützt in der Regel nur Jungs, da er Mädchen nicht mag. Aber irgendwie schafft es Jerusha, genannt Judy, Mr. Smiths Aufmerksamkeit zu erreichen. Und so kommt es, dass Mr. Smith Jerushas Ausbildung finanziert. Die einzige Bedingung, die er stellt, ist, dass Judy ihm jeden Monat einen Brief schreibt, wie das Studium voran geht. Doch Judy soll nicht erwarten, dass Mr. Smith ihr antwortet. Und so studiert Judy fleißig, und schreibt noch fleißiger Mr. Smith Briefe. Da sie ihn nur einmal noch zu Zeiten des Waisenhaus von hinten gesehen hatte, und er sie aufgrund seines schlankes und großen Körperbaus an einen Weberknecht hält, spricht Judy Mr. Smith als einen Weberknecht an (Weberknecht = Daddy Long Legs auf Englisch). Wenn Anweisungen an Judy kommen, werden diese von dem Sekretär des Spenders ausgerichtet. Während Judy erfolgreich ihr Studium beendet, erzählt sie im Laufe der Zeit ihre Ängste und Sorgen, ihre Erfolge und anderen Erlebnisse, die sie erlebt. Sei es Bälle, Inhalte der Studienfächer, Freundschaften, Ferien, usw. Doch Mr. Smith, der diesen Namen nur zur Tarnung trägt, und so nicht heißt, bleibt unsichtbar. Das Buch fand ich im Großen und Ganzen gut. Leider war für mich das Ende etwas arg herbeigerufen, als hätte der Autor nur ein begrenztes Kontigent an Seiten gehabt, die plötzlich aufgebraucht war. Was mir gefallen hat, war dass Judy alles mit ihrem Förderer teilt. Gefühle, sei es die guten wie die schlechten. Sie hat Wünsche und Träume, und sogut es geht, versucht Mr. Smith diese Wünsche Judy zu erfüllen. Judy ist für diese Geschenke sehr dankbar, aber es ist ihr auch peinlich, da Judy sehr sparsam ist, und dankbar ist für das, was sie hat. Sie möchte Mr. Smith nicht mehr als nötig zur Last fallen, da sie auch die Schulden abzahlen möchte. Lieber Daddy-Long-Legs hat etwas von Tagebuchcharakter, da Mr. Daddy Long-Legs im Verborgenen bleibt, und höchstens zur Ferienplanung oder durch Geschenke mit Judy Kontakt aufnimmt. Ein schöner Klassiker, der mit seinem Alter – das Buch ist aus dem Jahre 1912 – nicht hausieren geht. Die Sprache wirkt nicht altbacken, und dennoch ist durch verschiedene Handlungen zu erkennen, dass das Buch Anfang des letzten Jahrhunderts spielt. Definitiv ein Buch, was man gelesen haben sollte, allein wegen der Aufmachung. Das Buch hat ein sehr buntes, aber wundervoll passendes Cover, und selbst im Innenteil sind Seiten gefüllt mit Rosenblüten, oder Zeichnungen der Autorin.
Ich muss gestehen, erst nachdem Lesen ist mir aufgefallen, dass die Geschichte schon 1912 das erste Mal veröffentlicht wurde. Ich dachte den ganzen Roman über, die Autorin hätte sich beim Schreiben in eine andere Zeit versetzt, dabei hat sie diese miterlebt. Was die Geschichte rückwirkend noch mal interessanter macht. Es gibt auch einige Verfilmung des Romans, welche aber alle schon älter sind. Das Cover ist richtig schön, finde ich. Der Mann mit Zylinder passt zu Geschichte und vermittelt gleich den Eindruck, dass die Geschichte nicht in der heutigen Zeit spielt. Außerdem ist auch der Einband, wenn man den Schutzumschlag abnimmt, sehr schön gestaltet. Judy Abbott lebt in einem Waisenhaus, doch mit ihren bald 18 Jahren ist dort kein Platz mehr für sie. Durch einen humorvollen und auch leicht frechen Aufsatz erweckt sie das Interesse eines reichen Gönners. Diese schickt sie auf die Universität, damit eine Schriftstellerin aus ihr wird, möchte aber lieber anonym bleiben und doch stellt er eine Bedienung. Judy soll ihm jeden Monat einen Brief schreiben, über ihr Leben dort und ihre Fortschritte im Studium. Der Leser erlebt mit, wie Judy an der Universität auf blüht. Sich immer weiter entwickelt und langsam das Waisenhaus hinter sich lässt. Sie schreibt zumeist voller Leidenschaft von ihrem Alltag und auch hin und wieder von ihren Studien an Daddy-Long-Legs. Diesen Namen hat sie sich ausgedacht, nachdem sie nur ein Mal kurz seine Silhouette gesehen hat. Bis auf den Anfang ist das Buch in Briefform aufgebaut. Da Daddy-Long-Legs Judy nie antwortet, lesen wir immer nur die Dinge aus ihrer Sicht. Und wissen somit lange nicht, wer sich hinter diesem Wohltäter verbirgt. Wobei man da recht schnell einen Verdacht hat. Die Geschichte ist nicht besonders spannend. Es geht eher um die leisen Töne. Wie Judy immer mehr eine Beziehung zu einem Mann aufbaut, den sie eigentlich gar nicht kennt und ihm ganze 4 Jahre Briefe schreibt. Darüber, wie sie ihren Weg geht und ein neues Leben entdeckt. Für mich kam die damalige Zeit sehr gut zum Ausdruck, auch wenn diese nie ausdrücklich erwähnt wurde. Und ich fand es sehr interessant, diese knapp 100 Jahre zurückzureisen. Trotzdem hat mir etwas bei der Geschichte gefehlt. Die Geschichte plätscherte so ein bisschen dahin und irgendwie passiert nicht viel. Klar Judy reift und lernt ihren Weg zu gehen und auch die Welt lernt sie kennen. Aber oft dachte ich beim Lesen, da müsste noch was kommen. Vielleicht ist so ein ruhiges Buch auch nichts für mich und ich brauche ein gewisses Drama. Fazit: Ein sehr ruhiger Roman. Die Geschichte ist genauso zart, wie die Blumen auf dem wunderschönen Cover. Eine leise und unaufdringliche Geschichte über ein Waisenmädchen, erzählt in Briefform. Für mich manchmal zu ruhig.
Eine moderne Coming of Age Geschichte passend zum letzten Jahrhundert!
Wann habt ihr zuletzt ein Buch gelesen, das vor mehr als 100 Jahren erstmals erschienen ist? Vermutlich denken da die meisten an Schullektüren. Aber auch dieses so hübsch neu übersetzte und herausgegebene Buch aus meinem so geliebten @koenigskinderverlag ist bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erstmalig gedruckt worden. Protagonistin Jerusha, die sich selbst bald lieber Judy nennen lässt, ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und nun eigentlich schon zu alt dafür. Einer der Sponsoren des Waisenhauses bietet ihr die Chance, zu studieren und Schriftstellerin zu werden, da ihre Lehrer*innen von ihrem Schreibtalent sehr begeistert waren. Er erwartet als Gegenleistung nur, dass Judy ihm regelmäßig Briefe über ihre Fortschritte schreibt - auf die er nicht antworten wird. Jegliche Kommunikation läuft über seinen Sekretär, so dass Judy nicht einmal seinen echten Namen kennt und ihn aufgrund eines flüchtigen Blicks auf seinen Schatten beim Verlassen des Waisenhauses, der sie an einen Weberknecht (engl. daddy longlegs) erinnert hat, Daddy Long-Legs nennt. Judy blüht in der Zeit an der Universität auf, findet Freundinnen, liebt das Lernen und lernt das Leben kennen, das die meisten anderen Mädchen führen. Die Briefe sind natürlich recht einseitig, da wirklich nie eine Antwort kommt und auch keine sonstigen Szenen enthalten sind, nur das, was Judy in ihren Briefen erzählt. Doch mit ihr zusammen die neue Freiheit und das echte Leben zu erobern, ist eine Geschichte fürs Herz! Ihre Euphorie und ihr Enthusiasmus sprüht durch die Seiten. Ihre Dankbarkeit, aber auch das Unverständnis als sie eine Ferieneinladung einer Freundin ablehnen soll, ihre Einsamkeit und die Offenheit gegenüber dem Unbekannten, schlicht mangels Alternativen. Dazwischen immer wieder einige putzige Skizzen, die Franz Renger super illustriert hat. Die neue Übersetzung stammt aus der Tastatur von Ingo Herzke, dem diese wieder hervorragend gelungen ist. Schreibt ihr noch Briefe?

Jerusha Abbott ist im Waisenhaus John-Grier-Heim aufgewachsen. Sie lebt mit wenig, und gibt immer alles. Sie sucht nach einem Ausweg, und dann erscheint er plötzlich aus dem Nichts, ein Wohltäter auf. Er will Jerusha fördern und ihr das Collage spendieren, er hat jedoch zwei Bedingungen: Er will unbekannt bleiben und monatlich einen Brief über ihren Fortschritt erhalten. Und so beginnt der großartige Briefroman von Jean Webster. Jerusha, oder Judy wie sie sich lieber selbst nennt, ist eine ganz besondere Protagonistin. Durch ihr Leben im John-Grier-Heim hat sie viele der "normalen" Dinge nicht erlebt. Sie hat die Schule besucht, dort war sie sehr geschickt, und hat danach im John-Grier-Heim gearbeitet, ohne Aussicht auf eine echte Zukunft. Und sie wirkt dennoch in sich zufrieden, und durch Daddy-Long-Legs erhält sie eine Chance, mit der sie nie gerechnet hat. Deshalb ist sie auch zunächst zurückhaltend und vorsichtig. Diesen Wesenszug fand ich an Judy besonders wundervoll, dass sie immer mit Vorsicht lebt, und weiß, dass das Leben auch nimmt, statt nur zu geben. Und genau deshalb hat mich Jean Webster mit dem Aufblühen von Judy total gefangen genommen. Sie erlebt endlich all die Dinge, die ihr bisher nicht zugestanden haben, und geht darin total auf. Entscheidend für diesen Schritt und diese Entwicklung ist Daddy-Long-Legs, der geheimnisvolle Mann der nie antwortet, und den wir trotzdem Stück für Stück kennenlernen und mögen. Natürlich sehen wir ihn immer nur durch die Augen von Judy, dennoch gewinnt er auch für den Leser an Sympathie. Für mich war nach ungefähr zwei Drittel des Buches deutlich, wer hinter Daddy-Long-Legs steckt, und auch wen Judy wirklich lange brauch, war der Weg dorthin, trotz meiner Vermutung amüsant und aufregend. Ich glaube an dieser Stelle auch nicht, dass Judy dadurch"unrealistisch" wirkt, weil sie nicht sofort alles zusammen zählen kann, denn trotz ihrer Freude am Lernen scheint es, als fehle ihr eine gewissen Lebenserfahrung um diesen Schluss ziehen zu können. "Vielleicht sollten zwei Menschen, wenn sie perfekt harmonieren, wenn sie zusammen immer glücklich und getrennt immer einsam sind, nichts auf der Welt zwischen sich kommen lassen" (Seite 246) Aufgelockert wird der Briefroman durch interessante und einfache Zeichnungen, die Judy in ihre Briefe einbindet. Auch fand ich den Spannungsbogen gelungen, man bangt mit Judy einfach mit, ob man will oder nicht. Die neue Übersetzung aus dem Königskinderverlag ist gelungen, und ich bin froh, dass ich so Zugang zu diesem Klassiker bekommen habe. Und ich kann auch schon verraten, dass im kommenden Jahr der zweite Teil von Jean Webster erscheinen wird. Fazit: Ein Klassiker der viel zu wenig gelesen wird, doch dank dem Königskinderverlag erhält auch eine neue Generation Zugang zu diesem wirklich gelungen Roman. Der Briefroman von Jean Webster erzählt zum einem von einer jungen Frau die endlich eine Chance erhält, sondern auch von Liebe, auf ganz einfache und wunderschöne Art.
Jerusha Abbott ist im Waisenhaus John-Grier-Heim aufgewachsen. Sie lebt mit wenig, und gibt immer alles. Sie sucht nach einem Ausweg, und dann erscheint er plötzlich aus dem Nichts, ein Wohltäter auf. Er will Jerusha fördern und ihr das Collage spendieren, er hat jedoch zwei Bedingungen: Er will unbekannt bleiben und monatlich einen Brief über ihren Fortschritt erhalten. Und so beginnt der großartige Briefroman von Jean Webster. Jerusha, oder Judy wie sie sich lieber selbst nennt, ist eine ganz besondere Protagonistin. Durch ihr Leben im John-Grier-Heim hat sie viele der "normalen" Dinge nicht erlebt. Sie hat die Schule besucht, dort war sie sehr geschickt, und hat danach im John-Grier-Heim gearbeitet, ohne Aussicht auf eine echte Zukunft. Und sie wirkt dennoch in sich zufrieden, und durch Daddy-Long-Legs erhält sie eine Chance, mit der sie nie gerechnet hat. Deshalb ist sie auch zunächst zurückhaltend und vorsichtig. Diesen Wesenszug fand ich an Judy besonders wundervoll, dass sie immer mit Vorsicht lebt, und weiß, dass das Leben auch nimmt, statt nur zu geben. Und genau deshalb hat mich Jean Webster mit dem Aufblühen von Judy total gefangen genommen. Sie erlebt endlich all die Dinge, die ihr bisher nicht zugestanden haben, und geht darin total auf. Entscheidend für diesen Schritt und diese Entwicklung ist Daddy-Long-Legs, der geheimnisvolle Mann der nie antwortet, und den wir trotzdem Stück für Stück kennenlernen und mögen. Natürlich sehen wir ihn immer nur durch die Augen von Judy, dennoch gewinnt er auch für den Leser an Sympathie. Für mich war nach ungefähr zwei Drittel des Buches deutlich, wer hinter Daddy-Long-Legs steckt, und auch wen Judy wirklich lange brauch, war der Weg dorthin, trotz meiner Vermutung amüsant und aufregend. Ich glaube an dieser Stelle auch nicht, dass Judy dadurch"unrealistisch" wirkt, weil sie nicht sofort alles zusammen zählen kann, denn trotz ihrer Freude am Lernen scheint es, als fehle ihr eine gewissen Lebenserfahrung um diesen Schluss ziehen zu können. "Vielleicht sollten zwei Menschen, wenn sie perfekt harmonieren, wenn sie zusammen immer glücklich und getrennt immer einsam sind, nichts auf der Welt zwischen sich kommen lassen" (Seite 246) Aufgelockert wird der Briefroman durch interessante und einfache Zeichnungen, die Judy in ihre Briefe einbindet. Auch fand ich den Spannungsbogen gelungen, man bangt mit Judy einfach mit, ob man will oder nicht. Die neue Übersetzung aus dem Königskinderverlag ist gelungen, und ich bin froh, dass ich so Zugang zu diesem Klassiker bekommen habe. Und ich kann auch schon verraten, dass im kommenden Jahr der zweite Teil von Jean Webster erscheinen wird. Fazit: Ein Klassiker der viel zu wenig gelesen wird, doch dank dem Königskinderverlag erhält auch eine neue Generation Zugang zu diesem wirklich gelungen Roman. Der Briefroman von Jean Webster erzählt zum einem von einer jungen Frau die endlich eine Chance erhält, sondern auch von Liebe, auf ganz einfache und wunderschöne Art.
Jerusha Abbot, 18 Jahre jung, Bewohnerin eines Waisenhauses, kann ihr Glück kaum fassen, als ein geheimnisvoller Mann namens Mr John Smith sich dazu entschließt, ihr Treuhänder zu werden und sie zum Studieren aufs College schickt. Die einzige Gegenleistung die der mysteriöse Mr Smith erwartet ist es, ihm monatlich Briefe zu schreiben und ihn über ihre Fortschritte auf dem Laufenden zu halten. Was uns in diesem Buch also erwartet? Jede Menge von Jerusha „Judy“ Abbot handgeschriebene Briefe an den geheimnisvollen Mr John Smith, den sie liebevoll Daddy-Long-Legs nennt. Die liebe Judy hat mit ihrem wunderbar ehrlichem Geschreibsel mein Herz im Sturm erobert. Sie ist so erfrischend ehrlich und herrlich amüsant, dass es fast schon unmöglich ist, sie nicht zu mögen. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, schafft es dennoch in ihren Briefen unheimlich charmant zu sein und den lieben Mr Smith um den Finger zu wickeln. Was mir an ihr jedoch am besten gefallen hat ist die Tatsache, dass sie dem lieben Mr Smith so richtig die Stirn bietet. Sie lässt sich ungerne den Mund verbieten, geschweige denn irgendetwas vorschreiben und obgleich Mr Smith derjenige ist, der ihr das Studium finanziert und ihr monatlich Taschengeld zukommen lässt für Verpflegung, Bücher, Hüte und Kleider, hält sie dies nicht davon ab, ihm auch schon einmal zu sagen, wie grässlich und herrisch er doch ist. Aufgrund ihrer Briefe hatte man während des Lesens die Gelegenheit, Judy richtig gut kennenzulernen. Sie berichtet über die Möglichkeiten, die sich ihr auf dem College bieten, erzählt von ihren gemachten Erfahrungen, von ihren Erlebnissen und lässt dabei das Studium meist gänzlich unbeachtet, obwohl es ja eigentlich genau das ist, worüber sie berichten soll. Hier und da fällt mal ein Wort über etwas, was sie am Tag zuvor in den Vorlesungen und Seminaren gelernt hat, doch im Grunde benutzt sie die Briefe an den unbekannten Mr Smith, der nie antwortet und wenn dann höchstens über seinen Sekretär, als Tagebuch. Sie erzählt dem lieben Mr Smith von den großartigen Büchern, die sie gelesen hat, schimpft über ihre hochnäsigen Mitstudentinnen, schwärmt von der Freiheit, die sie dank ihm erfahren darf und lässt sich über verhasste Hausarbeiten und schwierige Prüfungen aus. Obwohl es „nur“ Briefe sind, die man liest, fühlt man mit Judy mit, als wäre man selbst der Empfänger der Briefe. Man schwärmt, man lacht, man hofft, man weint, man ist enttäuscht – man fühlt während des Lesens mit ihr mit, als wäre man selbst dabei; als würde man Judy kennen aus einer lang vergangenen Zeit. Das schönste an diesem Buch ist jedoch seine Botschaft. Freiheit. Lebe dein Leben, so wie du es möchtest. Finde etwas, was dir Spaß macht und lebe danach. Kämpfe dafür, es zu erreichen und mache dich nicht abhängig von irgendwelchen Dingen oder Leuten. Jean Webster war 1912, als ihr Briefroman veröffentlicht wurde, ihrer Zeit schon sehr voraus, allerdings bin ich mir sicher, dass sie damals mit ihrer Geschichte vielen Frauen die Augen geöffnet und ihnen womöglich sogar zu einem besseres, aufregenderen und glücklicheren Leben verholfen hat. Dieser Roman bestärkt Frauen das zu tun, was sie möchten; ihr Leben so zu leben, wie sie es sich schon immer erhofft haben. Das Ende war etwas vorhersehbar muss ich gestehen, dennoch hat es dem Buch nicht das Gefühl und die Faszination genommen. Es war eine wundervolle Reise durch das junge Leben der Judy Abbot auf der Suche nach sich selbst und ich bin unglaublich dankbar, dass ich auf dieses Goldstück aufmerksam wurde. Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Lieber Daddy-Long-Legs ist eine zeitlose Geschichte über das Glücklichsein, über Selbstfindung und Freiheit. Gepaart mit dem locker leichten Erzählstil und der unglaublich charmanten und humorvollen Protagonistin ist dieses Buch ein absoluter Genuss.
Einen Briefroman zu verfassen, ist kein leichtes Unterfangen. Nur wenigen Autoren gelingt es ihre Charaktere auch auf diese Art und Weise lebendig werden zu lassen und deren Emotionen zu transportieren. Aufgrund der Tatsache, dass spannungsgeladene Handlungen und direkte Dialoge keinen Einbezug finden, muss der Autor ein unglaubliches Sprachgefühl mitbringen, um den Leser mit Witz, Wortgewandheit und einer Menge Gefühl für die Handlung zu begeistern. Ich persönlich hätte es kaum für möglich gehalten, dass ein Roman, der vor über einhundert Jahren verfasst wurde, diese Elemente in sich vereint. Jean Webster ist es gelungen, eine Protagonistin zu erschaffen, die ich von der ersten Seite an in mein Herz geschlossen habe. Ihre humorvollen und zugleich geistreichen Briefe konnten mir regelmäßig ein wohliges Lächeln ins Gesicht zaubern. Es ist erstaunlich, dass eine Geschichte, die im Großen und Ganzen betrachtet nur von einem einzigen Charakter handelt derart lebendig sein kann. Ich hatte das Gefühl, Judy zu kennen und würde eine Menge dafür geben, eine Freundin wie sie zu haben. Obwohl Judy im Zuge ihrer Briefe beinahe ausschließlich von ihrem Leben als Studentin berichtet, wurde mir zu keinem Zeitpunkt langweilig. Ich habe jede einzelne Seite dieses Buches genossen, vor allem den Brief, in dem sie ihre Französischkenntnisse zum Besten gibt. Ich bin aus dem Schmunzeln nicht mehr herausgekommen. Die Frage nach der Identität von Daddy-Long-Legs bildet einen weiteren Nervenkitzel der Geschichte. Ich selbst hatte ca. ab der Hälfte des Buches eine Vermutung, ob diese sich letztendlich bestätigte oder nicht, das müsst Ihr selbst erfahren, indem ihr dieses wunderbare Buch lest. Für einen Klassiker herrlich erfrischend, geistreich und eine absolute Leseempfehlung. PS.: "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer erlaubt es mir an dieser Stelle dennoch nicht, volle 5 Sterne zu vergeben. Dieses Buch bleibt ungeschlagen an der Spitze der wunderschönsten Briefromane dieser Erde.


















