Heimlich
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Ich persönlich finde es fantastisch, dass Ullstein das Frühwerk von Krimi-Großmeister James Ellroy jetzt wieder neu aufgelegt hat. Denn gerade der (verdiente) Erfolg seines L.A.-Quartetts lenkt ja gerne mal von seinen anderen Werken ab, beziehungsweise stellt sie in den Schatten. Wobei Ellroys Frühwerk meiner Meinung nach einen besonderen Stellenwert hat. Denn der Autor ist hier quasi noch in der stilistischen Findungsphase. Seine dichte, grenzenüberschreitende, oft schon vor Spannung splitternde Sprache findet man hier noch nicht. Auch nicht in seinem zweiten Roman “Heimlich”, der zunächst einmal ganz klassisch einer Hardboiled-Story folgt. Nämlich in der Ich-Perspektive von Streifenpolizist Fred Underhill, der gemeinsam mit seinem Partner in den 1950er-Jahren dem “Wunder” frönt. Also dem täglichen Polizeiwahnsinn in den Gassen von Los Angeles - wenn er denn nicht gerade Golf spielt oder Frauen abschleppt. Macho-Gehabe gehört hier also zum guten Ton. Ebenso wie Verbal-Rassismus und eine gehörige Portion Frauenverachtung. Für mich persönlich was das ein Schippchen zu viel - und genau der Grund, warum ich von Hardboiled-Krimis inzwischen eigentlich die Finger lasse. Die Geschichte rund um Fred Underhill plätschert ruppig-markant vor sich hin. Gut, aber eben noch nicht Ellroy in Hochform. Doch dann passiert etwas Erstaunliches. Nämlich Dudley Smith. Genau der Dudley Smith, der im L.A.-Quartett später das Sinnbild des verkommenen und korrupten Bullen bei Ellroy sein wird. Eine grandiose Figur! Und siehe da: plötzlich gewinnt “Heimlich” eine enorme Intensität, bekommt Abgründe, Grautöne und eine Menge Seelenschatten. Hier zeigt Ellroy also bereits, wofür er später so bewundert werden wird. Atemberaubend gut. Nur leider nicht von Dauer. Denn Dudley trägt nun mal nicht den Plot, sondern ist eine reine Nebenfigur, die die Geschichte auch irgendwann wieder verlässt. Die Folge: der schlichte Hardboiled übernimmt wieder. Und trotzdem. Ellroy legt hier alles an, was ihn später in den Krimi-Olymp katapultiert. Wenn man sich für die Entwicklung eines Autors interessiert, ist “Heimlich” - trotz aller Schwächen - ein Freudenfest. #Heimlich wurde mir von #NetGalleyDE als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
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Ich persönlich finde es fantastisch, dass Ullstein das Frühwerk von Krimi-Großmeister James Ellroy jetzt wieder neu aufgelegt hat. Denn gerade der (verdiente) Erfolg seines L.A.-Quartetts lenkt ja gerne mal von seinen anderen Werken ab, beziehungsweise stellt sie in den Schatten. Wobei Ellroys Frühwerk meiner Meinung nach einen besonderen Stellenwert hat. Denn der Autor ist hier quasi noch in der stilistischen Findungsphase. Seine dichte, grenzenüberschreitende, oft schon vor Spannung splitternde Sprache findet man hier noch nicht. Auch nicht in seinem zweiten Roman “Heimlich”, der zunächst einmal ganz klassisch einer Hardboiled-Story folgt. Nämlich in der Ich-Perspektive von Streifenpolizist Fred Underhill, der gemeinsam mit seinem Partner in den 1950er-Jahren dem “Wunder” frönt. Also dem täglichen Polizeiwahnsinn in den Gassen von Los Angeles - wenn er denn nicht gerade Golf spielt oder Frauen abschleppt. Macho-Gehabe gehört hier also zum guten Ton. Ebenso wie Verbal-Rassismus und eine gehörige Portion Frauenverachtung. Für mich persönlich was das ein Schippchen zu viel - und genau der Grund, warum ich von Hardboiled-Krimis inzwischen eigentlich die Finger lasse. Die Geschichte rund um Fred Underhill plätschert ruppig-markant vor sich hin. Gut, aber eben noch nicht Ellroy in Hochform. Doch dann passiert etwas Erstaunliches. Nämlich Dudley Smith. Genau der Dudley Smith, der im L.A.-Quartett später das Sinnbild des verkommenen und korrupten Bullen bei Ellroy sein wird. Eine grandiose Figur! Und siehe da: plötzlich gewinnt “Heimlich” eine enorme Intensität, bekommt Abgründe, Grautöne und eine Menge Seelenschatten. Hier zeigt Ellroy also bereits, wofür er später so bewundert werden wird. Atemberaubend gut. Nur leider nicht von Dauer. Denn Dudley trägt nun mal nicht den Plot, sondern ist eine reine Nebenfigur, die die Geschichte auch irgendwann wieder verlässt. Die Folge: der schlichte Hardboiled übernimmt wieder. Und trotzdem. Ellroy legt hier alles an, was ihn später in den Krimi-Olymp katapultiert. Wenn man sich für die Entwicklung eines Autors interessiert, ist “Heimlich” - trotz aller Schwächen - ein Freudenfest. #Heimlich wurde mir von #NetGalleyDE als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.




