Die schlechte Gewohnheit
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Description
Die literarische Sensation aus Spanien – zwischen rohem Realismus und größter Zärtlichkeit
In einen gefallenen Engel, einen Herointoten auf den Straßen von San Blas, verliebt sich die Erzählerin dieses Romans zum ersten Mal. Sie, die im Körper eines Jungen aufwächst, und nur hinter verschlossenen Türen kurze Momente gestohlenen Glücks mit Rouge und Lippenstift ihrer Mutter hat, zeichnet ihren Weg nach: Beginnend in einem Arbeiterviertel Madrids, das nicht weiter entfernt sein könnte von der schillernden Hauptstadt Spaniens, deren Nachtleben in den Achtzigern ein Zentrum der queeren Szene wird. Während sie aufwächst, diskutieren Familien unironisch, ob ein drogensüchtiger oder ein homosexueller Sohn das schwerere Schicksal sei, und so sind es die Außenseiter:innen – triumphale Nymphen und wilde Chimären –, die ihr zu Wegbegleiter:innen werden. Zwischen Armut und Gewalt, politischer Klassenunterdrückung und Momenten heimlicher Solidarität wird sie langsam, quälend langsam, zu der, die sie immer schon war.
»Lesen Sie Alana Porteros Die schlechte Gewohnheit! Er zeigt, wie viel Leid und Schmerz daraus resultiert, im falschen Körper geboren worden zu sein – und wie gefährlich es sein kann.« Pedro Almodóvar
Die schlechte Gewohnheit ist eine umgekehrte Heldenreise, verfasst in gleißend schöner Sprache, in der schillernde Außenseiter sich zu einer Gemeinschaf formen, die das Überleben möglich macht. Erzählt mit dem Klassenbewusstsein von Annie Ernaux, dem rohen Realismus von Shuggie Bain, der Lust am Grenzensprengen von Virginie Despentes und dem Sinn für Außenseiterfiguren von Pedro Almodóvar, ist der Roman gleichermaßen erschütternd wie heilsam.
Book Information
Author Description
Alana S. Portero ist Mediävistin mit Abschluss an der UAM in Madrid. Sie ist Schriftstellerin, Dramatikerin und Mitbegründerin der Theatergruppe STRIGA. Sie schreibt über Feminismus und LGTB-Aktivismus aus der Perspektive einer Transfrau für verschiedene Medien.
Posts
Wie soll ich ein Buch beschreiben, das mich so sehr hat fühlen lassen? Ich kann es nicht wirklich in Worte fassen. Man muss es selbst lesen. Noch nie habe ich so sehr gespürt, wie es sich anfühlt im falschen Körper geboren worden zu sein. Von Anfang an fühle ich das Transmädchen in diesem Roman und wundere mich, warum es als Junge von der Außenwelt wahrgenommen wird. Ich erkenne, wie schwer es ist, im Arbeiterviertel von Madrid nicht der „Norm“ zu entsprechen und gleichzeitig erkenne ich auch, wie zugleich hier Solidarität und Gemeinschaft vorzufinden ist. Ein Kampf der Protagonistin über Jahre hinweg, mit sich selbst und der Welt, um zu sich selbst zu finden. Ich habe so intensiv mitgefühlt, nachgefühlt, selbst gefühlt. Man merkt definitiv, das hier eine Person erzählt, die selbst all diese Gefühle durchgemacht hat. Absolute Empfehlung von mir. S.49 „Im Fernsehen hieß es, Madrid sei eine Weltstadt, in der geschminkte Jungs bis in die Morgenstunden tanzten. In San Blas, dem Fitzelchen der Stadt, das mir zustand, diskutierten die Erwachsenen mit todernster Miene, was schlimmer war: ein drogensüchtiger oder ein schwuler Sohn. Man sprach auch immer wieder über Aids und bewegte sich dabei zuverlässig zwischen Ekel, Grausamkeit, Scham und Mitleid und sagte den Betroffenen Tod und Einsamkeit voraus.“ S.70 „Die Ansprache „Herr Jiménez“ aus dem Mund eines kleingeistigen Bürokraten, der selbst nichts hat außer seinen Dienstausweis, ließ mich unwillkürlich würgen. Durch solche Peitschenhiebe, solche Sätze, die sich in mein Inneres hämmerten und die ich niemals vergessen würde, fand ich heraus, wer ich war. Bevor du dich selbst definierst, zeichnen andere mit ihren Vorurteilen und ihrer Gewalt deine Konturen vor.“ S.131 „Nackt schlafen war unmöglich. Wenn ich mir meines Körpers und seiner Formen zu bewusst wurde, wie er da auf der Matratze lag, wenn ich die Berührung der Laken spürte und wie sich meine Gliedmaßen darunter ausstreckten, sich Anspannung langsam legte und das Gewicht verteilte, war es mir völlig unmöglich, zur Ruhe zu kommen.“ S.173 „Aber das macht mir nicht so viel Angst wie der Weg zurück in die andere Richtung, den ich nicht mitkriege. Wenn du dir die Farbe aus dem Gesicht wischst und die Stöckelschühchen ausziehst und dich wieder zusammenreißt und auf die andere Seite schwimmst. Das ist das Gleiche wie sterben, Schätzchen, das Gleiche wie sterben.“
Ein Leben in Einsamkeit
Die wohl schlechteste Gewohnheit eines Menschen ist es, sich dafür zu schämen, wer er oder sie wirklich ist. Noch viel schlimmer ist es, sich selbst zu verleugnen und Tag für Tag eine Lüge aufrecht zu erhalten. In "Die schlechte Gewohnheit" erzählt die Autorin Alana S. Portero autofiktional von ihrer Kindheit und einem Aufwachsen im Madrid der 80er- und 90er-Jahre. Die Protagonistin wächst in einer Arbeiterfamilie auf, umgeben von liebevollen Eltern und einem geliebten Bruder. Doch schon früh spürt sie, dass sie nicht der Junge ist, als den die Welt sie sieht. Gleichzeitig begreift sie, dass ein offenes Leben als ihr wahres selbst, in dieser Gesellschaft kaum möglich ist. So entsteht ein Leben im Verborgenen: der Wunsch zur Frau zu sein und gleichzeitig die Angst davor, durchschaut zu werden. Trost und Orientierung findet sie in flüchtigen Begegnungen, ihrer ersten Liebe und Gefährtinnen, die ihr zeigen, wer sie sein könnte. Diese Beziehungen machen das Buch so wertvoll: Sie zeigen, dass Transpersonen nicht allein sind, auch wenn es sich gerade in der Kindheit und Jugend oft so anfühlt. Zugleich zeichnen sie ein schonungsloses Bild der Lebensrealität am Rand der Gesellschaft – im besten Fall geduldet, selten wirklich akzeptiert. Immer wieder blitzen Momente des Glücks auf, die Hoffnung schenken und ein freieres Leben erahnen lassen. Doch diese Lichtblicke werden von der allgegenwärtigen Homo- und Transphobie überschattet. Portero schreibt in einer zärtlichen, poetischen Sprache, die eine große Nähe zur Hauptfigur entstehen lässt. Man versteht sie, fühlt mit ihr, möchte sie trösten, sie beschützen und die wenigen Glücksmomente mit ihr teilen. Ergänzt wird die Erzählung durch wiederkehrende, beinahe märchenhafte Metaphern und Kreaturen des Waldes, die der Geschichte eine zusätzliche symbolische Ebene verleihen. Die schlechte Gewohnheit ist ein tolles Buch über Identität, Scham und die Sehnsucht nach einem Leben in Wahrheit. Ich bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben, weil es mir ermöglicht hat, mich Transpersonen noch ein Stück näher zu fühlen. Trans rights are human rights! 💖🏳️⚧️ -------- Wenn ich mit den Frauen aus der Familie, aus dem Viertel oder mit meinen Mitschülerinnen zusammen war, dehnte sich die Zeit, als würde sie in warmen Wasser gebadet. Ich konnte zwar keine von ihnen sein, konnte dieses Leben nicht berühren, aber ich konnte das, was sie mir mit ihrer bloßen Anwesenheit beibrachten, aufsaugen und horten wir einen Schatz. Es war wie mit den schönsten und mächtigsten Mythen meiner Bücher, die ich vor meinem inneren Auge zum Leben erweckte. Der Weg der Nymphe, der Hexe, der Weißen Dame oder der Harpyie blieb zwar weiterhin unerreichbar für mich, aber ich beobachtete ihn aufmerksam, nahm kleine Anpassungen vor und wob mir, der Eingeschlichenen, im Verborgenen ein Gewand aus Weiblichkeit, genau auf mich zugeschnitten.
Stell dir vor, die erste Wesenheit, der du romantische Gefühle entgegenbringst, die du küssen und berühren möchtest, ist ein wunderschöner, frisch gestorbener junger Drogentoter, der vor deiner Haustür liegt. Du bist fünf Jahre alt, ein dicklicher träger Junge, in dem die Seele eines zarten Mädchens steckt. Du wächst bei einer fast armen, aber ansonsten sehr liebevollen Familie (der ältere Bruder ist dein Held und Halt) in einem Arbeiter(= Problem)viertel von Madrid auf, in dem Glanz und Gloria, die du heimlich vor dem Spiegel übst, so weit entfernt scheinen wie der Horizont. Du fühlst dich in der Gesellschaft von Frauen am wohlsten und stellst gleichzeitig fest, dass du auf Männer stehst. Du machst als Teenager erste sexuelle Erfahrungen mit einem ziemlich süßen Jungen, lernst die queere Welt ein bisschen besser kennen und eigentlich ist alles ganz nice, doch da ist etwas: Du bist kein Junge, kein Mann. Du bist eine Frau. Und außerdem ist da die Gesellschaft und die “reale” Welt um dich herum: mit ihren binären Vorstellungen, ihren limitierenden Glaubenssätzen, ihrer Engstirnigkeit und ihrer Gewaltbereitschaft. Wie kann man unter diesen Voraussetzungen zum Mensch werden, der man ist, wie kann man aus dem Käfig ausbrechen, der um einen herum gezimmert wurde? Alana S. Portero hat einen autofiktionalen Roman über ihre eigene Herkunft und das finden ihrer Identität geschrieben. Wie viel davon “wahr” ist weiß wohl nur sie selbst. Wir Lesende wissen nach der Lektüre jedenfalls ein kleines bisschen besser, wie schwierig es ist für eine Seele, die sich mit dem Gefängnis aus Fleisch, in das sie bei der Geburt hineingezwängt wurde, nicht identifizieren kann, in einer binären Welt zurechtzukommen. Der Text geht sowohl ans Herz (und das extrem) als auch an die Nieren (Triggerwarnung: Gewalt gegen Transmenschen und Homophobie). Ich habe selten einen so authentischen, einfühlsamen Roman gelesen wie diesen hier. Auch bezüglich seiner poetischen Sprache ist dieser Roman einer, der in Erinnerung bleibt im Einheitsbrei. Die Ich-Erzählerin baut sich einen mythologisch-märchenhaften Überbau, den sie ihrer Umwelt, ihrem Viertel und den Menschen, die es bewohnen, überstülpt. Es gibt Aphroditen, Circen, Nymphen und vieles mehr. Sie alle helfen ihr, die Welt um sie herum erträglicher zu machen. Die Ich-Erzählerin nennt queere Menschen “Bewohner unseres Waldes” und ich musste fast weinen, als ich das gelesen habe, denn es hat mich mitten ins Herz getroffen. Ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit dafür, dieses Buch gelesen zu haben. Es hat mich einfach erfüllt und während der Lektüre war ich komplett bei der Ich-Erzählerin. Ich habe endlich mal in Ansätzen das empfunden, was Transpersonen empfinden müssen. Diese Zerrissenheit, dieses Zwischen-den-Stühlen-sein-und-nie-ganz-den-richtigen-Platz-finden. Eine Lektüre, mir der ihr eure Zeit zu 100% nicht verschwendet - Ehrenwort. Ganz, ganz toll! Aus dem Spanischen übersetzt von Christiane Quandt.

Alana S. Portero hat mit „Die schlechte Gewohnheit“ einen wahrlich traurig-schönen Debütroman geschrieben, der seine Leser*innen in das raue Arbeiterviertel San Blas in Madrid der 1980er und 1990er Jahre entführt. Die Ich-Erzählerin wächst im Körper eines Jungen auf und findet lange Zeit nur im Dunkeln des Madrider Nachtlebens, bei nur wenigen Vertrauten und in ihrer ersten Liebesbeziehung mit Jay Sicherheit, Akzeptanz und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Porteros Roman vereint auf gelungene Weise eine ethnographisch-literarische Milieustudie, ein persönliches Memoir und eine Coming-of-Age-Erzählung. Mit scharfer Beobachtungsgabe, intensiver sprachlicher Poesie, einem warmherzigen und menschlichen Blick, einer stimmigen Prise Humor und tiefgehender Selbstreflexion beschreibt die Erzählerin ihre oft schmerzlichen Erfahrungen als trans Frau. Doch der Roman erzählt auch von den schönen Momenten auf ihrem Weg der Transition, ihrer Erkundung von Sexualität und der Suche nach Identität. Dabei gewährt Portero auch einen intensiven Blick auf den Mikrokosmos San Blas, der geprägt ist von Armut, Drogenmissbrauch, häuslicher Gewalt, gesellschaftlicher Ausgrenzung und Homophobie. „Die schlechte Gewohnheit“ ist gewissermaßen ein „Text der Polarität“, in dem sich das Schöne und das Dunkle, Tag und Nacht, innere Zerrissenheit, Sehnsucht, Verzweiflung und Einsamkeit, Hoffnung und kleine Freudensschimmer stets die Hand reichen. Porteros besondere poetische Sprache kontrastiert die Härte der Realität dabei mit bemerkenswerter Sensibilität und Wärme. Ein großer Lesetipp für diesen äußerst besonderen Roman! Übersetzt aus dem Spanischen von Christiane Quandt.
Absolut lesenswert!
Pedro Almodóvar sagt zum grossartigen Roman «Die schlechte Gewohnheit» von Alana S. Portero @transisteria: «Lesen! Die Geschichte zeigt, wie viel Leid und Schmerz daraus resultiert, im falschen Körper geboren worden zu sein.» Wie recht er hat, das Buch ist unbedingt lesenswert: 👍👍👍👍👍 Ein sprachliches Meisterwerk, Worte wie Pfeilspitzen und Traumwolken. Eine deutsche Übersetzung, die sich bezaubernd spanisch-poetisch anhört: Ein Must Read. Die junge Erzählerin nimmt die Leserin mit auf eine Reise durch die spanische Hauptstadt Madrid, in ein trauriges Arbeiterviertel, wo gerätselt wird, ob ein drogensüchtiger oder ein schwuler Sohn das härtere Schicksal sei… Eine Reise durch das Madrid der Gran Via auch, des Bernabéu und von Malasaña, eine Geschichte vom hemmungslosen Verliebtsein und von der rohen Gewalt. Ein gutmöglicherweise autobiografische Züge aufweisender Roman, der ohne erhobenen Zeigefinger über Queerness aufklärt. Grossartig.
Transthematik
Das Buch enthält vor allem die Themen Transgender, Drogen, Sex und Feindlichkeit. Für mich ein sehr unangenehmes Buch, was nicht nur vom Schreibstil her schwierig zu lesen war. Besonders die letzten Seiten haben mir nochmal den Tränen in die Augen schießen lassen. Leider hatte mich das Buch jedoch durch den Schreibstil immer wieder verloren, wodurch ich teilweise ganze Passagen nochmal lesen musste. Bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht das komplette Buch nochmal rereaden sollte.

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Die literarische Sensation aus Spanien – zwischen rohem Realismus und größter Zärtlichkeit
In einen gefallenen Engel, einen Herointoten auf den Straßen von San Blas, verliebt sich die Erzählerin dieses Romans zum ersten Mal. Sie, die im Körper eines Jungen aufwächst, und nur hinter verschlossenen Türen kurze Momente gestohlenen Glücks mit Rouge und Lippenstift ihrer Mutter hat, zeichnet ihren Weg nach: Beginnend in einem Arbeiterviertel Madrids, das nicht weiter entfernt sein könnte von der schillernden Hauptstadt Spaniens, deren Nachtleben in den Achtzigern ein Zentrum der queeren Szene wird. Während sie aufwächst, diskutieren Familien unironisch, ob ein drogensüchtiger oder ein homosexueller Sohn das schwerere Schicksal sei, und so sind es die Außenseiter:innen – triumphale Nymphen und wilde Chimären –, die ihr zu Wegbegleiter:innen werden. Zwischen Armut und Gewalt, politischer Klassenunterdrückung und Momenten heimlicher Solidarität wird sie langsam, quälend langsam, zu der, die sie immer schon war.
»Lesen Sie Alana Porteros Die schlechte Gewohnheit! Er zeigt, wie viel Leid und Schmerz daraus resultiert, im falschen Körper geboren worden zu sein – und wie gefährlich es sein kann.« Pedro Almodóvar
Die schlechte Gewohnheit ist eine umgekehrte Heldenreise, verfasst in gleißend schöner Sprache, in der schillernde Außenseiter sich zu einer Gemeinschaf formen, die das Überleben möglich macht. Erzählt mit dem Klassenbewusstsein von Annie Ernaux, dem rohen Realismus von Shuggie Bain, der Lust am Grenzensprengen von Virginie Despentes und dem Sinn für Außenseiterfiguren von Pedro Almodóvar, ist der Roman gleichermaßen erschütternd wie heilsam.
Book Information
Author Description
Alana S. Portero ist Mediävistin mit Abschluss an der UAM in Madrid. Sie ist Schriftstellerin, Dramatikerin und Mitbegründerin der Theatergruppe STRIGA. Sie schreibt über Feminismus und LGTB-Aktivismus aus der Perspektive einer Transfrau für verschiedene Medien.
Posts
Wie soll ich ein Buch beschreiben, das mich so sehr hat fühlen lassen? Ich kann es nicht wirklich in Worte fassen. Man muss es selbst lesen. Noch nie habe ich so sehr gespürt, wie es sich anfühlt im falschen Körper geboren worden zu sein. Von Anfang an fühle ich das Transmädchen in diesem Roman und wundere mich, warum es als Junge von der Außenwelt wahrgenommen wird. Ich erkenne, wie schwer es ist, im Arbeiterviertel von Madrid nicht der „Norm“ zu entsprechen und gleichzeitig erkenne ich auch, wie zugleich hier Solidarität und Gemeinschaft vorzufinden ist. Ein Kampf der Protagonistin über Jahre hinweg, mit sich selbst und der Welt, um zu sich selbst zu finden. Ich habe so intensiv mitgefühlt, nachgefühlt, selbst gefühlt. Man merkt definitiv, das hier eine Person erzählt, die selbst all diese Gefühle durchgemacht hat. Absolute Empfehlung von mir. S.49 „Im Fernsehen hieß es, Madrid sei eine Weltstadt, in der geschminkte Jungs bis in die Morgenstunden tanzten. In San Blas, dem Fitzelchen der Stadt, das mir zustand, diskutierten die Erwachsenen mit todernster Miene, was schlimmer war: ein drogensüchtiger oder ein schwuler Sohn. Man sprach auch immer wieder über Aids und bewegte sich dabei zuverlässig zwischen Ekel, Grausamkeit, Scham und Mitleid und sagte den Betroffenen Tod und Einsamkeit voraus.“ S.70 „Die Ansprache „Herr Jiménez“ aus dem Mund eines kleingeistigen Bürokraten, der selbst nichts hat außer seinen Dienstausweis, ließ mich unwillkürlich würgen. Durch solche Peitschenhiebe, solche Sätze, die sich in mein Inneres hämmerten und die ich niemals vergessen würde, fand ich heraus, wer ich war. Bevor du dich selbst definierst, zeichnen andere mit ihren Vorurteilen und ihrer Gewalt deine Konturen vor.“ S.131 „Nackt schlafen war unmöglich. Wenn ich mir meines Körpers und seiner Formen zu bewusst wurde, wie er da auf der Matratze lag, wenn ich die Berührung der Laken spürte und wie sich meine Gliedmaßen darunter ausstreckten, sich Anspannung langsam legte und das Gewicht verteilte, war es mir völlig unmöglich, zur Ruhe zu kommen.“ S.173 „Aber das macht mir nicht so viel Angst wie der Weg zurück in die andere Richtung, den ich nicht mitkriege. Wenn du dir die Farbe aus dem Gesicht wischst und die Stöckelschühchen ausziehst und dich wieder zusammenreißt und auf die andere Seite schwimmst. Das ist das Gleiche wie sterben, Schätzchen, das Gleiche wie sterben.“
Ein Leben in Einsamkeit
Die wohl schlechteste Gewohnheit eines Menschen ist es, sich dafür zu schämen, wer er oder sie wirklich ist. Noch viel schlimmer ist es, sich selbst zu verleugnen und Tag für Tag eine Lüge aufrecht zu erhalten. In "Die schlechte Gewohnheit" erzählt die Autorin Alana S. Portero autofiktional von ihrer Kindheit und einem Aufwachsen im Madrid der 80er- und 90er-Jahre. Die Protagonistin wächst in einer Arbeiterfamilie auf, umgeben von liebevollen Eltern und einem geliebten Bruder. Doch schon früh spürt sie, dass sie nicht der Junge ist, als den die Welt sie sieht. Gleichzeitig begreift sie, dass ein offenes Leben als ihr wahres selbst, in dieser Gesellschaft kaum möglich ist. So entsteht ein Leben im Verborgenen: der Wunsch zur Frau zu sein und gleichzeitig die Angst davor, durchschaut zu werden. Trost und Orientierung findet sie in flüchtigen Begegnungen, ihrer ersten Liebe und Gefährtinnen, die ihr zeigen, wer sie sein könnte. Diese Beziehungen machen das Buch so wertvoll: Sie zeigen, dass Transpersonen nicht allein sind, auch wenn es sich gerade in der Kindheit und Jugend oft so anfühlt. Zugleich zeichnen sie ein schonungsloses Bild der Lebensrealität am Rand der Gesellschaft – im besten Fall geduldet, selten wirklich akzeptiert. Immer wieder blitzen Momente des Glücks auf, die Hoffnung schenken und ein freieres Leben erahnen lassen. Doch diese Lichtblicke werden von der allgegenwärtigen Homo- und Transphobie überschattet. Portero schreibt in einer zärtlichen, poetischen Sprache, die eine große Nähe zur Hauptfigur entstehen lässt. Man versteht sie, fühlt mit ihr, möchte sie trösten, sie beschützen und die wenigen Glücksmomente mit ihr teilen. Ergänzt wird die Erzählung durch wiederkehrende, beinahe märchenhafte Metaphern und Kreaturen des Waldes, die der Geschichte eine zusätzliche symbolische Ebene verleihen. Die schlechte Gewohnheit ist ein tolles Buch über Identität, Scham und die Sehnsucht nach einem Leben in Wahrheit. Ich bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben, weil es mir ermöglicht hat, mich Transpersonen noch ein Stück näher zu fühlen. Trans rights are human rights! 💖🏳️⚧️ -------- Wenn ich mit den Frauen aus der Familie, aus dem Viertel oder mit meinen Mitschülerinnen zusammen war, dehnte sich die Zeit, als würde sie in warmen Wasser gebadet. Ich konnte zwar keine von ihnen sein, konnte dieses Leben nicht berühren, aber ich konnte das, was sie mir mit ihrer bloßen Anwesenheit beibrachten, aufsaugen und horten wir einen Schatz. Es war wie mit den schönsten und mächtigsten Mythen meiner Bücher, die ich vor meinem inneren Auge zum Leben erweckte. Der Weg der Nymphe, der Hexe, der Weißen Dame oder der Harpyie blieb zwar weiterhin unerreichbar für mich, aber ich beobachtete ihn aufmerksam, nahm kleine Anpassungen vor und wob mir, der Eingeschlichenen, im Verborgenen ein Gewand aus Weiblichkeit, genau auf mich zugeschnitten.
Stell dir vor, die erste Wesenheit, der du romantische Gefühle entgegenbringst, die du küssen und berühren möchtest, ist ein wunderschöner, frisch gestorbener junger Drogentoter, der vor deiner Haustür liegt. Du bist fünf Jahre alt, ein dicklicher träger Junge, in dem die Seele eines zarten Mädchens steckt. Du wächst bei einer fast armen, aber ansonsten sehr liebevollen Familie (der ältere Bruder ist dein Held und Halt) in einem Arbeiter(= Problem)viertel von Madrid auf, in dem Glanz und Gloria, die du heimlich vor dem Spiegel übst, so weit entfernt scheinen wie der Horizont. Du fühlst dich in der Gesellschaft von Frauen am wohlsten und stellst gleichzeitig fest, dass du auf Männer stehst. Du machst als Teenager erste sexuelle Erfahrungen mit einem ziemlich süßen Jungen, lernst die queere Welt ein bisschen besser kennen und eigentlich ist alles ganz nice, doch da ist etwas: Du bist kein Junge, kein Mann. Du bist eine Frau. Und außerdem ist da die Gesellschaft und die “reale” Welt um dich herum: mit ihren binären Vorstellungen, ihren limitierenden Glaubenssätzen, ihrer Engstirnigkeit und ihrer Gewaltbereitschaft. Wie kann man unter diesen Voraussetzungen zum Mensch werden, der man ist, wie kann man aus dem Käfig ausbrechen, der um einen herum gezimmert wurde? Alana S. Portero hat einen autofiktionalen Roman über ihre eigene Herkunft und das finden ihrer Identität geschrieben. Wie viel davon “wahr” ist weiß wohl nur sie selbst. Wir Lesende wissen nach der Lektüre jedenfalls ein kleines bisschen besser, wie schwierig es ist für eine Seele, die sich mit dem Gefängnis aus Fleisch, in das sie bei der Geburt hineingezwängt wurde, nicht identifizieren kann, in einer binären Welt zurechtzukommen. Der Text geht sowohl ans Herz (und das extrem) als auch an die Nieren (Triggerwarnung: Gewalt gegen Transmenschen und Homophobie). Ich habe selten einen so authentischen, einfühlsamen Roman gelesen wie diesen hier. Auch bezüglich seiner poetischen Sprache ist dieser Roman einer, der in Erinnerung bleibt im Einheitsbrei. Die Ich-Erzählerin baut sich einen mythologisch-märchenhaften Überbau, den sie ihrer Umwelt, ihrem Viertel und den Menschen, die es bewohnen, überstülpt. Es gibt Aphroditen, Circen, Nymphen und vieles mehr. Sie alle helfen ihr, die Welt um sie herum erträglicher zu machen. Die Ich-Erzählerin nennt queere Menschen “Bewohner unseres Waldes” und ich musste fast weinen, als ich das gelesen habe, denn es hat mich mitten ins Herz getroffen. Ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit dafür, dieses Buch gelesen zu haben. Es hat mich einfach erfüllt und während der Lektüre war ich komplett bei der Ich-Erzählerin. Ich habe endlich mal in Ansätzen das empfunden, was Transpersonen empfinden müssen. Diese Zerrissenheit, dieses Zwischen-den-Stühlen-sein-und-nie-ganz-den-richtigen-Platz-finden. Eine Lektüre, mir der ihr eure Zeit zu 100% nicht verschwendet - Ehrenwort. Ganz, ganz toll! Aus dem Spanischen übersetzt von Christiane Quandt.

Alana S. Portero hat mit „Die schlechte Gewohnheit“ einen wahrlich traurig-schönen Debütroman geschrieben, der seine Leser*innen in das raue Arbeiterviertel San Blas in Madrid der 1980er und 1990er Jahre entführt. Die Ich-Erzählerin wächst im Körper eines Jungen auf und findet lange Zeit nur im Dunkeln des Madrider Nachtlebens, bei nur wenigen Vertrauten und in ihrer ersten Liebesbeziehung mit Jay Sicherheit, Akzeptanz und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Porteros Roman vereint auf gelungene Weise eine ethnographisch-literarische Milieustudie, ein persönliches Memoir und eine Coming-of-Age-Erzählung. Mit scharfer Beobachtungsgabe, intensiver sprachlicher Poesie, einem warmherzigen und menschlichen Blick, einer stimmigen Prise Humor und tiefgehender Selbstreflexion beschreibt die Erzählerin ihre oft schmerzlichen Erfahrungen als trans Frau. Doch der Roman erzählt auch von den schönen Momenten auf ihrem Weg der Transition, ihrer Erkundung von Sexualität und der Suche nach Identität. Dabei gewährt Portero auch einen intensiven Blick auf den Mikrokosmos San Blas, der geprägt ist von Armut, Drogenmissbrauch, häuslicher Gewalt, gesellschaftlicher Ausgrenzung und Homophobie. „Die schlechte Gewohnheit“ ist gewissermaßen ein „Text der Polarität“, in dem sich das Schöne und das Dunkle, Tag und Nacht, innere Zerrissenheit, Sehnsucht, Verzweiflung und Einsamkeit, Hoffnung und kleine Freudensschimmer stets die Hand reichen. Porteros besondere poetische Sprache kontrastiert die Härte der Realität dabei mit bemerkenswerter Sensibilität und Wärme. Ein großer Lesetipp für diesen äußerst besonderen Roman! Übersetzt aus dem Spanischen von Christiane Quandt.
Absolut lesenswert!
Pedro Almodóvar sagt zum grossartigen Roman «Die schlechte Gewohnheit» von Alana S. Portero @transisteria: «Lesen! Die Geschichte zeigt, wie viel Leid und Schmerz daraus resultiert, im falschen Körper geboren worden zu sein.» Wie recht er hat, das Buch ist unbedingt lesenswert: 👍👍👍👍👍 Ein sprachliches Meisterwerk, Worte wie Pfeilspitzen und Traumwolken. Eine deutsche Übersetzung, die sich bezaubernd spanisch-poetisch anhört: Ein Must Read. Die junge Erzählerin nimmt die Leserin mit auf eine Reise durch die spanische Hauptstadt Madrid, in ein trauriges Arbeiterviertel, wo gerätselt wird, ob ein drogensüchtiger oder ein schwuler Sohn das härtere Schicksal sei… Eine Reise durch das Madrid der Gran Via auch, des Bernabéu und von Malasaña, eine Geschichte vom hemmungslosen Verliebtsein und von der rohen Gewalt. Ein gutmöglicherweise autobiografische Züge aufweisender Roman, der ohne erhobenen Zeigefinger über Queerness aufklärt. Grossartig.
Transthematik
Das Buch enthält vor allem die Themen Transgender, Drogen, Sex und Feindlichkeit. Für mich ein sehr unangenehmes Buch, was nicht nur vom Schreibstil her schwierig zu lesen war. Besonders die letzten Seiten haben mir nochmal den Tränen in die Augen schießen lassen. Leider hatte mich das Buch jedoch durch den Schreibstil immer wieder verloren, wodurch ich teilweise ganze Passagen nochmal lesen musste. Bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht das komplette Buch nochmal rereaden sollte.












