Reinheit
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Description
»Ich wollte hundert Prozent Pornographie und hundert Prozent hohe Kunst schaffen.« Garth Greenwell
Nach dem Treffen mit einem Mann, dessen Spuren er noch lange auf seiner Haut tragen wird, läuft ein junger Lehrer durch die nächtliche Stadt, die ihm in den vergangenen Jahren ein Zuhause geworden ist, und schwört sich, dass dies das letzte Mal war. Doch er kennt sein Begehren, und noch während er den Vorsatz fasst, weiß er, dass er zurückkehren wird – vielleicht nicht zu diesem Mann, doch zu einem wie ihm. Die Stadt, Sofia, vibriert vor Hoffnung und Unruhe; der Lehrer, ein Amerikaner, wird sie bald verlassen. In den Wochen vor seiner Abreise spürt er den Beziehungen zu denen nach, die ihn geprägt haben, und die er seinerseits geprägt hat: Schüler, Geliebte, die wenigen Freunde.
In schmerzlich klarer, ergreifend schöner Prosa erzählt uns Garth Greenwell davon, wie wir nach Verbindung streben: zu den Menschen, die wir lieben. Zu den Orten, die wir bewohnen. Und zu uns selbst.
Book Information
Author Description
Garth Greenwell ist Schriftsteller und lebt in Iowa City. Sein gefeiertes Romandebüt Was zu dir gehört gewann 2016 den British Book Award und stand auf der Longlist für den National Book Award. Greenwells literarische Arbeiten sowie Kritiken erscheinen regelmäßig im New Yorker, der New York Times Book Review, der Paris Review und der London Review of Books. Sein zweiter Roman Reinheit erschienen 2022 auf Deutsch, nun folgt mit Kleiner Regen der lang erwartete dritte Roman des Autors.
Posts
Tolle Schreibweise - Viel Sex
Nach „Was zu dir gehört“ habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Und wie erwartet, hat mich Greenwell mit seiner Schreibweise wieder überzeugt. Trotzdem hat mir in diesem Buch irgendwie der rote Faden gefehlt. Was mich aber wirklich beeindruckt hat, war die Art, wie er über den Sex-Akt schreibt, so direkt und gleichzeitig poetisch. Teilweise war das beim Lesen sogar fast unangenehm, besonders, wenn ich im Café saß. Meine Paranoia hat mir eingeredet, dass mir jemand über die Schulter schaut und mitliest.
Und wieder bleibt diese melancholische Traurigkeit zurück...
Ich hatte mich schon bei "Was zu dir gehört" in den Schreibstil von Herrn Greenwell verliebt. Auch das er seinen Charakteren keine Namen gibt. Es hat irgendwo etwas schützendes, doch wie er über sie schreibt, dennoch etwas persönliches. Das Buch ist aber dennoch anders als "Was zu dir gehört". Es wird wieder vom selben Erzähler erzählt, ist aber dieses Mal in Kapitel unterteilt und wirkt durch den Abschluss derer wie eine Art Kurzgeschichten-Sammlung. Das ist aber auch der einzige Unterschied. Nein halt...was ich schon oft gelesen habe in Rezessionen und was dort bemängelt wurde...die detaillierte Darstellung der sexuellen Handlungen. Definitiv nichts für schwache Nerven! Aber in einer Erzählung, wo so viele Emotionen, Gedanken, Schamesäußerungen, Verzweiflung, Triebhaftigkeit, Begierde, usw mitspielen, wie könnte man es weglassen, ausblenden oder beschönigen? Wie sollte man sonst den Wunsch und schließlich die Pein und Erniedrigung hinter den Gedanken des Autors verstehen? Nur durch diese detaillierte Beschreibung wird es nachempfindbar! Anderes Beispiel... Während einer der S*x-Szenen, als er seinen "Partner" beschimpft und erniedrigt, wird deutlich, dass in ihm eine Wut schwelt, die er sich in dem Moment nicht erklären kann. Gleichzeitig bemerkt er aber, dass es genau die Worte sind...die Erniedrigungen...die Pein, die ihm sein Vater immer an den Kopf geworfen hat...als er ihn Prügelte oder als er raus fand, dass der Sohn schwul ist! Tief verwurzelte eigene Verletzungen. Wieder einmal mehr zeigt Herr Greenwell auf, welche Macht Worte und Taten in der frühen Kindheit auf das Leben und erleben von Emotionen haben können. Auf das Lieben können und geliebt werden können! Auf den Aufbau einer zwischenmenschlichen Beziehung. Ich empfinde den Erzähler, den Lehrer, als eine ruhrelose und vor sich selbst davon laufende Person. Getragen von einer inneren Zerrissenheit und Demütigung. Immer auf der Suche nach etwas. Sei es einem Zuhause oder der Liebe, doch selbst als er die mit R. gefunden hatte (was so schön beschrieben war...die Ausflüge und der Versuch ein gemeinsames Weihnachten auszurichten) erfüllte es ihn nicht endgültig und diese tiefen Abgründe der Begierde nach anderen schwelten weiter in ihm. Ich glaube tatsächlich, dass Buch und auch "Was zu dir gehört" sind Bücher, die ich ein zweites Mal lesen würde. Und...ich habe Mitko vermisst... Dennoch kein Buch für die junge Leserschaft denke ich. Spicy Szenen sind was anderes!
Die Reinheit unseres Verlangens….
Als ich Reinheit von Garth Greenwell gelesen habe, war ich neugierig – gerade weil das Buch so viel Lob für seine sprachliche Präzision bekommen hat. Und ja, man merkt schnell: Greenwell kann schreiben. Seine Sätze sind sorgfältig gebaut, durchdacht, fast schon kunstvoll. Trotzdem hat mich das Buch nur mittelmäßig überzeugt. Die intensive Innensicht des Erzählers ist literarisch beeindruckend, aber für mich stellenweise auch anstrengend. Vieles bleibt im Reflexiven, im Grübeln, im Wiederkäuen von Gefühlen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die emotionale Tiefe behauptet wird, ohne mich wirklich hineinzuziehen. Die expliziten Szenen wirken bewusst ernsthaft und bedeutungsschwer – doch sie haben mich nicht immer berührt, sondern eher auf Distanz gehalten.

Viel (zu viel?) Sex
Schöner, eingängiger Schreibstil, interessanter Protagonist den ich gerne durch Sofia und seine Gedanken begleitet habe. Die umfangreichen, expliziten, in meinem Empfinden gewaltvollen Sexkapitel haben bei mir Unbehagen beim Lesen ausgelöst. Aber überspringen ging auch nicht. Das Buch hat was mit mir gemacht, das ich nicht in Worte fassen kann. Es hallt auch Wochen später noch nach.
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»Ich wollte hundert Prozent Pornographie und hundert Prozent hohe Kunst schaffen.« Garth Greenwell
Nach dem Treffen mit einem Mann, dessen Spuren er noch lange auf seiner Haut tragen wird, läuft ein junger Lehrer durch die nächtliche Stadt, die ihm in den vergangenen Jahren ein Zuhause geworden ist, und schwört sich, dass dies das letzte Mal war. Doch er kennt sein Begehren, und noch während er den Vorsatz fasst, weiß er, dass er zurückkehren wird – vielleicht nicht zu diesem Mann, doch zu einem wie ihm. Die Stadt, Sofia, vibriert vor Hoffnung und Unruhe; der Lehrer, ein Amerikaner, wird sie bald verlassen. In den Wochen vor seiner Abreise spürt er den Beziehungen zu denen nach, die ihn geprägt haben, und die er seinerseits geprägt hat: Schüler, Geliebte, die wenigen Freunde.
In schmerzlich klarer, ergreifend schöner Prosa erzählt uns Garth Greenwell davon, wie wir nach Verbindung streben: zu den Menschen, die wir lieben. Zu den Orten, die wir bewohnen. Und zu uns selbst.
Book Information
Author Description
Garth Greenwell ist Schriftsteller und lebt in Iowa City. Sein gefeiertes Romandebüt Was zu dir gehört gewann 2016 den British Book Award und stand auf der Longlist für den National Book Award. Greenwells literarische Arbeiten sowie Kritiken erscheinen regelmäßig im New Yorker, der New York Times Book Review, der Paris Review und der London Review of Books. Sein zweiter Roman Reinheit erschienen 2022 auf Deutsch, nun folgt mit Kleiner Regen der lang erwartete dritte Roman des Autors.
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Tolle Schreibweise - Viel Sex
Nach „Was zu dir gehört“ habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Und wie erwartet, hat mich Greenwell mit seiner Schreibweise wieder überzeugt. Trotzdem hat mir in diesem Buch irgendwie der rote Faden gefehlt. Was mich aber wirklich beeindruckt hat, war die Art, wie er über den Sex-Akt schreibt, so direkt und gleichzeitig poetisch. Teilweise war das beim Lesen sogar fast unangenehm, besonders, wenn ich im Café saß. Meine Paranoia hat mir eingeredet, dass mir jemand über die Schulter schaut und mitliest.
Und wieder bleibt diese melancholische Traurigkeit zurück...
Ich hatte mich schon bei "Was zu dir gehört" in den Schreibstil von Herrn Greenwell verliebt. Auch das er seinen Charakteren keine Namen gibt. Es hat irgendwo etwas schützendes, doch wie er über sie schreibt, dennoch etwas persönliches. Das Buch ist aber dennoch anders als "Was zu dir gehört". Es wird wieder vom selben Erzähler erzählt, ist aber dieses Mal in Kapitel unterteilt und wirkt durch den Abschluss derer wie eine Art Kurzgeschichten-Sammlung. Das ist aber auch der einzige Unterschied. Nein halt...was ich schon oft gelesen habe in Rezessionen und was dort bemängelt wurde...die detaillierte Darstellung der sexuellen Handlungen. Definitiv nichts für schwache Nerven! Aber in einer Erzählung, wo so viele Emotionen, Gedanken, Schamesäußerungen, Verzweiflung, Triebhaftigkeit, Begierde, usw mitspielen, wie könnte man es weglassen, ausblenden oder beschönigen? Wie sollte man sonst den Wunsch und schließlich die Pein und Erniedrigung hinter den Gedanken des Autors verstehen? Nur durch diese detaillierte Beschreibung wird es nachempfindbar! Anderes Beispiel... Während einer der S*x-Szenen, als er seinen "Partner" beschimpft und erniedrigt, wird deutlich, dass in ihm eine Wut schwelt, die er sich in dem Moment nicht erklären kann. Gleichzeitig bemerkt er aber, dass es genau die Worte sind...die Erniedrigungen...die Pein, die ihm sein Vater immer an den Kopf geworfen hat...als er ihn Prügelte oder als er raus fand, dass der Sohn schwul ist! Tief verwurzelte eigene Verletzungen. Wieder einmal mehr zeigt Herr Greenwell auf, welche Macht Worte und Taten in der frühen Kindheit auf das Leben und erleben von Emotionen haben können. Auf das Lieben können und geliebt werden können! Auf den Aufbau einer zwischenmenschlichen Beziehung. Ich empfinde den Erzähler, den Lehrer, als eine ruhrelose und vor sich selbst davon laufende Person. Getragen von einer inneren Zerrissenheit und Demütigung. Immer auf der Suche nach etwas. Sei es einem Zuhause oder der Liebe, doch selbst als er die mit R. gefunden hatte (was so schön beschrieben war...die Ausflüge und der Versuch ein gemeinsames Weihnachten auszurichten) erfüllte es ihn nicht endgültig und diese tiefen Abgründe der Begierde nach anderen schwelten weiter in ihm. Ich glaube tatsächlich, dass Buch und auch "Was zu dir gehört" sind Bücher, die ich ein zweites Mal lesen würde. Und...ich habe Mitko vermisst... Dennoch kein Buch für die junge Leserschaft denke ich. Spicy Szenen sind was anderes!
Die Reinheit unseres Verlangens….
Als ich Reinheit von Garth Greenwell gelesen habe, war ich neugierig – gerade weil das Buch so viel Lob für seine sprachliche Präzision bekommen hat. Und ja, man merkt schnell: Greenwell kann schreiben. Seine Sätze sind sorgfältig gebaut, durchdacht, fast schon kunstvoll. Trotzdem hat mich das Buch nur mittelmäßig überzeugt. Die intensive Innensicht des Erzählers ist literarisch beeindruckend, aber für mich stellenweise auch anstrengend. Vieles bleibt im Reflexiven, im Grübeln, im Wiederkäuen von Gefühlen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die emotionale Tiefe behauptet wird, ohne mich wirklich hineinzuziehen. Die expliziten Szenen wirken bewusst ernsthaft und bedeutungsschwer – doch sie haben mich nicht immer berührt, sondern eher auf Distanz gehalten.

Viel (zu viel?) Sex
Schöner, eingängiger Schreibstil, interessanter Protagonist den ich gerne durch Sofia und seine Gedanken begleitet habe. Die umfangreichen, expliziten, in meinem Empfinden gewaltvollen Sexkapitel haben bei mir Unbehagen beim Lesen ausgelöst. Aber überspringen ging auch nicht. Das Buch hat was mit mir gemacht, das ich nicht in Worte fassen kann. Es hallt auch Wochen später noch nach.








