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Description
Book Information
Author Description
Alfred Kubin, geboren 1877 in Leitmeritz (Böhmen), gestorben 1959 in Wernstein am Inn, war einer der bedeutendsten und fruchtbarsten Illustratoren des 20. Jahrhunderts.
Posts
Think "The Golem", and then take it up a notch or five concerning weirdness, add something of the darker, more fever-dream-ish passages of "Alice in Wonderland", and there you go. (Also strangely reminiscent of "Hardboiled Wonderland and The End of the World".) This novel is very much a child of its time - which is one brimming with spiritism and an immense fascination for all things occult, especially in creative circles. It was an interesting read, all in all, but a reader must be prepared for about two thirds of build-up with one last third where basically everything happens. I'm never sure how and whether to include content warnings, so I mostly don't. Let's just say the last third could have been part of a slow-paced Tarantino film.
Klappentext: „Ein Jahrhundertroman über den Kampf zwischen Gut und Böse“. Frankfurter Rundschau: „Eine große Satire auf den Kapitalismus“. NEIN, nein, nein und nochmal NEIN! Das Buch ist der Kampf mit dem Unverständlichen. Kubin, als Künstler des Expressionismus, strebte danach, Gefühle und psychologische Zustände auszuloten. Seine düsteren, alptraumhaften Bilder beschäftigen sich mit Angst, dem Tod und dem Unbewussten. Hier landen wir zwangsläufig bei der Psychoanalyse - dem Irrationalen, Halluzinatorischen, Verworrenen des psychischen Innenlebens, ein unzusammenhängender Fluss von Ideen, Leidenschaften, Affekten. Nach Freud folgt das Unbewusste einer eigenen Grammatik und Logik - es spricht und denkt Für Lacan bedeutet das: Ich soll mich trauen, mich dem Ort meiner Wahrheit zu nähern Das Unbewusste enthält die Elemente der Signifikanten - ein Flickwerk aus improvisierten Verbindungen [Zizek aus der Gegenstoß] Kubin greift natürlich den Umgang seiner Zeit mit dem Fortschritt und Kapitalismus auf. Er zeichnet aber die Gegenbewegung dazu. Das Unbehagen der Entfremdung, die Verweigerungshaltung dem Fortschritt gegenüber. Im Traumreich sind nur gebrauchte Kleidung und alte Kunst erlaubt. Nichts Neues darf den Weg hinein finden. Heilig sind dort Gegenstände und Produkte aus der Natur. Kubin skizziert, dass Systeme immer auf ihre antagonistische Weise funktionieren. Wie die Gefahr des Verfalls die treibende Kraft des Fortschritts ist, hat abenso das Traumreich in seinem Widerstand der ideologischen Anrufung, in seiner Trägheit und Stagnation, den Antagonisten des in die Unendlichkeit strömenden Geistes. Das Traumreich ist geprägt von Neurasthenie, die mit einer Reihe von Symptomen, wie Erschöpfung, Ängstlichkeit und Hysterie einher gehen. Ein Verlust des Antriebs, der individuellen Initiative und der Fähigkeit, sich geistig und emotional weiterzuentwickeln. Es ist alles grau in grau. Keine Sonne, keine Sterne, kein Mond. Monotonie. Lacan sagt über das das hysterische weibliche Subjekt: " ich fordere dass Du meine Forderung ablehnst, denn das ist es nicht" - Sabotage gegen die eigene Absicht. Hier schlägt das Reale, das Unbewusste zu. Kubin kreist um diese Angst vor einem „leeren Zentrum“ des Subjektes. Unsicherheiten und die Komplexität des Begehrens durch Mangel werden ausgelotet. Wer sabotiert sich denn eigentlich im Traumreich? Patera – der Herr und Gründer des Traumreiches – der eine göttliche Präsenz in seinem Reich eingenommen hat. Der mann mit den vielen Gesichtern. Kubin verhandelt „Gott im Kampf mit sich selbst“. Eine Spaltung auf der Ebene des höchsten Gutes selbst. Gott begegnet sich als sein eigener größter Verbrecher. Er inszeniert die Hegelianische Aufhebung: Ein Kurzschluss zwischen der ideellen Selbstbestimmung- dem Höchsten und der natürlichen Unmittelbarkeit- dem Niedrigsten. Patera holt den Amerikaner und Milliardär Bell ins Reich. Bell, als Sinnbild für die Unsicherheiten der Europäer vor dem Verlust ihrer kulturellen und politischen Dominanz. Die Bewohner des Reiches der ständigen Angst ausgesetzt: Ich bin eine Figur im Traumraum eines inkonsistenten anderen. Seltsam ist nur, die Bevölkerung scheint eine innere Bereitschaft der Lähmung zu bekunden. Niemand kommt auf die Idee sich aus der Misere zu befreien. Kubin wütet in letzten Drittel des Buches wie ein Dämon. Raserei, sexuelle Enthemmungen, Mordlust, Ungeziefer, Schimmel, Verfall, Gestank…. Hier hilft Kierkegaard weiter. Das “Nichts“- thematisiert in Verbindung mit dem philosophischen Friseur des Reiches. Kierkegaard sagt: Das Nichts gebiert die Angst - die Angst ist die erotische Energie - die dämonische Lust ist unschuldig. Sie wird nicht von der Erkenntnis des Unterschieds zwischen Gut und Böse getragen, sondern nur als ein sich endlos wiederholendes Aufschieben des Absturzes in etwas formloses, angsteinflößendes anderes. Was ist denn da los? Eigentlich sollten sich die Monaden des Reiches von Patera ganz lieblich in ihrer Einheit spiegeln. Harmonisch läuft hier nix im Reich. Da hat Gott/Patera irgendwas nicht im Griff gehabt. Oder eigentlich können wir jetzt Schiller zu Wort kommen lassen: »Freundlos war der große Weltenmeister, Fühlte Mangel - darum schuf er Geister, Sel'ge Spiegel seiner Seligkeit! - Fand das höchste Wesen schon kein gleiches, Aus dem Kelch des ganzen Seelenreiches Schäumt ihm - die Unendlichkeit. « Deshalb sind auch nur die Spiegel auf Hochglanz getrimmt. Alles andere ist stumpf und fahl. Die Monadologie von Leibniz wird von unserem philosophischen Friseur erwähnt. Sonst käm ich da gar nicht drauf. Ha, aber die „Spiegel sind doch NICHTS“. Das Nichts?? Kant hantiert mit seinem „Ding an sich“ auch noch mit rum. Die Grenzen der Selbstreflexion und die Unmöglichkeit, das wahre Selbst durch äußere Bilder vollständig zu erfassen. Patera erzeugt durch sein Reich eine Illusion der Tiefe, der Scheintätigkeiten, die letztendlich leer sind. Und nun komme ich zum Kerngedanken, den ich als eigentlich Kritik Kubins sehe: Die Bewohner verlassen sich alle auf äußere Führung und Strukturen. Man könnte es auch als Kritik an religiösen Symbolen/Strukturen/Autoritäten und der Institution Kirche auffassen, die auf Macht aus ist. Das individuelle Streben nach geistiger Freiheit und Selbstbestimmung wird vernachlässigt. Eine solche Gesellschaft, die den Fortschritt ablehnt und sich stattdessen in einer illusionären Sicherheit wiegt, gerät in noch dystopischere Zustände. Kubins Thema ist der verkümmerte Geist, der den Fortschritt nicht als Möglichkeit des Wachstums begreift. Kubin schreit uns „Akzeptanz der Machtlosigkeit“ „Akzeptanz von Unkontrollierbarkeit“ „Ich will an die Wirklichkeit und komme nicht ran“ „Ihr haltet die wahre Freiheit überhaupt nicht aus“ „Setzt euch mit den Widersprüchen auseinander – sie sind Notwendig“ „ Wir sind verdammt- keine Gewissheit ohne Ungewissheit“ entgegen. Eros oder Thanatos? Leben oder Tod? In dieser Verwirrung Energien frei setzen oder sich und andere aufzehren ?
Zu diesem Meilenstein der phantastischen Literatur, mit der Kubin zum Wegbereiter der deutschsprachigen Surrealisten wurde, passt am besten dieses Zitat von Kraus über Freud: "Ihm gebührt der Verdienst, in die Anarchie des Traums eine Verfassung eingeführt zu haben. Aber es geht darin zu, wie in Österreich."
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Alfred Kubin, geboren 1877 in Leitmeritz (Böhmen), gestorben 1959 in Wernstein am Inn, war einer der bedeutendsten und fruchtbarsten Illustratoren des 20. Jahrhunderts.
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Think "The Golem", and then take it up a notch or five concerning weirdness, add something of the darker, more fever-dream-ish passages of "Alice in Wonderland", and there you go. (Also strangely reminiscent of "Hardboiled Wonderland and The End of the World".) This novel is very much a child of its time - which is one brimming with spiritism and an immense fascination for all things occult, especially in creative circles. It was an interesting read, all in all, but a reader must be prepared for about two thirds of build-up with one last third where basically everything happens. I'm never sure how and whether to include content warnings, so I mostly don't. Let's just say the last third could have been part of a slow-paced Tarantino film.
Klappentext: „Ein Jahrhundertroman über den Kampf zwischen Gut und Böse“. Frankfurter Rundschau: „Eine große Satire auf den Kapitalismus“. NEIN, nein, nein und nochmal NEIN! Das Buch ist der Kampf mit dem Unverständlichen. Kubin, als Künstler des Expressionismus, strebte danach, Gefühle und psychologische Zustände auszuloten. Seine düsteren, alptraumhaften Bilder beschäftigen sich mit Angst, dem Tod und dem Unbewussten. Hier landen wir zwangsläufig bei der Psychoanalyse - dem Irrationalen, Halluzinatorischen, Verworrenen des psychischen Innenlebens, ein unzusammenhängender Fluss von Ideen, Leidenschaften, Affekten. Nach Freud folgt das Unbewusste einer eigenen Grammatik und Logik - es spricht und denkt Für Lacan bedeutet das: Ich soll mich trauen, mich dem Ort meiner Wahrheit zu nähern Das Unbewusste enthält die Elemente der Signifikanten - ein Flickwerk aus improvisierten Verbindungen [Zizek aus der Gegenstoß] Kubin greift natürlich den Umgang seiner Zeit mit dem Fortschritt und Kapitalismus auf. Er zeichnet aber die Gegenbewegung dazu. Das Unbehagen der Entfremdung, die Verweigerungshaltung dem Fortschritt gegenüber. Im Traumreich sind nur gebrauchte Kleidung und alte Kunst erlaubt. Nichts Neues darf den Weg hinein finden. Heilig sind dort Gegenstände und Produkte aus der Natur. Kubin skizziert, dass Systeme immer auf ihre antagonistische Weise funktionieren. Wie die Gefahr des Verfalls die treibende Kraft des Fortschritts ist, hat abenso das Traumreich in seinem Widerstand der ideologischen Anrufung, in seiner Trägheit und Stagnation, den Antagonisten des in die Unendlichkeit strömenden Geistes. Das Traumreich ist geprägt von Neurasthenie, die mit einer Reihe von Symptomen, wie Erschöpfung, Ängstlichkeit und Hysterie einher gehen. Ein Verlust des Antriebs, der individuellen Initiative und der Fähigkeit, sich geistig und emotional weiterzuentwickeln. Es ist alles grau in grau. Keine Sonne, keine Sterne, kein Mond. Monotonie. Lacan sagt über das das hysterische weibliche Subjekt: " ich fordere dass Du meine Forderung ablehnst, denn das ist es nicht" - Sabotage gegen die eigene Absicht. Hier schlägt das Reale, das Unbewusste zu. Kubin kreist um diese Angst vor einem „leeren Zentrum“ des Subjektes. Unsicherheiten und die Komplexität des Begehrens durch Mangel werden ausgelotet. Wer sabotiert sich denn eigentlich im Traumreich? Patera – der Herr und Gründer des Traumreiches – der eine göttliche Präsenz in seinem Reich eingenommen hat. Der mann mit den vielen Gesichtern. Kubin verhandelt „Gott im Kampf mit sich selbst“. Eine Spaltung auf der Ebene des höchsten Gutes selbst. Gott begegnet sich als sein eigener größter Verbrecher. Er inszeniert die Hegelianische Aufhebung: Ein Kurzschluss zwischen der ideellen Selbstbestimmung- dem Höchsten und der natürlichen Unmittelbarkeit- dem Niedrigsten. Patera holt den Amerikaner und Milliardär Bell ins Reich. Bell, als Sinnbild für die Unsicherheiten der Europäer vor dem Verlust ihrer kulturellen und politischen Dominanz. Die Bewohner des Reiches der ständigen Angst ausgesetzt: Ich bin eine Figur im Traumraum eines inkonsistenten anderen. Seltsam ist nur, die Bevölkerung scheint eine innere Bereitschaft der Lähmung zu bekunden. Niemand kommt auf die Idee sich aus der Misere zu befreien. Kubin wütet in letzten Drittel des Buches wie ein Dämon. Raserei, sexuelle Enthemmungen, Mordlust, Ungeziefer, Schimmel, Verfall, Gestank…. Hier hilft Kierkegaard weiter. Das “Nichts“- thematisiert in Verbindung mit dem philosophischen Friseur des Reiches. Kierkegaard sagt: Das Nichts gebiert die Angst - die Angst ist die erotische Energie - die dämonische Lust ist unschuldig. Sie wird nicht von der Erkenntnis des Unterschieds zwischen Gut und Böse getragen, sondern nur als ein sich endlos wiederholendes Aufschieben des Absturzes in etwas formloses, angsteinflößendes anderes. Was ist denn da los? Eigentlich sollten sich die Monaden des Reiches von Patera ganz lieblich in ihrer Einheit spiegeln. Harmonisch läuft hier nix im Reich. Da hat Gott/Patera irgendwas nicht im Griff gehabt. Oder eigentlich können wir jetzt Schiller zu Wort kommen lassen: »Freundlos war der große Weltenmeister, Fühlte Mangel - darum schuf er Geister, Sel'ge Spiegel seiner Seligkeit! - Fand das höchste Wesen schon kein gleiches, Aus dem Kelch des ganzen Seelenreiches Schäumt ihm - die Unendlichkeit. « Deshalb sind auch nur die Spiegel auf Hochglanz getrimmt. Alles andere ist stumpf und fahl. Die Monadologie von Leibniz wird von unserem philosophischen Friseur erwähnt. Sonst käm ich da gar nicht drauf. Ha, aber die „Spiegel sind doch NICHTS“. Das Nichts?? Kant hantiert mit seinem „Ding an sich“ auch noch mit rum. Die Grenzen der Selbstreflexion und die Unmöglichkeit, das wahre Selbst durch äußere Bilder vollständig zu erfassen. Patera erzeugt durch sein Reich eine Illusion der Tiefe, der Scheintätigkeiten, die letztendlich leer sind. Und nun komme ich zum Kerngedanken, den ich als eigentlich Kritik Kubins sehe: Die Bewohner verlassen sich alle auf äußere Führung und Strukturen. Man könnte es auch als Kritik an religiösen Symbolen/Strukturen/Autoritäten und der Institution Kirche auffassen, die auf Macht aus ist. Das individuelle Streben nach geistiger Freiheit und Selbstbestimmung wird vernachlässigt. Eine solche Gesellschaft, die den Fortschritt ablehnt und sich stattdessen in einer illusionären Sicherheit wiegt, gerät in noch dystopischere Zustände. Kubins Thema ist der verkümmerte Geist, der den Fortschritt nicht als Möglichkeit des Wachstums begreift. Kubin schreit uns „Akzeptanz der Machtlosigkeit“ „Akzeptanz von Unkontrollierbarkeit“ „Ich will an die Wirklichkeit und komme nicht ran“ „Ihr haltet die wahre Freiheit überhaupt nicht aus“ „Setzt euch mit den Widersprüchen auseinander – sie sind Notwendig“ „ Wir sind verdammt- keine Gewissheit ohne Ungewissheit“ entgegen. Eros oder Thanatos? Leben oder Tod? In dieser Verwirrung Energien frei setzen oder sich und andere aufzehren ?
Zu diesem Meilenstein der phantastischen Literatur, mit der Kubin zum Wegbereiter der deutschsprachigen Surrealisten wurde, passt am besten dieses Zitat von Kraus über Freud: "Ihm gebührt der Verdienst, in die Anarchie des Traums eine Verfassung eingeführt zu haben. Aber es geht darin zu, wie in Österreich."








