Die Frauen von Kopenhagen
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Description
Book Information
Author Description
Gertrud Tinning hat an der Writers‘ School of Children Literatur studiert und für die UN in Kenia und Sri Lanka gearbeitet. Heute ist sie Dozentin an der International High School in Helsingör, Dänemark. Im Jahr 2013 erschien ihr erster Roman Wie kleine Soldaten, der von der dänischen Kritik wurde. Die Frauen von Kopenhagen ist ihr erster Roman im Diana Verlag.
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Weder der Titel des Romans (der dänische Originaltitel wäre "Eine ungerechte Zeit" gewesen) noch das Titelbild lassen vermuten, dass zwischen den Seiten dieses Buches eine so gehaltvolle, überraschende und spannende Geschichte lauert, die auf beeindruckende Weise die Tradition der britischen social problem und industrial novel des 19. Jahrhunderts aufgreift. Der Roman betrachtet zwei miteinander verbundene Frauenschicksale, deren Leben von den besonders für den weiblichen Teil der Bevölkerung prekären Bedingungen (sowohl auf dem Land als auch in der Stadt) diktiert wird. Sehr deutlich und ohne Mitleidsheischerei wird aufgezeigt wie limitiert, eingeschränkt und feindlich die Lebensumstände für Frauen im späten 19. Jahrhundert waren - einer Zeit, in der die weibliche Abhängigkeit von Männern und Arbeitgebern enorm war. Tinning gelingt es eindrucksvoll, den Schmutz, den Hunger, die (soziale) Kälte und die Hilflosigkeit sowie die tägliche Bedrohung von Frauen durch anverwandte und fremde Männer für die Leserschaft greifbar zu machen. Das überaus beeindruckend aufgezogene Setting bietet den Rahmen für eine überzeugende und spannende Krimihandlung mit überraschenden Wendungen, die gekonnt jedes Klischee, jeden Ansatz von Überzuckerung und alles Seichte vermeidet. Hinzu kommt, dass der historische Kontext auf vielen Ebenen gewinnbringend und gekonnt in das Gesamtkonstrukt des Romans eingebunden wird. So wird das dänische Nationaltrauma (der Verlust der Herzogtümer Schleswig und Holstein) ebenso elegant eingewoben wie die Tuberkuloseepidemie oder die Auswanderungswelle nach Amerika. Die Figuren sind lebensecht und überzeugend konzipiert. Selbst die Heldinnen verfügen nicht über die gewohnten überdurchschnittlichen strahlenden Qualitäten, sondern schlagen sich mehr schlecht als recht durch das Meer der sozialen Ungerechtigkeit. Einfach wird den Protagonistinnen das Leben wirklich nicht gemacht. Wer nach einem plüschigen, historischen Wohlfühlschmöker sucht, ist hier völlig falsch. Alle, die Historie mit Anspruch mögen und eine düstere Atmosphäre nicht scheuen, werden hier hingegen bestens bedient.
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Gertrud Tinning hat an der Writers‘ School of Children Literatur studiert und für die UN in Kenia und Sri Lanka gearbeitet. Heute ist sie Dozentin an der International High School in Helsingör, Dänemark. Im Jahr 2013 erschien ihr erster Roman Wie kleine Soldaten, der von der dänischen Kritik wurde. Die Frauen von Kopenhagen ist ihr erster Roman im Diana Verlag.
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Weder der Titel des Romans (der dänische Originaltitel wäre "Eine ungerechte Zeit" gewesen) noch das Titelbild lassen vermuten, dass zwischen den Seiten dieses Buches eine so gehaltvolle, überraschende und spannende Geschichte lauert, die auf beeindruckende Weise die Tradition der britischen social problem und industrial novel des 19. Jahrhunderts aufgreift. Der Roman betrachtet zwei miteinander verbundene Frauenschicksale, deren Leben von den besonders für den weiblichen Teil der Bevölkerung prekären Bedingungen (sowohl auf dem Land als auch in der Stadt) diktiert wird. Sehr deutlich und ohne Mitleidsheischerei wird aufgezeigt wie limitiert, eingeschränkt und feindlich die Lebensumstände für Frauen im späten 19. Jahrhundert waren - einer Zeit, in der die weibliche Abhängigkeit von Männern und Arbeitgebern enorm war. Tinning gelingt es eindrucksvoll, den Schmutz, den Hunger, die (soziale) Kälte und die Hilflosigkeit sowie die tägliche Bedrohung von Frauen durch anverwandte und fremde Männer für die Leserschaft greifbar zu machen. Das überaus beeindruckend aufgezogene Setting bietet den Rahmen für eine überzeugende und spannende Krimihandlung mit überraschenden Wendungen, die gekonnt jedes Klischee, jeden Ansatz von Überzuckerung und alles Seichte vermeidet. Hinzu kommt, dass der historische Kontext auf vielen Ebenen gewinnbringend und gekonnt in das Gesamtkonstrukt des Romans eingebunden wird. So wird das dänische Nationaltrauma (der Verlust der Herzogtümer Schleswig und Holstein) ebenso elegant eingewoben wie die Tuberkuloseepidemie oder die Auswanderungswelle nach Amerika. Die Figuren sind lebensecht und überzeugend konzipiert. Selbst die Heldinnen verfügen nicht über die gewohnten überdurchschnittlichen strahlenden Qualitäten, sondern schlagen sich mehr schlecht als recht durch das Meer der sozialen Ungerechtigkeit. Einfach wird den Protagonistinnen das Leben wirklich nicht gemacht. Wer nach einem plüschigen, historischen Wohlfühlschmöker sucht, ist hier völlig falsch. Alle, die Historie mit Anspruch mögen und eine düstere Atmosphäre nicht scheuen, werden hier hingegen bestens bedient.






