Zähe Hunde

Zähe Hunde

Hardback
4.610

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Description

Eine der aufregendsten neuen Stimmen der niederländischen Literatur .

Ada und ihr Bruder Broos wachsen im Wohnmobil ihres Vaters auf, eines verbitterten Gärtners, der bei den Kindern gerade rücken will, was die Mutter bei der Erziehung verbockt hat. Er will sie etwa »unertrinkbar« machen, indem er sie bis zur Erschöpfung wettschwimmen lässt. Das hat sich als Lebenslektion tief in Ada eingegraben, ebenso wie die obsessive Arbeitsmoral ihres Vaters. Aber Ada entfernt sich von ihrem Umfeld und beginnt ein Kunststudium, bald zieht sie sich jedoch davon desillusioniert in eine Hütte im Wald in Galizien zurück. Dort in der rauen Natur beginnt ihre Vergangenheit sie einzuholen.

Falun Ellie Koos schleudert all den Schmerz und das Elend erst mit Präzision gegen die Wand, um es dann mit Liebe und Mitgefühl wieder aufzulesen.

Nominiert für die Shortlist des niederländischen Libris-Literaturpreis.

»Die Spannung ist in fast jedem Satz spürbar, in diesem verletzlichen und zugleich kraftvollen Romandebüt.« Het Parool, Beste Bücher des Jahres 2024

»Wunderschön geschriebene Szenen. […] Verschlägt einem den Atem.« Limburgs Dagblad

»[Zähe Hunde] ist bei weitem das beste Debüt, das ich derzeit lese. Roh, schnell, scharf, hautnah: Kompliment an Falun Ellie Koos.« Stijn de Vries, Vogue

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
303
Price
24.70 €

Author Description

Falun Ellie Koos, geboren 1992, ist Schriftsteller und Filmemacher. Koos' Debütroman "Zähe Hunde" wurde für eine Vielzahl an Preisen nominiert, u.a. für die Shortlist des wichtigen Libris-Literaturpreises, und von der Zeitung Het Parool zu einem der zehn besten Bücher des Jahres gewählt. Koos gewann 2022 den Joost-Zwagerman-Essaypreis und erhielt 2023 ein Cronestipendium für vielversprechende Autor:innen der Stadt Utrecht.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
85%
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Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
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Pace

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Moderate100%
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Writing Style

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Moderate100%
Minimalistisch (100%)Poetisch (100%)Außergewöhnlich (100%)

Posts

6
All
5

Über Stärke, Schweigen und Geschwister

Ada wächst mit ihrem Bruder Broos in einem Trailerpark auf. Nach dem Tod der Mutter bleibt nur der Vater: ein Mann mit erdigen Händen, Tabakgeruch und einem kompromisslosen Weltbild. Arbeit ist alles. Schwäche ist verboten. Tränen sind Verrat. Von ihm lernt Ada, hart zu sein. Härter als andere, härter als sie selbst. Broos hingegen passt nie in dieses System. Er ist zu weich, zu anders, zu wenig das, was der Vater unter Stärke versteht. Zwischen den Geschwistern entsteht eine tiefe, wortlose Verbundenheit, während der Vater ihnen immer wieder einbläut, dass die Welt gegen sie ist, Autoritäten nicht zu trauen sind und man sich nur auf sich selbst verlassen darf. Als Ada und Broos schließlich gegen diese Werte verstoßen, bricht der Vater den Kontakt ab. Von diesem Moment an nehmen ihre Leben Richtungen an, die niemand hätte vorhersehen können. Erzählt wird die Geschichte aus Adas Perspektive – aus der Gegenwart heraus, in der sie sich in einer Hütte in Spanien aufhält, um die Stille zu „erforschen“. Von dort blickt sie zurück: auf ihre Kindheit, ihre Jugend, ihren Bruder. Sie „erzählt“ zu ihm, obwohl sie seit Jahren keinen Kontakt mehr haben. Das Buch ist harte Kost. Ich hatte zu Beginn tatsächlich Mühe, hineinzufinden. Der Schreibstil ist sehr eigen, die Erzählform ungewohnt. Ich würde wirklich jedem empfehlen, vorab eine Leseprobe zu lesen, um zu schauen, ob man sich darauf einlassen kann. Aber: Sobald man einmal drin ist, entfaltet sich diese Geschichte wie ein Sog, der einen nicht mehr loslässt. Die Metaphern sind außergewöhnlich stark, die Wortwahl intelligent und präzise. Oft musste ich schlucken, weil alles so rau, so ungeschönt erzählt wird. Nichts wird erklärt, nichts beschönigt, man wird einfach hineingeworfen. Ada und Broos sind zwei gebrochene Menschen, deren Verletzungen sich Stück für Stück zeigen. Die Familiengeschichte entfaltet sich langsam, Schicht für Schicht, und mit jeder neuen Erkenntnis wird klarer, wie tief diese Prägungen reichen. Sehr besonders fand ich die wortlose Liebe zwischen den Geschwistern. Da ist Nähe, ohne dass sie ausgesprochen wird. Loyalität, ohne Pathos. Schmerz, der nie richtig benannt werden kann. Die Geschichte ist in kurze Kapitel gegliedert, die wie Briefe an Broos wirken. Diese Form gibt dem Text etwas Intimes, fast schon Beichtartiges. Ada erzählt aus der Gegenwart und springt immer wieder in die Vergangenheit. Aber nicht chronologisch, sondern assoziativ, so wie Erinnerungen eben funktionieren. Ada selbst ist eine Protagonistin mit einem harten Weltbild, geprägt von Arbeit, Disziplin und Abgrenzung und gleichzeitig unglaublich verletzlich. Diese Spannung macht sie so lebensecht. Dass dies ein Debüt ist, hat mich ehrlich gesagt umgehauen. Wie klug, reflektiert und sprachlich sicher Falun Ellie Koos schreibt, ist bemerkenswert. Fazit Zähe Hunde ist eine schöne und gleichzeitig schreckliche Geschichte. Eine Geschichte über Erziehung, Härte, Loyalität, Schuld und Liebe, die keinen Platz für große Worte hat. Es ist kein Buch, das man einfach wegliest. Es ist rau, fordernd und manchmal schwer auszuhalten, aber genau das macht diese Geschichte so eindringlich. Ein Debüt, das still trifft und lange bleibt.

5

ZÄHE HUNDE Falun Ellie Koos ET: 15.04.26 Ada lebt bei einem fremden Mann in Galizien. Unterhalten können sie sich aufgrund der Sprachbarriere kaum. Schweigend und in stillem Einverständnis arbeiten sie Hand in Hand nebeneinander her. Für Ada ist dies ein Rückzugsort – von ihrem Studium, von ihrer Freundschaft zu Frédérique, die ihr zu eng geworden ist. Hier findet sie die Muße und die Zeit, sich an die Vergangenheit zu erinnern und darüber nachzudenken, was in ihrer Kindheit alles falsch lief. Vor allem bei den Erziehungsmethoden ihres Vaters. In Rückblicken nimmt Ada uns mit: Nach dem frühen Tod ihrer Mutter ziehen Ada und ihr Bruder Boos zu ihrem Vater, der auf einem Caravan-Park in einem winzigen Wohnmobil lebt, das diesen Namen aufgrund seiner Größe kaum verdient. Der Vater arbeitet von morgens bis abends, an Wochenenden und in jeder freien Minute. Menschen, die nicht so hart arbeiten wie er, begegnet er mit Verachtung. Stolz bezeichnet er sich selbst als einen „zähen Hund“ – und genau diese Werte möchte er auch seinen Kindern vermitteln oder aufzwingen, je nachdem, wen man fragt. Seine Ex-Frau, Adas und Boos' Mutter, die ihre Tage meist im Bett verbrachte und oft nur im Schlafanzug herumlief, ist für ihn das abschreckende Beispiel. Die vermeintlich verweichlichten Werte, die er mit ihrer Erziehung einherging, will er seinen Kindern austreiben. Ada und Boos haben weder Freunde noch Familie und sind vollkommen auf ihren Vater fixiert. Sie buhlen um seine Aufmerksamkeit und Anerkennung, während er seine Erziehungsmethoden mit voller Härte und patriarchalen Strukturen durchsetzt. Zwischen den Geschwistern entsteht ein Konkurrenzkampf, der beide weit über ihre Kindheit hinaus prägen wird. Wie sich diese Erziehung auf ihr weiteres Leben auswirkt, müsst ihr natürlich selbst lesen. Ufff, keine leichte Kost. Ein Roman, der unter die Haut geht und mich mitten ins Herz getroffen hat. Sprachlich ist das Buch unglaublich stark – fast zu schön für den derben und oft schonungslosen Inhalt. Düster und bedrückend erzählt, habe ich es trotzdem regelrecht verschlungen. Fazit: Ein tiefgründiges Buch über die Prägungen unserer Kindheit und darüber, wie sehr sie unser weiteres Leben bestimmen können. Eine Geschichte, die noch lange nachwirken wird. 5/5

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4

Ada wächst mit ihrem kleinen Bruder Broos in schwierigen Verhältnissen auf. Nach dem Tod der Mutter, leben sie mit ihrem Vater zusammen in einem Wohnmobil. Er will ihnen Härte vermitteln, sie „unertrinkbar“ und stark machen. Broos leidet sehr unter diesen Umständen, doch Ada versucht sich die Werte ihres Vaters anzunehmen. Später verlässt sie ihren Vater und beginnt ein Kunststudium. Doch auch hier holt sie immer wieder ihre Vergangenheit ein, leidet sie unter den Prägungen ihrer Kindheit. Sie zieht sich in eine Hütte im Wald in Galizien zurück. Dort reflektiert sie, versucht zu verstehen. Ein harter Roman über die Narben der Kindheit, familiäre Abhängigkeit und sozialer Ungleichheit. Erzählt wird ganz klar, schonungslos ehrlich und doch so emotional. Die emotionale Wucht entfaltet sich im Alltäglichen. Gespräche, Erinnerungen, Gesten. Auf Dramatik wird weitestgehend verzichtet, der Leser erkennt das selbst in den alltäglichen Situationen. Besonders stark ist die Zeichnung der Protagonisten. Ada ist kein typisches Opfer. Der Schmerz ist für sie Normalität geworden, sie ist stolz darauf ein „zäher Hund“ zu sein. Lange kann sie nicht erkennen wie sehr sie darunter gelitten hat. Auch der Vater wird sehr differenziert dargestellt. Er ist selbst enttäuscht vom Leben, hat Ängste und ein anderes Bild von Liebe. Diese Ambivalenz macht den Roman so besonders und eindringlich und verleiht ihm eine psychologische Tiefe. Dieser Roman konnte mich durch die beeindruckende Sprache und die psychologische Tiefe überzeugen. Empfehle ich euch gern weiter.

4.5

Wenn Kindheit keine weiche Erinnerung ist

Manche Bücher kommen nicht leise daher, sie treten die Tür ein, stellen sich mitten in den Raum und zwingen einen hinzusehen. Zähe Hunde war für mich genau so ein Buch. Rau, schmerzhaft, kantig und trotzdem voller Mitgefühl für Figuren, die viel zu früh lernen mussten, dass Liebe manchmal wie Härte aussieht. Ada wächst mit einem Vater auf, der Erziehung mit Abhärtung verwechselt. Dieses Wohnmobil, diese Schwimmlektionen bis zur Erschöpfung, diese ständige Forderung, stark zu sein, haben sich mir beim Lesen richtig unter die Haut geschoben. Da ist nichts weichgezeichnet, nichts bequem gemacht. Falun Ellie Koos schreibt mit einer Wucht, die fast körperlich spürbar ist. Besonders stark fand ich, wie Ada später versucht, sich aus diesem alten Leben herauszuschälen. Kunststudium, Rückzug, Wald, Galizien, eine Hütte fernab von allem. Und doch reist die Vergangenheit einfach mit. Genau das hat mich berührt, weil dieses Buch so ehrlich zeigt, dass man nicht automatisch frei ist, nur weil man weit genug weggeht. Für mich ist Zähe Hunde kein Wohlfühlroman, sondern ein literarisch intensives Buch über Prägung, Überleben, Wut, Familie und die Sehnsucht danach, endlich anders atmen zu können. Nicht leicht, aber beeindruckend.

Wenn Kindheit keine weiche Erinnerung ist
4

Hart, still und verstörend

Zähe Hunde erzählt von Ada und Broos, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater in einem Trailerpark aufwachsen – in sehr armen Verhältnissen und unter einer extrem harten Hand. Für die beiden ist es normal, sich vor den Launen ihres Vaters in Acht zu nehmen. Je nachdem, wie gut sie alleine zurechtkommen, bestraft oder belohnt er sie. Ein Vater, der seine Kinder gegenüber jeder Gefahr abhärten will. Der menschliche Emotionen wie Tränen oder Angst als Schwäche betrachtet und harte Arbeit zum Maß aller Dinge macht. Der sich von Autoritäten bedroht fühlt und seinen Kindern beibringt, niemandem zu vertrauen. Trotzdem bleibt er keine rein böse Figur. Er hat auch eine weiche Seite, die immer wieder durchscheint. Er versucht nach seinen eigenen Überzeugungen, seinen Kindern das Bestmögliche zu geben und ihnen so gut es ihm möglich ist Liebe zu zeigen. Es gibt hier nicht einfach nur Schwarz und Weiß, auch wenn einem beim Lesen ständig bewusst ist, wie ungesund und schlimm die Umgebung ist, in der die Kinder aufwachsen. Ada versucht vor allem, ihrem Vater nahe zu sein, indem sie so wird wie er. Sie glaubt, Liebe dadurch zu bekommen, dass sie hart wird. Ihr Bruder Broos bleibt dabei jedoch auf der Strecke. Er ist sensibel und passt nicht in diese raue Welt der kleinen Familie. Dadurch entsteht zwischen den Geschwistern eine Distanz, die mit der Zeit kaum noch überbrückbar wird. Die Geschichte springt immer wieder zwischen Adas jetzigem Leben und ihrer Kindheit hin und her. Dabei richtet sie ihre Gedanken oft direkt an ihren Bruder. Warum das so ist, erfährt man erst später. Die Erzählweise ist ungewöhnlich, aber genau dadurch wirkt alles sehr nah und intensiv. Man hat oft das Gefühl, direkt in Adas Gedanken zu sein. Die Autorin schafft es unglaublich gut, die raue Atmosphäre, die Angst, die Einsamkeit und gleichzeitig diese komplizierte Mischung aus Liebe und Härte spürbar zu machen. Dahinter steht auch stark das Thema Generationstrauma -ein Vater, der selbst nie etwas anderes gelernt hat und diese Härte an seine Kinder weitergibt. Insgesamt fand ich das Buch unglaublich stark geschrieben, auch wenn es teilweise wirklich schwer zu lesen war. Für mich ein sehr intensiver Roman über Kindheitstrauma, emotionale Vernachlässigung und die Frage, wie sehr einen das eigene Aufwachsen ein Leben lang prägt. *unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar

5

Beklemmend und spannend.

Ein schweres Buch. Falun Ellie Koos schreibt auf sehr unaufgeregte Weise über Härte. Und Ada, aus deren Perspektive das Buch berichtet, spricht beständig ihren Bruder Broos an, sie schreibt über die gemeinsam verbrachte Kindheit, den Tod der Mutter, das Aufwachsen im Wohnwagen beim Vater. Ein Vater, der beide Kinder wehrhaft zu machen versucht (so bezeichnet dieser es zu Ende des Buches). Trotz oder gerade wegen der tiefen Schwere und starken Intensität vieler beschriebener Ereignisse, empfand ich das Buch als sehr spannend zu lesen. Es ist schwierig, Zugang zu Lebensrealitäten zu finden, die fernab des eigenen Aufwachsens liegen. Diese Brücke vermag das Buch eindrucksvoll zu bauen. Kindheit ist nicht „nur“ Kindheit, sondern auf ihrer Basis erwachsen Menschen, fühlen sich fremd oder verbunden oder etwas dazwischen oder doch nicht. Das macht das Buch deutlich. Ich blieb durchgehend neugierig zurück. Und denke recht intensiv über das Gelesene nach.

Beklemmend und spannend.
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