California Girl
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Description
Book Information
Author Description
Tamar Halpern ist Filmemacherin und Autorin. Sie hat Rundfunkjournalismus und Filmproduktion studiert; ihre Dokumentarfilme sind preisgekrönt. Halpern lehrt Regie und Drehbuch und ist Gründerin des Start-ups CitySearch. Sie lebt in Los Angeles.
Posts
„Und wenn ein Auto auf uns zurast tanzen wir“
Timey ist vierzehn und bereit, das Leben in L.A. so richtig zu genießen. Wir schreiben das Jahr 1981 und alles ist groß, bunt und schrill. Auf ihrer Reise des Erwachsenwerdens dreht sie sich im Kreis, reißt aus, nimmt Drogen und tanzt nachts auf dem Highway – ein Leben in Sekunden, in einem einzigen Moment, ohne Anfang oder Ende. Tamar Halpern hat mit diesem sehr ungewöhnlichen Roman ein schrilles, schräges und lebhaftes Porträt eines Jahrzehnts des Aufbruchs und der Fragen gezeichnet – all das durch die Augen eines launischen und sehr lebendigen Teenie-Mädchens, das auf der Schwelle zur jungen Erwachsenen jede Party, jeden Joint und absolut jede dumme Idee mitmacht, rebelliert und hinterfragt, dann trotzdem mit dem Kopf gegen die Wand rennt und sich dem Kreislauf des jung-und-wütend-Seins anschließt. Mit einem chaotischen, sprunghaften Schreibstil folgen wir Timey durch L.A., wohin, das weiß sie selbst nicht so genau. An ihrer Seite wird diese vergangene, mittlerweile legendäre Zeit sehr lebendig; schrill und laut ist dieses Buch, mit Worten und Bildern. Ist es nun ein Jugendbuch? Wohl eher nicht, auch wenn Jugendliche dieses Buch bestimmt auch faszinierend finden würden. Die Geschichte hat keinen richtigen Handlungsbogen, sie ist viel eher eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, die ein vergangenes Lebensgefühl widerspiegeln und keine andere Botschaft vermitteln, als sich in eine andere Zeit zu versetzen. Dieses Buch kann anstrengen, tierisch nerven, zum Lachen bringen und Ohrwürmer verpassen, wer Coming-of-Age erwartet, wird es womöglich hassen, andere wird es vielleicht unterhalten, aber so richtig schlau draus werden wird man wohl nie. Auf jeden Fall ist es eine chaotisch-gelungene Anleitung: How to 80s, im Guten wie im Schlechten.

Timey ist vierzehn. Zahnspange, Gefühlschaos, Besties und alles. Mit ihrer Hippie-Künstler Mutter in L.A. Und ihrem Professor Vater in Berkley ist das Leben sowieso schon nicht leicht, und dann kommt die erste große Lüge. Die erste große Liebe. Der erste Weltschmerz. Auf der Suche danach, wo sie hingehört, wer aus ihr werden wird, probiert sie Outfits, Identitäten und Drogen und rast mit uns durch ein Teenagerleben im Kalifornien der 80er, in dem Freiheit und Rebellion alles sind. „Wir sind Lügnerinnen in einem Netz aus Lügen, und wenn ich erzählen soll, wie es war, muss ich auch lügen, sonst wäre es nicht wahr.“ (Seite 11) „California Girl“ ist wohl ein polarisierender Coming-of-Age Roman. Man liebt ihn, oder kann gar nicht damit warm werden. So jedenfalls sind die unterschiedlichen Stimmen zu dem Roman zu lesen. Ich gebe zu, anfangs wusste ich auch nicht, was ich davon halten sollte, denn der Schreibstil fühlte sich unnahbar an. Aber je weiter ich las, umso mehr hat mich die Geschichte gepackt und je spannender fand ich es. Ich wollte selbst wissen, wie es mit ihr weiter ging. Sie hatte einen schweren Stand, die Eltern getrennt, ständiger Wohnortwechsel, dann als Teenager zwischen L.A. Und Berkley pendeln. Überall andere Freundschaften und an alle wollte sie sich anpassen. Sie konsumiert jede Menge Drogen, das hat mich ein bisschen aus dem Konzept gebracht. War das so in den 80ern in den USA so? Ich hab keine Ahnung, aber die Autorin weiß schon, was sie schreibt. Und ja, Fakt ist, dass in den 80ern und 90ern der Drogenkonsum in den Staaten einen riesen Hype hatten. Eigentlich bleibt die Protagonistin einem als Lesenden ein wenig fremd und entfernt, und doch war sie mir manches mal sehr nah. Ich habe in den 80ern eine ganz andere Teenagerzeit erlebt, aber auf der Suche war man doch trotzdem und Rebellion kannte ich auch, in einer anderen Art und Weise, aber im Endeffekt war es auch irgendwie gleich. Das machte mir die Protagonistin schon wieder sympathisch und die Schreibart war genau die richtige dafür. Alles in allem hab ich das Buch wirklich geliebt und bekommt von mir eine klare Leseempfehlung. Ganz besonders gelungen fand ich auf den letzten Seiten die vielen Erklärungen zum Buch, ob es um die städtebauliche Architektur, um Kultur oder um Outfits geht, man erfuhr doch wieder was Neues. Auch um Politik der 80er, Sexualität und Scheidungsraten erfuhr man einiges, besonders interessant fand ich die Fußnote rund um Äther und die Verhütung durch den Vorgänger der Spirale, und dessen Auswirkungen – sehr interessant und wundervoll recherchiert. Rund herum ein sehr gelungener Roman!

Tamar Halperns Debütroman „California Girl" entführt uns ins Kalifornien der 1980er Jahre, wo wir die 14-jährige Timey auf ihrem oft turbulenten Weg des Erwachsenwerdens begleiten. Timey pendelt zwischen den gegensätzlichen Welten ihrer geschiedenen Eltern: Das vibrierende, künstlich-glamouröse Los Angeles bei ihrer Hippie-Künstlermutter und das liberal-intellektuelle Berkeley, wo ihr Vater, ein Physikprofessor, lebt. Diese geteilte Welt verstärkt Timeys ohnehin chaotische Teenagerjahre, in denen sie die erste Liebe, Schulprobleme und die Verlockungen von Freiheit und Rebellion erlebt – von Drogen über Partys bis hin zum Schulschwänzen. Halpern zeigt dabei ein feines Gespür für die kulturelle Landschaft und jugendliche Mentalität der 80er Jahre. Die bildreiche, direkte Sprache macht Timeys Leben fast schon greifbar, und man spürt die Intensität und die Unruhe dieser Zeit zwischen den Zeilen. Gleichzeitig gelingt es Halpern, die zentralen Themen des Erwachsenwerdens, wie Identitätssuche, Loslösung von den Eltern und das Herumtasten in einer komplexen Welt, authentisch und ohne Kitsch einzufangen. Der episodenhafte Aufbau verleiht dem Roman eine gewisse Leichtigkeit, die jedoch auch dazu führen kann, dass man sich mit der Protagonistin nur schwer verbunden fühlt. Die Szenen wirken oft wie lose Einblicke und Anekdoten, die zwar die Stimmung dieser Lebensphase einfangen, aber in ihrer Summe ein wenig strukturlos erscheinen. Timey selbst ist eine facettenreiche, aber widersprüchliche Figur. Ihre Unsicherheiten und ihre teils impulsiven Handlungen sind glaubwürdig dargestellt, doch gleichzeitig bleibt sie in ihrem rebellischen Auftreten und dem szenenhaften Erzählstil für manche Leser*innen möglicherweise schwer zugänglich. Die Emotionen und dramatischen Momente verlieren durch den episodenhaften Aufbau etwas an Intensität, und gelegentlich fragt man sich, wohin der Roman führen soll. Alles in allem ist „California Girl" ein einfühlsames Porträt einer Teenagerin der 80er Jahre, die sich in einer Welt des Umbruchs behaupten muss. Halperns Schreibstil überzeugt mit Authentizität und einer besonderen Sensibilität für jugendliche Perspektiven, auch wenn der Roman als Ganzes etwas lose strukturiert wirkt. Für Fans von Coming-of-Age-Erzählungen, die sich weniger um lineare Handlungen als um Momentaufnahmen einer Jugend kümmern, bietet dieses Buch eine spannende Reise in eine aufregende Zeit und eine widersprüchliche Gefühlswelt. Aus dem amerikanischen Englisch von Sophie Zeitz.

Krass, Fassungslosigkeit, irre. Die Jugendkuktur der 80er in Kalifornien, die hier widergespiegelt wird, ist einfach nur krass. Mit 14 sich Nachts rauszuschleichen und tagsüber die Schule zu schwänzen sind einigermaßen harmlos. Es geht aber weiter mit klauen, übermäßigem Drogenkonsum, teenagersex oder schlimmeren. Timey kommt mit echt vielem in Berührung und man fragt sich wie das gut enden kann?
**** Worum geht es? **** Die Protagonistin erlebt so einiges mit ihren 14 Jahren, zig mal umgezogen, zig mal neu angefangen. Durch die Scheidung ihrer Eltern durchreist sie das Land jedes zweite Wochenende, Freundschaften hier, Freundschaften dort, aber so richtig zur Ruhe scheint sie nicht zu kommen. Pott und Sex sind mit 15 total angesagt und so lebt sie von einer Party in die nächste und vergisst ganz nebenbei zur Schule zur gehen. Stress mit der Mutter ist also vorprogrammiert und so einiges anderes auch. Kann das gut gehen? **** Mein Eindruck **** Die Geschichte wird aus der Sicht der Protagonistin erzählt. Szenisch durchleben wir emotionale Hochs und Tiefs einer 14/15 Jährigen, die sich mitten ins Leben von Drogen und Sex ziehen lässt. Ich habe das Gefühl den Klischees der Zeit näher gekommen zu sein und gleichzeitig eben auch die Auswirkungen auf ein Teenager Leben in der Zeit mitbekommen zu haben. Das Ende hat mich mit dem Verlauf der Geschichte versöhnt. Die emotionalen Achterbahnfahrten der Protagonistin habe ich eher unterschwellig miterlebt. Die szenische Darstellung, die ich in der Regel sehr mag, hat hier die emotionale Ebene abgedämpft. Schock, Wut oder Entrüstung konnte ich trotz der drastischen Geschehen nicht durchleben, dennoch fand ich das Leben der Protagonistin interessant und konnte mich auf die Handlungen und Folgen einlassen. Ich bin ein Teenie der 2000er und auch wenn manche Themen damals anders waren, habe ich mich doch auch an einigen Stellen wieder erkannt. **** Empfehlung? **** Jeder macht in seiner Jugend eine eigene Rebellion durch und ich finde als dieses kann das Buch überzeugen, sehr gut unterhalten und eben auch eine Botschaft vermitteln. Eine Leseempfehlung für Fans von szenischen Coming of Age Erzählungen.
Bewegend! Rasant, rotzig und ehrlich (obwohl doch alle lügen) erleben wir hier das Leben als Teenager im Kalifornien der 80er Jahre. Das ist keinesfalls glitzernd und durchgängig cool, sondern mitunter schmerzhaft und ernüchternd. Den besonderen Twist erhält das Buch durch die sogenannten "Fußnoten" - ein Anhang bestehend aus lose aneinandergereihten Fakten zu Zeitgeschichte, Architektur, Mode und Gesellschaftsthemen, in denen ab und zu auch die persönliche Geschichte (und Witz!) der Autorin durchblitzt und wodurch ein Zeitgeistpanorama entsteht, vor dessen Hintergrund die Hauptgeschichte nochmal so stark wirkt.
SCHRILL UND TROTZDEM GEFÜHLVOLL
California Girl - Tamar Halpern - Deutsch: Sophie Zeitz - Diogenes Verlag - 2023 - 304 Seiten - Rezensionsexemplar „Mom beginnt die Lüge, indem sie von der Zeit erzählt, als meine Eltern verheiratet waren. Darüber redet sie fast nie, außer um zu erklären, dass sie mich bekamen, um ihre Ehe zu retten, und sich scheiden ließen, als ich drei war. Im Gegensatz zu meinem Vater (der mir alles erzählt –abwarten) ist sie eine sparsame Geschichtenerzählerin.“ Die vierzehnjährige Tamy erzählt ihre Geschichte, die in den 1980er Jahren spielt und voll ist, von den pubertären Gefühlen eines Teenagers - der in zwei Welten aufzuwachsen gezwungen ist, da Mutter und Vater geschieden sind. Mit ihrer Hippie-Künstler-Mutter lebt sie in L.A. - mit ihrem (Physik)-Professoren-Vater in Berkeley. Tamy muss sich also in zwei Welten aufhalten - zudem muss sie Freunde, Schule, die erste Liebe und den Freiheitsdrang ihrer Jugend unter einen Hut bringen - was ihr schließlich mehr schlecht als recht gelingt. Die ganze Story ist geprägt vom Gefühlschaos einer Heranwachsenden, die sich in (leichte) Drogen und Musik rettet. Was sie erzählt, ist eigentlich der normale Verlauf eines jungen Lebens. Sie lernt, sich abzukapseln und sich gleichzeitig mit verschiedenen Menschen und Situationen zu engagieren. Dabei passieren eigentlich keine großen Dinge, jedoch ist für einen Heranwachsenden letztlich alles groß und bedeutsam. Und dies wird hier in einer so erfrischenden und mitreißenden Sprache erzählt, dass man fast selbst mit heranwächst. Manchmal vielleicht etwas drüber und etwas zu schrill - letztlich aber extrem gefühlvoll, so dass man einfach weiterlesen und mitlesen möchte. Die „Fußnoten“ am Ende wären (meiner Meinung nach) nicht notwendig gewesen - aber das ist nur ein winziger Kritikpunkt. Meiner Meinung nach ein Coming of Age Roman, der durchaus von seiner Eindringlichkeit mithalten kann, mit „Der Fänger im Roggen“ - nur eben in einer anderen Zeit.
Auf den ersten Blick gibt sich California Girl als das, was der Titel verspricht: eine sommerlich-leichte Momentaufnahme eines kalifornischen Lebensgefühls, durchzogen von jugendlicher Rebellion, zarten Aufbrüchen und dem bittersüßen Glanz der Selbstfindung. Tatsächlich gelingt dem Roman streckenweise genau das – besonders in seinen Coming-of-Age-Passagen, die mal lakonisch, mal poetisch die kleinen Aufbrüche des Erwachsenwerdens schildern. Manchmal blitzt darin sogar eine zarte Melancholie auf, die an Joan Didion erinnert, nur mit weniger existenziellem Tiefgang. Doch dann, beinahe wie durch einen Schnitt, kippt der Ton: Der Roman wechselt in einen dunkleren Modus, hält den Leser:innen plötzlich die hässlicheren Seiten der westlichen Wohlstandsgesellschaft vor – Gewalt, soziale Kälte, moralische Orientierungslosigkeit. Diese Brüche sind gewollt, teils wirkungsvoll, aber nicht immer gut verankert im Erzählfluss. Die Kontraste wirken mitunter wie dramaturgische Fremdkörper, die mehr behaupten als ausloten. Was bleibt, ist ein Buch, das zu unterhalten weiß – phasenweise sogar mit echtem Charme –, aber insgesamt das Gefühl hinterlässt, dass es sich selbst nie ganz gefunden hat. Die Figuren taumeln zwischen klugem Zeitgeist und bloßer Typenzeichnung, der Plot hangelt sich entlang atmosphärischer Bilder, ohne wirklich haften zu bleiben. Man liest, man nickt, man blättert weiter – aber man wird selten wirklich getroffen. So bleibt California Girl ein angenehm zu lesendes, gelegentlich aufblitzendes, insgesamt aber etwas blasses Porträt einer Zeit und eines Gefühls, das vielleicht mehr Tiefe hätte haben können, hätte es sich stärker für seine eigenen Widersprüche interessiert.
3,5 ⭐️ Krasses Portrait der amerikanischen Jugend der 80er Jahre
Ich kaufte mir das Buch, weil die mood des Klappentextes ähnlich klang, wie die anderer Werke, die den Vibe des Sommers einfangen wollen: Der große Sommer, Hard Land,… Ich war dann etwas irritiert, als das Buch eine Leere und Einsamkeit in mir zum Vorschein brachte. Dieses Buch hat recht wenig mit dem Sommer meiner Jugend zu tun, dafür aber viel mit Rebellion, Trotz, Drogen und Rock‘n‘Roll. Die junge Frau, gerade mal 14, später dann 15, die man als Leserin begleitet, wächst in einem eher trostlosen Ort an der Westküste auf. Das Klientel ihrer Nachbarschaft: Arbeitslose, Drogenabhängige, Kriminelle, Familien in zerrütteten Verhältnissen. Durch ihre besten Freundinnen B und N gerät sie auf die schiefe Bahn und probiert sich an Gras und Alkohol. Im Verlauf des Buches kommt das in dem Alter vorgeschriebene Interesse an Männern dazu, welches von unserer weiblichen Hauptfigur nur aus dem Grund, „weil es alle tun“ verfolgt wird. Als Leserin muss man mit der Unstetigkeit ihres Lebens umgehen können. Man muss ertragen, dass es nicht in Ordnung ist, mit fremden Männer jenseits der 30 zu verkehren und das lähmende Nichtstun der Eltern ertragen. Das Buch hat mich wirklich aufgewühlt, weshalb ich es in kleinen Häppchen lesen musste.

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Tamar Halpern ist Filmemacherin und Autorin. Sie hat Rundfunkjournalismus und Filmproduktion studiert; ihre Dokumentarfilme sind preisgekrönt. Halpern lehrt Regie und Drehbuch und ist Gründerin des Start-ups CitySearch. Sie lebt in Los Angeles.
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„Und wenn ein Auto auf uns zurast tanzen wir“
Timey ist vierzehn und bereit, das Leben in L.A. so richtig zu genießen. Wir schreiben das Jahr 1981 und alles ist groß, bunt und schrill. Auf ihrer Reise des Erwachsenwerdens dreht sie sich im Kreis, reißt aus, nimmt Drogen und tanzt nachts auf dem Highway – ein Leben in Sekunden, in einem einzigen Moment, ohne Anfang oder Ende. Tamar Halpern hat mit diesem sehr ungewöhnlichen Roman ein schrilles, schräges und lebhaftes Porträt eines Jahrzehnts des Aufbruchs und der Fragen gezeichnet – all das durch die Augen eines launischen und sehr lebendigen Teenie-Mädchens, das auf der Schwelle zur jungen Erwachsenen jede Party, jeden Joint und absolut jede dumme Idee mitmacht, rebelliert und hinterfragt, dann trotzdem mit dem Kopf gegen die Wand rennt und sich dem Kreislauf des jung-und-wütend-Seins anschließt. Mit einem chaotischen, sprunghaften Schreibstil folgen wir Timey durch L.A., wohin, das weiß sie selbst nicht so genau. An ihrer Seite wird diese vergangene, mittlerweile legendäre Zeit sehr lebendig; schrill und laut ist dieses Buch, mit Worten und Bildern. Ist es nun ein Jugendbuch? Wohl eher nicht, auch wenn Jugendliche dieses Buch bestimmt auch faszinierend finden würden. Die Geschichte hat keinen richtigen Handlungsbogen, sie ist viel eher eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, die ein vergangenes Lebensgefühl widerspiegeln und keine andere Botschaft vermitteln, als sich in eine andere Zeit zu versetzen. Dieses Buch kann anstrengen, tierisch nerven, zum Lachen bringen und Ohrwürmer verpassen, wer Coming-of-Age erwartet, wird es womöglich hassen, andere wird es vielleicht unterhalten, aber so richtig schlau draus werden wird man wohl nie. Auf jeden Fall ist es eine chaotisch-gelungene Anleitung: How to 80s, im Guten wie im Schlechten.

Timey ist vierzehn. Zahnspange, Gefühlschaos, Besties und alles. Mit ihrer Hippie-Künstler Mutter in L.A. Und ihrem Professor Vater in Berkley ist das Leben sowieso schon nicht leicht, und dann kommt die erste große Lüge. Die erste große Liebe. Der erste Weltschmerz. Auf der Suche danach, wo sie hingehört, wer aus ihr werden wird, probiert sie Outfits, Identitäten und Drogen und rast mit uns durch ein Teenagerleben im Kalifornien der 80er, in dem Freiheit und Rebellion alles sind. „Wir sind Lügnerinnen in einem Netz aus Lügen, und wenn ich erzählen soll, wie es war, muss ich auch lügen, sonst wäre es nicht wahr.“ (Seite 11) „California Girl“ ist wohl ein polarisierender Coming-of-Age Roman. Man liebt ihn, oder kann gar nicht damit warm werden. So jedenfalls sind die unterschiedlichen Stimmen zu dem Roman zu lesen. Ich gebe zu, anfangs wusste ich auch nicht, was ich davon halten sollte, denn der Schreibstil fühlte sich unnahbar an. Aber je weiter ich las, umso mehr hat mich die Geschichte gepackt und je spannender fand ich es. Ich wollte selbst wissen, wie es mit ihr weiter ging. Sie hatte einen schweren Stand, die Eltern getrennt, ständiger Wohnortwechsel, dann als Teenager zwischen L.A. Und Berkley pendeln. Überall andere Freundschaften und an alle wollte sie sich anpassen. Sie konsumiert jede Menge Drogen, das hat mich ein bisschen aus dem Konzept gebracht. War das so in den 80ern in den USA so? Ich hab keine Ahnung, aber die Autorin weiß schon, was sie schreibt. Und ja, Fakt ist, dass in den 80ern und 90ern der Drogenkonsum in den Staaten einen riesen Hype hatten. Eigentlich bleibt die Protagonistin einem als Lesenden ein wenig fremd und entfernt, und doch war sie mir manches mal sehr nah. Ich habe in den 80ern eine ganz andere Teenagerzeit erlebt, aber auf der Suche war man doch trotzdem und Rebellion kannte ich auch, in einer anderen Art und Weise, aber im Endeffekt war es auch irgendwie gleich. Das machte mir die Protagonistin schon wieder sympathisch und die Schreibart war genau die richtige dafür. Alles in allem hab ich das Buch wirklich geliebt und bekommt von mir eine klare Leseempfehlung. Ganz besonders gelungen fand ich auf den letzten Seiten die vielen Erklärungen zum Buch, ob es um die städtebauliche Architektur, um Kultur oder um Outfits geht, man erfuhr doch wieder was Neues. Auch um Politik der 80er, Sexualität und Scheidungsraten erfuhr man einiges, besonders interessant fand ich die Fußnote rund um Äther und die Verhütung durch den Vorgänger der Spirale, und dessen Auswirkungen – sehr interessant und wundervoll recherchiert. Rund herum ein sehr gelungener Roman!

Tamar Halperns Debütroman „California Girl" entführt uns ins Kalifornien der 1980er Jahre, wo wir die 14-jährige Timey auf ihrem oft turbulenten Weg des Erwachsenwerdens begleiten. Timey pendelt zwischen den gegensätzlichen Welten ihrer geschiedenen Eltern: Das vibrierende, künstlich-glamouröse Los Angeles bei ihrer Hippie-Künstlermutter und das liberal-intellektuelle Berkeley, wo ihr Vater, ein Physikprofessor, lebt. Diese geteilte Welt verstärkt Timeys ohnehin chaotische Teenagerjahre, in denen sie die erste Liebe, Schulprobleme und die Verlockungen von Freiheit und Rebellion erlebt – von Drogen über Partys bis hin zum Schulschwänzen. Halpern zeigt dabei ein feines Gespür für die kulturelle Landschaft und jugendliche Mentalität der 80er Jahre. Die bildreiche, direkte Sprache macht Timeys Leben fast schon greifbar, und man spürt die Intensität und die Unruhe dieser Zeit zwischen den Zeilen. Gleichzeitig gelingt es Halpern, die zentralen Themen des Erwachsenwerdens, wie Identitätssuche, Loslösung von den Eltern und das Herumtasten in einer komplexen Welt, authentisch und ohne Kitsch einzufangen. Der episodenhafte Aufbau verleiht dem Roman eine gewisse Leichtigkeit, die jedoch auch dazu führen kann, dass man sich mit der Protagonistin nur schwer verbunden fühlt. Die Szenen wirken oft wie lose Einblicke und Anekdoten, die zwar die Stimmung dieser Lebensphase einfangen, aber in ihrer Summe ein wenig strukturlos erscheinen. Timey selbst ist eine facettenreiche, aber widersprüchliche Figur. Ihre Unsicherheiten und ihre teils impulsiven Handlungen sind glaubwürdig dargestellt, doch gleichzeitig bleibt sie in ihrem rebellischen Auftreten und dem szenenhaften Erzählstil für manche Leser*innen möglicherweise schwer zugänglich. Die Emotionen und dramatischen Momente verlieren durch den episodenhaften Aufbau etwas an Intensität, und gelegentlich fragt man sich, wohin der Roman führen soll. Alles in allem ist „California Girl" ein einfühlsames Porträt einer Teenagerin der 80er Jahre, die sich in einer Welt des Umbruchs behaupten muss. Halperns Schreibstil überzeugt mit Authentizität und einer besonderen Sensibilität für jugendliche Perspektiven, auch wenn der Roman als Ganzes etwas lose strukturiert wirkt. Für Fans von Coming-of-Age-Erzählungen, die sich weniger um lineare Handlungen als um Momentaufnahmen einer Jugend kümmern, bietet dieses Buch eine spannende Reise in eine aufregende Zeit und eine widersprüchliche Gefühlswelt. Aus dem amerikanischen Englisch von Sophie Zeitz.

Krass, Fassungslosigkeit, irre. Die Jugendkuktur der 80er in Kalifornien, die hier widergespiegelt wird, ist einfach nur krass. Mit 14 sich Nachts rauszuschleichen und tagsüber die Schule zu schwänzen sind einigermaßen harmlos. Es geht aber weiter mit klauen, übermäßigem Drogenkonsum, teenagersex oder schlimmeren. Timey kommt mit echt vielem in Berührung und man fragt sich wie das gut enden kann?
**** Worum geht es? **** Die Protagonistin erlebt so einiges mit ihren 14 Jahren, zig mal umgezogen, zig mal neu angefangen. Durch die Scheidung ihrer Eltern durchreist sie das Land jedes zweite Wochenende, Freundschaften hier, Freundschaften dort, aber so richtig zur Ruhe scheint sie nicht zu kommen. Pott und Sex sind mit 15 total angesagt und so lebt sie von einer Party in die nächste und vergisst ganz nebenbei zur Schule zur gehen. Stress mit der Mutter ist also vorprogrammiert und so einiges anderes auch. Kann das gut gehen? **** Mein Eindruck **** Die Geschichte wird aus der Sicht der Protagonistin erzählt. Szenisch durchleben wir emotionale Hochs und Tiefs einer 14/15 Jährigen, die sich mitten ins Leben von Drogen und Sex ziehen lässt. Ich habe das Gefühl den Klischees der Zeit näher gekommen zu sein und gleichzeitig eben auch die Auswirkungen auf ein Teenager Leben in der Zeit mitbekommen zu haben. Das Ende hat mich mit dem Verlauf der Geschichte versöhnt. Die emotionalen Achterbahnfahrten der Protagonistin habe ich eher unterschwellig miterlebt. Die szenische Darstellung, die ich in der Regel sehr mag, hat hier die emotionale Ebene abgedämpft. Schock, Wut oder Entrüstung konnte ich trotz der drastischen Geschehen nicht durchleben, dennoch fand ich das Leben der Protagonistin interessant und konnte mich auf die Handlungen und Folgen einlassen. Ich bin ein Teenie der 2000er und auch wenn manche Themen damals anders waren, habe ich mich doch auch an einigen Stellen wieder erkannt. **** Empfehlung? **** Jeder macht in seiner Jugend eine eigene Rebellion durch und ich finde als dieses kann das Buch überzeugen, sehr gut unterhalten und eben auch eine Botschaft vermitteln. Eine Leseempfehlung für Fans von szenischen Coming of Age Erzählungen.
Bewegend! Rasant, rotzig und ehrlich (obwohl doch alle lügen) erleben wir hier das Leben als Teenager im Kalifornien der 80er Jahre. Das ist keinesfalls glitzernd und durchgängig cool, sondern mitunter schmerzhaft und ernüchternd. Den besonderen Twist erhält das Buch durch die sogenannten "Fußnoten" - ein Anhang bestehend aus lose aneinandergereihten Fakten zu Zeitgeschichte, Architektur, Mode und Gesellschaftsthemen, in denen ab und zu auch die persönliche Geschichte (und Witz!) der Autorin durchblitzt und wodurch ein Zeitgeistpanorama entsteht, vor dessen Hintergrund die Hauptgeschichte nochmal so stark wirkt.
SCHRILL UND TROTZDEM GEFÜHLVOLL
California Girl - Tamar Halpern - Deutsch: Sophie Zeitz - Diogenes Verlag - 2023 - 304 Seiten - Rezensionsexemplar „Mom beginnt die Lüge, indem sie von der Zeit erzählt, als meine Eltern verheiratet waren. Darüber redet sie fast nie, außer um zu erklären, dass sie mich bekamen, um ihre Ehe zu retten, und sich scheiden ließen, als ich drei war. Im Gegensatz zu meinem Vater (der mir alles erzählt –abwarten) ist sie eine sparsame Geschichtenerzählerin.“ Die vierzehnjährige Tamy erzählt ihre Geschichte, die in den 1980er Jahren spielt und voll ist, von den pubertären Gefühlen eines Teenagers - der in zwei Welten aufzuwachsen gezwungen ist, da Mutter und Vater geschieden sind. Mit ihrer Hippie-Künstler-Mutter lebt sie in L.A. - mit ihrem (Physik)-Professoren-Vater in Berkeley. Tamy muss sich also in zwei Welten aufhalten - zudem muss sie Freunde, Schule, die erste Liebe und den Freiheitsdrang ihrer Jugend unter einen Hut bringen - was ihr schließlich mehr schlecht als recht gelingt. Die ganze Story ist geprägt vom Gefühlschaos einer Heranwachsenden, die sich in (leichte) Drogen und Musik rettet. Was sie erzählt, ist eigentlich der normale Verlauf eines jungen Lebens. Sie lernt, sich abzukapseln und sich gleichzeitig mit verschiedenen Menschen und Situationen zu engagieren. Dabei passieren eigentlich keine großen Dinge, jedoch ist für einen Heranwachsenden letztlich alles groß und bedeutsam. Und dies wird hier in einer so erfrischenden und mitreißenden Sprache erzählt, dass man fast selbst mit heranwächst. Manchmal vielleicht etwas drüber und etwas zu schrill - letztlich aber extrem gefühlvoll, so dass man einfach weiterlesen und mitlesen möchte. Die „Fußnoten“ am Ende wären (meiner Meinung nach) nicht notwendig gewesen - aber das ist nur ein winziger Kritikpunkt. Meiner Meinung nach ein Coming of Age Roman, der durchaus von seiner Eindringlichkeit mithalten kann, mit „Der Fänger im Roggen“ - nur eben in einer anderen Zeit.
Auf den ersten Blick gibt sich California Girl als das, was der Titel verspricht: eine sommerlich-leichte Momentaufnahme eines kalifornischen Lebensgefühls, durchzogen von jugendlicher Rebellion, zarten Aufbrüchen und dem bittersüßen Glanz der Selbstfindung. Tatsächlich gelingt dem Roman streckenweise genau das – besonders in seinen Coming-of-Age-Passagen, die mal lakonisch, mal poetisch die kleinen Aufbrüche des Erwachsenwerdens schildern. Manchmal blitzt darin sogar eine zarte Melancholie auf, die an Joan Didion erinnert, nur mit weniger existenziellem Tiefgang. Doch dann, beinahe wie durch einen Schnitt, kippt der Ton: Der Roman wechselt in einen dunkleren Modus, hält den Leser:innen plötzlich die hässlicheren Seiten der westlichen Wohlstandsgesellschaft vor – Gewalt, soziale Kälte, moralische Orientierungslosigkeit. Diese Brüche sind gewollt, teils wirkungsvoll, aber nicht immer gut verankert im Erzählfluss. Die Kontraste wirken mitunter wie dramaturgische Fremdkörper, die mehr behaupten als ausloten. Was bleibt, ist ein Buch, das zu unterhalten weiß – phasenweise sogar mit echtem Charme –, aber insgesamt das Gefühl hinterlässt, dass es sich selbst nie ganz gefunden hat. Die Figuren taumeln zwischen klugem Zeitgeist und bloßer Typenzeichnung, der Plot hangelt sich entlang atmosphärischer Bilder, ohne wirklich haften zu bleiben. Man liest, man nickt, man blättert weiter – aber man wird selten wirklich getroffen. So bleibt California Girl ein angenehm zu lesendes, gelegentlich aufblitzendes, insgesamt aber etwas blasses Porträt einer Zeit und eines Gefühls, das vielleicht mehr Tiefe hätte haben können, hätte es sich stärker für seine eigenen Widersprüche interessiert.
3,5 ⭐️ Krasses Portrait der amerikanischen Jugend der 80er Jahre
Ich kaufte mir das Buch, weil die mood des Klappentextes ähnlich klang, wie die anderer Werke, die den Vibe des Sommers einfangen wollen: Der große Sommer, Hard Land,… Ich war dann etwas irritiert, als das Buch eine Leere und Einsamkeit in mir zum Vorschein brachte. Dieses Buch hat recht wenig mit dem Sommer meiner Jugend zu tun, dafür aber viel mit Rebellion, Trotz, Drogen und Rock‘n‘Roll. Die junge Frau, gerade mal 14, später dann 15, die man als Leserin begleitet, wächst in einem eher trostlosen Ort an der Westküste auf. Das Klientel ihrer Nachbarschaft: Arbeitslose, Drogenabhängige, Kriminelle, Familien in zerrütteten Verhältnissen. Durch ihre besten Freundinnen B und N gerät sie auf die schiefe Bahn und probiert sich an Gras und Alkohol. Im Verlauf des Buches kommt das in dem Alter vorgeschriebene Interesse an Männern dazu, welches von unserer weiblichen Hauptfigur nur aus dem Grund, „weil es alle tun“ verfolgt wird. Als Leserin muss man mit der Unstetigkeit ihres Lebens umgehen können. Man muss ertragen, dass es nicht in Ordnung ist, mit fremden Männer jenseits der 30 zu verkehren und das lähmende Nichtstun der Eltern ertragen. Das Buch hat mich wirklich aufgewühlt, weshalb ich es in kleinen Häppchen lesen musste.















