
Mit jedem Band dieser Reihe wird die Geschichte intensiver. Immer tiefer werden wir in Blakes Gedankenwelt gezogen – und es gibt irgendwann kein Entkommen mehr. Band 3 hat mich wirklich alles fühlen lassen. Wie gut muss man schreiben können, damit man für ein Monster wie Blake Empathie empfindet? Ja, sogar Mitleid? Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist. Ehrlich gesagt fürchte ich mich schon vor dem nächsten Teil. Denn obwohl ich die Grundgeschichte aus Stripped bereits kenne und weiß, was noch auf mich zukommt, zieht mich Blake mit jeder Seite nur noch weiter in seinen Abgrund. Und dieser Abgrund ist tief – sehr tief. Das Faszinierende ist, dass dieselben Ereignisse aus Blakes Perspektive plötzlich völlig anders wirken. Man beginnt zu verstehen, wie sein Verstand funktioniert, ohne sein Handeln zwangsläufig gutzuheißen. Dieses Buch zeigt eindrucksvoll, dass die Welt nicht nur schwarz oder weiß ist – sie ist vor allem morally grey. Blake beschreibt dieses Gefühl selbst perfekt: „… ihre Verzweiflung liegt nicht an mir. Zumindest nicht an dem, was ich getan habe. Es ist die simple Tatsache, dass sie allmählich gegen die Stimme ihrer Vernunft verliert und anfängt, mich in ihren Verstand zu lassen, wodurch mir auch ihr Körper nachgibt. Er hört immer mehr damit auf, mich zu bekriegen und sich gegen mich zu sträuben, und beginnt zu vergessen, wie grausam meine Hände sein können. Stattdessen lässt er sich von mir manipulieren, so wie ich ihren Verstand manipuliere, damit auch er mich nicht mehr bekriegt.“ Und genau das passiert auch beim Lesen: Man kämpft gegen jede Vernunft an und lässt Blake Stück für Stück in den eigenen Kopf. Das ist verstörend, faszinierend und schlicht grandios geschrieben.

