19. Jan.
Bewertung:1

Eine wirre Geschichte, deren roten Faden ich nicht finden konnte

Ich gehöre zu den Menschen, die Bücher eigentlich immer beenden, egal, wie sie mir gefallen. Ich möchte jedem Buch die Chance geben, doch noch das gewisse Etwas zu zeigen. Bisher ist es mir nur einmal passiert, dass ich diesen Vorsatz gebrochen habe und Tempted wäre beinahe das zweite Mal geworden. Ich habe selten solch unreife und naive Protagonisten kennengelernt. Allen voran Bailey. Sie ist suchtkrank und ihr droht der Rauswurf aus ihrer Wohnung, weshalb sie einen Job als Kellnerin in einem Nachtclub annimmt. Hier trifft sie auf den Besitzer Drew, der ihr von Anfang an gefällt. Da das auf ihn ebenfalls zutrifft, versucht Drew alles, um in Baileys Nähe zu sein. Zuerst wird sie nach zwei Tagen Arbeit befördert und darf die VIPs betreuen, zwei weitere Tage später entscheidet Drew, sie komplett aus dem Club rausholen zu wollen und engagiert sie für seine Buchhaltung, obwohl sie davon keine Ahnung hat. Aber eigentlich auch wieder nicht, denn ein paar Seiten weiter erklärt er ihr, dass sie eigentlich eher seine persönliche Assistentin sein soll. Und dann auch eigentlich weniger Assistentin als Projektmanagerin, denn Drew möchte mehrere Restaurants kaufen und Bailey soll den kompletten Prozess betreuen, ebenfalls ohne jegliche Vorerfahrungen. Das alles passiert innerhalb weniger Tage und ist so unfassbar unglaubwürdig, dass ich da das erste Mal in Versuchung geraten bin, das Buch abzubrechen. Als die erste Spicy-Szene kam, habe ich den Gedanken nochmal beiseite geschoben in der Hoffnung, dass jetzt ein wenig Schwung in die Kiste kommt. War auch der Fall, aber im negativen Sinne. Plötzlich wurde eine sexuelle Belästigung in ihrem vorherigen Job angeteasert, weshalb sie eine Beziehung mit ihrem Chef unter gar keinen Umständen eingehen könne. Diese Diskussion dauert ein paar Kapitel an, bis Bailey sich einen neuen Job suchen will, was Drew verhindert. Daraufhin sprechen beide sich aus und alles ist erst einmal toll. Jetzt gibt es aber noch weitere Handlungsstränge: Da wäre aus erstes Alexa zu nennen. Sie ist Drews verstorbene Ex, für deren Tod er sich verantwortlich fühlt. Sie ist am einer Überdosis gestorben oder an gepunschten Drogen, das wird nicht so ganz klar. Ihr Bruder Reese taucht immer wieder im Club auf und sorgt für Ärger, da er ebenfalls ein Drogenproblem hat. Dann gibt es Carter, Drews Teamleiter/ Barkeeper. Auch er hat ein Drogenproblem, bei dem Bailey ihm helfen will. Einen weiteren Handlungsstrang ergibt sich aus Monikas Verhalten als eifersüchtige Ex-ONS. Sie schmeißt sich immer wieder an Drew ran und will einen Keil zwischen ihn und Bailey treiben, was ihr zwischenzeitlich auch gelingt und Bailey so in einen Rückfall treibt, der sie beinahe umbringt. Harper, Baileys Schwester, erhält ebenfalls einen eigenen Strang mit ihrem Verlobten Cal, der ordentlich Scheisse gebaut hat in Drews Club. Und zum Schluss noch der große Knall, dass Bailey offenbar Alexa wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht. Geschockt davon flüchtet sie mit Reese, der Alexas Bruder ist, und geht erneut beinahe dabei drauf, da sie der Meinung war, es ist eine gute Idee, bei jemandem mitfahren zu wollen, der offensichtlich High ist. Ich habe sicher noch den ein oder anderen Punkt vergessen. Es waren einfach mega viele Ereignisse, die man hier erzählen wollte. Dazu kommt das oft nicht nachvollziehbare, sprunghafte Verhalten von Bailey. In der einen Szene ist sie überglücklich, zwei Sätze weiter erscheint es, als wäre das überhaupt nicht gewünscht gewesen. Ab der Hälfte des Buches habe ich begonnen, Szenen zu überfliegen, weil ich es nur noch hinter mich bringen wollte. Das in Kombination mit der über alles dominierende Suchtthematik ist einfach keine gute Mischung gewesen. Zumal ich das Gefühl hatte, dass man hier einfach Klischees abgearbeitet hat, statt sich wirklich mit der Materie auseinanderzusetzen. Eindeutig keine Empfehlung von meiner Seite aus.

Tempted (Temptation Serie 1)
Tempted (Temptation Serie 1)von Ava HarrisonMORE by Aufbau Digital