Ein sehr authentischer und lehrreicher Roman über Esstörungen.
Ich konnte Annabells Gedankenkarussell und ihren inneren Kampf hervorragend nachvollziehen. Ich konnte Annabells schrittweise Abwärtsspirale auf dem Internat tief nachempfinden, genauso wie die verletzenden Sprüche ihrer Mitschüler und die Ablehnung ihrer Eltern. Lotta und Annabell sind beide liebevoll gezeichnete Charaktere, in deren Entwicklung ich vollkommen abgetaucht bin. Allerdings zog sich der Roman stellenweise, weil der Fokus fast ausschließlich auf Annabells Gedanken lag und die Handlungspunkte spärlich gestreut wurden. Ich hätte es auch schöner gefunden, aktiv dabei sein zu können, mitzufühlen, was sie körperlich fühlt. Mir fehlte diesbezüglich das altbekannte Show don´t tell. Die eingebaute queere Liebesgeschichte zwischen Annabell und Lotta wirkte mir zu aufgesetzt. Ich hätte der engen Mädelsfreundschaft mehr Tiefe zugetraut, ohne dass daraus eine Romanze entstehen muss. Gerade diese intensiven Freundschafts-Momente hätte ich mir noch stärker gewünscht. Trotz dieser kleinen Kritikpunkte ist „Das Dunkle meiner Gedanken“ ein wichtiges Buch, das Essstörungen sensibel beleuchtet und Betroffenen wie Angehörigen Mut machen kann. Ich vergebe daher vier von fünf Sternen und freue mich schon sehr darauf, die restlichen Bände der Reihe zu entdecken.



