Romanze ala Bridgerton
DIE UNPASSENDE BRAUT DES HERZOGS war kaum auf meinen Reader geladen, da war ich auch schon in die Geschichte vertieft. Aus dem „nur kurz reinlesen“ wurden schnell mehrere Kapitel und das Buch ließ mich alles um mich herum vergessen. Ehe ich mich versah, war die erste Hälfte der Geschichte gelesen. Der Schreibstil ist wie für dieses Genre typisch, gehoben und altertümlich, was ich zu lesen liebe. Es wird in der dritten Person mit wechselnder Perspektive zwischen Emma und Vaughan erzählt, was den Roman kurzweilig zu lesen macht. Beide Hauptfiguren waren mir rasch sympathisch, wobei ich mit Emma aufgrund ihrer herrischen, egoistischen Familie mitfühlte und mich in den zurückhaltenden, die Ruhe liebenden Vaughan nur zu gut hineinversetzen konnte. Trotzdem überraschte es mich ein wenig, wie sehr mich das Buch tatsächlich unterhielt und fesselte, weil der Klappentext sehr viel von der Handlung vorwegnimmt und fast der halbe Verlauf der Geschichte daher bekannt ist. Bei mir war es jedoch tatsächlich so, dass dies meine Vorfreude darauf, was noch im Ungewissen lag, steigerte. Wie würde sich das Eheleben nach einer so rational beschlossenen, lieblosen Heirat gestalten? Wer würde wen verführen? Wann kommen wohl die Gefühle ins Spiel? Anscheinend habe ich mit diesen Erwartungen aber etwas zu hoch gepokert, denn die zweite Hälfte des Buches fühlte sich ernüchternd an nach der anfänglich großen Begeisterung. Zwar war auch die zweite Hälfte schön zu lesen, mit ein bisschen Drama und zunehmender Romantik, doch sie konnte mich nicht so mitreißen, wie ich es gehofft und erwartet hatte. Ich hatte mich darauf gefreut zu beobachten, wie die Gefühle ihren Weg bahnen und das Prickeln zwischen Vaughan und Emma immer stärker wird. Stattdessen verlor mich die Geschichte für eine Weile, da die Zeitsprünge und Zusammenfassungen die Emotionen unterdrückten. Außerdem tat ich mir zunehmend mit den Figuren schwer. Auf die Gefühle von Vaughan, der absolut keine Liebesheirat will, wurden mir zu wenig eingegangen um verstehen zu können, was in ihm vorgeht. Und Emmas Gedanken und Gefühle haben mich absolut: Je abweisender Vaughan zu ihr war, desto größer wurde ihre Hoffnung auf mehr mit ihm?! Irgendwie passt das nicht zusammen. Mein Fazit: Dafür, dass das Buch eigentlich die perfekte Lektüre für alle Romantiker:innen ist, kamen mir die Emotionen zwischendurch etwas zu kurz und wirkten nicht ganz durchdacht. Zu Beginn des Buches hatte ich das Gefühl, es würde sich zu einem kleinen 5-Sterne-Highlight entwickeln, doch weil mich die Figuren zwischendurch verloren, kam nicht die ganze Story bei mir an. So vergebe ich nun 3,5 Sterne und befinde das Buch für durchaus lesenswert für alle, die nach neuem Lesestoff á la Bridgerton suchen!

