Weit mehr als eine Liebesgeschichte
Ein wirklich schöner Roman, der zwar anders war als ich erwartet hatte, mich aber insgesamt sehr gut unterhalten hat. Das Buch ist in drei Teile gegliedert, und besonders der zweite und dritte Abschnitt bringen immer wieder spannende neue Wendungen in die Geschichte. Im Mittelpunkt stehen zwei spannende Frauenfiguren. Isabel ist dabei eher ein schwieriger Charakter: Ihr Blick auf die Welt ist ziemlich eng, sie wirkt oft griesgrämig und ist nicht gerade einfach zu mögen. Sie lebt ziemlich in ihrer eigenen Welt und zeigt kaum Empathie für ihr Umfeld. Ihr Leben dreht sich stark um das Haus, in dem sie alleine wohnt. Eva ist das komplette Gegenteil, bleibt aber am Anfang ebenfalls etwas schwer greifbar. Deshalb hat mich auch überrascht, wie schnell sich zwischen den beiden eine Anziehung entwickelt, die über Freundschaft hinausgeht. Das ging mir persönlich ein bisschen zu schnell. Da hätte ich mir gewünscht, dass sich diese Beziehung langsamer und nachvollziehbarer entwickelt. Im dritten Teil kippt die Geschichte dann nochmal: Es wird klar, dass auch Eva etwas verbirgt und dass das Ganze wohl mit dem Haus zusammenhängt. Dazu kommt noch eine fragmentarische Tagebuchperspektive, die Evas Beweggründe etwas besser verständlich macht. Insgesamt ist der Roman weit mehr als eine Liebesgeschichte. Er verbindet Themen wie historische Schuld, Emanzipation und Feminismus auf spannende Weise. Besonders gelungen ist, wie subtil das Thema der „Enteignung jüdischer Menschen“ in die Handlung eingearbeitet wurde. Jeder Teil für sich ist gut geschrieben, und insgesamt hätte ich mir nur gewünscht, dass die einzelnen Teile noch etwas stärker zu einem ganz runden Gesamtbild zusammenfinden. Trotzdem klare Leseempfehlung!



























































