Unterhaltsame Romance mit sympathischen Figuren
Einer der Hauptgründe, warum ich Ice Mechanic lesen wollte, war tatsächlich April. Nicht, weil sie die große Auserwählte ist oder irgendeine besondere Fähigkeit besitzt, sondern weil sie Mechanikerin ist. Ein Beruf, der nach wie vor überwiegend von Männern ausgeübt wird und den man in Romance-Büchern eher selten antrifft. Allein dadurch hebt sich die Geschichte schon ein wenig von der Masse ab. April versucht sich mit ihrer eigenen Werkstatt eine Zukunft aufzubauen. Reich wird sie damit nicht gerade, aber sie kämpft sich durch. Eines Tages steht Hockeyspieler Chance McLanely mit seinem Lamborghini vor ihrer Tür und hält sie zunächst für jemanden, der mit ihm flirtet, statt sein Auto zu reparieren. Nach der Reparatur gehen beide eigentlich davon aus, sich nie wiederzusehen. Doch als ein Foto von ihnen im Internet landet und plötzlich jeder glaubt, die beiden wären ein Paar, ergibt sich für beide eine einmalige Gelegenheit. Chance braucht dringend positive Schlagzeilen, nachdem seine Karriere einen ordentlichen Dämpfer erhalten hat. April wiederum könnte die zusätzliche Aufmerksamkeit gut gebrauchen, um ihrer Werkstatt mehr Kunden zu verschaffen. Also beschließen die beiden, eine Beziehung vorzutäuschen. Und wie das bei Fake Dating nun einmal so ist, ahnt man relativ früh, wohin die Reise führen wird. Was mir dabei besonders gefallen hat, war, dass Chance von Anfang an ehrliches Interesse an April zeigt. Das eigentliche Problem ist nicht, ob er sie mag, sondern dass April ihm nicht glauben kann. Nach der Beziehung mit ihrem Ex hat sie verinnerlicht, dass Männer angeblich lieber feminine Frauen wollen und sie als Mechanikerin deshalb automatisch durchs Raster fällt. Ihr Ex hat ganze Arbeit geleistet und ihr Selbstwertgefühl nachhaltig beschädigt. April war für mich eine sehr sympathische Protagonistin. Sie ist schlagfertig, stur und lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Gleichzeitig merkt man immer wieder, wie unsicher sie eigentlich ist. Hinter ihrer großen Klappe steckt eine Frau, die nicht verstehen kann, warum ausgerechnet jemand wie Chance ernsthaftes Interesse an ihr haben sollte. Diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit hat sie für mich sehr greifbar gemacht. Chance hat mich ebenfalls positiv überrascht. Statt eines überheblichen Sportstars bekommt man einen Mann, der erstaunlich bodenständig ist. Er verteidigt April gegen Hasskommentare, steht öffentlich zu ihr und macht immer wieder deutlich, dass er sie ernst nimmt. Selbst gegenüber seiner Mutter stellt er sich auf Aprils Seite, als diese ihr unterstellt, nur an seinem Geld interessiert zu sein. Besonders mochte ich, dass Chance nie versucht, April zu verändern. Für ihn ist sie genau richtig, so wie sie ist. Unterstützt werden die beiden von Aprils bester Freundin Rebel und ihrer kleinen Schwester May, die regelmäßig dafür sorgen, dass sich keiner der beiden in seinen eigenen Hirngespinsten verliert. Gerade diese Nebenfiguren haben der Geschichte zusätzliche Wärme verliehen. Besonders gut funktioniert die Romance zwischen April und Chance. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, telefonieren ständig, wenn sie getrennt sind, und entwickeln eine glaubwürdige emotionale Verbindung. Mein einziger größerer Kritikpunkt betrifft allerdings die Darstellung ihrer Beziehung. Obwohl man ihre Gefühle jederzeit nachvollziehen kann, fehlten mir stellenweise die kleinen Pärchen-Momente. Die großen Gesten und gemeinsamen Unternehmungen sind vorhanden, aber die alltägliche Nähe bleibt oft im Hintergrund. Dadurch wusste ich zwar, dass die beiden zusammengehören wollen, konnte aber nicht immer greifen, wie weit ihre Beziehung emotional und körperlich tatsächlich fortgeschritten war. Der Schreibstil war angenehm flüssig und die Seiten flogen nur so dahin. Die Geschichte liest sich leicht, ohne dabei oberflächlich zu wirken, und verbindet Romance mit einer guten Portion Herz. Wer auf Fake Dating, Eishockeyspieler und starke Frauen steht, dürfte hier definitiv auf seine Kosten kommen. Für mich war Ice Mechanic eine unterhaltsame Romance mit sympathischen Figuren, einer ungewöhnlichen Protagonistin und einem Love Interest, der deutlich mehr Green Flags besitzt, als man zunächst erwarten würde. Auch wenn mir an manchen Stellen etwas mehr greifbare Nähe zwischen den beiden gefehlt hat, habe ich mich durchweg gut unterhalten gefühlt.


