Zivilcourage: wichtiger denn je in der heutigen Zeit
Schon nach den ersten Seiten war ich mitten im Geschehen. Man wird sofort in die Geschichte hineingezogen, ohne lange Vorrede. Die Hauptfiguren werden gut eingeführt, man versteht schnell, wer sie sind und was sie antreibt. Auch die Orte sind lebendig beschrieben, sodass man das Geschehen richtig vor Augen hat. Von Anfang an gibt es mehrere Handlungsstränge, deren Zusammenhänge man zunächst nicht durchschaut. Genau das macht die Geschichte spannend, man will unbedingt wissen, wie sich alles entwickelt und ob sich am Ende alles zusammenfügt. Der Schreibstil ist flüssig, klar und angenehm zu lesen. Charlotte ist eine starke, mutige Frau, die einfach nicht aufgeben kann. Manchmal wünscht man sich, sie würde vorsichtiger sein und doch bewundert man ihren Mut, Dinge nicht einfach hinzunehmen. Das macht sie unglaublich sympathisch und authentisch. In gewissen Dingen kann sich jeder von Charlotte eine Scheibe abschneiden, vor allem in der heutigen Zeit, wo jeder lieber wegschaut. Besonders realistisch fand ich die Darstellung der Dorfgemeinschaft, dieses Schweigen, das Nicht-Einmischen, das man aus dem echten Leben nur zu gut kennt. Das Buch zeigt, wie schwierig es ist, Zivilcourage zu zeigen, wenn alle lieber wegsehen. Dadurch bekommt die Geschichte eine zusätzliche Tiefe und regt zum Nachdenken an. Allerdings muss ich auch sagen, dass es sich hier eher um eine Familientragödie als um einen Krimi handelt. Nichtsdestotrotz ist es nicht nur ein spannendes Buch, sondern auch eine bewegende Geschichte über menschliche Abgründe, Mut und das Schweigen der Gesellschaft. Er lässt einen auch nach dem Lesen nicht los.

