6. Dez.
Bewertung:3

Nele Bruun entführt in ihrem neuesten Krimi die Leser:innen in den hohen Norden, wo düstere Geheimnisse und alte Verbrechen aufgedeckt werden. Die Autorin, die ihre Liebe zur Küste schon früh entdeckte, lebt mittlerweile als echtes Nordlicht in einem kleinen Haus am Deich. Mit ihrer psychologischen Expertise und einem Faible für atmosphärische Dichte schafft sie es, spannende Geschichten in Küstenregionen zu verankern. Worum geht’s genau? Während der Renovierung des Flensburger Stadttheaters wird das Skelett einer seit fast vier Jahrzehnten vermissten Dänin entdeckt. Die Kommissare Anne Anders und Hendryk Larsson übernehmen den mysteriösen Fall, der immer weitere Kreise zieht. Als zwei wichtige Zeugen kurz darauf ermordet werden, wird klar: Der Täter ist noch aktiv und bereit, alles zu tun, um die Wahrheit zu verbergen. Die Ermittlungen führen das Duo durch Flensburg und Kopenhagen, wo sie einer grausamen Wahrheit immer näher kommen. Meine Meinung "NordOstAngst" punktet mit einem leicht zugänglichen Schreibstil, der einen schnellen Einstieg in die Handlung ermöglicht. Besonders positiv fiel auf, dass zu Beginn nicht zu viele Charaktere eingeführt wurden, wodurch der Überblick gewahrt blieb. Gleichzeitig fehlte es an Beschreibungen der Hauptcharaktere – weder Anne noch Hendryk (die Hauptcharaktere) werden äußerlich beschrieben, was es schwer macht, ein klares Bild von ihnen zu entwickeln. Sollte ich das überlesen haben - bitte melden! Die Nebenfiguren wie Opa Nissen oder Herma hingegen wurden sehr liebevoll gestaltet. Ihr nordischer Charme und Eigenheiten wie Dialekte oder Eigenarten ließen sie lebendig wirken, auch wenn der Dialekt von Opa Nissen gelegentlich schwer verständlich war. Im Verlauf der Handlung greift der Krimi interessante Themen wie "dentaler Fingerabdruck" und "Arsen als Erbschaftspulver" auf, was den Lesenden spannende Einblicke in forensische Methoden bietet. Auch kulturelle Einblicke, etwa über Dänemark oder alte gesellschaftliche Strukturen, bereicherten die Geschichte. Kritisch sehe ich jedoch die stereotype Liebesgeschichte zwischen den beiden Ermittler:innen, die sehr klischeehaft und vorhersehbar wirkte. Zwar hielt sie sich im Hintergrund, doch gerade in einem Krimi hätte ich darauf verzichten können, weil schon 100x gelesen. Auch einige Szenen – etwa die dramatische Konfrontation am Ende – wirkten überzogen und wenig realistisch. Ein weiterer Punkt, der mir negativ auffiel, ist die fehlende gendersensible Sprache - mir persönlich ganz wichtig. In der heutigen Zeit erwarte ich von Büchern (vor allem wenn sie in der heutigen Zeit spielen), dass sie auch sprachlich möglichst inklusiv sind, da es grad auch in dem Bereich schon viele Forschungen gibt die belegen, dass mit gemeint nicht mitgedacht bedeutet. Positiv hervorzuheben sind hingegen die emotionalen Momente, wie Hendryks sensible Reaktion auf den Umgang mit den trauernden Eltern oder seine Reflektion über eigene Unsicherheiten. Diese menschlichen Facetten verliehen dem Buch Tiefe. Fazit "NordOstAngst" ist ein unterhaltsamer Krimi mit einer soliden Handlung, der jedoch in einigen Aspekten hinter meinen Erwartungen zurückblieb. Die Mischung aus spannendem Setting, authentischen Nebenfiguren und lehrreichen Momenten macht ihn lesenswert, während klischeehafte Elemente und einige Unstimmigkeiten das Gesamtbild trüben. Ein netter Krimi für zwischendurch, der jedoch für mich im Vergleich zu anderen gelesenen Krimis kein Highlight des Genres darstellt. 3 von 5 Sternen.

NordOstAngst (Flensburg-Krimi) (Küstenkrimi)
NordOstAngst (Flensburg-Krimi) (Küstenkrimi)von Nele BruunFeuerWerke Verlag